In der Ehedebatte in Wittenwilers Ring wird ein recht differenziertes Bild der Ehe entworfen, indem zahlreiche Vor- und Nachteile gegenübergestellt werden. Im Ganzen wird die Frau respektive die Ehe recht negativ beurteilt, vornehmlich von den Männern: „Ofenstek da wider sprach:/ `Jamer, not und ungemach / Ist noch an den weiben vil, / Sam ich euchs beschaiden wil.`“
Dennoch wird die Ehe zwischen Mätzli und Bertschi geschlossen – allerdings beinhalten bereits die Voraussetzungen und vollzogenen Rituale den Ansatz des „Falschen“ und des Scheiterns: Die Ehe beginnt mit einem „doppelten“ Betrug (Mätzli ist bereits schwanger von einem anderen Mann, Bertschi liebt Mätzli nur um ihres "Schoßes“ willen: „Triefnass andacht die was gross / Gen seines lieben Mätzleins schoss.“ ) und endet mit Tod und Krieg.
Inhaltsverzeichnis
1) Einleitung
2) Über die gesellschaftliche, soziale und religiöse Bedeutung der Ehe im Mittelalter und im Spätmittelalter
2.1) Kirchliche Aspekte
2.2) Weltliche Aspekte
3) Ehediskurse in der (spät)mittelalterlichen Literatur
4) Die Darstellung der Ehe, der Partner und der Verhaltensweisen in der Ehedebatte
4.1) Die Ehe im Kontext: „Apokalypse“
4.2) Figurenkonstellation in der Ehedebatte. Grundsatzdiskussion Pro und Contra Ehe im Fokus von Bärtschis Verwandtschaft
4.2.1) Genderaspekte
4.2.2) Jugend und Alter
4.3) Figurenkonstellation in der Ehedebatte. Grundsatzdiskussion Pro und Contra Ehe im Fokus von Mätzlis Verwandtschaft
5) Parodistische Elemente bei der Eheschließung
5.1) Mittel der Parodie: Übertreibung, Klischees, Verfremdung / Groteske
5.2) Die Paradoxie von Name und Rat
5.3) Die Umstände und Gründe für die Ehe zwischen Mätzli und Bertschi
6) Wittenwilers Intention in der Beschreibung der Ehe
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Ehediskurs in Wittenwilers „Ring“. Ziel ist es, die Bedeutung der verschiedenen Ehekonzepte im Spätmittelalter zu analysieren und kritisch zu hinterfragen, ob Wittenwiler mit seinem Werk eine explizite didaktische Absicht verfolgt oder ob die parodistische Dekonstruktion der behandelten Ehelehren eine solche Intention in Frage stellt.
- Gesellschaftliche, soziale und religiöse Bedeutung der Ehe
- Darstellung von Geschlechterrollen und Figurenkonstellationen
- Die Rolle der Parodie und Komik im Ehediskurs
- Das Spannungsfeld zwischen traditionellen Ehelehren und individueller Realität
- Die Frage nach der didaktischen Intention des Autors
Auszug aus dem Buch
4.2) Figurenkonstellation in der Ehedebatte. Grundsatzdiskussion Pro und Contra Ehe im Fokus von Bärtschis Verwandtschaft
Vorauszuschicken ist, dass die gesamte Diskussion im eigentlichen Sinne überflüssig ist, da Bertschi sich vorher bereits entschieden hat, Mätzli zu ehelichen. Die Figuren aus Bertschis Umfeld, die das Für und Wider diskutieren, sind dennoch sowohl in quantitativer wie qualitativer Hinsicht näher zu betrachten. So lässt der Autor zehn Männer und sieben Frauen zu Wort kommen. Von vornherein relativiert Wittenwiler die Figuren und ihre Aussagen, indem er sie einerseits „erbrer leuten“ nennt, diesen Umstand und ihre Ratschläge jedoch durch ihre wenig ehrbaren - vor allem Körperfunktionen betreffende Namen - sogleich ironisiert.
Zusammenfassung der Kapitel
1) Einleitung: Einführung in die Thematik der Ehedebatte in Wittenwilers „Ring“ und Aufzeigen des Scheiterns der Protagonisten.
2) Über die gesellschaftliche, soziale und religiöse Bedeutung der Ehe im Mittelalter und im Spätmittelalter: Analyse der kirchlichen und weltlichen Rahmenbedingungen der Eheschließung im Mittelalter.
3) Ehediskurse in der (spät)mittelalterlichen Literatur: Untersuchung literarischer Eheratgeber und des Einflusses zeitgenössischer gesellschaftlicher Umbrüche auf die Literatur.
4) Die Darstellung der Ehe, der Partner und der Verhaltensweisen in der Ehedebatte: Detaillierte Betrachtung der Figurenkonstellationen, Genderaspekte und der apokalyptischen Kontexte im „Ring“.
5) Parodistische Elemente bei der Eheschließung: Analyse der parodistischen Mittel und der bewussten Dekonstruktion ernster Lehren durch den Autor.
6) Wittenwilers Intention in der Beschreibung der Ehe: Kritische Reflexion, ob Wittenwiler eine belehrende Absicht verfolgt oder die didaktischen Inhalte durch den Text selbst entwertet.
Schlüsselwörter
Wittenwiler, Der Ring, Ehediskurs, Mittelalter, Ehekonzepte, Didaxe, Parodie, Misogynie, Gesellschaftskritik, Bertschi, Mätzli, Geschlechterrollen, Eheschließung, Literarische Analyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Darstellung und Diskussion der Ehe im spätmittelalterlichen Werk „Der Ring“ von Heinrich Wittenwiler.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf den Ehekonzepten des Mittelalters, den geschlechtsspezifischen Rollenbildern, der Rolle der Literatur als Spiegel gesellschaftlicher Umbrüche sowie der parodistischen Verarbeitung didaktischer Inhalte.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, den Ehediskurs im „Ring“ zu untersuchen und zu erörtern, ob das Werk eine ernsthafte didaktische Intention verfolgt oder diese durch parodistische Dekonstruktion und das Scheitern der Figuren wieder aufhebt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Primärtext in den Kontext zeitgenössischer spätmittelalterlicher Literatur, historischer Eherechts-Diskurse und theologischer sowie philosophischer Texte setzt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Ehe im „Ring“, die Analyse von Figurenkonstellationen (Bärtschis und Mätzlis Verwandtschaft), parodistische Elemente bei der Eheschließung und eine abschließende Reflexion zur Autorenintention.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Wittenwiler, Ring, Ehediskurs, Ehekonzepte, Parodie, Didaxe, Misogynie und spätmittelalterliche Gesellschaft.
Wie bewertet der Autor die Rolle der Frau im untersuchten Text?
Die Autorin stellt fest, dass in den Ehedebatten häufig ein misogynes Frauenbild dominiert, wobei die Frauen einerseits als Objekt dargestellt werden, andererseits aber auch aktiv an der Debatte teilnehmen und argumentieren.
Warum endet die Ehe von Mätzli und Bertschi so tragisch?
Die Tragik ergibt sich laut Arbeit daraus, dass die Voraussetzungen der Ehe bereits auf Betrug fußen und das Werk als Ganzes die Deformation von Schönheit, Ordnung und Sinn durch das Handeln der Protagonisten aufzeigt, was in eine Katastrophe mündet.
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- Barbara Schilling (Autor:in), 2006, Der Ehediskurs in Wittenwilers "Ring", München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/82235