Angesichts von Globalisierungsprozessen und demographischen Entwicklungen nimmt das Wort Zuwanderung und damit auch das Wort Integration in Deutschland seit einigen Jahren einen immer größeren Raum im gesellschaftlichen und politischen Diskurs ein.
Je nachdem, aus welcher Perspektive man den Begriff Integration betrachtet, wird er von unterschiedlichen Seiten mit unterschiedlichen Bedeutungen besetzt. Dies hat vor allem in einer intensiven politischen Auseinandersetzung, die dem In-Kraft-Treten des „Neuen Zuwanderungsgesetzes“ zu Beginn des Jahres 2005 vorausging, an Brisanz gewonnen. Im Neuen Zuwanderungsgesetz wurde Integration erstmals offiziell, nach Jahrzehnten von Versäumnissen1, zur Staatsaufgabe erklärt und Maßnahmen gesetzlich festgeschrieben, die einen Prozess der Integration unterstützen sollen.
Einem Hauptbestandteil dieser Maßnahmen, den sogenannten Integrationskursen, sind im Gesetz unter dem Kapitel „Förderung der Integration“ drei von vier Paragraphen gewidmet. Diese Integrationskurse bestehen aus Sprachkursmodulen, welche die Zugewanderten bis zum B1-Sprachniveau führen sollen. Ein weiterer Bestandteil sind daran anschließende „Orientierungskurse“, die der Vermittlung von Kenntnissen der Rechtsordnung, der Kultur und der Geschichte Deutschlands dienen sollen.
Zielstellung meiner Arbeit ist es, aufzuzeigen, welchen Beitrag diese Maßnahme der Integrationskurse zum Integrationsprozess leisten kann. Nachdem im theoretischen Teil geklärt wird, welche Rolle die Kurse im Integrationsprozess spielen und an welcher Stelle sie dort angesiedelt sind, geht es im empirischen Teil um eine Herangehensweise, die von der subjektiven Wahrnehmung derer, die direkt von den Kursen betroffen sind, ausgeht. Welchen Beitrag messen sowohl Kursteilnehmende als auch Kursleitende in ihrer subjektiven Betrachtung und mit ihren direkten Erfahrungen den Sprach- und Orientierungskursen für einen erfolgreichen Integrationsprozess bei. Die Kurse stellen für Zugewanderte einen der ersten Schritte im Integrationsprozess dar und sollen den weiteren Integrationsverlauf positiv beeinflussen. Inwieweit die Kurse dazu tatsächlich einen Beitrag leisten, ist in der Forschung bisher nicht ausreichend geklärt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Zum Begriff der Integration
2.1 Migrationssoziologische Integrationsmodelle
2.2 Indikatoren zur Messung von Integration
2.2.1 Indikatorenklassifizierungen
2.2.2 Datenlage und Integrationsmonitoring
2.3 Staatliches Integrationsverständnis
2.3.1 Geschichtliche Entwicklung
2.3.2 Aktuelles Begriffsverständnis innerhalb der politischen Auseinandersetzung
2.3.3 Integration und Neues Zuwanderungsgesetz
2.4 Integrationsverständnis von MigrantInnen
3 Aktuelle Zuwanderungsprozesse in Deutschland
3.1 Aspekte von Zuwanderung
3.2 Differenzierung der Zuwanderungsgruppen in Deutschland
4 Darstellung der Integrationskurse
4.1 Konzept der Integrationskurse nach dem Zuwanderungsgesetz
4.2 Zielgruppen
4.3 Angedachter Beitrag der Kurse zur Integration
4.4 Kritik und Bewertung des Beitrags der Kurse zur Integration
5 Empirischer Teil
5.1 Zuwanderungssituation und Integrationskurse in Sachsen und Dresden
5.2 Beschreibung und Begründung der Vorgehensweise/ Methode
5.2.1 Grundlagen der Untersuchung
5.2.2 Methodenauswahl für die Datenerhebung und –auswertung
5.2.3 Auswahl der Befragtengruppe
5.2.4 Durchführung der Interviews
5.3 Auswertung der Interviews
5.3.1 Integrationsverständnis
5.3.2 Beitrag der Kurse zum Integrationsprozess
5.3.3 Optimierung des Kursbeitrags
6 Zusammenfassung der Ergebnisse und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Beitrag der Sprach- und Orientierungskurse des neuen Zuwanderungsgesetzes zur Integration von Migrantinnen und Migranten in Deutschland. Ausgehend von theoretischen Integrationsmodellen und einer Darstellung der rechtlichen Rahmenbedingungen analysiert die Arbeit die Wirksamkeit dieser staatlichen Maßnahmen aus der subjektiven Perspektive von Kursteilnehmenden und Kursleitenden.
