Die Arbeit soll aufzeigen, wie sich die Tschechische Republik mit Gruppen von Minderheiten im Laufe der Jahre umgegangen ist und welche Entwicklung sie im Zuge der Veränderungen erfuhren. Speziell möchte ich mein Augenmerk dabei auf die sogenannten Sudetendeutschen und der Gruppe der Roma, welche der Gruppe der Zigeuner angehören, richten und durchaus auch kritisch hinterfragen. Zwar haben diese Bevölkerungsgruppen mittlerweile den Status von staatlich, anerkannten Minderheiten; innerhalb der Bevölkerung jedoch werden sie noch meist kritisch beäugt, kritisiert und diskriminiert.
Die Minderheitenpolitik der tschechischen Regierung war auch ein zentrales Argument zur Aufnahme der Republik in die Europäische Union (EU).
Die Arbeit soll sowohl historische, soziologische und auch politische Aspekte darstellen und beleuchten. Wie schon oben erwähnt soll dabei nur die Neuzeit untersucht werden, um sie übersichtlicher und einfacher zu gestalten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Tschechische Republik
2.1 Die heutige Tschechische Republik
2.2 Historische Entstehung der Tschechischen Republik
2.3 Bevölkerungszusammensetzung
3. Deutsche in der Tschechischen Republik
3.1 Aktuelle Situation
3.2 Die Sudetendeutschen
4. Roma als nationale Minderheit
4.1 Begriffsklärung und Unterscheidung von Sinti und Roma
4.2 Roma in der heutigen Tschechischen Republik
4.3 Die Mauer von Usti
4.4 Der Betritt zu Europäischen Union und dessen Auswirkung auf die Situation der Roma
5. Fazit – Schlusswort
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den Umgang der Tschechischen Republik mit nationalen Minderheiten im 20. Jahrhundert unter besonderer Berücksichtigung historischer, soziologischer und politischer Entwicklungen, um die gesellschaftliche Integration der Sudetendeutschen sowie der Roma kritisch zu hinterfragen.
- Historische Entwicklung des tschechischen Staates im 20. Jahrhundert
- Die Situation der deutschen Minderheit und das Erbe der Sudetendeutschen
- Soziologische und diskriminierende Aspekte im Leben der Roma in Tschechien
- Der Einfluss der Europäischen Union auf die Minderheitenpolitik und Beitrittskriterien
Auszug aus dem Buch
4.3 Die Mauer von Usti
Eine besondere Form der Diskriminierung der Roma in der Tschechischen Republik zeigt das Beispiel der “Mauer von Usti“. In der nordböhmischen Industriestadt Usti nad Labem (Aussig an der Elbe), wo ein hoher Anteil an Roma lebt, entschloss im August 1999 die Stadtverwaltung, eine Mauer zwischen einem von Roma bewohnten Siedlungsblock und Häusern tschechischer Einwohner zu bauen. Die Stadtoberen behaupteten, die Mauer solle die Roma vor Lärm und Schmutz schützen. Gebaut wurde die Mauer übrigens aus bunten Keramik-Ziegeln mit offenen Zwischenräumen, einige Meter hoch und zudem mit Stacheldraht versehen – soviel zum Thema Lärmschutz. Es gab massivste Kritik und Protest an dem Vorhaben der Stadt, vor allem Staatspräsident Vâclav Havel und Verantwortliche der Europäischen Union kritisierten den geplanten Bau und sahen eine Verletzung der Menschenrechte. Doch aller Protest nutzte nichts - am 13. Oktober 1999 wurde innerhalb weniger Stunden die 62 Meter lange und 1,80 Meter hohe Mauer in einer Rekordzeit gebaut. Die internationale und nationale Empörung gegen die Mauer wurde immer lauter. Der deutsche EU-Kommissar Günter Verheugen, dessen Zuständigkeitsbereich unter anderem in der Erweiterung der Europäischen Union lag, forderte den sofortige Abriss der Mauer und stellte klar, dass die EU die Mauer nicht tolerieren könne. Die Proteste internationaler und nationaler Menschenrechtorganisationen hielten an und erst drei Monate nach Errichtung der Mauer wurde sie wieder abgerissen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert die historische Transformation Tschechiens vom 9. Jahrhundert bis zur Neuzeit und definiert die Untersuchung der Minderheitenpolitik als zentralen Bestandteil für die EU-Aufnahme.
