Diese Schulpraktische Studie ist auf der Basis meiner Erfahrungen in meinem Schulpraktikum entstanden. Die Erfahrungen und völlig neuen Eindrücke, die ich in meinen 5 Wochen am LGG gewann, waren wesentlich vielfältiger und überraschender als ich dies erwartet hatte - schließlich liegt meine eigene Schulzeit ja gar nicht so weit zurück.
Schon allein aufgrund der schieren Zahl ist es mir unmöglich mich in dieser Studie mit allen Erfahrungen zu beschäftigen. Ich möchte mich deshalb hier weitgehend auf die meiner Ansicht nach wichtigste Beobachtung beschränken, nämlich das Phänomen des gestörten Unterrichts.
Dieses Phänomen entdeckte ich während meines Schulpraktikums praktisch völlig neu. Sicher war ich während meiner eigenen Schulzeit Zeuge von Unterrichtsstörungen und auch hin und wieder daran beteiligt gewesen. Aber erstens hatte ich dies wohl über die positive Erfahrung mit meinem Abitur fast völlig vergessen. Und zweitens - und das ist viel wichtiger - hatte ich es in meinem Praktikum jetzt erstmals als „Gestörter“ erfahren. Eine sehr schmerzvolle Erfahrung, die mich nachforschen ließ, wie man dies vermeiden könnte. Herausgekommen ist dabei diese Arbeit.
Es soll hier zunächst kurz die Schule vorgestellt werden, an welcher ich das Praktikum absolvieren durfte.
Es folgt ein Abschnitt über meine Erfahrungen, die ich während des Praktikums als Hospitant gemacht habe. Diese bestanden vor allem darin, dass selbst an einem elitären Gymnasium wie dem LGG Unterrichtsstörungen ein Thema sind (und zwar vor allem in der Mittelstufe), andererseits aber auch verschiedene Lehrer ganz unterschiedlich mit diesen Störungen umgehen. In diesem Abschnitt werde ich mich daher auch mit den drei von mir am LGG vorgefundenen Lehrertypen beschäftigen. Hierunter gibt es einen Lehrertypus, nämlich den seine Schüler verstehenden Lehrer, der meiner Meinung nach als einziger richtig mit diesem Thema umging. „Seine Schüler verstehen“, das ist aber viel mehr als seine Schüler ernst zu nehmen. Das bedeutet auch für die Schüler interessanten Unterricht zu gestalten, über eventuelle Probleme in der Klassengemeinschaft bescheid zu wissen und schließlich Unterrichtsstörungen als das wahrzunehmen, was sie eventuell sind: konstruktive Kritik. Wie dies zu verstehen ist - Unterrichtstörung als konstruktive Kritik von der Schülerseite - soll in meinem Schwerpunktteil erläutert werden. [...]
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
„Meine Schule“: das Ludwig-Georgs-Gymnasium
Ein Tafelbild
Mein eigener Eindruck
Der Hospitationsverlauf
Meine Stundenpläne
Eindrücke aus den 5 Wochen
Eigener Unterricht
Politik und Wirtschaft (Klasse 8), Thema: Jugendrecht
Deutsch (Klasse 5), Thema: „Ich bin ein Stern“ von Inge Auerbacher
Schwerpunkt: Unterrichtsstörungen verstehen
Resümee
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Schulpraktische Studie untersucht das Phänomen von Unterrichtsstörungen aus der Perspektive eines Praktikanten. Ziel ist es, durch die Analyse hospitierter Unterrichtssituationen sowie eigener Lehrerfahrungen Wege aufzuzeigen, wie Lehrer konstruktiv mit Störungen umgehen können, indem sie diese als Rückmeldungen für die Unterrichtsgestaltung begreifen.
- Beobachtung und Kategorisierung von Lehrertypen im Umgang mit Störungen
- Analyse der Schülerentwicklung und ihrer Interessen in verschiedenen Altersstufen
- Reflexion des eigenen Lehrerhandelns bei der Planung und Durchführung von Unterricht
- Verständnis von Unterrichtsstörung als konstruktiver Veränderungsimpuls
- Bedeutung der Lehrer-Schüler-Interaktion für die Disziplin
Auszug aus dem Buch
Von Laissez-faire bis Old-school: 3 Typen von Lehrern
Ich habe am LGG – grob kategorisiert – drei verschiedene Lehrertypen kennengelernt. Ich nenne sie mal den „Studienrat nach alter Schule“, den „überforderten Lehrer“ und einen Lehrertypus, den man wohl als den „optimalen Lehrer“ bezeichnen muss.