- Analyse des staatlichen Integrationsverständnisses und der gesetzlichen Grundlagen
- Untersuchung der aktuellen Zuwanderungsprozesse und ihrer Bedeutung für die Integration
- Empirische qualitative Erhebung der Erfahrungen von Teilnehmenden und Kursleitenden
- Kritische Reflexion des Prinzips „Fördern und Fordern“ im Kontext der Kurspraxis
- Identifikation von Verbesserungspotenzialen für zukünftige Integrationsmaßnahmen
Auszug aus dem Buch
1.1 Migrationssoziologische Integrationsmodelle
Im folgenden Kapitel werde ich mich dem Begriff Integration von migrationssoziologischer Seite her annähern. Angefangen mit einem kurzen Rückblick in die Entwicklungsgeschichte unterschiedlicher Integrationsmodelle werde ich mich im Weiteren auf zwei Herangehensweisen innerhalb des deutschsprachigen Raumes, vertreten durch die Soziologen Hartmut Esser und Friedrich Heckmann, konzentrieren. Am Ende werde ich herausarbeiten, welche Aspekte der skizzierten Modelle im Rahmen dieser Arbeit von Bedeutung sind und wo die Maßnahme der Integrationskurse innerhalb dieser Modelle angesiedelt werden kann.
Integration - sucht man nach den etymologischen Wurzeln dieses Begriffs, findet man sie im Lateinischen. Das lateinische Adjektiv integer bedeutet unberührt, unversehrt, ganz; eng verwandt damit ist das lateinische Wort integrare – heil, unversehrt machen, wiederherstellen, ergänzen, ebenso wie integralis – ein Ganzes ausmachend und integratio - Wiederherstellung eines Ganzen. Im 18. Jahrhundert entwickelte sich aus diesen Wurzeln heraus im Deutschen das Wort Integration.
Der Migrationssoziologe Esser beschreibt Integration ganz allgemein als den „Zusammenhalt von Teilen in einem ‚systemischen’ Ganzen, gleichgültig zunächst worauf dieser Zusammenhalt beruht. Dabei dürfen die Teile nicht wegzudenken sein, müssen sozusagen ein ‚integraler’ Bestandteil des Ganzen sein“. Als Gegenbegriff zu Integration beschreibt Esser die Segmentation. Die Teile stehen beziehungslos nebeneinander und bilden insofern auch kein identifizierbares System.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt die wachsende Bedeutung von Zuwanderung und Integration im politischen Diskurs dar und skizziert die Zielsetzung der Arbeit, den Beitrag der Integrationskurse empirisch zu untersuchen.
2 Zum Begriff der Integration: Dieses Kapitel erläutert migrationssoziologische Modelle und staatliche Integrationsverständnisse, um eine theoretische Basis für die Untersuchung der Integrationskurse zu schaffen.
3 Aktuelle Zuwanderungsprozesse in Deutschland: Hier werden Zuwanderungsaspekte und die verschiedenen Zuwanderungsgruppen differenziert betrachtet, um die Zielgruppe der Integrationskurse einzugrenzen.
4 Darstellung der Integrationskurse: Dieses Kapitel präsentiert das Konzept, die Zielgruppen sowie den angedachten Beitrag und die Kritik an den staatlich initiierten Integrationskursen.
5 Empirischer Teil: Der empirische Teil untersucht die Zuwanderungssituation in Sachsen und Dresden sowie die subjektive Wahrnehmung der Integrationskurse durch Teilnehmende und Kursleitende.
6 Zusammenfassung der Ergebnisse und Ausblick: Diese Zusammenfassung fasst die zentralen Erkenntnisse der Untersuchung zusammen und gibt einen Ausblick auf notwendige Anpassungen in der Integrationspolitik.
Schlüsselwörter
Integration, Zuwanderungsgesetz, Integrationskurse, Migration, Migrationssoziologie, Sprachkurs, Orientierungskurs, Fördern und Fordern, soziale Integration, Teilhabegerechtigkeit, qualitative Forschung, Migranten, Zuwanderung, Bildungsstand, Arbeitsmarkt
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, ob und wie die Integrationskurse des neuen Zuwanderungsgesetzes den Integrationsprozess von Migranten in Deutschland tatsächlich unterstützen.
Welche Themenfelder sind zentral?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen der Integration, die aktuelle Zuwanderungssituation in Deutschland sowie die spezifische Ausgestaltung und Evaluation staatlicher Integrationsmaßnahmen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, welchen praktischen Beitrag die Integrationskurse leisten, basierend auf der subjektiven Wahrnehmung der direkt betroffenen Teilnehmenden und Kursleitenden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Untersuchung nutzt eine qualitative, leitfadengestützte Interviewmethode, um tiefere Einblicke in die Erfahrungen und Ansichten der Beteiligten zu gewinnen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Teil über Integrationsmodelle und einen empirischen Teil, der die Situation in Sachsen/Dresden untersucht und Interviewergebnisse auswertet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Integration, Zuwanderungsgesetz, Integrationskurse, Soziologie und die subjektive Teilhabegerechtigkeit.
Warum spielt Dresden eine besondere Rolle in dieser Arbeit?
Dresden dient als spezifischer Untersuchungsraum, um die regionale Zuwanderungssituation und die dortige praktische Durchführung und Akzeptanz der Integrationskurse empirisch zu erfassen.
Wie bewerten die Befragten das Prinzip „Fördern und Fordern“?
Die meisten befragten Kursleitenden und Teilnehmenden kritisieren das Prinzip als teilweise kontraproduktiv und paternalistisch, da es Zuwanderer oft als passives Objekt staatlicher Sanktionen statt als selbstbestimmte Akteure behandelt.
- Quote paper
- Seni Regren (Author), 2007, Beitrag der Sprach- und Orientierungskurse des neuen Zuwanderungsgesetzes zur Integration von Migrantinnen und Migranten in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/77833