In dieser Arbeit behandle ich die gesellschaftlichen, politischen und literarischen Veränderungen im Zeitraum von 1815 bis 1848. Zunächst stelle ich die historischen Ereignisse dar, die diese Zeit prägten: den Wiener Kongress mit seinen gesellschaftlichen und politischen Zielen und Wirkungen, das neu aufkeimende Revolutionsbewusstsein in Europa - ausgelöst durch die Julirevolution von 1830 in Frankreich -, das Kulminieren dieser revolutionären Bestrebungen in der 1848er Revolution und deren Scheitern. Dabei beschreibe ich gesondert die Situation im Vielvölkerstaat Österreich. Für Österreich war die reform-katholische Bewegung des Josephinismus charakteristisch, die ich aus diesem Grund näher vorstellen werde. Danach zeichne ich die Auswirkungen dieser Zeit auf die Bevölkerung nach. Abschließend stelle ich deren Folgen auf die literarische Produktion dar und gehe dabei hauptsächlich auf Franz Grillparzer ein. Ich versuche dabei, die für diese Epoche charakteristischen Merkmale auch im Werk Grillparzers deutlich zu machen.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Hauptteil
1. Geschichtliche Daten
1.1 Ziele und Folgen des Wiener Kongresses (Juni 1815)
1.2 Die Juli- Revolution (1830)
1.3 Die Märzrevolution und ihr Scheitern (1848/49)
1.4 Die Situation in Österreich
2. Auswirkungen auf die Bevölkerung
3. Auswirkungen auf die Literatur am Beispiel Franz Grillparzers
III. Schlussbetrachtung
IV. Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die gesellschaftlichen, politischen und literarischen Veränderungen in Österreich im Zeitraum von 1815 bis 1848. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, inwiefern die für diese Epoche charakteristischen Widersprüchlichkeiten – insbesondere zwischen Reformbestrebungen, Restauration und dem neu aufkeimenden Revolutionsbewusstsein – im Werk von Franz Grillparzer reflektiert werden.
- Historische Zäsur: Vom Wiener Kongress bis zur Märzrevolution 1848/49
- Die geistige Strömung des Josephinismus im Vielvölkerstaat Österreich
- Sozialer Wandel und die Auswirkungen der Industrialisierung auf die Bevölkerung
- Literaturgeschichte im Spannungsfeld von Zensur, politischem Bewusstsein und Epigonentum
- Analyse der Werksmerkmale Grillparzers als Brennspiegel seiner Zeit
Auszug aus dem Buch
3. Auswirkungen auf die Literatur am Beispiel Franz Grillparzers
Auch die ökonomische Situation der Bourgeoisie veränderte sich: an Stelle des abhängigen Dichters (vom adligen Mäzen) trat der freie Schriftsteller, der sich seinen Lebensunterhalt meist als Journalist verdiente. Es kam zu Auftragsarbeit und großen Auflagenhöhen. Die Presse gewann einen immer größeren Wirkungskreis und wurde zum wichtigsten Mittel des Bürgertums im Kampf um politischen Einfluss Die wachsende Produktion (ermöglicht durch technische Neuerungen, z. B. Schnelldruckpressen, Papiermaschinen) hatte ein zunehmendes politisches Bewusstsein großer Teile der Bevölkerung (Alphabetisierung, allgemeine Volksbildung) zur Folge, bedingte die große Zahl, hohen Auflagen und niedrigen Preise der Zeitungen. Ein wichtiger Einfluss in der politischen Auseinandersetzung waren Flugblätter, Zeitungen, Zeitschriften, Broschüren und die ständig steigende Buchproduktion.
Durch die Zensur wurde versucht, die Propagierung liberaler Politik zu verhindern. Kritische Intellektuelle waren mit „Demagogenverfolgungen“ konfrontiert, was Bespitzelung, Berufsverbote, Ausweisungen und hohe Freiheitsstrafen bedeutete. Viele Autoren gingen ins Exil (vor allem nach England und Frankreich). Häufig wurde aber auch versucht, die Zensurinstanzen durch versteckte Kritik, Anspielungen und als Reiseberichte getarnte Gesellschaftsanalysen zu täuschen.
Die großen gesellschaftlichen, politischen, sozialen und wirtschaftlichen Umwälzungen der Zeit hatten auch Einfluss auf die literarische Produktion. Die Literatur zwischen 1830 und 1848 war Ausdruck grundlegender gesellschaftlicher Veränderungen, die Zerrissenheit der Zeit kam zum Ausdruck, das verlorengegangene Sicherheitsgefühl konnte nicht wiedergefunden werden. Viele Autoren sahen sich als schwächliche Nachahmer früherer Generationen, als Epigonen. Und im Epigonen liegen nach Schnitzler „die Möglichkeiten des fatalen Handelns wie diejenigen des brütenden Leidens an der Größe der Vorfahren und der eigenen Schwäche.“ Dieses Leiden an den Vorgängern, das daraus resultierende Leiden an sich selbst, Selbstzweifel, Geringschätzung und verstärkte Selbstreflexion, wie sie auch bei Grillparzer vorkamen, waren ein Kennzeichen dieser Zeit. Schnitzler sieht darin auch „ein[en] Weg in unsere Gegenwart vorgezeichnet, der zur Dissoziation, zur Dekonstruktion und zum Ichverlust führt.“
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Arbeit gibt einen Überblick über die gesellschaftlichen und politischen Veränderungen zwischen 1815 und 1848 mit Fokus auf Österreich und den Einfluss auf Franz Grillparzers Werk.
