Bei der vorliegenden Lehrprobenstunde handelt es sich um die sechste Stunde der Unterrichtseinheit zum Thema „Textarbeit“. Im Vorfeld wurden schon Kurzgeschichten mittels Textverständnis und produktionsorientierter Aufgaben thematisch behandelt. Sowohl aus fachlicher als auch aus pädagogischer Sicht ist das für den Unterricht gewählte Verfahren geeignet, Schüler Literatur näher zu bringen und den „lustvollen“ Umgang mit ihr zu ermöglichen, weil die Medienerfahrungen heutiger Schüler zunehmend von elektronischen Medien, wie Fernsehen, Computerspielen und Videofilmen, geprägt sind. Gerade Computer- und Videospiele sind oft mit extrem gewaltreichen Schemata verbunden und besonders auf die äußere Handlung abgestellt. Es kommt dabei nicht zu einem Hineinversetzen in andere Figuren oder Personen im Sinne einer differenzierten Persönlichkeitsbildung.
Daher liegt der Aufgabenschwerpunkt im Umgang mit der Kurzgeschichte „Kokeln“ als Gegengewicht zu den Medienerfahrungen darin, dass sich die Schüler in die differenziert dargestellte Hauptfigur hineinversetzen, die Denk- und Sichtweise des Protagonisten nachvollziehen und einen fiktiven Tagebucheintrag verfassen können. Die Entwicklung der Fähigkeit, fremde Sichtweisen nachzuvollziehen und sich verweilend in andere Gedanken und Empfindungen hineinzudenken, kann dadurch unterstützt und verstärkt werden.
Inhaltsverzeichnis
Bedingungsfeld
1. Situation der Schule
2. Situation der Klasse
3. Situation der Lehramtsanwärterin
Vorwort
1. Sachanalyse
1.1 Die Autorin: Karin Ulla Bolte
1.2 Gestaltung, Form und Sprache der Kurzgeschichte
1.3 Tagebuch
2. Didaktische Analyse
2.1 Fachdidaktische Diskussion
2.2 Lehrplanbezug
2.3 Relevanz für die Schüler
2.4 Lernvoraussetzungen in Bezug auf die Lehraufgabe
2.5 Didaktische Reduktion
2.6 Mögliche Lernschwierigkeiten
3. Lehr- und Lernziele
3.1 Grobziel
3.2 Feinziele
4. Methodische Analyse
4.1 Organisatorische Rahmenbedingungen
4.2 Lernvoraussetzungen bezüglich der Methode
4.3 Differenzierungsmaßnahmen
4.4 Struktur der Unterrichtsstunde
4.5 Darstellung der Unterrichtsschritte und deren Begründung
5. Verlaufsplanung
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel der Arbeit ist es, einen methodischen Entwurf für eine Deutschstunde zu präsentieren, in der Schüler der siebten Klasse durch produktionsorientiertes Schreiben ihr Textverständnis der Kurzgeschichte "Kokeln" vertiefen. Die zentrale Forschungsfrage bzw. der methodische Anspruch liegt darin, wie durch den Perspektivwechsel in Form eines Tagebucheintrags ein emotionaler Zugang zu literarischen Texten geschaffen und Empathiefähigkeit gefördert werden kann, um ein Gegengewicht zu rein handlungsorientierten Medienerfahrungen der Jugendlichen zu bilden.
- Handlungs- und produktionsorientierter Literaturunterricht
- Vertiefung des Textverständnisses durch kreatives Schreiben
- Förderung der Empathiefähigkeit durch Perspektivwechsel
- Integration von Teilbereichen des Deutschunterrichts (Lesen, Sprechen, Schreiben)
- Differenzierungsmaßnahmen zur Unterstützung unterschiedlicher Leistungsniveaus
Auszug aus dem Buch
Karin Bolte: Kokeln
Es war ein ganz normaler Sommertag. Er saß in seinem Schuppenversteck und hielt die Streichhölzer in der Hand. Vorsichtig zündete er ein Holz nach dem anderen an und blies es erst aus, wenn der Schmerz an den Fingerspitzen zu stark wurde.
Ein größeres Feuer müsste man machen, dachte er, ein bisschen größer, vielleicht ein ganz großes... Er dachte den Gedanken nicht zu Ende, weil er Angst hatte. Aber zugleich nagte die Idee an ihm und ließ ihm keine Ruhe. Er nahm die Streichhölzer, verbarg sie tief in der Hosentasche und ging durch den Garten. Hinten kletterte er über den Zaun und stand auf der Wiese. Die Kühe waren weit entfernt. Er behielt sie scharf im Auge, für den Fall, dass er schnell weglaufen müsste.
