Die Diskussion um die Wirkung von Gewaltdarstellung in den Medien scheint trotz ihrer langen Tradition nicht an Brisanz zu verlieren. Schon der griechische Philosoph Platon sprach sich für eine Zensur der Märchen und Sagen aus, weil er befürchtete, diese könnten einen schlechten Einfluss auf die Jugend haben. Genauso sah der englische Schriftsteller Alexander Pope, die Verrohung der Jugend durch anspruchs- und sinnlosen Lesestoff. Auch wenn die Märchen, um die sich Platon noch sorgte, längst dem Massenmedium Fernsehen gewichen sind, so ist die Problematik gleich geblieben, die die Gemüter im Gewaltdiskurs erregt. Die Frage nach der Wirkung von Gewaltdarstellungen zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte der Medienwirkungsforschung. Heute gibt es nach Schätzungen mehr als fünftausend Arbeiten zur Gewaltthematik. Trotz dieser Vielzahl an vorliegenden Studien sind die Ergebnisse oft nicht eindeutig, veraltet oder lückenhaft. Zudem divergieren die Ansichten innerhalb der Gewaltdiskussion erheblich voneinander.3
Diese Hausarbeit verfolgt das Ziel aus der Fülle der Informationen vor allen Dingen auf folgende Fragen einzugehen: Trägt das Fernsehen zur Gewalt von Kindern und Jugendlichen mit bei und wenn ja, in welchem Maße, steigern violente Inhalte die Aggressionsbereitschaft? Welchen Einfluss haben Medien auf die Entwicklung von Jugendlichen? Und warum wird dem Aspekt der Geschlechterdifferenzierung bei der Rezeption von Gewalt im Fernsehen nicht genug Beachtung geschenkt? Um auf diese Fragen näher einzugehen, erscheint es unumgänglich sich mit der Definition der Begriffe „Gewalt“ und „Gewaltdarstellung“, auseinander zusetzen. Denn nur auf diese Weise können die oben genannten Fragen adäquat beantwortet werden. In diesem Zusammenhang soll auch die Entwicklung des deutschen Fernsehens und deren Einfluss auf die Gewaltdarstellung und den möglichen Auswirkungen auf den Rezipienten, näher betrachtet werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlagen der Medienwirkungsforschung
3. Gewalt im Fernsehen; Begriffe, Entwicklung und Wirkung
3.1 Annäherung an den Gewaltbegriff und die Wurzeln der Gewalt
3.2 Die Entwicklung des Deutschen Fernsehens und deren Einfluss auf die Gewaltdarstellung
3.3 Die Faszination an der Gewalt
4. Medienrezeption
4.1 Rezipienten
4.2 Zuschauer
4.3 Mediennutzung in der Bundesrepublik Deutschland
5. Kindheit und Jugend und die Bedeutung der Medien
5.1 Gründe für die Nutzung von Gewaltdarstellungen
5.2 Auswirkungen medialer Gewalt auf Kinder und Jugendliche
5.3 Wie verstehen Kinder und Jugendliche Gewalt im Fernsehen?
5.4 Wege zum besseren Umgang des Gewaltkonsums von Kindern und Jugendlichen
Fazit
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Wirkung von Gewaltdarstellungen im Fernsehen auf Kinder und Jugendliche. Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob und in welchem Maße der Fernsehkonsum aggressives Verhalten begünstigt und welche Rolle individuelle Faktoren sowie die Geschlechterdifferenzierung bei der Medienrezeption spielen.
- Medienwirkungsforschung und deren theoretische Grundlagen
- Entwicklung des deutschen Fernsehangebots und dessen Bezug zu Gewaltdarstellungen
- Geschlechtsspezifische Nutzungsmotive und Wirkungsunterschiede
- Medienkompetenz und pädagogische Ansätze zur Vermittlung
Auszug aus dem Buch
3.3 Die Faszination an der Gewalt
Die Tatsache, dass Gewaltdarstellungen die Gemüter erregen, ist nicht erst durch das Massenmedium Fernsehen bekannt geworden, sondern kann durch Darstellungen in der Bibel bis hin zu Shakespeares Werken, belegt werden.27
Was fasziniert den Menschen an der Gewalt?- Gewalt bewegt sich in den Bereichen des Abschreckenden, Furchteinflößenden und Abstoßenden. Moralität und Sozialität sind ihr fremd. Gewalt fällt aus dem Rahmen der gesellschaftlichen Konventionen, denn sie ist verboten. Es sind genau diese Aspekte, welche die Anziehungskraft zwischen der abscheulichen Gewalt und dem Menschen, ausmachen. Gewalt fügt denen, die sie erleiden müssen Schmerz zu, denen, die sie ausüben verleiht sie Übermacht, Kontrolle und oft auch Lust.28 Durch Gewalt wird ein Machtverhältnis ausgedrückt. Die Person, die Gewalt ausübt besitzt für diesen Moment vollkommene Macht über eine andere. Gewaltdarstellungen halten dem Menschen provozierend vor Augen, was er im Zuge der Zivilisierung gewonnen, aber auch verloren hat.29 In den meisten Kulturkreisen kann Gewalt nicht ohne eine Sanktion ausgeführt werden. Die Macht liegt letztendlich beim Staat und seinen Kontrollinstanzen. „Keine menschliche Gesellschaft kann letztendlich dem Paradox entgehen, dass sie mit Gewaltanwendung gewaltlose Zustände herbeiführen möchte.“30
Fernsehgewalt ermöglicht dem Rezipienten in die verbotene Welt der Gewalttätigkeit einzutauchen und sowohl visuell als auch emotional an Gewalthandlungen mit teilzunehmen, die er in der Gesellschaft nicht ohne weiteres ausführen könnte. Dem Zuschauer wird ein dramaturgisches hochwertiges, aber dennoch risikoloses Miterleben von Gewalt ermöglicht. Denn letztendlich ist sich der Rezipient darüber bewusst, dass er sich in einem sicheren Abstand zum beobachteten Geschehen befindet.31
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einführung erläutert die anhaltende Relevanz der Mediengewalt-Diskussion und definiert die Forschungsfragen der Arbeit sowie das Ziel, sich mit Begriffen und medienwissenschaftlichen Grundlagen auseinanderzusetzen.
