Indonesiens zweiter Präsident Haji Mohammad Soeharto regierte Indonesien von 1965 bis 1998. Er folgte dem Staatsgründer und Unabhängigkeitskämpfer Sukarno, der die Geschicke Indonesiens seit den 1940er Jahren gelenkt hatte, im Amt. Im Gegensatz zu den Versuchen Sukarnos eine pluralistische Demokratie nach westlichem Vorbild in Indonesien zu festigen, etablierte Soeharto mit Unterstützung des Militärs eine autoritäre, formalistische Demokratie. Er regierte mit diktatorischer Hand und schuf ein
patrimoniales Abhängigkeitssystem das gegen Ende seiner Amtszeit sultanistische Züge annahm. Besonders die Wahrung der nationalen Einheit, sowie Ordnung, Stabilität aber auch die wirtschaftliche Entwicklung des Landes waren konstant auf der politischen Agenda. Diese Hausarbeit soll eine Einblick in die Person Soehartos sowie deren patrimoniales Netzwerk geben als auch die Wege und Mittel aufzeigen mit denen Soeharto sich selbst als unumstrittenen Machthaber in Indonesien etablierte.
Inhaltsverzeichnis
1. EINFÜHRUNG
2. SOEHARTO - EINE PERSON UND DESSEN NETZWERK
2.1 LEBENSLAUF SOEHARTOS BIS 1965
2.2 DAS NETZWERK AN VERBÜNDETEN
2.2.1 Die militärische Basis
2.2.2 Das Gespaltene Verhältnis zu den Muslimen
2.2.3 Die profitierenden Unternehmer und das familiäre Netzwerk
3. DER ÜBERGANG VON ALTER ZU NEUER ORDNUNG: 1966 - 1974
3.1 MAßNAHMEN NACH DEM COUP VOM 30.09.1965
3.2 POLITISCHE RESTRUKTURIERUNGEN
3.2.1 Zielsetzung der Neuen Ordnung
3.2.2 Maßnahmen zur Machtkonsolidierung
3.3 POLITISCHE ENTWICKLUNG DES MALARIVORFALLS
4. DIE KONSOLIDIERUNGSPHASE: 1975 - 1985
4.1 PROBLEMATISCHE SITUATIONEN
4.2 MAßNAHMEN ZUR WEITEREN MACHTKONSOLIDIERUNG
5. ORDNUNG IST HERGESTELLT: 1986 - 1993
5.1 POLITISCHE ENTWICKLUNGEN
5.2 ZUNEHMENDE KRITIK
5.3 WIRTSCHAFTLICHE ENTWICKLUNGEN
6. DER REGIERUNGSSTIL SOEHARTOS
6.1 DIE PERSÖNLICHE HERRSCHAFT
6.1.1 Konzentration der zivilgesellschaftlich-politischen Kräfte
6.1.2 Gefallen und Einschüchterung
6.2 DIE PERSÖNLICHKEIT SOEHARTOS
7. ABSCHLUSSBEMERKUNGEN
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Herrschaftssystem Soehartos in Indonesien zwischen 1965 und 1993. Dabei wird analysiert, wie es ihm gelang, durch ein patrimoniales Netzwerk aus Militär, Bürokratie und wirtschaftlichen Eliten ein autoritäres System zu etablieren, das auf den Prinzipien von Ordnung und Stabilität basierte, während es gleichzeitig die Opposition systematisch schwächte.
- Die Etablierung des patrimonialen Herrschaftssystems und des Netzwerk-Gefüges.
- Die Rolle des Militärs und die Entwicklung der "Neuen Ordnung" nach 1965.
- Das ambivalente Verhältnis zur muslimischen Gemeinschaft und der Umgang mit politischem Islam.
- Die Bedeutung von Korruption und Nepotismus als Mittel zur Machtkonsolidierung.
- Der Regierungsstil Soehartos zwischen Einschüchterung und persönlicher Gunst.
Auszug aus dem Buch
2.2.3 Die profitierenden Unternehmer und das familiäre Netzwerk
Soeharto gründete seine Familie im Jahre 1947 als er seine Frau Siti Hartinah heiratete. Aus der Ehe gingen sechs Kinder, drei Jungen sowie drei Mädchen hervor. Vier der sechs Kinder wurden zu wirtschaftlichen Profiteuren Soehartos. Soehartos zweitältester Sohn Bambang Trihatmodjo sowie seine älteste Tochter Siti Hardijanti Rukmana (Spitzname Mbak Tutut) waren seit Beginn der 80er Jahre durch die stark diversifizierte Bimantara Group sowie die Citra Lamtoro Gung Group wirtschaftlich aktiv. Beide Unternehmensgruppen wuchsen außergewöhnlich schnell und zählten, dank gutem Zugang zu Regierungslizenzen sowie Krediten durch staatliche Banken, bereits Anfang der 90er zu den größten Konglomeraten in Indonesien.
