Inwiefern zeigt sich Rassismus im Beispiel der Geschichte von ‚Hexe Lilli auf der Jagd nach dem verlorenen Schatz“ im Hinblick auf textliche Beschreibung und Interaktionsmuster von weißen und schwarzen Menschen?
„Es tut wohl, den eignen Kummer von einem anderen Menschen formulieren zu lassen. Formulieren ist heilsam.“ Diese Worte erschienen 1936 im Gedichtband ‚Doktor Kästners Lyrische Hausapotheke‘ des Lyrikers Erich Kästners und werfen die Frage auf, ob Bücher und generell geschriebene Worte tatsächlich praktische Auswirkungen auf das eigene Leben haben können und vielleicht sogar gewisse Einsichten vermitteln können.
Lesen bietet die Möglichkeit, sich auf unterschiedlichste Diskurse, Sprechweisen und Stimmen einzulassen und sich damit auch in andere Personen hineinzuversetzen, oder sogar an andere Orte und in andere Zeiten. Lesen bedeutet, kreativ sein zu können und es beflügelt vor allem auch die Fantasie. Darüber hinaus ist allerdings gerade deutschsprachige Kinder- und Jugendliteratur manchmal nicht frei von einer Sprache, die zweifelsfrei Vorurteile gegen bestimmte Personengruppen vermittelt oder abwertende Bilder vor allem in Bezug auf schwarze Menschen erzeugt. Spricht oder liest man heute von ‚Mohrenköpfen‘ oder „Negerküssen“, ist zwar vielen vielleicht bewusst, dass es sich dabei um Wörter mit rassistischer Bedeutung handelt, sie werden dennoch nach wie vor in der Alltagssprache verwendet und oft mit Reaktionen wie „das meine ich doch gar nicht so“ oder „dann darf man doch überhaupt nichts mehr sagen“ abgehandelt. Ähnlich verhält es sich mit Diskussionen rund um rassistische Sprache in Kinderbüchern unserer Gesellschaft, wo es an vielen Stellen ebenfalls heißt‚ “da darf man nicht so empfindlich sein, das hat doch nichts mit Rassismus zu tun“ und‚ “deshalb wird man doch nicht gleich ganze Bücher umschreiben, früher hat man halt so geredet“.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Was ist Rassismus?
3. Rassismus in Kinderbüchern
4. Kategorien rassistischer Zuschreibungen für schwarze Menschen
5. Analyse des Kinderbuchs „Hexe Lilli auf der Jagd nach dem verlorenen Schatz“
6. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwiefern sich Rassismus in der Geschichte von „Hexe Lilli auf der Jagd nach dem verlorenen Schatz“ durch textliche Beschreibungen und Interaktionsmuster manifestiert. Dabei wird analysiert, wie durch die Darstellung von weißen und schwarzen Figuren rassistische Stereotype reproduziert werden, wobei ein theoretisches Kategoriensystem als methodische Grundlage dient.
- Grundlagen des Rassismusbegriffs und dessen historische Genese
- Rassistische Grundmuster in der Kinder- und Jugendliteratur
- Kategorisierung rassistischer Zuschreibungen nach Jens Mätschke
- Empirische Analyse des Kinderbuchs hinsichtlich der Darstellung von „schwarzen“ und „weißen“ Akteuren
- Untersuchung von Machtstrukturen, Weißer Dominanz und der Retter-Rolle
Auszug aus dem Buch
Analyse des Kinderbuchs „Hexe Lilli auf der Jagd nach dem verlorenen Schatz“
„KNISTER“ gilt als einer der bekanntesten und auch erfolgreichsten deutschen Kinderbuchautoren. Die Bestsellerserie „Hexe Lilli“ zählt ebenfalls zu seinen Erfolgen, welche mittlerweile aus ungefähr 50 Büchern besteht, eine der am meisten gelesenen Lektüren in Volksschulen ist und auch bereits als Theaterstück, TV-Zeichentrickserie und Kinofilm umgesetzt wurde. Illustrationen in allen Abenteuern von „Hexe Lilli“ stammen von Brigit Rieger. Im Jahr 2003 erschien das Kinderbuch mit dem Titel „Hexe Lilli auf der Jagd nach dem verlorenen Schatz“ zum ersten Mal, im Jahr 2015 schließlich die erste neu überarbeitete Auflage. (vgl. KNISTER 2015) Im Folgenden soll dieses dazu verwendet werden, die Geschichte genauer auf den Aspekt der Darstellung von schwarzen und weißen Figuren im Text und den Interaktionsmustern in der Geschichte zu analysieren.
