In der vorliegenden Arbeit möchte ich den Fragen nachgehen, wer der Fremde oder was das Fremde ist? Wen sehe ich als bekannt an und wer gibt mir ein Gefühl der Unvertrautheit? In diesem Zusammenhang möchte ich einen kurzen Sprung in die Zeit der Pubertät machen, wo sich die Identität des Jugendlichen langsam entwickelt und die Jugendlichen sich mit Fragen beschäftigen: Wer bin ich und wer will ich sein? Denn wie Viktor Frankl, der Begründer der Logotherapie schon sagte, „das Ich wird erst am Du zum Ich“. Das bedeutet also, dass der Mensch (in diesem Fall der Jugendliche) seine Frage nach dem Sinn des Lebens nur in Bezogenheit auf andere (in diesem Fall Fremde) beantworten kann.
Weiters stelle ich mir die Frage, was sind überhaupt Grenzen und woher kommen sie? Sind Grenzen etwas Natürliches oder nur künstlich erschaffen, um sich einen Überblick über sich und die Welt zu verschaffen? Für den deutschen Kulturphilosophen und Soziologen Georg Simmel ist Grenze „keine räumliche Tatsache mit soziologischen Wirkungen (…), sondern eine soziologische Tatsache, die sich räumlich formt“ (Simmel, zit. n. Gestrich 1998, S.9).
In einem weiteren Punkt beschäftige ich mich mit der Überschreitung von Grenzen und gehe dabei auf die Migration näher ein, da MigrantInnen in diesem Verhältnis Gebiete und Länder überqueren und „Grenzen“ erfahren. Ich frage mich, wie wird Migration definiert und welche Formen der Migration gibt es? Aus welchen Gründen migriert man(n) oder Frau und welche Probleme entstehen dabei?
Die letzten Fragen denen ich nachgehe, befassen sich mit Migration – Frauenhandel und Prostitution. Wo liegen die Unterschiede zwischen Menschenhandel und Schlepperei? Welche Formen des Frauenhandels gibt es und warum dieser mit Prostitution nichts zu tun haben muss? Außerdem frage ich mich, wie die Anerkennung der Prostitution als Erwerbsarbeit aussieht?
Struktur der Arbeit
1. Einleitung
2. Fremdheit
2.1 Wer ist der Fremde? Was ist „das Fremde?“
2.2 Fremdheit aus der Sicht der Psychoanalyse
2.3 Fremdheit aus der Sicht der Soziologie
2.4 Fremdheit und Identität
3. Grenzen
3.1 Was ist eine Grenze?
3.2 Welche Formen von Grenzen gibt es?
4. Grenzüberschreitungen durch Migration
4.1 Warum migrieren Menschen?
4.1.1 Welche Faktoren sind maßgebend dafür, das Menschen in ein anderes Land migrieren?
4.2 Migrationstheorien
4.2.1 Die Theorie des dualen Arbeitsmarktes
4.2.2 Gender und Migration – Frauen als Migrantinnen
5. Frauenhandel
5.1 Definition von Menschenhandel
5.2 Unterschiedliche Ausprägungen des Frauenhandels
5.2.1 Frauenhandel – Hausangestellten
5.2.2 Frauenhandel – Heiratshandel
5.3 Prostitution und Frauenhandel
6. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die theoretischen Konzepte von Fremdheit und Grenzen im Kontext von Migration sowie die spezifischen Auswirkungen auf Frauen, insbesondere im Hinblick auf Frauenhandel und Prostitution. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie Identität in Abgrenzung zum Fremden konstruiert wird und welche prekären Bedingungen Migrantinnen im Arbeitsmarkt und bei Ausbeutungsverhältnissen vorfinden.
- Psychologische und soziologische Konstruktion von Fremdheit
- Die Funktion und Veränderbarkeit sozialer und physischer Grenzen
- Push- und Pull-Faktoren in der internationalen Migration
- Die prekäre Arbeitssituation von Migrantinnen
- Formen des Frauenhandels und die rechtliche Einordnung der Prostitution
Auszug aus dem Buch
2.1. Wer ist der Fremde? Was ist das „Fremde“?
Im klassischen Sinn ist der Fremde derjenige, der aus der Ferne kommt, der einem unbekannt und unvertraut ist. Es können einem aber auch Menschen fremd sein, die sich einander nah sind. Oft werden auch Menschen, die schon lange in einer Gesellschaft leben als Fremde gesehen, wie z.B. die Slowenen in Kärnten (eigene Anm.) oder die Juden in Deutschland (vgl. Rommelspacher 2003, S. 47).