Zunächst wäre da also der „überforderte Lehrer“. Hierbei handelt es sich meist um junge Lehrer (d.h. wohl besser: junge Lehrerinnen!), die noch sehr verunsichert sind, sich den Klassen aber nicht gleich als „bad guy“ darstellen wollen und ihnen deswegen große Freiheiten einräumen und so versuchen zu einem guten Verhältnis mit der Klasse zu kommen. Dieser Versuch geht aber meist nach hinten los – vor allem in der „rebellischen Mittelstufe“ (s.o.). Weil diese Lehrer es meist vermeiden die Schüler in ihre Grenzen zu weisen, die Schüler aber gerade in diesem Alter diese Grenzen austesten möchten, spielt sich dies wie in einem Teufelskreis hoch – und am Ende steht das Chaos. Ich und ein anderer Hospitant beobachteten vor allem eine junge Lehrerin, in deren Klasse es drunter und drüber ging. Und die dies vor allem darauf zurückführte, dass sie den Schülern von Anfang an zu große Freiheiten gelassen hatte. Hat man aber einmal die Kontrolle verloren, ist es sehr schwer, ja fast unmöglich diese zurückzugewinnen.
Aber auch „alte Hasen“ sind vor diesem Problem nicht gefeit. Wir beobachteten einen Lehrer, der ebenfalls einen sehr lockeren Unterrichtsstil pflegte. Auch hier wurde dies von den Schülern erbarmungslos ausgenutzt und einmal flogen in einer Stunde sogar Schwämme und Kreide durch die Klasse! Aber auch bei diesem Lehrer war das Konzept mit dem Problem fertig zu werden kein anderes als bei der jungen Lehrerin: Hausaufgabenabfrage, Hausaufgabenabfrage, Hausaufgabenabfrage...
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Der Autor führt in seine Praktikumserfahrungen am LGG ein und benennt Unterrichtsstörungen als das zentrale Thema seiner Studie.
„Meine Schule“: das Ludwig-Georgs-Gymnasium: Dieses Kapitel skizziert das Profil der Praktikumsschule und die persönlichen Eindrücke des Autors vom Schulklima.
Der Hospitationsverlauf: Hier werden die absolvierten Stundenpläne dokumentiert und allgemeine Beobachtungen zur Entwicklung der Schülerschaft über die Unter-, Mittel- und Oberstufe hinweg geschildert.
Eigener Unterricht: Der Autor reflektiert zwei von ihm selbst gehaltene Stunden, inklusive der Planungsskizzen, Durchführung und einer kritischen Nachbetrachtung.
Schwerpunkt: Unterrichtsstörungen verstehen: Dieser theoretisch fundierte Teil analysiert das Wesen von Unterrichtsstörungen, beleuchtet Ursachen beim Lehrer und diskutiert Lösungsansätze.
Resümee: Das Kapitel fasst die gewonnenen Erkenntnisse zusammen und übt Kritik an der mangelnden Kooperation innerhalb des Lehrerkollegiums.
Schlüsselwörter
Schulpraktikum, Unterrichtsstörungen, Lehrerrolle, Hospitation, Unterrichtsvorbereitung, Schülerinteressen, Disziplin, Pubertät, pädagogische Reflexion, Lernkultur, Lehrertypen, Frontalunterricht, Schulklima, didaktische Methoden, konstruktive Kritik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit ist ein Praktikumsbericht, der sich mit den Erfahrungen während eines fünfwöchigen Schulpraktikums am Ludwig-Georgs-Gymnasium befasst, mit besonderem Fokus auf den Umgang mit Unterrichtsstörungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Hospitation im Unterricht, die Rollenfindung als Lehrer, der Umgang mit verschiedenen Schülertypen in unterschiedlichen Klassenstufen und die Ursachenanalyse von Disziplinproblemen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Unterrichtsstörungen nicht nur als Störung zu betrachten, sondern als „Veränderungsimpuls“, der den Lehrer zur kritischen Selbstreflexion und Anpassung seines Unterrichts an die Interessen der Schüler zwingt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt die teilnehmende Beobachtung (Hospitation), die Analyse selbst durchgeführter Unterrichtsstunden und die kritische Auseinandersetzung mit fachdidaktischer Literatur zu Unterrichtsstörungen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des Schulalltags, die Reflexion eigener Unterrichtsversuche (Politik/Wirtschaft und Deutsch) sowie eine theoretische Fundierung zum Verständnis von Unterrichtsstörungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Unterrichtsstörungen, Lehrerrolle, Hospitation, Schülerinteressen und pädagogische Selbstreflexion.
Wie unterscheidet der Autor verschiedene Lehrertypen?
Er kategorisiert Lehrer in den „überforderten Lehrer“, den „Studienrat nach alter Schule“ und den „optimalen Lehrer“, wobei er den letzten Typus durch seine Fähigkeit definiert, echtes Interesse bei Schülern zu wecken.
Warum spielt die Mittelstufe eine besondere Rolle bei Unterrichtsstörungen?
Laut Beobachtung des Autors treten in der Mittelstufe vermehrt Störungen auf, da die Schüler in der Pubertät Grenzen austesten und ihr soziales Umfeld für sie wichtiger wird als die fachlichen Inhalte.
Was bedeutet es, Unterrichtsstörungen als „Mitteilungen“ zu verstehen?
Es bedeutet, Störungen als Ausdruck von Unzufriedenheit oder mangelnder Passung des Unterrichts zu interpretieren, anstatt sie bloß als Regelverstoß zu sanktionieren.
- Arbeit zitieren
- Vincent Steinfeld (Autor:in), 2004, Über den richtigen Umgang mit Unterrichtsstörungen, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/71470