Welche Eigenschaften und Lebensweisen machten den Naturmenschen, wie Jean-Jacques Rousseau Ihn sah aus? So lautet die zentrale Frage dieser Hausarbeit, die anhand von Rousseaus „Abhandlung über den Ursprung und die Grundlagen der Ungleichheit unter den Menschen“ geklärt werden soll. Genauer betrachtet wird dabei der 1. Teil von Rousseaus Abhandlung, die im Original Discours sur l’orginie et les fondements de l’integralité parmi les hommes heißt, und die Rousseau 1755 verfasst hat. Es ist mit großer Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass der Naturmensch in der Form wie Rousseau Ihn beschreibt nie existiert hat. Zu unwahrscheinlich ist der Gedanke, dass sich die Menschheit in Ihrer Trägheit aus dem Naturzustand befreien konnte, um sich im Anschluss so immens zu entwickeln.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Menschenbilder
3. Über den Menschen im Naturzustand
3.1. Die Eigenschaften
3.2 Die Lebensweise
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Menschenbild Jean-Jacques Rousseaus in seiner Abhandlung über die Ungleichheit unter den Menschen, um die spezifischen Merkmale und Lebensweisen des sogenannten Naturmenschen zu definieren.
- Analyse der philosophischen Definition des Naturmenschen im Vergleich zum zivilisierten Menschen.
- Untersuchung der körperlichen und organischen Eigenschaften des Menschen im Naturzustand.
- Betrachtung der isolierten Lebensweise und der fehlenden gesellschaftlichen Abhängigkeiten.
- Diskussion über das Konzept des Mitleids und die Natur des menschlichen Triebes.
- Kritische Einordnung von Rousseaus Entwurf als Gegenmodell zur modernen Zivilisation.
Auszug aus dem Buch
3. Über den Menschen im Naturzustand
Der Mensch im Naturzustand weist vom frühsten Kindesalter an „eine sehr robuste und fast unverwüstliche Körperbeschaffenheit“ (a. a. O. S. 36) auf. Er ist in dieser dem zivilisierten Menschen deutlich überlegen. Grund dafür sind unter anderem die Naturgesetze, die verhindern dass ein schwacher Mensch sich in der Welt durchsetzen und überleben kann. Er ist von einer so starken körperlichen Robustheit geschaffen, dass er weniger krankheitsanfällig ist als der zivilisierte Mensch und ihm einzig und allein Gefahr durch Verletzung oder das Alter droht, wobei die altersbedingte Schwächung dadurch kompensiert wird, dass „der Bedarf an Nahrung mit der Fähigkeit abnimmt, sie zu beschaffen“ (a. a. O. S. 39). Folglich bedarf es auch keiner Ärzte oder Medikamente, und trotzdem befindet sich der Naturmensch in keiner schlechteren Lage als alle anderen Wesen (vgl. a. a. O. S. 41). Rousseau ist der Auffassung, dass sich die Natur um alle Wesen kümmert und ihnen zu einer Struktur verhilft, die Krankheiten abwehren kann. So seien Tiere im Wald größer, stärker und mutiger als die Tiere gleicher Art, welche auf den Höfen der Bauern gepflegt und gehegt würden (vgl. a. a. O. S. 42).
Da der Mensch im Naturzustand ständig Bedrohungen und Gefahren ausgesetzt ist, muss er immer aufmerksam und ausgeruht sein. Er schläft gerne, hat aber „einen sehr leichten Schlaf, wie die Tiere, die wenig denken“ (a. a. O. S. 43).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung formuliert die Forschungsfrage nach den Eigenschaften des Naturmenschen laut Rousseau und stellt den Bezug zur Abhandlung über die Ursprünge der Ungleichheit her.
2. Menschenbilder: Dieses Kapitel unterscheidet zwischen dem physischen Naturmenschen und dem zivilisierten Menschen, wobei der Mensch im Naturzustand als robustes, instinktgesteuertes Wesen beschrieben wird.
3. Über den Menschen im Naturzustand: Der Hauptteil analysiert die körperliche Konstitution und die isolierte Lebensweise, die durch Instinkt und das Fehlen gesellschaftlicher Strukturen geprägt ist.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Rousseaus Modell eine theoretische Konstruktion darstellt, die primär als Kritik an der modernen zivilen Gesellschaft zu verstehen ist.
Schlüsselwörter
Jean-Jacques Rousseau, Naturmensch, Naturzustand, Zivilisation, Menschbild, Ungleichheit, Mitleid, Instinkt, Physis, körperliche Robustheit, Gesellschaftskritik, Lebensweise, Anthropologie, Vernunft, Autarkie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht das Bild des sogenannten „Naturmenschen“, wie es Jean-Jacques Rousseau in seiner einflussreichen Abhandlung über die Ungleichheit unter den Menschen gezeichnet hat.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Fokus stehen die physischen Eigenschaften des Menschen im Naturzustand, die Abgrenzung zum zivilisierten Menschen sowie die soziologische Lebensweise ohne gesellschaftliche Bindungen.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die zentrale Frage lautet, welche spezifischen Eigenschaften und Lebensweisen den Naturmenschen nach der Auffassung von Jean-Jacques Rousseau ausmachen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine geisteswissenschaftliche Textanalyse, basierend auf der Lektüre und Interpretation von Rousseaus 1755 verfasster Abhandlung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Menschenbildes im Allgemeinen sowie eine detaillierte Betrachtung der körperlichen Verfassung und der autarken Lebensweise des Naturmenschen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Untersuchung?
Zu den prägenden Begriffen gehören Naturzustand, Zivilisation, Instinkt, Mitleid, physische Robustheit und gesellschaftliche Ungleichheit.
Ist der von Rousseau beschriebene Naturmensch historisch belegbar?
Der Autor führt aus, dass es mit großer Wahrscheinlichkeit anzunehmen ist, dass der von Rousseau beschriebene Naturmensch in dieser konkreten Form nie existiert hat.
Warum betont Rousseau die Bedeutung des Mitleids bei Naturmenschen?
Rousseau sieht im Mitleid eine natürliche Tugend, die beim Naturmenschen stärker ausgeprägt ist als beim zivilisierten Menschen, da die Identifikation mit anderen leidenden Wesen unmittelbarer erfolgt.
Inwiefern ist Rousseaus Werk als Gesellschaftskritik zu interpretieren?
Da Rousseau dem Naturzustand deutlich weniger Kritik entgegenbringt als der zivilisierten Gesellschaft, kann die Abhandlung als fundamentale Kritik an den Folgen der gesellschaftlichen Entwicklung und der Vernunftnutzung verstanden werden.
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- cand.paed Florian Hering (Author), 2004, Eigenschaften und Lebensweisen des Naturmenschen laut Jean-Jacques Rousseau, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/71258