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Wertesynthese - Antwort auf die Herausforderungen des Wertewandels?

Titel: Wertesynthese -  Antwort auf die Herausforderungen des Wertewandels?

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2007 , 23 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Wolfgang Weinseis (Autor:in)

Soziologie - Sonstiges

Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

In der vorliegenden Arbeit soll der Versuch unternommen werden, das alle Lebensbereiche erfassende Phänomen der gewandelten Werte aus soziologischer Perspektive zu betrachten. Dafür sollen zwei äußerst einflussreiche Ansätze zu diesem Thema gegenübergestellt werden:
Ronald Inglehart’s Theorie der „Silent Revolution“ gab 1977 den Startschuss für die im engeren Sinne wissenschaftliche Diskussion um den Wertewandel. Die von ihm geprägte Dichotomie von Materialistischen und Postmaterialistischen Werten forderte viele Kritiker heraus, unter ihnen Helmut Klages, der mit seinem Konzept einer „Wertsynthese“ einen Gegenentwurf lieferte.
Die beiden Ansätze sollen hier zunächst inhaltlich gegenübergestellt werden, bevor näher auf die Thesen Klages’ eingegangen wird. Hierbei soll ein besonderer Fokus auf der Betrachtung des Werttypus des „Aktiven Realisten“ liegen, welcher nach Klages’ Meinung am besten für eine erfolgreiche Bewältigung künftiger Herausforderungen geeignet ist.
Eine besondere Verantwortung für die Sicherung der Zukunft fällt der Politik zu. Daher soll in einem eigenen Kapitel auf die Implikationen eingegangen werden, welche die Theorie der Wertesynthese für diesen Bereich mit sich bringt.
Im letzten Punkt soll anhand einer empirischen Untersuchung von Sigrid Roßteutscher der Frage nachgegangen werden, ob der Wertewandel tatsächlich den zukunftsfähigen Menschen in Form des „Aktiven Realisten“ gleichsam von selbst mit sich bringt.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Gegenwart und Zukunft im Zeichen gewandelter Werte

2. Ingleharts „Silent Revolution“

3. Wertewandel nach Helmut Klages

3.1 Kritik am Konzept Ingleharts

3.2 Plicht- und Akzeptanz vs. Selbstentfaltung

3.3 Der „Aktive Realist“ als Zukunftsmodell

3.4 In der Praxis: „Verantwortungsrollen“

4. Wertsynthese und Politik

4.1 Herausforderungen des Wertewandels

4.2 Szenarien für mögliche politische Entwicklungen

5. Wertehierarchie vs. Wertesynthese

5.1 Anomie und Konformismus

5.2 Non-Response

6. Bewertung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das soziologische Phänomen des Wertewandels unter Vergleich zweier einflussreicher Ansätze: der „Silent Revolution“ von Ronald Inglehart und der „Wertsynthese“ von Helmut Klages. Das primäre Ziel ist es zu analysieren, ob der Werttypus des „Aktiven Realisten“ als geeignetes Modell zur Bewältigung künftiger gesellschaftlicher und politischer Herausforderungen fungieren kann.

  • Gegenüberstellung materialistischer und postmaterialistischer Wertorientierungen.
  • Kritische Analyse der Theorie der Wertsynthese nach Helmut Klages.
  • Untersuchung der Auswirkungen des Wertewandels auf die politische Kultur und den Wohlfahrtsstaat.
  • Empirische Überprüfung der Handlungsfähigkeit verschiedener Werttypen (Anomie, Konformismus, Aktive Realisten).

Auszug aus dem Buch

3.2 Plicht- und Akzeptanz vs. Selbstentfaltung

Auch Klages legt in seiner Konzeption zunächst ein Gegensatzpaar zugrunde: Vom Wertewandel betroffen sind seiner Meinung nach Pflicht- und Akzeptanzwerte sowie Selbstentfaltungswerte, die sich folgendermaßen unterteilen lassen:

Entscheidend ist hierbei das Verhältnis zwischen dem Individuum und seiner sozialen Umwelt. Pflichtwerte betonen das Erfordernis, sich als Einzelperson über die Gesellschaft zu definieren, sich ihr anzupassen und sich in sie einzuordnen, auch wenn dies bedeutet, sich als Individuum einzuschränken („Selbstbeherrschung“, „Anpassung“, etc). Im Gegensatz dazu betonen Selbstentfaltungswerte die Abgrenzung von der Gemeinschaft, die abwehrende Haltung gegenüber Einflüssen und Zwängen von außen.

Methodisch schlägt sich dieser neue Ansatz vor allem darin nieder, dass Klages auf ein „Rating“-Verfahren zurückgreift. Das bedeutet, dass der Proband nicht mehr eindeutige Rangfolgen von Werten bilden muss, sondern auf einer mehrstufigen Skala für jedes angebotene Item einzeln angeben kann, wie wichtig bzw. unwichtig es für ihn ist.

