In der öffentlichen Diskussion in Deutschland gewinnt das Thema „Demographischer Wandel“ immer mehr an Bedeutung. Eine steigende Lebenserwartung, verbunden mit niedrigen Geburtenraten und dem damit einhergehenden Altersstrukturwandel, stellen die Gesellschaft vor neue Herausforderungen. Liegt der Anteil der über 50-Jährigen heute bei rund 36 Prozent, wird bereits in 40 Jahren die Hälfte der deutschen Bevölkerung über 50 Jahre alt sein. Mit diesen Entwicklungen sehen sich fast alle Länder in Europa konfrontiert. Ähnliche Prognosen der zukünftigen Entwicklung der Altersstruktur der Bevölkerung auf dem Arbeitsmarkt veranlassten die Europäische Union (EU) im Jahr 2000 die sogenannte Lissabon-Strategie zu formulieren, in der u.a. die Erhöhung der Erwerbsbeteiligung bis zum Jahr 2010 festgeschrieben wurde. Somit soll in der vorliegenden Arbeit die historische und aktuelle Beschäftigungspolitik in Deutschland betrachtet, und diese mit zwei besonders erfolgreichen EU-Ländern verglichen werden. Es soll untersucht werden, mit welchen Ansätzen und Instrumenten die Politik in Deutschland sowie in den „Erfolgsländern“ Finnland und Großbritannien auf die Herausforderungen des demographischen Wandels auf dem Arbeitsmarkt antwortete und aus einem Vergleich Handlungsempfehlungen für die deutsche Politik abgeleitet werden. Alle drei Länder versuchten die Determinanten Arbeitsfähigkeit und Beschäftigungsfähigkeit Älterer positiv zu beeinflussen. Im Speziellen wurde versucht, Anreize für Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu schaffen, um die Erwerbsfähigkeit im Alter und das sogenannte lebenslange Lernen zu fördern sowie die Arbeitsqualität zu verbessern. Vor allem die zwei erstgenannten Punkte wurden anfangs von der Politik besonders berücksichtigt. Im Vergleich mit den beiden anderen Ländern schneidet Deutschland diesbezüglich am schlechtesten ab. Ein Grund ist sicherlich die inkonsistente Gesetzgebung, die immer noch Anreiz genug setzt, vorzeitig aus dem Erwerbsleben auszuscheiden. Auch steht Deutschland am Anfang des Weges, was Programme und Initiativen angeht, somit hat es aber die Möglichkeit, von den eigenen Erfahrungen sowie der der beiden anderen Ländern zu profitieren.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Aufbau der Arbeit
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Der neoklassische Arbeitsmarkt
2.2 Die Grenznutzentheorie und die Budgetrestriktion
2.3 Die Humankapitaltheorie
2.4 Die Suchtheorie
2.5 Die Theorie der statistischen Diskriminierung
3 Die europäische Beschäftigungspolitik
3.1 Die demographische Entwicklung als Herausforderung für Europa
3.2 Die Politik für Ältere bis zum Jahr 2000
3.3 Berücksichtigung in der Arbeitsmarktpolitik
3.4 Start von Initiativen
3.4.1 Die europäische Beschäftigungsstrategie
3.4.2 Berücksichtigung Älterer in der EBS
3.4.3 Die „Taskforce Beschäftigung“
4 Die Länderstudien
4.1 Begründung der Vergleichsländer
4.2 Deutschland
4.2.1 Die demographische Entwicklung in Deutschland
4.2.2 Die Entwicklung der Erwerbsbevölkerung
4.2.3 Der Arbeitsmarkt für ältere Arbeitnehmer
4.2.4 Die Entwicklung der deutschen Wirtschaftspolitik im Kontext Älterer
4.2.5 Die Gesetzgebung im Kontext Älterer
4.2.6 Weiterbildung
4.2.7 Die Sensibilisierung aller Beteiligten
4.2.8 Programme zur Beschäftigungsförderung Älterer
4.2.9 Zusammenfassung
4.3 Finnland
4.3.1 Die Entwicklung der Bevölkerung
4.3.2 Das finnische Wirtschaftssystem
4.3.4 Die Krise der finnischen Wirtschaft als Initialzündung
4.3.5 The National Program on Ageing Workers als Rahmen
4.3.6 Zusammenfassung
4.4 Großbritannien
4.4.1 Die Bevölkerungsentwicklung
4.4.2 Die Prägung der britischen Politik
4.4.3 Der britische Arbeitsmarkt Älterer
4.4.4 Das britische Rentensystem
4.4.5 Das Regierungsprogramm „New Deal 50 plus“
4.4.6 Förderung von Weiterbildung
4.4.7 Abbau von Diskriminierung und Förderung der Akzeptanz Älterer
4.4.8 Die Sichtweise der Arbeitgeber
4.4.9 Zusammenfassung
4.5 Ein abschließender Vergleich
5 Fazit und Handlungsempfehlungen für Deutschland
5.1 Empfehlungen für die Beschäftigungspolitik für Unternehmen
5.2 Empfehlungen für die Arbeitnehmerpolitik
5.3 Empfehlungen für die Politik für ältere Arbeitslose
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Beschäftigungspolitik für ältere Arbeitnehmer in Deutschland im Vergleich zu den „Erfolgsländern“ Finnland und Großbritannien, um aus deren Ansätzen und Instrumenten Handlungsempfehlungen für die deutsche Politik zur Bewältigung des demographischen Wandels abzuleiten.