Auf der anderen Seite wurden die Wiesen vom Bahndamm begrenzt. Er kletterte über den Stacheldrahtzaun, der Wiesen und Damm trennte, und legte sich auf die Schrägseite des Dammes in die Sonne. Es war warm und still hier. Als er sich wohlig reckte, knackten unter ihm trockene Zweige und gaben ihm die Idee: Er würde das Gras hier anzünden. Das Gras war nichts wert, man durfte es ruhig tun. Es gehörte niemandem.
Zusammenfassung der Kapitel
Bedingungsfeld: Beschreibung der schulischen Gegebenheiten, der Klassensituation und der Ausgangslage der Lehramtsanwärterin.
1. Sachanalyse: Analyse der Autorin Karin Ulla Bolte sowie der formalen und sprachlichen Merkmale der Kurzgeschichte "Kokeln" inklusive einer Definition des Tagebuchs als literarische Form.
2. Didaktische Analyse: Erörterung fachdidaktischer Ansätze zum handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterricht, der Bezug zum Lehrplan sowie die Relevanz der Thematik für die Schüler.
3. Lehr- und Lernziele: Definition des Grobziels der Unterrichtseinheit und der konkreten Feinziele für die geplante Deutschstunde.
4. Methodische Analyse: Darstellung der organisatorischen Bedingungen, methodischer Voraussetzungen, der geplanten Differenzierung sowie die Strukturierung der Unterrichtsschritte mit Begründung.
5. Verlaufsplanung: Tabellarische Übersicht der geplanten Zeitabläufe, Lehrer- und Schüleraktivitäten, Didaktik sowie der Sozialformen.
Schlüsselwörter
Deutschunterricht, Literaturdidaktik, Kurzgeschichte, Kokeln, Karin Bolte, produktionsorientierter Unterricht, handlungsorientierter Unterricht, Tagebuch, Perspektivwechsel, Textverständnis, Sekundarstufe I, Lesekompetenz, Differenzierung, Empathiefähigkeit, Schreibauftrag
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit ist ein Entwurf für eine Lehrprobenstunde im Fach Deutsch in einer siebten Klasse, die sich mit der Analyse und produktiven Verarbeitung einer Kurzgeschichte befasst.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind die methodische Planung eines handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterrichts sowie die didaktische Aufbereitung eines literarischen Textes für die Sekundarstufe I.
Was ist das primäre Ziel der Unterrichtseinheit?
Das primäre Ziel ist es, das Textverständnis der Schüler durch kreative Schreibaufträge, spezifisch das Verfassen eines Tagebucheintrags aus der Perspektive des Protagonisten, zu vertiefen.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Es wird ein handlungs- und produktionsorientierter Ansatz verfolgt, der durch textanalytische Elemente ergänzt wird, um die Schüler aktiv in die Gestaltung und Interpretation des Gelesenen einzubeziehen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Sachanalyse des Textes, eine didaktische Einordnung in den Lehrplan, die methodische Analyse des Unterrichtsverlaufs sowie eine detaillierte Verlaufsplanung für die 45-minütige Stunde.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Literaturdidaktik, produktionsorientiertes Schreiben, Perspektivwechsel, Textverständnis und Differenzierung im Unterricht.
Warum wurde ausgerechnet die Kurzgeschichte "Kokeln" ausgewählt?
Der Text eignet sich aufgrund seines kindgemäßen Sprachstils und des emotionalen Inhalts besonders gut für Jugendliche, um über den Perspektivwechsel Empathie zu entwickeln und ein Gegengewicht zu gewalthaltigen Medienerfahrungen zu bieten.
Wie gehen Sie mit Schülern um, die beim Schreiben Schwierigkeiten haben?
Es werden Differenzierungsmaßnahmen wie ein "Helfer-System" (starke Schüler unterstützen schwächere) sowie eine "Ideenkiste" mit Schreibanfängen angeboten, um Schreibhemmungen abzubauen.
Wie ist die kritische Würdigung der Arbeitsergebnisse geplant?
Die Präsentation der Ergebnisse erfolgt nach dem "Tip-Top"-Motto, bei dem zunächst das Positive hervorgehoben wird, bevor konstruktive Kritik und Verbesserungsvorschläge folgen.
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- Denise Sula (Author), 2007, Textarbeit - Literaturunterricht: Handlungs- und produktionsorientierter Literaturunterricht zu der Kurzgeschichte "Kokeln" von Karin Bolte, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/74970