2. Die Tschechische Republik: Das Kapitel bietet einen Überblick über die Staatsstruktur, die historische Genese ab 1918 sowie die aktuelle demografische Zusammensetzung des Landes.
3. Deutsche in der Tschechischen Republik: Hier wird das angespannte Verhältnis zur deutschen Minderheit sowie die Problematik der Beneš-Dekrete und deren Einfluss auf aktuelle Eigentumsfragen beleuchtet.
4. Roma als nationale Minderheit: Dieses umfangreiche Kapitel analysiert die Diskriminierung der Roma, untersucht spezifische Fälle wie die "Mauer von Usti" und bewertet den Einfluss des EU-Beitritts auf die politische Situation der Minderheit.
5. Fazit – Schlusswort: Das Fazit fasst die unterschiedlichen Ursachen für die Minderheitenproblematik zusammen und unterstreicht die Notwendigkeit fortwährender politischer Bemühungen zur Integration.
Schlüsselwörter
Tschechische Republik, Minderheitenpolitik, Roma, Sudetendeutsche, Europäische Union, Diskriminierung, Beneš-Dekrete, Integration, 20. Jahrhundert, Minderheitenschutz, Mauer von Usti, Menschenrechte, Tschechoslowakei, Sinti, Staatsbürgerrecht.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert den Umgang der Tschechischen Republik mit nationalen Minderheiten im 20. Jahrhundert, mit Fokus auf die gesellschaftliche und politische Stellung von Sudetendeutschen und Roma.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Themen sind die historische Staatsbildung, die Rolle der deutschen Minderheit, die soziokulturelle Situation der Roma sowie die Auswirkungen der EU-Beitrittskriterien auf den Minderheitenschutz.
Was ist die zentrale Fragestellung der Untersuchung?
Die Autorin geht der Frage nach, wie sich der Umgang des tschechischen Staates mit Minderheiten im Zeitverlauf verändert hat und welche Faktoren zur anhaltenden gesellschaftlichen Ausgrenzung führen.
Welche methodische Vorgehensweise wurde gewählt?
Es handelt sich um eine interdisziplinäre Untersuchung, die historische Daten, soziologische Analysen und politische Analysen der EU-Beitrittsverhandlungen verknüpft.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, ein Verständnis für die komplexen Probleme der Minderheitenintegration in Tschechien zu schaffen und die kritische Diskrepanz zwischen staatlichem Anspruch und gesellschaftlicher Realität aufzuzeigen.
Welche Bedeutung kommt der Europäischen Union in der Arbeit zu?
Die EU wird als treibende Kraft dargestellt, die durch den Beitrittsprozess Druck auf die tschechische Regierung ausübte, um diskriminierende Praktiken abzubauen und den Schutz von Minderheiten zu erhöhen.
Warum wird die „Mauer von Usti“ im Kapitel 4.3 explizit hervorgehoben?
Sie dient als konkretes, symbolträchtiges Fallbeispiel für die offene Diskriminierung und Segregation der Roma durch eine lokale Stadtverwaltung Ende der 90er Jahre.
Welche Rolle spielen die Beneš-Dekrete im Kontext der deutschsprachigen Minderheit?
Die Dekrete sind zentral, da sie die rechtliche Grundlage für Enteignungen und Vertreibungen schufen und bis heute ein heikles Hindernis bei der Aufarbeitung der gemeinsamen Geschichte darstellen.
- Arbeit zitieren
- Christoph Sicars (Autor:in), 2004, Minderheiten und Minderheitenpolitik in der Tschechischen Republik im 20. Jahrhundert, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/69869