In der Arbeitswelt von heute werden insbesondere Eigenschaften wie Teamfähigkeit, ein selbstbewusstes Auftreten und Mut zu initiativem Handeln mit Verantwortungsübernahme hoch geschätzt. Die Chance einen Zugang zu Ausbildung und Arbeitsmarkt zu erlangen, hängt entscheidend von einer starken Persönlichkeit mit ausgeprägten sozialen Kompetenzen ab. Der Lehrplan fordert nach dem Konzept der Grundbildung die Auseinandersetzung mit Kernproblemen und das Vermitteln von Schüsselqualifikationen als Vorbereitung auf Leben und Arbeitswelt (vgl. Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Schleswig-Holstein 1997, S. 4ff). Im klassisch strukturierten Schul- und Unterrichtsalltag sind aber diese Ziele nicht immer einfach zu erreichen.
Neuere pädagogische Ansätze nutzen eine starke Einbindung der Schülerinnen und Schüler in den Prozess der Unterrichtsgestaltung im Sinne von L. Klingberg und fordern das Zurücknehmen des herkömmlichen, eher lehrerzentrierten Vorgehens. Hier ist der Lehrer nicht mehr die einzige Person, die moderierend und fragend auf Unterrichtsziele hinarbeitet. Neben dem herkömmlichen frontalen resp. hierarchischen Unterrichtsprinzip sollen Schülerinnen und Schüler nun vielmehr untereinander Wissen und Erfahrungen austauschen und weitergeben, womit sie direkt in der Mitverantwortung für ihr eigenes Lernen und Handeln stehen (Lernen durch Lehren). Für mich bietet der Sportunterricht mit seiner Bewegungs- und Handlungsorientierung einzigartige Chancen im Hinblick auf eine schüleraktivierende Unterrichtseinheit.
In dieser Arbeit soll gezeigt werden, inwieweit diese Form des Unterrichts in einer 10. Realschulklasse den oben genannten angestrebten Zielen entsprechen und Selbst- und Sozialkompetenzen fördern kann.
Gliederung der Hausarbeit
Vorwort
1. Problemstellung
1.1 Bezug zu Modulen, Ausbildungsstandards und Lehrplan
1.2 Ausgewählte Literatur zur vorliegenden Arbeit
1.3 Zielvorstellungen und Leitfragen
2. Unterrichtspraxis
2.1 Lernumfeld und Angaben zur Lerngruppe
2.2 Methodisch-didaktische Entscheidungen
2.3 Aufbau der Unterrichtseinheit und Hauptintentionen der Stunden
3. Evaluation und persönliches Resümee
3.1 Verfahren
3.2 Ergebnisse
3.2.1 Unterrichtsbeobachtungen
3.2.2 Unterrichtsgespräche
3.2.3 Schüler-Fragebögen
3.3 Fazit in konkretem Bezug auf die Leitfragen
3.4 Offener Unterricht’ vs. ‚direkte Instruktion’
3.5 Ausblick und eigene Visionen offenen Unterrichts
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Potenzial einer schülergeleiteten Unterrichtseinheit im Sportunterricht einer 10. Realschulklasse am Beispiel von 'Ultimate Frisbee'. Ziel ist es, durch die Übertragung von Verantwortung und die aktive Einbindung der Schüler in den Vermittlungsprozess die Selbst- und Sozialkompetenz der Lernenden zu fördern.
- Schülerunterricht als Form des kooperativen Lernens
- Förderung von Eigenverantwortung und Selbstwirksamkeit
- Methodisch-didaktische Gestaltung offener Unterrichtsformen
- Analyse von Kommunikationsprozessen und Reflexionsfähigkeit
- Vergleich von 'offenem Unterricht' und 'direkter Instruktion'
Auszug aus dem Buch
Warum Ultimate Frisbee?
Das Spiel Ultimate Frisbee ist für meine Absicht des schülergeleiteten Unterrichts aus verschiedenen Gründen ein geeignetes Medium. Die Frisbee-Scheibe als Sportgerät kann die meisten S auf Anhieb motivieren. Die Vorkenntnisse seitens der S sind etwa gleich groß und das Spiel besitzt koedukativen Charakter. Die Technik des Spiels ist leicht zu erlernen und bedarf auch keiner allzu großen Kenntnisse bei der Fehlerkorrektur (Regeln/Technik).