II. Hauptteil: Dieses Kapitel analysiert die historischen Eckdaten der Epoche, die sozialen Auswirkungen des Wandels auf die Bevölkerung sowie den literarischen Kontext am Beispiel Grillparzers.
1. Geschichtliche Daten: Es werden der Wiener Kongress, die Julirevolution, die Märzrevolution sowie die spezifische Situation in Österreich unter dem Josephinismus beleuchtet.
1.1 Ziele und Folgen des Wiener Kongresses (Juni 1815): Der Fokus liegt auf dem Versuch der Restauration und der Etablierung eines Mächtegleichgewichts gegen revolutionäre Bestrebungen.
1.2 Die Juli- Revolution (1830): Untersuchung der europäischen Ausstrahlung der Revolution und der zunehmenden Repression durch Metternich im Deutschen Bund.
1.3 Die Märzrevolution und ihr Scheitern (1848/49): Analyse der Forderungen nach Verfassung und Mitbestimmung sowie der Gründe für das letztliche Scheitern der demokratischen Bestrebungen.
1.4 Die Situation in Österreich: Beschreibung des Vielvölkerstaates und der prägenden, jedoch zunehmend an Wirkung verlierenden Geistesströmung des Josephinismus.
2. Auswirkungen auf die Bevölkerung: Diskussion der sozialen Umbrüche durch Industrialisierung, Massenarmut und den Identitätsverlust in dieser Übergangszeit.
3. Auswirkungen auf die Literatur am Beispiel Franz Grillparzers: Untersuchung der wirtschaftlichen Lage des Schriftstellers und der Spiegelung zeitgenössischer Widersprüche in Grillparzers literarischem Werk.
III. Schlussbetrachtung: Fazit über die enge Verknüpfung von Grillparzers Schaffen mit den politischen Spannungen seiner Zeit und seiner Bedeutung als Vorwegnehmer moderner Themen.
IV. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur zur historischen und literaturwissenschaftlichen Einordnung.
Schlüsselwörter
Franz Grillparzer, 1815-1848, Österreich, Restauration, Josephinismus, Märzrevolution, Wiener Kongress, Biedermeier, Vormärz, Industrialisierung, Literaturgeschichte, Epigonentum, Metternich, Identitätsverlust, Spätaufklärung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht den komplexen Zeitraum zwischen 1815 und 1848 in Österreich, wobei die Wechselwirkungen zwischen politischen Ereignissen, sozialen Veränderungen und der literarischen Produktion beleuchtet werden.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zu den Kernbereichen zählen die historische Entwicklung vom Wiener Kongress bis zur Märzrevolution, die Rolle des Josephinismus als geistige Strömung und der Einfluss ökonomischer Umbrüche auf die Gesellschaft.
Was ist die primäre Zielsetzung der Untersuchung?
Das Ziel besteht darin aufzuzeigen, wie sich die historischen Spannungsfelder der Epoche – insbesondere die Widersprüche zwischen Bewegung und Erstarrung – in der Person und dem Werk von Franz Grillparzer widerspiegeln.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse herangezogen?
Die Arbeit stützt sich auf eine literatur- und geschichtswissenschaftliche Analyse, die primäre literarische Texte Grillparzers mit zeitgeschichtlichen Sekundärquellen kontextualisiert.
Was bildet den inhaltlichen Schwerpunkt des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse der politischen Daten, eine Untersuchung der sozialen Auswirkungen auf die Bevölkerung und eine spezifische Literaturanalyse am Beispiel Grillparzers.
Durch welche Schlüsselbegriffe ist die Arbeit charakterisiert?
Die Arbeit wird wesentlich durch Begriffe wie Restauration, Spätaufklärung, Vielvölkerstaat, Epigonentum, Ichverlust und die Ambivalenz von Aktivität und Passivität bestimmt.
Welche Bedeutung hatte der Josephinismus für das österreichische Staatsdenken?
Der Josephinismus fungierte als reformkatholische Bewegung, die auf Fortschrittsglauben und Vernunft basierte, jedoch im Laufe des 19. Jahrhunderts zunehmend an politischer Wirkungskraft einbüßte.
Warum wird Grillparzer in der Arbeit als "Brennspiegel" seiner Zeit bezeichnet?
Weil in seinem Werk und seinen persönlichen Selbstzweifeln die typischen Diskrepanzen und Ambivalenzen der österreichischen Spätaufklärung besonders deutlich sichtbar werden.
Welche Rolle spielte die Zensur für die damalige Literaturproduktion?
Die Zensur unter Metternich versuchte, liberale Tendenzen zu unterdrücken, zwang Autoren ins Exil oder dazu, ihre Kritik in versteckter Form, etwa in Reiseberichten oder durch Anspielungen, zu äußern.
- Arbeit zitieren
- Friederike Stoller (Autor:in), 2002, Franz Grillparzer und seine Zeit - gesellschaftliche, politische und literarische Veränderungen zwischen 1815 und 1848, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/78713