Ziel dieser Arbeit ist einerseits die geübte Kritik an der New Economy Klasse zu behandeln und andererseits zu beweisen, dass der Mensch innerhalb dieses Systems sich nur als Barbar verhalten kann.
Heute lebt man in der sogenannten New Economy Epoche, in der es einen vermutlichen immerwährenden Boom gebe. Die Welt erlebt eine unerhörte Gründerzeit, die Kurse zahlreicher Aktien vervielfachen sich und wie aus dem Nichts kommen an den Finanzmächten Milliarden vor. Aus winzigen Firmen erscheinen plötzlich Industriekonzerne und die Banken nutzen diesen rapiden Aufschwung der Wirtschaft, um gewaltige Übernahmen zu finanzieren. Die Menschheit erlebt ein Fusionsfieber wie seit Jahrzehnten nicht mehr, was hauptsächlich von den Investmentbanken gefördert wird. Das viele Geld bringt immer mehr Geld und gleichzeitig noch neue, machtvolle Spieler hervor, die bereit sind alles zu opfern und zu verkaufen, um einen immer größeren Gewinn für sich selbst und für ihre Firmen zu haben.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Die Vertreter der Old bzw. New Economy
2. Die Zeit vor dem großen Crash
3. Das Ende einer goldenen Zeit
3.1 Der Mensch wird zum Tier, wenn es an sein Erspartes geht.
3.2 Hierarchiestrukturen ändern sich nicht
3.3 Die Krise als Chance zu einem neuen Anfang
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die kritische Darstellung der New Economy Klasse in Jonas Lüschers Novelle "Frühling der Barbaren" unter Anwendung des New Economic Criticism. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das Finanzsystem und die damit verbundene Gier zur moralischen Entmenschlichung der Figuren führen, wobei der Mensch im Angesicht der Krise auf archaische, barbarische Verhaltensmuster zurückfällt.
- Kritik am globalen Finanzsystem und der New Economy
- Die moralische Dekadenz der westlichen Elite
- Interaktion zwischen wirtschaftlicher Instabilität und kulturellem Verfall
- Der "Arabische Frühling" und die Illusion gesellschaftlichen Wandels
Auszug aus dem Buch
Die Zeit vor dem großen Crash
Indem Lüscher in seiner Novelle Frühling der Barbaren das Verhalten einer sozial aber hauptsächlich finanziell gehobenen Klasse beschreibt und gleichzeitig die Lebensumstände der einheimischen Bevölkerung Tunesiens schildert, denen nichts gehört und die für alles sehr hart arbeiten müssen, übt er Kritik nicht nur an dieser Klasse sondern auch an dem globalen politischen bzw. wirtschaftlichen System. Lüscher inszeniert sehr kunstvoll Kontraste zwischen diesen zwei Klassen, was dem Leser die Möglichkeit gibt, die eigentliche Funktion des Kapitalismus besser zu verstehen. In diesem kleinen Land und besonders in diesem Ferienort von Tunesien findet man die zwei Seiten eines kapitalistischen Systems. Einerseits kommt Preising, der Schweizer Unternehmer, vor, der eine Geschäftsreise in Tunesien macht. Er verdient „[f]ünfzehn tausend Franken. Täglich. Nur durch [seine] Firmenanteile. Ohne [sein] Geschäftsführergehalt, ohne [seine] anderen Beteiligungen, [seine] Immobilien und was sonst noch alles Geld abwirft“ (FB 26f). Und praktisch macht er nichts, um dieses Geld zu verdienen. Andererseits ist der Karawanenführer verzweifelt, weil er nach dem Unfall mit dem Reisebus alles verloren hat. „Die Existenz eines Mannes […], die Existenz einer ganzen Familie“ (FB 26) hängt von vierzehn- bzw. fünfzehntausend Franken ab. Preising könnte ihm helfen und ihm das Geld geben. Er verzichtet aber darauf, etwas Größeres mit dem Geld zu tun, nämlich eine Familie zu retten, indem er einfach keine Verantwortung übernimmt.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die historische Bedeutung des Geldes und Darstellung der New Economy Epoche als Ausgangspunkt für die literarische Analyse von Lüschers Novelle.