Wie oben bereits erwähnt, ließen sich für Ultimate Frisbee relativ unkomplizierte Übungen und Spiellehrgänge zusammenstellen, die auch von S gut zu vermitteln sind. Das Spielreihenkonzept ist für dieses Spiel besonders geeignet und soll den S helfen, ihre Mitschüler schrittweise (innerhalb von zwei Doppelstunden) an das Zielspiel heranzuführen. Zur Methode des spielgemäßen Lernens im Ultimate Frisbee schreibt ‚New Games – Frisbeesport’: „Die Elemente des Ultimate Frisbee sind alle eng miteinander verbunden, so dass manche Übungen Fertigkeiten und Fähigkeiten viel komplexer vermitteln, als man annimmt. Dies wiederum birgt die Möglichkeit schnell zum Spielen zu gelangen, da die einzelnen Elemente nicht besonders differenziert werden müssen.“ (New Games – Frisbeesport 2006, letzter Absatz)
Die Forderungen der S, möglichst gleich das ‚richtige’ Ultimate Frisbee – also das Zielspiel – zu spielen, hielt sich sehr in Grenzen. Die vorgeschalteten kleinen Spiele wurden akzeptiert, da das Zielspiel in der Regel noch nicht bekannt war. Im Regelwerk wird auf den „Spirit Of The Game“ – eine hohe Selbstverantwortung und Fairness bezüglich der Regeleinhaltung – verwiesen, denn es gibt im Ulitmate Frisbee keinen Schiedsrichter. Da meine Arbeit schwerpunktmäßig den Aspekt der Verantwortungsübernahme behandelt, erscheint mir das Spiel auch in dieser Hinsicht als sehr geeignet und bietet sich für die im Lehrplan zum Themenbereich „Mit dem Partner und in Mannschaften spielen“ geforderten Zielperspektiven in hohem Maße an.
Zusammenfassung der Kapitel
Vorwort: Einleitung in die pädagogische Relevanz von Selbst- und Sozialkompetenzen sowie die Chancen bewegungsorientierter Unterrichtsformen.
1. Problemstellung: Herleitung der Arbeit aus schulpraktischen Modulen und die Definition der zentralen Forschungsfragen zur Verantwortungsübernahme.
2. Unterrichtspraxis: Darstellung des Lernumfelds, der methodischen Entscheidungen und des konkreten Aufbaus der Unterrichtseinheit mit schülergeleiteten Anteilen.
3. Evaluation und persönliches Resümee: Analyse der durchgeführten Beobachtungen, Gespräche und Fragebögen sowie eine abschließende Reflexion über die Methodenwahl.
Schlüsselwörter
Schüler unterrichten Schüler, Ultimate Frisbee, Sportunterricht, Selbstkompetenz, Sozialkompetenz, Eigenverantwortung, offener Unterricht, Kooperatives Lernen, Reflexion, Sportdidaktik, Schülerfeedback, Teamfähigkeit, Unterrichtsbeobachtung, Schülermotivation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Durchführung und Evaluation einer Unterrichtseinheit im Fach Sport, bei der Schüler selbst die Rolle des Lehrenden übernehmen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Förderung von Selbst- und Sozialkompetenz, die Umsetzung offener Unterrichtsformen und die Vermittlung des Spiels 'Ultimate Frisbee'.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, herauszufinden, inwieweit Schüler durch die Übertragung von Lehraufgaben in ihrer persönlichen Entwicklung und Handlungskompetenz gestärkt werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es werden qualitative Methoden wie Unterrichtsbeobachtungen, geführte Unterrichtsgespräche und Schüler-Fragebögen kombiniert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die methodisch-didaktische Planung der Unterrichtspraxis und die detaillierte Auswertung der Ergebnisse aus der Sicht der Lehrkraft und der Schüler.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Besonders prägend sind Begriffe wie 'Eigenverantwortung', 'Perspektivenwechsel', 'selbstgesteuertes Lernen' und 'Metakognition'.
Warum wurde 'Ultimate Frisbee' als Sportart ausgewählt?
Die Sportart eignet sich aufgrund der hohen Motivation, des koedukativen Charakters und der unkomplizierten Regelerlernbarkeit ideal für Schüler-Lehrteams.
Wie reagierten die Schüler auf die Übernahme der Lehrerrolle?
Die Schüler zeigten anfänglich Unsicherheit, entwickelten aber im Verlauf Stolz auf das Erreichte und eine ausgeprägte Reflexionsfähigkeit über ihre Rolle.
Welche Bedeutung hat der 'Spirit Of The Game' für die Arbeit?
Der 'Spirit Of The Game' unterstreicht die Notwendigkeit von Fairness und Selbstverantwortung, da das Spiel ohne Schiedsrichter auskommt und somit das zentrale Thema der Verantwortungsübernahme stützt.
- Arbeit zitieren
- Nils Furkmann (Autor:in), 2007, Schüler unterrichten Schüler. Eine Unterrichtseinheit zur Einführung des Spiels "Ultimate Frisbee" in einer 10. Klasse Realschule, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/76790