Im Wintersemester 2006/2007 wurde am Historischen Institut der E.-M.-Arndt Universität Greifswald das Seminar „Hansegeschichtsschreibung im 19. und 20. Jahrhundert“ angeboten, in dem neben Institutionen wie dem Hansischen Geschichtsverein, Publikationsreihen und Quelleneditionen zur Hansegeschichte auch zahlreiche bedeutende Hansehistoriker des 19. und 20. Jahrhunderts vorgestellt wurden.
Im Rahmen dieses Seminars wurde in einer Sitzung ebenfalls der Rostocker Hansehistoriker Karl-Friedrich Olechnowitz und seine Arbeit zur Hansegeschichte näher vorgestellt.
In dieser Arbeit sollen die im Seminar gewonnenen Erkenntnisse nochmals in schriftlicher Form fixiert werden, wobei die Ergebnisse natürlich genauer betrachtet werden können.
Ziel dieser Arbeit soll es daher sein, nach einer kurzen Vorstellung des Hansehistorikers Karl-Friedrich Olechnowitz, dessen beide hansegeschichtliche Werke – das 1960 veröffentlichte Buch „Der Schiffbau der hansischen Spätzeit“ und das 1965 erschienene zweite Werk zur Hansegeschichte, „Handel und Seeschiffahrt der späten Hanse“ – genauer zu beleuchten. Dabei soll sowohl herausgearbeitet werden, wie sich Olechnowitz seinen beiden Themen wissenschaftlich nährt, als auch welche Ergebnisse die Hansegeschichtsschreibung bei beiden Themen des Rostocker Historikers erbrachte.
Fragen nach den Quellen, die Olechnowitz nutzte, seiner in beiden Büchern ersichtlichen Arbeitsweise als Hansehistoriker und die Frage nach dem Beitrag Olechnowitz’ zur Hansegeschichtsforschung sollen hierbei natürlich ebenfalls Betrachtung finden. Außerdem sollen durch den genauen Fokus auf die beiden Hansegeschichtswerke auch formelle Fragen zu den Büchern beantwortet werden, um unter anderem zu prüfen, für welches Publikum Olechnowitz diese Bücher in erster Linie schrieb und ob sie dem vorauszusetzenden Ansprüchen dieses Publikums gerecht werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zur Biographie des Hansehistorikers Karl Friedrich Olechnowitz
3. „Der Schiffbau der hansischen Spätzeit“ (1960)
3.1. Formelle Aspekte des Buches
3.2. Inhaltliche Aspekte des Buches
4. „Handel und Seeschiffahrt der späten Hanse“ (1965)
4.1. Formale Aspekte
4.2. Inhaltliche Aspekte
5. Zusammenfassung und Schlussbemerkung
6. Bibliographie
Zielsetzung & Themen
Diese Hausarbeit analysiert die wissenschaftlichen Werke des Hansehistorikers Karl-Friedrich Olechnowitz, insbesondere seine Publikationen zum Schiffbau und zum Handel der späten Hanse, um dessen Arbeitsweise, Quellenbasis und Beitrag zur Hansegeschichtsforschung kritisch zu bewerten.
- Biographische Einordnung von Karl-Friedrich Olechnowitz
- Analyse der formellen und inhaltlichen Aspekte des Werkes „Der Schiffbau der hansischen Spätzeit“
- Untersuchung des Werkes „Handel und Seeschiffahrt der späten Hanse“ im Kontext der Hanseforschung
- Bewertung des Einflusses ökonomischer und sozialer Faktoren auf den hanseatischen Schiffbau und Handel
- Kritische Reflexion der Forschungslücken und des Niedergangsmythos der späten Hanse
Auszug aus dem Buch
3.2. Inhaltliche Aspekte des Buches
Die Einleitung des Buches beginnt Olechnowitz mit einer Quelle aus dem Hansearchiv in Lübeck, die allerdings nicht mehr aus späthansischer Zeit, sondern, noch jüngerem Datums, 1802 die Bitte der bürgerlichen Kollegien gegenüber dem Rat ausdrückt, den Zunftzwang im Schiffbau abzustellen, damit alle Gewerbe der Stadt wie in früheren Zeiten florieren mögen. Diese Quelle, die die große Bedeutung des Schiffbaus für eine wirtschaftlich blühende Hansestadt auch noch nach dem Untergang der Hanse deutlich macht, passt sehr gut an den Anfang eines Buches, das sich zum Ziel gesetzt hat, weniger den hansischen Kaufmann als den beherrschen Typ des hansischen Menschen darzustellen, wie etwa Rörig dies tat, sondern den Fokus der Betrachtung auf die Menschen zu lenken, „die durch ihrer Hände Arbeit dazu beitrugen, daß sich die Hansen zu Herren der Meere zwischen Nowgorod und Brügge machen konnten“, nämlich die Schiffbauer. So sollen diese und ihr Handwerk vor allen in der Spätzeit betrachtet werden, da in der hansischen Geschichtsforschung diese Felder zuvor vernachlässigt sein worden.