1. Die Vertreter der Old bzw. New Economy: Charakterisierung der Protagonisten Preising (Old Economy) und Slim Malouch (New Economy) sowie der jungen Hochzeitgäste als Repräsentanten einer entfremdeten, finanzgetriebenen Klasse.
2. Die Zeit vor dem großen Crash: Analyse der sozialen und ökonomischen Kontraste in Tunesien, die als Metapher für die Ausbeutungsstrukturen des globalen Kapitalismus dienen.
3. Das Ende einer goldenen Zeit: Untersuchung des unumgänglichen Zusammenbruchs des englischen Finanzsystems und der daraus resultierenden Entmenschlichung der Hotelgäste.
3.1 Der Mensch wird zum Tier, wenn es an sein Erspartes geht.: Beschreibung der drastischen Verhaltensänderung der Gäste, die angesichts des finanziellen Ruins in einen Überlebenskampf und barbarische Handlungen verfallen.
3.2 Hierarchiestrukturen ändern sich nicht: Diskussion über die politischen Umbrüche in Tunesien und die Erkenntnis, dass sich Machtstrukturen auch im Zuge scheinbar demokratischer Bewegungen perpetuieren.
3.3 Die Krise als Chance zu einem neuen Anfang: Betrachtung einzelner Figuren, die den Zusammenbruch als Anlass für eine persönliche Neuorientierung wahrnehmen.
Fazit: Zusammenfassende Würdigung von Lüschers Kritik an der moralischen Leere der Finanzelite und der Zerstörungskraft des modernen Wirtschaftssystems.
Schlüsselwörter
Frühling der Barbaren, Jonas Lüscher, New Economy, New Economic Criticism, Kapitalismuskritik, Finanzkrise, Moralvorstellungen, Ausbeutung, soziale Ungleichheit, Entmenschlichung, Arabischer Frühling, Literaturanalyse, Wirtschaftssystem, Gier, Globalisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es grundsätzlich in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Novelle "Frühling der Barbaren" von Jonas Lüscher und untersucht die darin enthaltene scharfe Kritik am zeitgenössischen Kapitalismus und der New Economy.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die moralische Verwahrlosung einer privilegierten Klasse, die Auswirkungen der globalen Finanzkrise auf soziale Strukturen und die Ausbeutung von Bevölkerungsgruppen in ehemals kolonial geprägten Regionen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das Finanzsystem die moralischen Maßstäbe der Akteure zerstört und zur Entmenschlichung der Individuen führt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird der interdisziplinäre Ansatz des "New Economic Criticism" genutzt, um literarische Erzählweisen mit wirtschaftswissenschaftlichen Erkenntnissen zu verbinden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der verschiedenen ökonomischen Akteure, die Analyse der krassen sozialen Kontraste im tunesischen Setting und die Untersuchung des systemischen Zusammenbruchs am Ende der Novelle.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen zählen Kapitalismuskritik, moralische Dekadenz, New Economy, Finanzkrise und die Barbarisierung des Menschen durch finanzielle Abhängigkeit.
Wie reagiert die Hotelleitung auf den wirtschaftlichen Zusammenbruch?
Saida handelt kalt und rein geschäftsorientiert; sie versucht den Schaden für ihr Unternehmen zu minimieren, indem sie das Personal entlässt und die Gäste im Stich lässt, sobald deren Zahlungsfähigkeit nicht mehr garantiert ist.
Warum verhalten sich die Hochzeitgäste wie "Barbaren"?
Da ihre Identität fast ausschließlich über Geld und materiellen Status definiert ist, führt der Verlust dieser Sicherheit zu einer totalen moralischen Desorientierung, die sie in animalische und gewaltsame Verhaltensmuster abgleiten lässt.
- Quote paper
- Sofia Kokkini (Author), 2017, New Economy Critisism in "Frühling der Barbaren" von Jonas Lüscher, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/704236