Die Historia von D. Johnann Fausten zeigt entscheidende Stationen im Leben dieser Figur, zusammengestellt von einem anonymen Autor. Faust wird innerhalb der Forschung immer wieder verschiedenartig gewertet und charakterisiert.
Ziel dieser Hausarbeit ist es zu untersuchen, wie der Protagonist konkret an verschiedenen Stellen der Historia dargestellt wird. Sie ist somit sicherlich als Versuch einer Annäherung an Widersprüche und Ambivalenzen, wie sie diese erste Ausformung der Faustgestalt in ihrem Leben, Wesen und Handeln bestimmen, zu verstehen. Dazu wird es erforderlich sein recht textnah zu argumentieren, da so erst ein möglichst vielschichtiges Bild dieser Figur entstehen kann, das sich dem Anspruch dieser Hausarbeit, Faust in verschiedenen, auch widersprüchlichen Facetten und Kontexten zu zeigen, annähert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Vorrede der Historia
3. Der Teufelspakt - Motivationen und unmittelbarer Nutzen
4. Faust und Mephistopheles
5. Der Faust des Schwankteils
6. Fausts Tod
7. Schlussteil – Faust als ambivalente Figur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung der Faustfigur in der „Historia von D. Johann Fausten“ von 1587 unter besonderer Berücksichtigung ihrer innewohnenden Widersprüche und Ambivalenzen. Dabei wird analysiert, inwiefern die Figur einerseits als negatives, protestantisch geprägtes Exempel dient und andererseits als komplexes, psychologisch greifbares Individuum in einem Spannungsfeld zwischen Eigendynamik und göttlicher Prädestination erscheint.
- Protestantische Verstehens- und Bewertungskriterien der Historia
- Die Funktion und psychologische Taktik des Mephistopheles
- Faust als melancholische, in ihrer Handlungsfähigkeit gelähmte Persönlichkeit
- Die Ambivalenz zwischen Sündhaftigkeit und menschlicher Tragik
- Das Spannungsverhältnis zwischen Eigenverantwortung und Verdammnis
Auszug aus dem Buch
4. Faust und Mephistopheles
Generell ist der Teufel, wie er in der Historia dargestellt wird, bereits von Anfang an als reale Gefahr zu verstehen, als überaus einflussreiche Macht. Dies ist insbesondere verständlich auf dem denkerischen Hintergrund des Protestantismus, da es hier keine vermittelnde irdische Instanz zwischen Gott und dem sündigen Menschen geben kann. Der Mensch ist, wie vormals verdeutlicht, im Zusammenhang mit einer möglichen Erlösung nach protestantischer Lehre auf die Gnade Gottes angewiesen, sie ist sein einziger Rückhalt.
Laut Haug zeigt sich das Böse in der Historia, personifiziert durch die Gestalt des Mephistopheles, als Element mit großer „Verführungskraft“. Unter das Motto der Verführung lässt sich somit die Beziehung zwischen diesem und Faust stellen. Schließlich wird dieses Verhältnis durch einen Pakt, wie im letzten Abschnitt bereits verdeutlicht wurde, äußerlich recht formell, in der Form eines Handels geregelt.
So ist Mephistopheles innerhalb der Forschung beispielsweise als Taktiker verstanden worden, der Faust durchs Leben lenkt, ihm durch sein Handeln die einzig denkbare Möglichkeit zur Umkehr, das uneingeschränkte Vertrauen auf die Gnade Gottes, nimmt. Faust als Figur ist in seinem Wesen in fundamentaler Weise durch die Melancholie gekennzeichnet. Diese Dispositionen macht sich der geschickt taktierende Mephistopheles zu Eigen und nutzt sie für seine Vorhaben aus.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der Zielsetzung der Arbeit, Faust in verschiedenen Facetten und Kontexten der Historia zu untersuchen.
2. Die Vorrede der Historia: Analyse des Faustbildes als negatives Exempel im Sinne protestantischer Warnliteratur.
3. Der Teufelspakt - Motivationen und unmittelbarer Nutzen: Untersuchung der Motive für den Pakt sowie Fausts radikalen Bruchs mit christlichen Werten.
4. Faust und Mephistopheles: Beleuchtung der strategischen, psychologischen Beeinflussung Fausts durch den Teufel.
5. Der Faust des Schwankteils: Untersuchung der Schwankerzählungen im Hinblick auf ihre Bedeutung für Fausts Charakterisierung.
6. Fausts Tod: Analyse der Darstellung des Endes im Kontext der Leidensgeschichte und der didaktischen Intention.
7. Schlussteil – Faust als ambivalente Figur: Synthese der Ergebnisse zur Ambivalenz der Faustfigur zwischen moralischer Verurteilung und menschlicher Tragik.
Schlüsselwörter
Historia von 1587, Faust, Mephistopheles, Teufelspakt, Protestantismus, Melancholie, Verdammnis, Ambivalenz, Sündenverfallenheit, Prädestination, Schwankliteratur, Didaktik, Individuum, Gotteszweifel, Literaturgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Figur des Faust in der „Historia von D. Johann Fausten“ aus dem Jahr 1587 unter dem Aspekt der Ambivalenz zwischen Verurteilung als Sünder und psychologischer Einzeldarstellung.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zu den Schwerpunkten gehören das protestantische Faustbild, die Rolle des Teufels als Verführer und Taktiker sowie das Verhältnis zwischen individueller Eigenverantwortung und theologischer Prädestination.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Widersprüche in der Faustgestalt aufzuzeigen und zu verstehen, wie die Historia sowohl als moralische Warnliteratur als auch als komplexe Charakterstudie funktioniert.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär angewandt?
Die Arbeit nutzt eine textnahe Argumentation unter Einbeziehung relevanter Forschungsliteratur (z.B. von Roloff, Haug und Müller), um Fausts Lebensweg und sein Handeln zu interpretieren.
Was steht im Zentrum des Hauptteils?
Der Hauptteil behandelt die Vorrede, den Teufelspakt, die Dynamik zwischen Faust und Mephistopheles, die Bedeutung der Schwankepisoden sowie die detaillierte Analyse von Fausts Tod.
Welche Schlüsselbegriffe definieren die Arbeit?
Wichtige Schlagworte sind neben Faust und Mephistopheles besonders Melancholie, Verdammnis, Ambivalenz, protestantische Warnliteratur und der Teufelspakt.
Warum wird Faust als „Saturnkind“ oder Melancholiker bezeichnet?
Diese Begriffe beschreiben Fausts von Geburt an festgelegte Grunddisposition, die ihn laut der analysierten Forschung in seiner Handlungsfähigkeit lähmt und ihn anfällig für den Pakt macht.
Welche Funktion hat die „zweite Verschreibung“ im Kontext der Arbeit?
Die zweite Verschreibung wird als entscheidender Indikator für die Machtverhältnisse zwischen Faust und Mephistopheles gedeutet, in der Fausts ursprüngliches Streben nach Wissen durch bloßes Flehen um Erlassung von Strafen ersetzt wird.
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- Inga Wiefhoff (Author), 2005, Der Faust in der Historia von 1587 - Eine ambivalente Figur, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/79306