Jedoch blieb diese Nepotismus nicht ohne Kritik und besonders Soehartos jüngster Sohn Tommy war höchst umstrittenen. Die von ihm geführte Humpuss Group war und ist überwiegend in der Öl-, Gas- und petrochemischen Industrie aber auch der Holzindustrie sowie dem Nelkenhandel tätig. Tommy nutzte seine Position zu Soeharto nahezu schamlos aus und trug durch sein aggressives öffentliches Auftreten maßgeblich dazu bei, dass Korruption und Nepotismus zu einer politischen Bürde für Soeharto wurden. Insgesamt besaßen vier der sechs Kinder eigene Unternehmen und/oder waren stark in wirtschaftliche Aktivitäten weiterer Profiteure eingebunden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINFÜHRUNG: Diese Einleitung skizziert den Übergang von Sukarnos gelenkter Demokratie zu Soehartos autoritärer Herrschaft und definiert das Ziel der Arbeit, die Mechanismen des patrimonialen Machterhalts aufzuzeigen.
2. SOEHARTO - EINE PERSON UND DESSEN NETZWERK: Dieses Kapitel behandelt die biografischen Wurzeln Soehartos und analysiert seine zentralen Stützen: das Militär, die muslimischen Organisationen sowie das familiäre und unternehmerische Netzwerk.
3. DER ÜBERGANG VON ALTER ZU NEUER ORDNUNG: 1966 - 1974: Fokus auf den Machtantritt nach dem Coup von 1965, die politische Restrukturierung sowie den Wendepunkt durch den Malarivorfall, der zu einer restriktiveren Regierungsführung führte.
4. DIE KONSOLIDIERUNGSPHASE: 1975 - 1985: Darstellung der Phase, in der Soeharto seine Macht trotz wirtschaftlicher und politischer Herausforderungen wie der "Petition der 50" festigte und die Opposition weiter marginalisierte.
5. ORDNUNG IST HERGESTELLT: 1986 - 1993: Analyse der totalen Kontrolle Soehartos über die Staatsorgane, seiner Strategie des "Eroberns und Teilens" sowie der zunehmenden Autoritätskrise gegen Ende der 80er Jahre.
6. DER REGIERUNGSSTIL SOEHARTOS: Untersuchung der persönlichen Herrschaft und des sultanistischen Stils, der auf einer Mischung aus Einschüchterung, Patronage und der psychologischen Ausgestaltung seines Führungsbildes basierte.
7. ABSCHLUSSBEMERKUNGEN: Fazit zur autoritären, formalistischen Demokratie in Indonesien, in der demokratische Institutionen zur Farce degradiert und durch ein patrimoniales System ersetzt wurden.
Schlüsselwörter
Soeharto, Neue Ordnung, Indonesien, Militär, Patrimonialismus, Korruption, Nepotismus, Golkar, Islam, Politische Stabilität, Sultanismus, Wirtschaftswachstum, Machtkonsolidierung, Autoritäre Herrschaft, Dwifungsi
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Herrschaftsstruktur des indonesischen Präsidenten Soeharto von 1965 bis 1993 und untersucht die Mechanismen, mit denen er ein autoritäres, patrimoniales System schuf.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den Schwerpunkten zählen der Einfluss des Militärs, die Rolle des wirtschaftlichen Nepotismus, das Verhältnis zur muslimischen Gemeinschaft sowie die strategische Kontrolle des politischen Systems durch Soeharto.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Wege und Mittel aufzuzeigen, mit denen Soeharto sich als unumstrittener Machthaber etablieren konnte, und das Zusammenspiel zwischen politischer Stabilität und persönlicher Bereicherung der Elite zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer politikwissenschaftlichen Analyse, die historische Ereignisse, Machtstrukturen und sozio-ökonomische Entwicklungen unter Einbeziehung relevanter Fachliteratur auswertet.
Was wird primär im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die chronologische Entwicklung der "Neuen Ordnung", die Analyse der Machtstützen und den speziellen Regierungsstil Soehartos, inklusive der Auswirkungen von Korruption auf die politische Stabilität.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren den Inhalt?
Wesentliche Begriffe sind Soeharto, "Neue Ordnung", Militär, Patrimonialismus, Nepotismus, Golkar, Islam und Sultanismus.
Wie hat sich das Verhältnis zwischen Soeharto und den Muslimen im Laufe der Jahrzehnte verändert?
Anfänglich wurden die Muslime zur Zerschlagung der Kommunisten genutzt, später jedoch durch die Einführung der Pancasila-Ideologie und den Druck zur Integration in die PPP politisch neutralisiert, bis Soeharto ab Ende der 80er Jahre eine vorsichtige Öffnung über das ICMI-Gremium wagte.
Welche Bedeutung hatte das "Dwifungsi"-Konzept für die Herrschaft des Militärs?
Das Konzept der "doppelten Funktion" legitimierte die dauerhafte Präsenz des Militärs in Verwaltung und Parlament, was das Militär zum zentralen Akteur der Machtwahrung Soehartos machte, bis dieser ab den 80ern seinen direkten Einfluss zunehmend beschnitt.
Warum wird Soehartos Herrschaft als "sultanistisch" bezeichnet?
Der Begriff beschreibt den Zustand, in dem politische Entscheidungen innerhalb eines kleinen, persönlichen Zirkels von Vertrauten getroffen werden, ohne sich an bürokratische Normen oder demokratische Kontrollmechanismen zu binden.
- Arbeit zitieren
- Diplomkulturwirt Daniel Weiss (Autor:in), 2006, Indonesien unter Soeharto 1965 bis 1993, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/73613