Die offensichtliche wie vielschichtige Verquickung von Architektur und Film werden in dieser Arbeit anhand zweier Filme vergleichend analysiert. Es handelt sich dabei um “Solaris” von Andreij Tarkovski (1972) sowie das gleichnamige Remake von Steven Soderbergh (2003). Die auf einer Novelle von Stanislav Lem basierenden Werke eignen sich durch eine vordergründige und gegensätzliche Verwendung von Architektur als Ausdrucksmittel im Film besonders zu einer ausführlichen analytischen Betrachtung. Diese geschieht auch reflektierend auf den architektonisch-filmhistorischen Kontext - zwischen "Metropolis" und "Blade Runner" - .
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung/Motivation
1.1 Plot
2. Architektur in Tarkovskijs Solaris
2.1 Der gestaltete Raum als Einblick in die Seele der handelnden Person
2.2 Die “Privat”-Räume
2.3 Gemeinschafts-Räume
2.4 Der gestaltete Raum als Assoziativfeld verschiedener Erzählebenen
3. Raumkonzeption in Soderbergs Solaris
3.1 Der Mensch in der Grossstadt
3.2 Die Homogenität des Set-Designs
4. Vergleich der Raumkonzeptionen.
5. Schluss/Resumeé
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die unterschiedliche Verwendung von Architektur als Ausdrucksmittel in den Solaris-Verfilmungen von Andreij Tarkovski (1972) und Steven Soderbergh (2002), um zu analysieren, wie sich die Raumgestaltung auf die Vermittlung psychischer Zustände der Protagonisten auswirkt.
- Analyse der Architektur als filmisches Ausdrucksmittel
- Vergleich der räumlichen Gestaltung bei Tarkovski und Soderbergh
- Die Bedeutung von Filmsets als Abbild des Seelenzustandes
- Kontrastierung von Realität, Erinnerung und Raumkonzeption
- Einfluss der Produktionsverhältnisse auf das Set-Design
Auszug aus dem Buch
2.2 Die “Privat”-Räume
“Wenn ein Regisseur eine ´mis en scene´ strukturieren will, muss er dabei vom psychischen Zustand seiner Helden ausgehen, von der Inneren dynamischen Stimmung einer Situation[..].”
Das Zimmer, das Kris Kelvin (Donatas Sanionis) bei seiner Ankunft vorfindet, ist ganz in Weiss gehalten, in modern-futuristischem Design (oder was man in den 60er 70er jahren dafür hielt) der Möbel, alles schlicht und rational eingerichtet. Die vorherrschende Farbe ist Weiss, vermittelt Ordnung, Sauberkeit, Helligkeit. Die Möbel sind in die Wände integriert und ergeben so eine Einheit. Die Linienstruktur der Wände unterstützt optisch ihre Wölbung sowie die Runde Bauform des gesamten Raumes; das Material wirkt weich. Akzentuiert wird der Raum durch die beiden Sessel in Braun, der Farbe, mit der Tarkovskij die Erde beschreibt (siehe Bibliothek). Der Raum wird in erster Einstellung in der Totalen gezeigt. Er spiegelt einen Kris Kelvin wider, der sich wie im Buch als rational, wissenschaftlich, vielleicht skrupellos beschreiben lässt. Er schläft auf dem Bett, ohne die Schutzfolie zu entfernen. Dieses Zimmer wandelt sich im Laufe des Films, parallel möchte man sagen, zum Innen- und Aussenleben Kris Kelvins. Nach der Ankunft Hareys nimmt die Unordnung zu, das Bett gleicht einem Ehebett, Blautöne kolorieren das Weiss des Raumes, das Zimmer wird belebt, beseelt. Snaut bringt Papierstreifen an der Klimanalage an, die das Geräusch im Winde wehender Bäume imitieren. Man könnte sagen, die Erde zieht ein in den Raum , mit allen Widersprüchen und Wirrungen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung/Motivation: Einführung in die Thematik der Verbindung von Film und Architektur sowie Darstellung des Plots von Solaris.
2. Architektur in Tarkovskijs Solaris: Analyse der komplexen, symbolträchtigen Raumgestaltung und deren Wirkung als Spiegel der Psyche in Tarkovskis Film.
3. Raumkonzeption in Soderbergs Solaris: Untersuchung des minimalistischen, funktionalen Set-Designs und der Isolation des Menschen im städtischen Raum in Soderberghs Version.
4. Vergleich der Raumkonzeptionen.: Gegenüberstellung der Arbeitsweisen beider Regisseure hinsichtlich Linearität und Komplexität der Raumwirkung.
5. Schluss/Resumeé: Fazit zur unterschiedlichen Wirksamkeit der Raumkonzeptionen und deren Einfluss auf die emotionale Distanz des Zuschauers.
Schlüsselwörter
Solaris, Andreij Tarkovski, Steven Soderbergh, Filmarchitektur, Raumkonzeption, Stanislav Lem, Set-Design, Mis-en-scene, Nostalgie, Science-Fiction, Raumstation, Psychologie, Symbolik, Kinematographie, Erzählebenen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die spezifische architektonische Gestaltung und deren Rolle als Ausdrucksmittel in den zwei Solaris-Verfilmungen von Tarkovski und Soderbergh.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Verhältnis von Film und Architektur, die filmische Umsetzung von Räumen als Spiegel menschlicher Psyche und der Vergleich narrativer Strukturen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Unterschiede in der filmischen Raumkonzeption zwischen den beiden Regisseuren aufzuzeigen und zu klären, wie diese den Zuschauer emotional und intellektuell ansprechen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende Filmanalyse, die auf Basis filmtheoretischer Modelle und der Analyse von Set-Design und Kameraführung durchgeführt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Analyse der einzelnen Solaris-Verfilmungen und deren abschließenden direkten Vergleich.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind Solaris, Filmarchitektur, Raumkonzeption, Symbolik und die psychologische Tiefenebene der Gestaltung.
Wie unterscheidet sich die Farbgebung in den beiden Filmen?
Tarkovski nutzt Farben gezielt und plakativ zur Assoziationssteuerung, während Soderbergh eher kühl-blaue und grüne Lichtstimmungen zur Differenzierung zwischen Raumstation und Erde einsetzt.
Warum spielt die Bibliothek in Tarkovskis Film eine so wichtige Rolle?
Die Bibliothek fungiert als einziger sicherer Ort und als kulturelles Archiv der Erde, welches durch die Ansammlung von Kunstobjekten die menschliche Identität inmitten des Alls repräsentiert.
- Arbeit zitieren
- Christoph Limbach (Autor:in), 2007, Raumkonzeption bei Tarkovskij und Soderbergh am Beispiel von "Solaris", München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/73066