2. Grundlagen der Medienwirkungsforschung: Das Kapitel skizziert die historische Entwicklung und die verschiedenen theoretischen Ansätze der Medienwirkungsforschung, von frühen Stimulus-Response-Modellen bis hin zu differenzierteren Wirkungsannahmen.
3. Gewalt im Fernsehen; Begriffe, Entwicklung und Wirkung: Hier werden der Gewaltbegriff definiert sowie die Entwicklung des deutschen Fernsehens seit den 1980er Jahren und die psychologische Faszination am Phänomen der Gewalt analysiert.
4. Medienrezeption: Dieser Abschnitt befasst sich mit dem Rezipienten als aktivem Zuschauer und beleuchtet detailliert die Mediennutzungsgewohnheiten in Deutschland unter Berücksichtigung unterschiedlicher Rezipiententypen.
5. Kindheit und Jugend und die Bedeutung der Medien: Das zentrale Kapitel untersucht Motive für den Konsum von Gewaltinhalten, die spezifischen Auswirkungen auf junge Zuschauer und Strategien für eine verbesserte Medienkompetenz und Medienerziehung.
Fazit: Die Schlussbetrachtung fasst zusammen, dass Medien nicht isoliert betrachtet werden dürfen und plädiert für einen ganzheitlichen Ansatz, der den gesellschaftlichen Kontext und die individuellen Voraussetzungen der Heranwachsenden stärker einbezieht.
Schlüsselwörter
Medienwirkungsforschung, Fernsehen, Gewaltdarstellung, Kindheit, Jugend, Medienrezeption, Aggression, Sozialisation, Mediennutzung, Geschlechterdifferenzierung, Medienerziehung, Medienkompetenz, Eskapismus, Habitualisierung, Zuschauerforschung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Wechselwirkungen zwischen dem Konsum von medialen Gewaltdarstellungen und dem Verhalten sowie Denken von Kindern und Jugendlichen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zu den Schwerpunkten zählen die theoretischen Grundlagen der Medienwirkungsforschung, die geschlechtsspezifischen Nutzungsmotive sowie Möglichkeiten der pädagogischen Vermittlung von Medienkompetenz.
Was ist die primäre Forschungsfrage der Untersuchung?
Die Arbeit fragt danach, ob Fernsehen zur Gewalt von Kindern und Jugendlichen beiträgt, in welchem Maße dies geschieht und warum geschlechterdifferenzierte Aspekte bei der Rezeption bisher zu wenig beachtet wurden.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine medienwissenschaftliche Literaturarbeit, die existierende empirische Studien und Theorien aus den Bereichen der Medien-, Erziehungs- und Sozialwissenschaften zusammenführt und analysiert.
Welche Schwerpunkte bilden den Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in die Medienwirkung, eine Analyse des Fernsehangebots, die Untersuchung von Rezeptionsmotiven bei Kindern und Jugendlichen sowie die Diskussion pädagogischer Lösungsansätze.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Inhalt charakterisieren?
Die zentralen Begriffe sind Medienwirkungsforschung, Gewaltdarstellung, Medienrezeption, Kinder und Jugendliche, Sozialisation sowie Medienkompetenz.
Warum unterscheidet die Autorin bei der Medienrezeption zwischen Jungen und Mädchen?
Die Autorin hebt hervor, dass Jungen und Mädchen unterschiedliche Bedürfnisse und Identifikationsstrategien haben – während Jungen häufig eine Täter-Identifikation und Action suchen, neigen Mädchen eher zur Opfer-Identifikation und zeigen stärkere Furchtreaktionen.
Welche Rolle spielt das sogenannte „Montagssyndrom“?
Das Montagssyndrom dient als Fallbeispiel, um zu verdeutlichen, dass schulische Unkonzentriertheit oft vorschnell auf den Fernsehkonsum am Wochenende geschoben wird, während das Problem komplexere familiäre Dynamiken widerspiegelt.
Warum lehnt die Autorin die Katharsisthese ab?
Die Autorin argumentiert, dass die Rezeption von Gewaltfilmen Jugendlichen keine Hilfestellung bei ihren Problemen bietet, da Gewalt destruktiv ist und nicht zu einer emotionalen Entlastung führt.
- Quote paper
- Juliette Nguyen (Author), 2005, Die Wirkung von Gewaltdarstellungen auf Kinder und Jugendliche, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/70474