- Analyse theoretischer Grundlagen zur Arbeitsmarktsituation älterer Arbeitnehmer
- Untersuchung der europäischen Beschäftigungspolitik und deren Einfluss auf nationale Regelungen
- Vergleichende Länderstudien zu Deutschland, Finnland und Großbritannien
- Evaluation von Best-Practice-Programmen wie „Perspektive 50plus“ oder „New Deal 50 plus“
- Ableitung von Handlungsempfehlungen für Unternehmen, Arbeitnehmerpolitik und Arbeitslosenpolitik in Deutschland
Auszug aus dem Buch
2.1 Der neoklassische Arbeitsmarkt
Der Arbeitsmarkt ist im Sinne der neoklassischen Theorie ein Markt wie jeder andere. Es herrschen Angebot und Nachfrage nach Gütern, welche mittel bis langfristig zu einem Marktgleichgewicht führen. Grundannahme ist dabei der sogenannte Homo oeconomicus, welcher ein einzelnes Wirtschaftssubjekt darstellt, das versucht, seinen eigenen Nutzen zu maximieren (Eigennutzprinzip). Es werden dazu mehrere Prämissen an das Wirtschaftssubjekt sowie an den Markt gestellt. So ist der Marktteilnehmer vollkommen informiert, handelt vollkommen rational, kann unendlich schnell auf Veränderungen reagieren und ist uneingeschränkt mobil. Auf dem Markt herrschen Privateigentum, vollkommene Konkurrenz, Transparenz und Homogenität. Als Allokationsinstrument dient der Preis, welcher das Handeln der Marktteilnehmer beeinflusst und diese zu einem Bieterprozess veranlasst, bis ein Gleichgewichtspreis entsteht, der für alle Marktteilnehmer ein Optimum darstellt.
Überträgt man das neoklassische Modell auf den Arbeitsmarkt, so ergibt sich im Prinzip ein ähnliches Bild. Es wird hier nur ein spezieller Markt betrachtet, auf dem ausschließlich das Gut „Arbeit“ gehandelt wird, welches von den Unternehmen nachgefragt und von den Arbeitern angeboten wird. Der Preis ist der Lohn, der für die Arbeit von den Unternehmen gezahlt bzw. von den Arbeitern verlangt wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema des demographischen Wandels und die daraus resultierende Notwendigkeit der Beschäftigung älterer Arbeitnehmer ein und erläutert den Aufbau der vergleichenden Analyse.
2 Theoretische Grundlagen: Hier werden zentrale ökonomische Theorien wie die Neoklassik, Humankapital- und Suchtheorie dargelegt, um das Verhalten und die Beschäftigungssituation älterer Arbeitnehmer wissenschaftlich zu erklären.
3 Die europäische Beschäftigungspolitik: Dieses Kapitel beschreibt die demographische Herausforderung für Europa und die politischen Initiativen der EU, insbesondere die Lissabon-Strategie zur Steigerung der Erwerbsbeteiligung.
4 Die Länderstudien: In diesem Hauptteil werden Deutschland, Finnland und Großbritannien detailliert hinsichtlich ihrer demographischen Lage, Wirtschaftssysteme und spezifischen Beschäftigungsinitiativen für Ältere analysiert.
5 Fazit und Handlungsempfehlungen für Deutschland: Das Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und gibt konkrete Empfehlungen für Unternehmen, Arbeitnehmerpolitik und Politik für ältere Arbeitslose in Deutschland.
Schlüsselwörter
Beschäftigungspolitik, ältere Arbeitnehmer, demographischer Wandel, Humankapital, Suchtheorie, Diskriminierung, Lissabon-Strategie, Rentenreform, Weiterbildung, Erwerbsquote, Arbeitslosenquote, Deutschland, Finnland, Großbritannien, New Deal 50 plus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Beschäftigungspolitik für ältere Arbeitnehmer in Deutschland im Vergleich zu Finnland und Großbritannien, um Strategien gegen die Folgen des demographischen Wandels aufzuzeigen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind der demographische Wandel, die Beschäftigungsfähigkeit älterer Menschen, Rentenpolitik, Weiterbildungsprogramme sowie die Rolle von Anreizsystemen auf dem Arbeitsmarkt.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, aus dem Vergleich mit den „Erfolgsbeispielen“ Finnland und Großbritannien Handlungsempfehlungen für die deutsche Beschäftigungspolitik abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Datenanalyse, wobei makroökonomische Kennzahlen (Erwerbs- und Arbeitslosenquoten) der Länder verglichen und mit theoretischen Modellen erklärt werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, die europäische Strategie und die detaillierte Analyse der Ländersituationen in Deutschland, Finnland und Großbritannien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Beschäftigungspolitik, demographischer Wandel, Humankapital, Weiterbildung und die spezifischen Reformprogramme wie „New Deal 50 plus“ oder „Perspektive 50plus“.
Warum schneidet Deutschland im Vergleich am schlechtesten ab?
Der Autor führt dies auf eine inkonsistente Gesetzgebung zurück, die trotz Reformen noch immer Anreize für ein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Erwerbsleben bietet.
Welche Rolle spielt die Rentenreform in Finnland?
Finnland hat durch eine grundlegende Rentenreform 2005 finanzielle Anreize so gestaltet, dass ein längerer Verbleib im Erwerbsleben über das gesetzliche Rentenalter hinaus explizit belohnt wird.
Wie unterscheidet sich der britische Ansatz von anderen?
Großbritannien fokussiert insbesondere auf umfassende Betreuung durch den „New Deal 50 plus“ und ein Rentensystem, das aufgrund niedriger Grundrenten einen hohen Druck zur Weiterbeschäftigung erzeugt.
- Arbeit zitieren
- Marian Matuschek (Autor:in), 2007, Die Beschäftigungspolitik für ältere Arbeitnehmer in der Bundesrepublik Deutschland im Vergleich zu Finnland und Großbritannien, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/73498