Beim ersten Lesen des Titels der vorliegenden Arbeit mag dem Rezipienten/der Rezipientin primär der Gedanke an Trivialität in den Sinn geraten. In welchem Zusammenhang steht die Prinzessin mit einer wissenschaftlichen Arbeit, respektive was bietet die Prinzessin überhaupt, als dass sie innerhalb dieses Rahmens als Figur aufgegriffen werden kann? Diese Fragen erläutern bereits einen wichtigen Zusammenhang zwischen der Prinzessinnen-Figur und ihrem Leitbild innerhalb der zeitgenössischen Gesellschaft. Da die Figur der Prinzessin besonders durch die Märchen gekennzeichnet und tradiert wurde, wird das in den Märchen aufgezeigte Bild auf die heutige Prinzessin übertragen und degradiert sie zu einer tendenziell degenerierten Figur. In bekannten deutschen Märchen, die eine Prinzessin zentralisieren, wird ein sehr passives und unselbstständiges Frauenbild konstruiert. Wegen dieses Bildes ist die Figur der Prinzessin als eindeutig schön, passiv und altruistisch konnotiert. Ein Zusammenhang zwischen Banalität und Prinzessin ist eindeutig vorhanden. Doch liegen heute mehr als 150 Jahre zwischen der Veröffentlichung der Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm, die das Prinzessinnenbild im deutschsprachigen Raum aufgrund ihrer Bekanntheit am wesentlichsten geprägt haben. Verkörperten die Prinzessinnen klassischer Tradition die Traumfrau vorheriger Jahrhunderte, so eröffnet sich für die Gegenwart die Frage, inwiefern sie im Zuge postemanzipatorischer Untersuchung Fläche zur Identifikation bietet, oder als unreflektierter Mythos einer archaischen wie antiquierten Identität fortbesteht. Meine Aufgabe besteht darin, herauszuarbeiten inwiefern sich die Prinzessin als Frau der Moderne im Laufe von zwei Jahrhunderten entwickelt hat. In Anbetracht dieser Hypothese ist es von oberster Priorität, eine selektive Auswahl zu treffen, da sich eine über die Tradierung einer Prinzessin transportierte selbstverständliche Symbolik in einer derartigen Fülle präsentiert.
Inhaltsverzeichnis
1 VORWORT
2 EINLEITUNG
3 DIE PRINZESSIN IM MÄRCHEN
3.1 DIE MÄRCHEN DES HANS-CHRISTIAN ANDERSEN
3.2 DIE DISNEY PRINZESSINNEN
3.3 ZWISCHENRESÜMEE
4 DIE FIGUR DER PRINZESSIN IM MEDIUM BUCH
4.1 DIE PRINZESSIN IM BILDERBUCH
4.1.1 PRINZESSIN LILLIFEE
4.1.2 DIE ALLERBESTE PRINZESSIN
4.1.3 PRINZESSIN MURKS
4.1.4 ZWISCHENRESÜMEE
4.2 DIE PRINZESSIN IM JUGENDBUCH
4.2.1 SKOGLAND
4.2.2 BÜHNE FREI, PRINZESSIN
4.2.3 DIE PONY PRINZESSIN: ELLAS GEHEIMNIS
4.2.4 ZWISCHENRESÜMEE
4.3 DIE PRINZESSIN IM ROMAN
4.3.1 PARK AVENUE PRINZESSINNEN
4.3.2 DIE PRINZESSIN UND DER HORST
4.3.3 DIE ENTFÜHRTE PRINZESSIN
4.3.4 ZWISCHENRESÜMEE
4.4 DIE PRINZESSIN IM SACHBUCH
4.4.1 PRINZESSIN MASAKO - DER GEFANGENE SCHMETTERLING
4.4.2 PRINZESSIN, DAS BEZAUBERNDE BASTELBUCH
4.4.3 DIE GEFAHREN DER EHE. ELISABETH VON ENGLAND UND MARIA STUART
4.4.4 ZWISCHENRESÜMEE
4.5 DIE PRINZESSIN IM MANGA
4.5.1 PRINCESS AI
4.5.2 PRINCESS PRINCESS
4.5.3 PRINZESSIN KAGUYA
4.5.4 ZWISCHENRESÜMEE
5 DIE PRINZESSIN IM MAGAZIN
6 DIE PRINZESSIN IM FILM
6.1 DIE EISPRINZESSIN
6.2 PLÖTZLICH PRINZESSIN 2
6.3 ZWISCHENRESÜMEE:
7 PRINZESSINNEN DER WIRKLICHKEIT
7.1 DER MYTHOS DIANA
7.2 DIE GEGENWÄRTIGEN EUROPÄISCHEN PRINZESSINNEN
7.2.1 METTE-MARIT VON NORWEGEN
7.2.2 MARY VON DÄNEMARK
7.2.3 LETIZIA VON SPANIEN
7.2.4 MÁXIMA VON DEN NIEDERLANDEN
7.3 ZWISCHENRESÜMEE
8 ZUSAMMENFASSUNG
9 FAZIT
10 KRITISCHE STELLUNGNAHME
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Wandel der Prinzessinnen-Figur über zwei Jahrhunderte hinweg in verschiedenen Medien (Märchen, Buch, Zeitschrift, Film). Ziel ist es, die Entwicklung von der archetypischen, passiven Märchenprinzessin hin zu modernen Ausprägungen in der zeitgenössischen Literatur und Medienwelt zu analysieren und zu hinterfragen, ob diese Figur im 21. Jahrhundert noch Identifikationspotenzial bietet oder als archaischer Mythos fortbesteht.