Simmel formuliert: „der Fremde wird zum Fremden erst als der, der heute kommt und morgen bleibt – sozusagen der potenzielle Wandernde, der, obgleich er nicht weitergezogen ist, die Gelöstheit des Kommens und Gehens nicht ganz überwunden hat“ (Simmel 1992, zit. n. Reinshagen 2000, S. 188).
Im Deutschen hat die Bezeichnung „fremd“, im Gegensatz zum englischen, französischen und italienischen wo es eine neutrale Bedeutung aufweist, einen negativen Gehalt wie man bei den Wörtern: Befremden, fremdeln, fremdgehen und Fremdkörper gut erkennen kann. Heimat, heimisch, daheim und heimisch sind als Gegenbegriffe positiv besetzt. Im deutschen (eigene Anm.: auch österreichischen) Kulturkreis wird das Fremde von jeher misstrauisch und mit Hass und Angst beäugt (vgl. Bartels 1996, S. 19).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der Fremdheit und Identitätsentwicklung ein und skizziert die Leitfragen zu Migration, Grenzen und Frauenhandel.
2. Fremdheit: Dieses Kapitel analysiert aus psychoanalytischer und soziologischer Perspektive, wie Fremdheit konstruiert wird und welche Rolle sie für die Identitätsbildung spielt.
3. Grenzen: Das Kapitel untersucht die Definition und Funktion von Grenzen, sowohl im physischen als auch im übertragenen, sozialen Sinne.
4. Grenzüberschreitungen durch Migration: Hier werden Ursachen für Migration diskutiert sowie theoretische Ansätze (dualer Arbeitsmarkt) auf die Situation von Migrantinnen angewandt.
5. Frauenhandel: Dieses Kapitel definiert Menschenhandel, unterscheidet diesen von Schlepperei und analysiert Ausprägungen des Frauenhandels sowie den Zusammenhang zur Prostitution.
6. Zusammenfassung: Die Arbeit resümiert die theoretischen Erkenntnisse zu Fremdheit, Grenze und Migration und fasst die Problematik der Ausbeutung von Migrantinnen zusammen.
Schlüsselwörter
Migration, Fremdheit, Identität, Grenzen, Frauenhandel, Prostitution, Menschenhandel, Arbeitsmarkt, Geschlecht, Diskriminierung, Soziologie, Psychoanalyse, Existenzanalyse, Ausbeutung, Integration.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Zusammenspiel von Fremdheitszuschreibungen, Grenzziehungen und Migrationsprozessen mit einem besonderen Fokus auf die prekäre Lebens- und Arbeitssituation von Migrantinnen sowie den Frauenhandel.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder sind die soziopsychologische Theorie der Fremdheit, Theorien zur Identitätsbildung, Migrationsursachen und die strukturelle Analyse von Frauenhandel und Prostitution.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, ein Verständnis dafür zu entwickeln, wie Migrantinnen durch gesellschaftliche Machtverhältnisse und patriarchalische Strukturen in ausbeuterische Abhängigkeiten geraten.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es handelt sich um eine Literaturarbeit, die auf soziologischen und psychologischen Theorien basiert, um Begriffe wie Identität und Fremdheit zu explizieren und in Bezug zur Migration zu setzen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des „Fremden“, die Bedeutung von Grenzziehungen, die Analyse von Migrationstheorien sowie eine detaillierte Auseinandersetzung mit dem Frauenhandel.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Fremdheit, Migration, Frauenhandel, Identität und prekäre Beschäftigungsverhältnisse charakterisiert.
Welche Rolle spielt die Psychoanalyse in dieser Arbeit?
Die Psychoanalyse, insbesondere die Logotherapie, dient dazu, Fremdheit nicht nur als äußeres Phänomen, sondern als innere Distanz und Folge von Beziehungsarmut oder Angst zu verstehen.
Wie unterscheidet die Autorin zwischen Menschenhandel und Schlepperei?
Die Autorin betont, dass beim Menschenhandel das Ziel der Profitgewinnung aus der ausgebeuteten Person im Vordergrund steht, während die Schlepperei primär als Dienstleistung für den Grenzübertritt fungiert.
- Arbeit zitieren
- Mag.phil. Sandra Wipfler (Autor:in), 2006, Fremde - Migration - Frauenhandel - Prostitution, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/73195