Wie zu keiner anderen Zeit findet das heutige Heranwachsen Jugendlicher in der Begleitung von Massenmedien statt und so wird die Jugend- zur Medienzeit. Im Gegensatz zu der weit verbreiteten Nivellierungs- und Passivitätsthese (Vogelsang 1994: S.464) zeigt die vorliegende Arbeit, dass Massenmedien keinesfalls auf Gleichmacher-Prozesse und inaktiven Konsum reduziert werden dürfen. Es handelt sich vielmehr um einen Produktivitäts- und Kreativitätsprozess: Medien ermöglichen die freie Wahl von Peer-Groups und damit einen ersten Schritt zum selbst gewählten Leben. Ihre Vielfalt hilft sowohl bei der Selbstinszenierung, als auch bei der Stilbildung. Ihre weltumspannenden Informationen und Angebote erweitern den geistigen Horizont, fördern Bildung und Wissen.
Zur näheren Erläuterung dieser Zusammenhänge werden die Facetten des Begriffes „Jugend“ in den ersten Kapiteln detailliert erklärt. Zunächst werden signifikante Merkmale des “Erwachsenwerdens“ aufgeführt. Die Phase der Adoleszenz verläuft parallel zu der Entwicklung persönlicher Rezeptionsweisen und -stilen. Die Einwirkung der Medien auf den persönlichen, familiären und allgemein/sozialen Bereich erfordert eine nähere Betrachtung. Darauf aufbauend befassen sich die anschließenden Abschnitte mit dem Ausdruck „Massenmedien“. Was genau bedeutet dieser Begriff in den Bereichen Audio, Video, Print und Internet? Wo werden besonders junge Menschen angesprochen und beeinflusst? Nutzen die sich Ihnen bietenden Möglichkeiten aktiv, werden sie manipuliert oder werden sie durch ein Überangebot zu passiven Konsumenten? Zur Beantwortung dieser Fragen soll Abschnitt 4 Aufschluss geben. Hier werden auch die speziellen Jugend-Medien-Gruppen vorgestellt. „Videofans“(4.1), „Computerfreaks“(4.2), „Grufties“(4.3). Sie stehen für eine charakteristischen, wenn auch extravaganten Umgang mit Medien.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Signifikatoren der Adoleszenz
3. Massenmedien
3.1 Medienbeispiel Internet
3.2 Medienbeispiel Print
3.3 Medienkultur
3.4 Aktiver und passiver Medienkonsum
4 Jugend hat viele Gesichter
4.1 „Videofans“
4.2 „Computerfreaks“
4.3 „Grufties“
4.4 Fazit
5. Ausblick
6 Literatur
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Einfluss von Massenmedien auf die Adoleszenz und widerlegt die These, dass Medienkonsum bei Jugendlichen ausschließlich zu Passivität und Nivellierung führt. Stattdessen wird aufgezeigt, wie Medien aktiv für Identitätsbildung, soziale Abgrenzung und kreative Selbstinszenierung genutzt werden.
- Die Rolle der Medien als Sozialinstanz in der Adoleszenz
- Aktive vs. passive Mediennutzung im Alltag
- Differenzierung und Individualisierung durch spezifische Jugend-Medien-Gruppen
- Medien als Plattformen für Identitätskonstruktion und Lebensentwürfe
- Die Bedeutung von Szenekulturen (Videofans, Computerfreaks, Grufties)
Auszug aus dem Buch
4.1 „Videofans“
„Videofans“, sind jugendliche „Videocliquen“ die eine Art Verlängerung des Kinosettings im häuslichen, privaten Bereich betreiben. Dabei wird die übliche Kinostimmung in eine Alltagssituation übertragen und diese somit modifiziert und aufgewertet. Ein gemütliches geselliges Treffen unter Freunden mit dem gemeinsamen Interesse einen Videofilm anzusehen. Dabei stehen die Aspekte: Geselligkeit, das Gruppenerlebnis, sowie die Ausgelassenheit und Ungezwungenheit im Vordergrund. Der Videofilm wird zur Konstitution privater Außeralltäglichkeit verwandt (Vogelsang.1994: S.473) Ein Treffen unter Freunden entspricht einer außeralltäglichen Situation und dient dem gemeinsamen Teilen der Vorliebe, des Hobbys des Filmguckens.