- Die historisch gewachsene Rolle der Prinzessin in Kinder- und Hausmärchen.
- Die mediale Inszenierung und Vermarktung (Branding) der Prinzessin in der Moderne.
- Der Vergleich von fiktiven Prinzessinnen-Charakteren mit realen Persönlichkeiten wie Diana Spencer.
- Die Analyse geschlechterspezifischer Rollenbilder und deren gesellschaftliche Relevanz.
Auszug aus dem Buch
Die Prinzessin im Märchen
Um einen möglichst chronologischen Ablauf zu gewährleisten, konzentriert sich meine Betrachtung zuerst auf die Figur der Prinzessin im klassischen Märchen. Viele der in Betracht gezogenen klassischen Märchen sind natürlich Werke der traditionellen Literatur, auf deren Grundlage allerdings noch heute wichtige Figurenkonzeptionen der Monarchie Vorbilder innerhalb moderner Inszenierungen sind. Einige der später diskutierten Prinzessinnen wurden in Anlehnung an die Märchen-Prinzessinnen konstruiert.
In diesem Teilabschnitt wird eine Bestandsaufnahme der unterschiedlichen Darstellungsformen der Prinzessinnen gemacht. So ist es möglich, die Darstellung der Prinzessin 2005 mit der Darstellung der Prinzessin im Märchen zu vergleichen. Durch das diesjährige Andersen Jahr (2005) erfreuen sich die Märchen des dänischen Dichters erneuter Popularität und sollen unter 3.1 nähere Betrachtung finden. Aufgrund der Entlehnung monarchischer Vorbilder werden in den Märchen idealisierte Menschen innerhalb ihrer überzeichneten Lebenswelten abgebildet. In diesem Kapitel wird die Figur der Prinzessin in den Märchen vorgestellt und abschließend kritisch diskutiert.
Zusammenfassung der Kapitel
3 DIE PRINZESSIN IM MÄRCHEN: Dieses Kapitel analysiert das klassische Bild der Prinzessin als passives, schönes und unterwürfiges Frauenbild, das durch Märchen der Brüder Grimm und Andersen geprägt wurde.
4 DIE FIGUR DER PRINZESSIN IM MEDIUM BUCH: Hier werden unterschiedliche Buchgenres wie Bilderbücher, Jugendbücher, Romane und Mangas untersucht, um die Transformation der Prinzessin vom passiven Objekt zum aktiven Charakter aufzuzeigen.
5 DIE PRINZESSIN IM MAGAZIN: Diese Sektion beleuchtet, wie Frauenmagazine das Prinzessinnen-Ideal durch geschickte Vermarktung und Identifikationsangebote für junge Mädchen aufrechterhalten.
6 DIE PRINZESSIN IM FILM: Die Analyse zeigt am Beispiel von Kinofilmen die Medialisierung der Prinzessin als strahlendes, aber oft oberflächliches Ideal im Disney-Kontext.
7 PRINZESSINNEN DER WIRKLICHKEIT: Dieses Kapitel vergleicht die literarischen Prinzessinnen-Figuren mit realen monarchischen Repräsentantinnen, insbesondere am Beispiel von Diana Spencer und europäischen Kronprinzessinnen.
Schlüsselwörter
Prinzessin, Märchen, Medienanalyse, Gender, Rollenbild, Identifikation, Marketing, Disney, Literatur, Feminismus, Monarchie, Jugendbuch, Manga, Mythen, Selbstbild.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie sich die Figur der Prinzessin von ihren Ursprüngen im klassischen Märchen bis hin zu ihrer Darstellung in modernen Medien wie Büchern, Filmen und Magazinen entwickelt hat.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen umfassen die Rolle von Gendernormen, die mediale Vermarktung (Branding) von Prinzessinnen-Identitäten und die Diskrepanz zwischen traditionellen Rollenbildern und modernen Lebensrealitäten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es herauszuarbeiten, inwiefern die Prinzessin der Moderne noch als archaisches Relikt oder als emanzipierte Identifikationsfigur für Frauen fungiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein medien- und literaturwissenschaftlicher Ansatz gewählt, der durch eine selektive Analyse von Werken, Biografien und Marktdaten eine Typologisierung der Prinzessinnen-Figur vornimmt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Medienbereiche (Bücher, Filme, Magazine) und vergleicht die dort gezeigten Prinzessinnen-Figuren mit den klassischen Märchenprinzessinnen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Rollenbild, Gender, Identifikation, mediale Inszenierung und die kritische Auseinandersetzung mit dem Prinzessinnen-Mythos.
Warum spielt das "Disney-Branding" eine so große Rolle für die Arbeit?
Die Disney-Marke ("Disney Princess") dient als Paradebeispiel für die kommerzielle Ausbeutung und Standardisierung des Prinzessinnen-Begriffs im 21. Jahrhundert.
Welche Rolle spielt Prinzessin Diana in diesem Buch?
Diana Spencer wird als reale "Märchenprinzessin" des 20. Jahrhunderts analysiert, die ihre Identität durch die Medieninszenierung und ihre Ikonisierung als Wohltäterin maßgeblich mitprägte.
- Quote paper
- Mirjam Gille (Author), 2005, Prinzessin 2005 - Imagination und Wirklichkeit einer Figur in verschiedenen Medien, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/74979