In ihrem Buch „Religionsdidaktik in Grundregeln“ stellen Engelbert Groß und Klaus König Grundregeln für den Religionsunterricht auf, die sie in verschiedene Bereiche der Religionsdidaktik unterteilen. Dabei sind zunächst vier prinzipielle religionsdidaktische Grundregeln zu nennen: Subjekt-orientierung, Dimension des Ästhetischen, Differenzismus und Kommunikation. Die weiteren Bereiche stellen weltreligionendidaktische, bibeldidaktische, liturgiedidaktische, dogmatikdidaktische, ethikdidaktische, kirchengeschichts-didaktische und missionsdidaktische Grundregeln dar. Diese Arbeit stellt zunächst den Differenzismus als Beschreibung der modernen Gesellschaft vor und konzentriert sich dann auf die Darstellung der prinzipiellen religionsdidaktischen Grundregel der Subjektorientierung. Daran anschließend soll aufgeführt werden, inwiefern die Subjektorientierung im Religionsunterricht mit geistigbehinderten Schülern eine Rolle spielen kann.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die moderne Gesellschaft: Leben im Pluralismus
2.1 Problemanzeige Pluralismus?
2.2 Der Differenzismus als religionspädagogische Grundregel
2.3 Didaktische Konsequenzen
3 Prinzipielle religionsdidaktische Grundregel 1: Subjektorientierung
3.1 Bedeutung der Regel
3.2 Begründung der Regel
3.3 Konsequenzen für die Unterrichtspraxis
4 Religionsunterricht mit geistigbehinderten Schülern
4.1 Zum Begriff „Geistige Behinderung“
4.2 Subjektorientierung im Religionsunterricht mit geistigbehinderten Schülern
4.2.1 Theologische Aspekte
4.2.2 Gesellschaftliche Aspekte
4.2.3 Planungsmöglichkeiten
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung der Subjektorientierung als zentrale religionsdidaktische Grundregel für den modernen Religionsunterricht, wobei ein besonderer Fokus auf der Anwendung dieses Ansatzes bei geistigbehinderten Schülern liegt.
- Pluralismus als Bedingung der modernen Gesellschaft
- Differenzismus als didaktisches Leitprinzip
- Subjektorientierung als pädagogische Grundregel
- Religionsunterricht für geistigbehinderte Schüler
- Planungsmöglichkeiten und Unterrichtspraxis
Auszug aus dem Buch
4.2 Subjektorientierung im Religionsunterricht mit geistigbehinderten Schülern
Der Unterricht mit geistigbehinderten Menschen wird in der Literatur zur allgemeinen Religionspädagogik vernachlässigt und geistigbehinderte Menschen werden so gut wie nicht erwähnt. Die ausschließliche Orientierung an nichtbehinderten Menschen führt zu stark kognitiv ausgerichteten Fachdidaktiken, die auf den Intellekt abzielen. Dementsprechend ist das Angebot für geistigbehinderte Schüler stark reduziert. Diese Ausrichtung hat zwei Konsequenzen: zum einen werden sowohl geistigbehinderten wie nichtbehinderten Kindern durch einen stark auf den Intellekt ausgerichteten Religionsunterricht Bereiche wie sinnliche Wahrnehmung oder physische Erfahrung im Religionsunterricht vorenthalten. Zum anderen ist ein solch selektiver Ansatz weder aus theologischer noch aus pädagogisch-anthropologischer Sicht tragbar.
Hans-Jürgen Röhrig legt jedoch dar, warum und inwiefern der Religionsunterricht subjektorientiert gestaltet werden sollte. Seine Vorschläge eignen sich sowohl für einen subjektorientierten Religionsunterricht mit behinderten als auch mit nichtbehinderten Kindern und sollen nun in Auszügen dargestellt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit führt in die religionsdidaktischen Grundregeln ein und fokussiert dabei auf den Differenzismus sowie die Subjektorientierung als Basis für den Religionsunterricht mit geistigbehinderten Schülern.
2 Die moderne Gesellschaft: Leben im Pluralismus: Dieses Kapitel thematisiert den gesellschaftlichen Pluralismus und leitet daraus den Differenzismus als notwendige religionspädagogische Grundregel für den Schulalltag ab.
3 Prinzipielle religionsdidaktische Grundregel 1: Subjektorientierung: Hier wird die Bedeutung und Begründung der Subjektorientierung erläutert, wobei betont wird, dass der Fokus auf dem Subjekt-Werden der Lernenden liegen muss.
4 Religionsunterricht mit geistigbehinderten Schülern: Das Kapitel überträgt die Prinzipien der Subjektorientierung auf den Förderbedarf geistigbehinderter Schüler und erörtert theologische sowie planungstechnische Aspekte.
5 Fazit: Die Zusammenfassung unterstreicht die Notwendigkeit von Individualität und Solidarität im Religionsunterricht und sieht in einem vielfältigen Lehrangebot den Schlüssel für erfolgreiches Lernen.
Schlüsselwörter
Religionsunterricht, Subjektorientierung, Pluralismus, Differenzismus, Geistige Behinderung, Religionspädagogik, Individualisierung, Identität, Inklusion, Didaktik, Schülerschaft, Lernprozesse, Religionsdidaktik, Bildung, Autonomie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit behandelt die religionsdidaktische Grundregel der Subjektorientierung und deren Anwendung im schulischen Kontext, speziell im Hinblick auf geistigbehinderte Schüler.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum?
Zentral sind der Umgang mit gesellschaftlichem Pluralismus, die Abgrenzung von Schülerorientierung zu Subjektorientierung sowie didaktische Methoden für den inklusiven Religionsunterricht.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den Nutzen der Subjektorientierung aufzuzeigen, um Schüler als aktive Subjekte ihrer eigenen religiösen Biografie wahrzunehmen und zu fördern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine theoriegeleitete Literaturanalyse, basierend auf Fachwerken der Religionspädagogik und Heilpädagogik, um die didaktischen Prinzipien herzuleiten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung der Grundregeln (Differenzismus und Subjektorientierung) und deren spezifische Umsetzung für geistigbehinderte Schüler.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Subjektorientierung, Religionsunterricht, Pluralismus, geistige Behinderung und Differenzismus sind die wesentlichen Begriffe.
Wie unterscheidet sich Subjektorientierung von allgemeiner Schülerorientierung?
Während die Schülerorientierung oft die gesamte Lerngruppe im Blick hat, zielt die Subjektorientierung individuell auf das Subjekt-Werden jedes einzelnen Schülers ab.
Welche Rolle spielt die Freiarbeit in diesem Konzept?
Freiarbeit bietet den notwendigen Raum, damit Schüler individuell und selbstständig ihren eigenen Lernbedürfnissen nachgehen können, was ein zentraler Baustein der Subjektorientierung ist.
Warum wird der Begriff „Geistige Behinderung“ im Text relativiert?
Die Arbeit betont, dass Behinderung kein statischer Tatbestand ist, sondern ein situatives Phänomen, weshalb individuelle Beschreibungsformen einer allgemeinen Definition vorzuziehen sind.
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- Stephanie Schmitz (Author), 2005, Subjektorientierung im Religionsunterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/76769