Das erste Kapitel, „Schiffahrt und Schiffbau in ihren wechselseitigen Beziehungen“, liefert einen guten thematischen Einstieg für den Leser, indem es auf 18 Seiten u. a. einen kurzen und hilfreichen Überblick über die Entwicklung des Schiffbaus – mit der Erfindung neuer Schiffstypen – in Europa gibt. Dabei arbeitet Olechnowitz heraus, dass „Schiffbau und Seehandel untrennbar miteinander verbunden sind und sich wechselseitig bedingen“ und nicht nur geographische Gegebenheiten, sondern auch die Art der zu transportierenden Waren einen Einfluss auf den Schiffbau und die Verbreitung neuer Schiffstypen nach dem oft mit der Hanse verbundenen Koggen hatten, der um 1400 vom Holktypen und ab der Mitte des 15. Jahrhunderts von Schiffen der Kraweel-Bauweise verdrängt wurde.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema ein, skizziert den Rahmen des Seminars und legt das Ziel fest, die hansegeschichtlichen Werke von Olechnowitz kritisch zu analysieren.
2. Zur Biographie des Hansehistorikers Karl Friedrich Olechnowitz: Der Abschnitt behandelt das Leben und den akademischen Werdegang Olechnowitz’ sowie seine Anbindung an das Historische Institut der Universität Rostock.
3. „Der Schiffbau der hansischen Spätzeit“ (1960): Dieses Kapitel analysiert sowohl die formelle Struktur als auch die inhaltlichen Schwerpunkte, insbesondere die Bedingungen und sozialen Aspekte des Schiffbaus der Spätzeit.
4. „Handel und Seeschiffahrt der späten Hanse“ (1965): Der Fokus liegt hier auf dem Handel der Hansestädte, insbesondere Wismar, Rostock und Stralsund, sowie dem Russlandhandel und den Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges.
5. Zusammenfassung und Schlussbemerkung: Hier werden die Ergebnisse der Analyse zusammengeführt und die Bedeutung von Olechnowitz’ Arbeit für die Hansegeschichtsschreibung gewürdigt.
6. Bibliographie: Dieses Verzeichnis listet sämtliche für die Hausarbeit herangezogenen Quellen und Literatur auf.
Schlüsselwörter
Hanse, Karl-Friedrich Olechnowitz, Hansegeschichte, Schiffbau, Späthanse, Wirtschaftsgeschichte, Seehandel, Sozialgeschichte, Rostocker Historiker, Wismar, Stralsund, Russlandhandel, Quellenkritik, Hafenwirtschaft, Schiffsneubauten.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der wissenschaftlichen Analyse der beiden Hauptwerke des Historikers Karl-Friedrich Olechnowitz zur Hansegeschichte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der hanseatische Schiffbau der Spätzeit sowie der Seehandel der Hansestädte, insbesondere vor dem Hintergrund ökonomischer und sozialer Bedingungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Arbeitsweise, den Quellenumgang und den Beitrag von Olechnowitz zur Erforschung der späthansischen Epoche detailliert herauszuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine kritische Textanalyse der Primär- und Sekundärliteratur unter Berücksichtigung der biographischen Kontexte des Historikers.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Olechnowitz' Werken zum Schiffbau sowie zum Handel und zur Seeschifffahrt, unterteilt in formelle und inhaltliche Aspekte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen Hansegeschichte, Späthanse, Schiffbaupolitik, Handel, Wirtschaftsgeschichte und Quellenanalyse.
Wie bewertet der Autor den Beitrag von Olechnowitz zum Russlandhandel?
Olechnowitz wird gelobt für seine detaillierte Auswertung der Kaufmannsbücher der Familie Rodde, wodurch er ein lebendiges Bild einer „Hanse im Kleinen“ zeichnen konnte.
Welches Fazit zieht die Arbeit bezüglich des Niedergangs der Hanse?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass Olechnowitz erfolgreich belegt hat, dass wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und soziale Dynamik in der Spätzeit der Hanse oft unterschätzt wurden und nicht mit politischem Niedergang gleichzusetzen sind.
- Quote paper
- Stefan Ruhnke (Author), 2007, Die Hansegeschichtsschreibung von Karl-Friedrich Olechnowitz am Beispiel der Bücher "Der Schiffbau der hansischen Spätzeit" und "Handel und Seeschiffahrt der späten Hanse", Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/83554