Jede Geschichte von Hexe Lilli beginnt mit den Worten „Das ist Lilli, die Hauptperson unserer Geschichte. Sie ist ungefähr so alt wie du und sieht aus wie ein gewöhnliches Kind. (S.10)“, wodurch es Lesern und Leserinnen bereits leichtfallen wird, sich mit der Hauptfigur zu identifizieren, allerdings auch bereits die Frage aufwirft, ob nur weiße Kinder als „gewöhnlich“ gelten können und die vermeintliche Normalität darstellen, wie es die Abbildung der weißen Lilli und ihres Bruders Leon auf dieser Seite zeigt. Die Geschichte beginnt damit, dass Lilli ein Buch über Christoph Kolumbus liest und daraufhin ihrem kleinen Bruder erklärt, dass Kolumbus „der größte Entdecker aller Zeiten“ (vgl. KNISTER 2015, S.12) gewesen wäre, was den Rahmenbezug zu ihrem folgenden Abenteuer herstellt.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Rolle von Büchern als Vermittler von Werten und thematisiert kritisch, wie rassistische Vorurteile durch Kinderliteratur transportiert werden können.
Was ist Rassismus?: Dieses Kapitel definiert Rassismus als historisch gewachsenes System zur Konstruktion von „Menschenrassen“ und erklärt dessen Funktion zur Aufrechterhaltung weißer Machtverhältnisse.
Rassismus in Kinderbüchern: Hier wird der Fokus auf die meist monokulturelle, weiß geprägte Welt in Kinderbüchern gelegt, die unbewusst „Normalität“ definiert und rassistische Stereotype festigen kann.
Kategorien rassistischer Zuschreibungen für schwarze Menschen: Das Kapitel führt ein Kategoriensystem ein, das verschiedene Formen von Diskriminierung – wie Animalisierung, Infantilisierung und das Retter-Narrativ – zur Analyse systematisierbar macht.
Analyse des Kinderbuchs „Hexe Lilli auf der Jagd nach dem verlorenen Schatz“: Diese Sektion wendet das Kategoriensystem auf das gewählte Kinderbuch an und arbeitet explizite rassistische Textstellen und Machtstrukturen heraus.
Zusammenfassung und Ausblick: Das Fazit fasst die Analyseergebnisse zusammen, bestätigt die Präsenz rassistischer Narrative im untersuchten Buch und regt zu weiterer Forschung über deren Auswirkungen auf junge LeserInnen an.
Schlüsselwörter
Rassismus, Kinderbuchanalyse, Hexe Lilli, Diskriminierung, weiße Dominanz, Kolonialismus, Stereotype, Kategoriensystem, Literaturwissenschaft, Kindheitspädagogik, Machtverhältnisse, Sprachkritik, Identitätsbildung, schwarze Menschen, Rassismuskritik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Proseminararbeit untersucht das Vorkommen rassistischer Narrative und Darstellungsformen in einem ausgewählten Kinderbuch.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind der Rassismusbegriff, die Rolle von Sprache in der Literatur sowie die Analyse von Machtverhältnissen zwischen weißen und schwarzen Figuren.
Was ist die Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit untersucht, inwiefern sich Rassismus im Kinderbuch „Hexe Lilli auf der Jagd nach dem verlorenen Schatz“ durch textliche Beschreibungen und Interaktionsmuster zeigt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine Inhaltsanalyse anhand eines Kategoriensystems nach Jens Mätschke durchgeführt, um diskriminierende Zuschreibungen systematisch zu erfassen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung des Rassismusbegriffs, eine Darstellung der Problematik in Kinderbüchern und eine detaillierte Analyse der Lilli-Geschichte.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit beschreiben?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Rassismus, Kinderbuchanalyse, Diskriminierung, weiße Dominanz und Literaturkritik charakterisieren.
Wie werden schwarze Figuren in „Hexe Lilli“ dargestellt?
Die Analyse zeigt, dass diese Figuren oft durch Muster wie Animalisierung, Infantilisierung und eine passive Rolle charakterisiert werden, die sie als bedürftig und unterlegen erscheinen lassen.
Welche Rolle nimmt die Figur „Lilli“ im Kontext der Machtverhältnisse ein?
Lilli fungiert im Buch als „weiße Retterin“, die durch ihre vermeintliche Überlegenheit und Zivilisiertheit die Probleme der indigenen Figuren löst.
Welches Fazit zieht die Verfasserin über die Wirkung solcher Bücher?
Die Autorin folgert, dass solche Bücher rassistische Weltbilder zementieren können und fordert eine kritische Auseinandersetzung mit den Inhalten der Kinderliteratur.
- Quote paper
- Ina Luger (Author), 2020, Rassismus in Kinderbüchern, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/703190