Dieser Zustand ermöglicht eine sozial verträgliche Flucht aus der Monotonie des Alltags. Sozialverträglich, da es zu keiner extremen Reaktionsweise nach Beendigung des Filmangebotes kommt, sondern die Emotionen nur für die Zeit des Konsums andauern. Es kommt zu einer Bewältigung von Frust und Aggression beim Betrachten. Mögliche erlebte Aggressionen werden dabei sprichwörtlich „ausgetrocknet“, in dem sie während des Konsums andauern, innerlich nachgelebt werden und dann versiegen. Diese Form medialer Sublimierung kann demnach auch als eine Form postmoderner Ventilsitten interpretiert werden (Vogelsang 1994: S.474).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der jugendlichen Mediennutzung und Darlegung des Forschungsansatzes, der Medien als produktiven und kreativen Prozess begreift.
2. Signifikatoren der Adoleszenz: Beschreibung der Adoleszenz als Phase physischer und psychischer Umbrüche, inklusive Identitätsfindung und Ablösung vom Elternhaus.
3. Massenmedien: Theoretische Auseinandersetzung mit der Bedeutung von Massenmedien und deren Einfluss auf junge Menschen in verschiedenen Medienbereichen.
3.1 Medienbeispiel Internet: Analyse der virtuellen Welt als Raum für Kommunikation, soziale Vernetzung und Identitätsexperimente.
3.2 Medienbeispiel Print: Untersuchung der Rolle von Jugendzeitschriften am Beispiel der „BRAVO“ als Vorbereitung auf das Erwachsenenleben.
3.3 Medienkultur: Erörterung der Enkulturation und der Entwicklung eines individuellen Rezipientenverhaltens innerhalb der Jugendphase.
3.4 Aktiver und passiver Medienkonsum: Kritische Betrachtung der Nutzungsmuster, die Medienkonsum als bewusste Einstellungs- und Charaktersache definieren.
4 Jugend hat viele Gesichter: Einführung in die Vielfalt jugendlicher Subkulturen und deren Abgrenzungsbedürfnisse.
4.1 „Videofans“: Analyse der Videocliquen als Form der medialen Sublimierung und gemeinsamen Identitätsstiftung.
4.2 „Computerfreaks“: Untersuchung der aktiven, kreativen Nutzung des Computers als Werkzeug zur Welterkundung und Machtausübung.
4.3 „Grufties“: Betrachtung der Faszination für das Morbide und die Nutzung von Symbolen zur Distinktion innerhalb einer Subkultur.
4.4 Fazit: Zusammenfassende Analyse der Dialektik von Zuordnung und Abgrenzung sowie der Gefahr der Kommerzialisierung von Jugendstilen.
5. Ausblick: Zusammenfassendes Plädoyer gegen die Passivitätsthese und Betonung der förderlichen Rolle von Medien für personale Identitäten.
6 Literatur: Auflistung der für die Arbeit verwendeten Fachquellen und Referenzen.
Schlüsselwörter
Adoleszenz, Massenmedien, Sozialisation, Identitätsbildung, Jugendkultur, Medienkonsum, Peergroups, Enkulturation, Internet, Videofans, Computerfreaks, Grufties, Medienkompetenz, Individualisierung, Subkultur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Jugendliche Massenmedien in der Phase der Adoleszenz nutzen und widerspricht der Annahme, dass diese Nutzung primär zu Passivität führt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Adoleszenz, Medienrezeption, Identitätsbildung durch Subkulturen und der Wandel sozialer Netzwerke im digitalen Zeitalter.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass Medien kreative und produktive Prozesse anstoßen, die zur Bildung spezialisierter Identitäten beitragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf soziologischen Theorien (u.a. Ferchhoff, Neubauer, Vogelsang) basiert und diese auf die Mediennutzung Jugendlicher anwendet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Adoleszenz, eine Analyse verschiedener Medientypen und die Untersuchung spezifischer Jugend-Medien-Gruppen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Adoleszenz, Medienkompetenz, Identitätskonstruktion, Subkulturen und Individualisierung.
Welche Bedeutung haben "Peergroups" in diesem Kontext?
Peergroups fungieren als wichtigste Sozialinstanz, die die Sozialisation in eigener Regie übernimmt und altershomogene Erlebnisräume für Jugendliche schafft.
Wie unterscheidet die Autorin zwischen "Videofans", "Computerfreaks" und "Grufties"?
Die Autorin differenziert nach dem primären Medium (Film, Computer, Musik) und der jeweils damit verbundenen spezifischen Form der Abgrenzung und Identitätsinszenierung.
- Arbeit zitieren
- Svenja Schäfer (Autor:in), 2005, Jugend und Massenmedien, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/80418