Der fundamentale Unterschied zu Inglehart besteht folglich darin, dass sich die beiden Wertgruppen eben nicht gegenseitig ausschließen, sondern jede für sich genommen eine eigene Dimension darstellt. Daraus folgt, dass Pflicht- und Akzeptanzwerte auf der einen, und Selbstentfaltungswerte auf der anderen Seite unabhängig voneinander stark oder schwach ausgeprägt sein können. Mehr Zustimmung zur einen Seite hat nicht zwangsläufig Ablehnung der anderen Seite zur Folge und es können zu einem bestimmten Zeitpunkt sowohl beide Wertmuster von bestimmten Gruppen bejaht werden, als auch beide gleichermaßen abgelehnt. Dies schließt nicht aus, dass etwa Pflicht- und Akzeptanzwerte abnehmen, wenn Selbstentfaltung mehr Gewicht erhält (oder umgekehrt), bleibt aber nicht mehr die einzige Möglichkeit, wie noch bei Inglehart.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Gegenwart und Zukunft im Zeichen gewandelter Werte: Einführung in die Problematik des Wertewandels und Vorstellung der zu vergleichenden Ansätze von Inglehart und Klages.

2. Ingleharts „Silent Revolution“: Erläuterung der Mangel- und Sozialisationshypothese sowie der Trennung in materialistische und postmaterialistische Wertprioritäten.

3. Wertewandel nach Helmut Klages: Detaillierte Darstellung der Kritik an Inglehart und Einführung des Modells der Wertsynthese mit seinen vier Werttypen.

4. Wertsynthese und Politik: Analyse der Auswirkungen veränderter Werte auf politisches Engagement, Partizipation und die Stabilität des Wohlfahrtsstaates.

5. Wertehierarchie vs. Wertesynthese: Empirische Gegenüberstellung der Konzepte anhand von Studien zu Anomie, Konformismus und Non-Response-Verhalten.

6. Bewertung: Kritische Würdigung der Theorien sowie Reflexion über die Zukunftsfähigkeit des Modells des „Aktiven Realisten“.

Schlüsselwörter

Wertewandel, Wertsynthese, Ronald Inglehart, Helmut Klages, Aktiver Realist, Pflichtwerte, Selbstentfaltungswerte, Materialismus, Postmaterialismus, Politische Partizipation, Anomie, Konformismus, Wohlfahrtsstaat, Wertorientierung, Sozialisation

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit behandelt den soziologischen Wandel von Wertvorstellungen in der modernen Gesellschaft und vergleicht dabei zwei führende wissenschaftliche Erklärungsmodelle.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Felder sind die Dichotomie zwischen Materialismus und Postmaterialismus sowie die Frage, ob verschiedene Wertkategorien koexistieren oder sich gegenseitig ausschließen können.

Welches Ziel verfolgt die Arbeit?

Das Ziel ist die kritische Evaluation, ob der Typus des „Aktiven Realisten“ nach Klages eine tragfähige Lösung für die gesellschaftlichen Herausforderungen der Zukunft darstellt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse soziologischer Forschungsansätze zum Wertewandel sowie der Auswertung empirischer Studien.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Einführung, die Differenzierung der Werttypen nach Klages, die Auswirkungen auf die Politik sowie eine empirische Überprüfung mittels Vergleichsstudien.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind Wertsynthese, Pflicht- und Akzeptanzwerte, Selbstentfaltungswerte und das Konzept der „Silent Revolution“.

Wie unterscheidet sich Klages' Ansatz methodisch von dem Ingleharts?

Klages verwendet ein „Rating“-Verfahren, bei dem Werte einzeln bewertet werden, anstatt sie in ein erzwungenes „Forced-Choice“-Ranking zu zwingen, was eine Koexistenz verschiedener Wertmuster ermöglicht.

Was ist die spezifische Eigenschaft eines „Aktiven Realisten“?

Der Aktive Realist zeichnet sich dadurch aus, dass er sowohl Pflicht- und Akzeptanzwerte als auch Selbstentfaltungswerte in hohem Maße in sich vereint, ohne dass sich diese widersprechen.

Welche Herausforderungen sieht die Arbeit für den modernen Sozialstaat?

Die Arbeit identifiziert eine „Anspruchsfalle“, in der Bürger von der Politik Leistungen erwarten, sich selbst aber der Mitwirkung und Selbstbeschränkung entziehen, was Reformen erschwert.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Wertesynthese - Antwort auf die Herausforderungen des Wertewandels?
Hochschule
Universität Regensburg  (Soziologie)
Veranstaltung
Hauptseminar: "Vom Wandel der Werte: Der sog. 'Verlust der Werte' auf dem Prüfstand"
Note
1,0
Autor
Wolfgang Weinseis (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2007
Seiten
23
Katalognummer
V79201
ISBN (eBook)
9783638857116
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wertesynthese Antwort Herausforderungen Wertewandels Hauptseminar Wandel Werte Verlust Werte Prüfstand
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Wolfgang Weinseis (Autor:in), 2007, Wertesynthese - Antwort auf die Herausforderungen des Wertewandels?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/79201
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