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Zur Dialektik bei Adorno und Hegel

Aporie in der 'Minima Moralia' und Aufhebung in der 'Phänomenologie des Geistes'

Titel: Zur Dialektik bei Adorno und Hegel

Hausarbeit , 2006 , 25 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Michael Steinmetz (Autor:in)

Philosophie - Theoretische (Erkenntnis, Wissenschaft, Logik, Sprache)

Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

"Was überdauert, ist kein invariantes Quantum von Leid, sondern dessen Fortschritt zur Hölle: das ist der Sinn der Rede vom Anwachsen der Antagonismen."

Wenn Adorno in seiner Minima Moralia den „Sinn der Rede vom Anwachsen der Antagonismen“ als einen „Fortschritt zur Hölle“ expliziert, so rekurriert er mit diesem Bild in hohem Maße verzerrend auf die Hegel’sche Dialektik: Während in der Phänomenologie des Geistes die Dialektik ihren Ausgang in einem durch Aufhebung der zuerst epistemischen, später sittlichen „Antagonismen“ erwirkten absoluten Geist findet – welcher den vollendeten Weltgeist und somit eine Art vollendete, zumindest begrifflich organisierte Sittlichkeit erfordert –, so endet die Dialektik bei Adorno in der Hölle. Adorno wendet die Hegel’sche Figur pointiert ins Gegenteil – nicht Aufhe-bung, sondern Abstieg ist bei Adorno die Richtung des sittlichen Werdegangs.

Hegels Methode der Dialektik in der Phänomenologie des Geistes und Adornos Methode der Dialektik in der Minima Moralia sollen Gegenstände dieser Untersuchung sein. Unter der Fragestellung: ‚Inwiefern lassen sich Konvergenzen bzw. Divergenzen zwischen den beiden Methoden ausmachen’, sollen die jeweiligen dialek-tischen Theorien – sofern als Theorien überhaupt identifizierbar – zunächst einzeln durchleuchtet und daraufhin miteinander verglichen werden.

Der Fahrplan ist folgendermaßen konzipiert: Zuerst soll Hegels Dialektik anhand der Einleitung der Phänomenologie des Geistes skizziert werden. Der nächste Schritt besteht darin, Adornos Kritik an der Hegel’schen Dialektik, die Adorno wiederum in der Einleitung Minima Moralia vorträgt, zu explizieren. Schließlich soll Adornos Methode der Dialektik selbst – soweit mittels Minima Moralia überhaupt erschließbar – mit Hegels Dialektik der Phänomenologie kontrastiert werden.

Die Arbeit soll sich auf die Minima Moralia und die Phänomenologie des Geistes beschränken. Adornos Negative Dialektik etwa, die für eine adäquate und vollständige Rekonstruktion einer Theorie der Dialektik im Sinne Adornos notwendig ist, soll in dieser Arbeit keine Beachtung finden.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. ZU HEGELS DIALEKTIK

2.1. HEGELS DIALEKTIK IN DER EINLEITUNG DER PHÄNOMENOLOGIE DES GEISTES

2.2. ADORNOS KRITIK AN HEGELS DIALEKTIK

2.3. ADORNOS KRITIK VERSUS PHÄNOMENOLOGIE

3. ZU ADORNOS DIALEKTIK

3.1. ADORNOS DIALEKTIK AM BEISPIEL DER AUFGABE DES INTELLEKTUELLEN

4. ABSCHLIEßENDER VERGLEICH

4.1. DIE AUFHEBUNG DER ANTAGONISMEN

4.2. DAS PRIMAT DES ALLGEMEINEN

4.3. DIE NEGATION DES BLOß INDIVIDUELLEN

5. SCHLUSS

6. LITERATUR

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die unterschiedlichen dialektischen Methoden von G.W.F. Hegel und Theodor W. Adorno, indem sie Hegels „Phänomenologie des Geistes“ mit Adornos „Minima Moralia“ kontrastiert, um die grundlegende Differenz zwischen Hegels „Aufhebung“ und Adornos „Aporie“ zu verdeutlichen.

  • Vergleichende Analyse der dialektischen Ansätze von Hegel und Adorno
  • Untersuchung von Hegels „Phänomenologie des Geistes“ unter dem Fokus der Aufhebung
  • Kritische Würdigung von Adornos „Minima Moralia“ im Kontext seiner Dialektik
  • Diskussion des Verhältnisses von Individuum, Gesellschaft und Totalität
  • Analyse der Rolle des Intellektuellen in der Moderne

Auszug aus dem Buch

3.1. Adornos Dialektik am Beispiel der Aufgabe des Intellektuellen

In den Aphorismen Herr Doktor, das ist schön von Euch und Antithese reflektiert Adorno dialektisch die Aufgabe des Intellektuellen in Anbetracht der „Bestialität“ zu Zeiten des Dritten Reichs. Zuerst evaluiert Adorno Umgänglichkeit bzw. „Anpassung an die Schwäche der Unterdrückten“ als ein „Grobheit, Dumpfheit und Gewalttätigkeit“ perpetuierendes Verhalten. Jedwede Anpassung – ob den Gestus der Herablassung bemühend oder nicht – fungiere lediglich als Bestätigung der bestehenden Machtverhältnisse.

