Ob wir wollen oder nicht, bewusst oder unbewusst, zu jeder Zeit und an jedem Ort treffen wir Risikoentscheidungen. Ob wir auf dem Weg ins Kino sind oder darauf verzichten, am Arbeitsplatz oder beim Schlafen – immer kann etwas mehr oder weniger Unvorhergesehenes passieren, was mit (negativen) Folgen für jeden von uns oder sogar für Dritte behaftet sein kann.
Aber: Risiken sind nicht unbeherrschbar. Um den Umgang bzw. das Verhalten mit den allgegenwärtigen Risiken zu meistern, ist es wichtig, die Möglichkeiten der Risikobegegnung und -begrenzung zu kennen und diese effizient und situationsgerecht einzusetzen. Ziel dieser Arbeit ist es daher, allgemeine Strategien im Umgang mit Risiken zu erläutern sowie deren praktische Einsatzgebiete beispielhaft aufzuzeigen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Risiko
3. Prozess der Risikoentscheidung
3.1. Risikowahrscheinlichkeit
3.2. Risikoberechnung
3.3. Risikokompetenz
3.4. Risikoparadox
3.5. Risikoentscheidung
4. Risikostrategien
4.1. Risikovermeidung
4.2. Risikovorsorge
4.3. Risikonachsorge
4.4. Risikoausschluss
5. Persönliche Erfahrungen mit Risiken
6. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit zielt darauf ab, allgemeine Strategien im Umgang mit Risiken zu erläutern und deren praktische Einsatzgebiete aufzuzeigen, um Entscheidungsträger dazu zu befähigen, Risiken gewissenhaft zu kalkulieren und situationsgerechte Entscheidungen zu treffen.
- Grundlagen und Definition des Risikobegriffs
- Prozesse und Methoden der Risikoberechnung und -entscheidung
- Das Risikoparadoxon und die Bedeutung der Risikokompetenz
- Strategien zum Risikomanagement (Vermeidung, Vorsorge, Nachsorge, Ausschluss)
- Praktische Anwendung von Risikostrategien in verschiedenen Lebens- und Wirtschaftsbereichen
Auszug aus dem Buch
3.4. RISIKOPARADOX
In der Literatur wird das Risikoparadox unterschiedlich definiert:
1. Man versteht zum einen darunter das unverhältnismäßige menschliche Risiko-Wahrnehmungsmuster in Bezug auf die Urteilsbildung gegenüber verschiedener bedrohender Risiken. Die Menschen unterschätzen systematisch natürliche, gewohnte, selbst-steuerbare und in ihren Auswirkungen wenig katastrophal bzw. reparabel erscheinende oder mit zeitlicher Verzögerung wirkende Lebens- und Gesundheitsrisiken im persönlichen Bereich, während die vom Menschen/Institutionen erzeugten, als unausweichlich empfundenen, nicht steuerbaren, meist tödlich verlaufenden/irreparablen -im öffentlichen Bereich oft mit Sensationspotenzial verbundenen - Risiken deutlich überschätzt werden.
Vergleichende Praxisbeispiele: So unterschätzen Menschen freiwillige Risiken im persönlichen Bereich (Rauchen, Autofahren, Einnahme von Antibiotika) eher als unfreiwillige (Kernkraftwerk), kontrollierbare Risiken (Unfallrisiko beim Autofahren) eher als unkontrollierbare (Flugzeugunfälle, Kernkraftwerk Unfälle). Außerdem werden Risiken eher akzeptiert und unterschätzt, wenn die Auswirkungen (Schäden) erst mit zeitlicher Verzögerung eintreten (Rauchen), Risiken mit unmittelbarer Schädigung eher abgelehnt (Operation). Auch systemische Risiken werden unterschätzt (können durch Vernetzungen und Wechselwirkungen zum völligen Funktionsverlust des Systems führen (bspw. Bankenkrise 2008).