Alles Mitmachen, alle Menschlichkeit von Umgang und Teilhabe ist bloße Maske fürs stillschweigende Akzeptieren des Unmensch-lichen.

Einen scheinbaren Ausweg skizziert Adorno in „unverbrüchliche[r] Einsamkeit“ – allein darin vermöge sich „Solidarität noch zu be-währen“.

Dieser Ausweg wird aber sogleich negiert, denn „[f]ür den, der nicht mitmacht, besteht die Gefahr, daß er sich für besser hält.“ Die Isolation – so in Aphorismus Antithese – bewahre nicht davor, die Kritik an der Gesellschaft „als Ideologie für [...] privates Interesse“ zu missbrauchen. Privates Interesse sei aber gerade als leitende und egozentrische Kraft ein Charakteristikum des Betrieb samen, welches der Isolierte ja zu kritisieren intendiert.

Zusammenfassung der Kapitel

1. EINLEITUNG: Die Einleitung führt in die kontrastierende Fragestellung der Dialektik bei Hegel und Adorno ein und legt den Aufbau der Untersuchung dar.

2. ZU HEGELS DIALEKTIK: Dieses Kapitel erläutert Hegels dialektische Methode der „bestimmten Negation“ sowie die Kritik Adornos daran und die daraus resultierende methodische Gegenüberstellung.

3. ZU ADORNOS DIALEKTIK: Anhand der Aphorismen zur Rolle des Intellektuellen wird Adornos Verständnis von Dialektik als Aporie verdeutlicht.

4. ABSCHLIEßENDER VERGLEICH: Hier werden die zentralen Differenzen – insbesondere die Aufhebung vs. das Bestehenbleiben von Antagonismen sowie das Primat des Allgemeinen – systematisch gegenübergestellt.

5. SCHLUSS: Die Schlussbetrachtung fasst zusammen, dass bei Adorno die Verweigerung einer Versöhnung strukturgebend bleibt und durch das Konzept der Aporie ersetzt wird.

6. LITERATUR: Das Literaturverzeichnis listet die verwendeten Quellen und Forschungsliteratur auf.

Schlüsselwörter

Dialektik, Adorno, Hegel, Minima Moralia, Phänomenologie des Geistes, Aporie, Aufhebung, Antagonismen, Individuum, Totalität, Intellektueller, Kritische Theorie, Philosophie, Subjekt, Negation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit analysiert und vergleicht die dialektischen Methoden von Theodor W. Adorno und G.W.F. Hegel, wobei der Fokus insbesondere auf der unterschiedlichen Handhabung von Antagonismen liegt.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zentrale Themen sind die Dialektik der Aufhebung bei Hegel, die Aporie in Adornos Denken, das Verhältnis von Individuum und Totalität sowie die gesellschaftliche Verantwortung des Intellektuellen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, inwiefern sich Adornos Dialektik von der Hegelschen unterscheidet, insbesondere durch den bewussten Verzicht auf die Synthese zugunsten der Beibehaltung unaufgelöster Aporien.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine komparative philosophische Analyse angewandt, die primär auf der Textinterpretation von Hegels „Phänomenologie des Geistes“ und Adornos „Minima Moralia“ basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung von Hegels Dialektik, Adornos Kritik daran, die praktische Anwendung dieser Dialektik am Beispiel des Intellektuellen sowie einen systematischen Vergleich der methodischen Unterschiede.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Aufhebung, Aporie, Antagonismus, Primat des Allgemeinen, Negation und das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft.

Wie unterscheidet sich Adornos Dialektik konkret von der Hegels?

Während Hegel darauf abzielt, Gegensätze in einer höheren Einheit aufzuheben (Versöhnung), verweigert Adorno diese Versöhnung und lässt die Antagonismen in einer unauflösbaren Aporie bestehen.

Welche Bedeutung hat das Beispiel des Intellektuellen für Adornos Theorie?

Das Beispiel verdeutlicht, dass es aus der Verstrickung in gesellschaftliche Machtverhältnisse keinen einfachen Ausweg gibt, weder durch Anpassung noch durch isoliertes Denken, was Adornos dialektische Aporie unterstreicht.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Zur Dialektik bei Adorno und Hegel
Untertitel
Aporie in der 'Minima Moralia' und Aufhebung in der 'Phänomenologie des Geistes'
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Institut für Philosophie)
Veranstaltung
Adorno: Minima Moralia
Note
1,0
Autor
Michael Steinmetz (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2006
Seiten
25
Katalognummer
V74855
ISBN (eBook)
9783638729260
ISBN (Buch)
9783638795197
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Dialektik Adorno Hegel Adorno Minima Moralia
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Michael Steinmetz (Autor:in), 2006, Zur Dialektik bei Adorno und Hegel, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/74855
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Leseprobe aus  25  Seiten
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