2. Daneben erklärt RENN das Risikoparadox in Anlehnung an die obigen Ausführungen so: „Wir fürchten uns insbesondere vor Gefahren und Risiken, die nach wissenschaftlichen Erkenntnissen wenig Schaden anrichten, d.h. wir überschätzen diese (…). Und wir ignorieren bzw. übersehen wissen- und willentlich Risiken, die uns erheblich bedrohen, d.h. wir verharmlosen bzw. vernachlässigen sie.“ Wir überschätzen also insbesondere das Risiko seltener Großschadenerereignisse und unterschätzen häufig vorkommende kleinere Risiken.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Allgegenwärtigkeit von Risikoentscheidungen ein und definiert das Ziel der Arbeit, allgemeine Strategien für den Umgang mit Risiken zu erläutern.
2. Risiko: Hier wird der Risikobegriff literaturübergreifend beleuchtet und als komplexes Produkt aus Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadensausmaß unter Berücksichtigung von Akteursbezug definiert.
3. Prozess der Risikoentscheidung: Dieses Kapitel analysiert die quantitativen und qualitativen Grundlagen der Entscheidungsfindung, einschließlich Risikoberechnung, Risikokompetenz, dem Risikoparadox und der eigentlichen Risikoentscheidung.
4. Risikostrategien: Hier werden zentrale Strategien wie Risikovermeidung, Risikovorsorge, Risikonachsorge und Risikoausschluss vorgestellt und durch Praxisbeispiele aus Medizin, Wirtschaft und Alltag konkretisiert.
5. Persönliche Erfahrungen mit Risiken: Ein Fallbeispiel aus der persönlichen Sphäre des Autors illustriert die Anwendung der theoretischen Konzepte bei der Bewältigung eines realen Gesundheitsrisikos.
6. Zusammenfassung: Dieses Kapitel rekapituliert die zentralen Erkenntnisse über die Unausweichlichkeit des Risikos und die Notwendigkeit, durch Risikokompetenz und strukturierte Strategien das eigene Entscheidungsverhalten zu verbessern.
Schlüsselwörter
Risiko, Risikoentscheidung, Risikokompetenz, Risikoberechnung, Risikoparadox, Risikostrategien, Risikovermeidung, Risikovorsorge, Risikonachsorge, Risikoausschluss, Unsicherheit, Schadenausmaß, Eintrittswahrscheinlichkeit, Entscheidungsmatrix
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt den Umgang mit Risiken, die als allgegenwärtig in allen Lebensbereichen beschrieben werden, und zeigt Strategien auf, um fundierte Risikoentscheidungen zu treffen.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Zu den Schwerpunkten gehören der Risikobegriff, die mathematische und psychologische Risikoberechnung, das Phänomen des Risikoparadoxons sowie verschiedene Managementstrategien für Risiken.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, Strategien zur Risikobegegnung zu erläutern, damit Akteure Risiken besser einschätzen, bewerten und durch situationsgerechte Maßnahmen beherrschen können.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer interdisziplinären Literaturanalyse und der Anwendung theoretischer Konzepte der Risikoforschung auf praktische Beispiele aus Alltag, Technik, Medizin und Wirtschaft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse von Risikoentscheidungsprozessen (Wahrscheinlichkeit, Berechnung, Kompetenz) und die detaillierte Vorstellung konkreter Risikostrategien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Risikokompetenz, Risikoparadox, Risikokalkulation, Schaden-Nutzen-Optimierung und die verschiedenen Strategien wie Vermeidung und Vorsorge.
Was genau versteht der Autor unter dem "Risikoparadox"?
Damit ist das unverhältnismäßige menschliche Risikowahrnehmungsmuster gemeint, bei dem Menschen seltene Großschadensereignisse überschätzen, während sie häufige, aber kleinere Risiken oft unterschätzen oder verharmlosen.
Wie unterscheidet sich die Risikovorsorge von der Risikonachsorge?
Risikovorsorge findet präventiv statt, um Risiken vor ihrem Eintritt zu minimieren oder beherrschbar zu machen, während die Risikonachsorge nach einem eingetretenen Schadensereignis ansetzt, um Schäden zu beheben und Lehren für die Zukunft zu ziehen.
- Arbeit zitieren
- Martin Strietzel (Autor:in), 2018, Das Risiko im begrifflichen Kontext. Risikostrategien, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/704360