Die ersten demokratischen politischen Systeme, innerhalb menschlicher Gesellschaftsformen, entstanden im antiken Griechenland. Griechenland, wie es heute bekannt ist, existierte damals noch nicht. Der Peloponnes bzw. die attische Halbinsel bestand vielmehr aus zahlreichen Städten, so genannten Polis, die jede für sich autonom, aber in Konkurrenz zu den anderen Städten existierte und mit ihnen im Wettstreit lag. Einige, aber längst nicht alle griechischen Polis, durchliefen eine Entwicklung, die eine demokratische Herrschaftsstruktur zur Folge hatte. Athen ist die bekannteste griechische Stadt Attikas, die diese Entwicklung durchlaufen hat und gilt heutzutage als Geburtsort der Demokratie. Vielfach wird die Entstehung der Demokratie dem athenischen Staatsmann Solon , der zu Beginn des 6. Jahrhunderts vor Christus tätig war,
zugesprochen. Auch wenn Solon einige Reformen auf den Weg brachte und neue politische Strukturen ins Leben rief, so muss der Beginn der Demokratie vielmehr in Bezug auf den späteren Reformer Kleisthenes gesehen werden. In der folgenden Arbeit sollen die Entstehungsumstände und - Charakteristika der athenische Demokratie beleuchtet werden, denn diese demokratischen Strukturen, wenn sie auch mit den heutigen nicht mehr allzu viel gemein zu haben scheinen, sind nichtsdestotrotz der Ideengeber für unsere heutige moderne Demokratie. Im Folgenden widme ich mich den Entstehungsumständen, sowohl im innerstaatlichen Entwicklungsprozess, als auch mit Bezug auf die außenpolitischen Zwänge, denen sich die Athener ausgesetzt sahen. Interessant ist die Beschäftigung mit diesem Thema, da, aus heutiger Sicht betrachtet, unsere eigenen demokratischen Ideen auf den gelebten und interpretierten Demokratischen Gegebenheiten der Antiken Athener aufbauen. Die Athener hatten aber keine Vorbilder auf dessen Erfahrungen man aufbauen konnte. Für mich ist es insofern interessant wie es zu einer demokratischen Bewegung kommen konnte, da Athen in der Geschichte ein Einzelfall darstellt und andere demokratischen Strömungen, in anderen griechischen Polis überwiegend von Athen und seiner Hegemonialstellung ausgingen. Um dieser Frage nachzugehen, widme ich mich den Reformen des Solon, der Tyrannis der Peisistratiden, sowie den Werken des Kleisthenes und des Perikles.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Solonische Reformen
3. Die Tyrannis des Peisistratos
4. Die Reformen des Kleisthenes
4.1 Die politische Bedeutung der Reformen
4.2 Der Ostrakismos
5. Flottenbaupolitik des Themistokles
6. Die Neuerungen unter Perikles
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Entstehungsgeschichte der athenischen Demokratie und analysiert, welche innenpolitischen Reformprozesse sowie außenpolitischen Zwänge diesen historischen Transformationsprozess maßgeblich beeinflusst haben.
- Die Rolle der solonischen Reformen als Ausgangspunkt politischer Umstrukturierungen.
- Die Auswirkungen der Tyrannis des Peisistratos auf das attische Gemeinschaftsgefühl.
- Die Bedeutung der kleisthenischen Phylenreform für die Machtverschiebung vom Adel zum Demos.
- Der Zusammenhang zwischen militärischer Modernisierung (Flottenbau) und politischer Partizipation.
- Die Konsolidierung der Demokratie durch die Reformen des Perikles.
Auszug aus dem Buch
3. Die Tyrannis des Peisistratos
Bevor auf die Reformen des Kleisthenes eingegangen werden kann, muss zwingend erwähnt werden, dass Kleisthenes nicht direkt auf Solons Reformen aufbauen konnte und auch aus einem anderen Zeitgeist, vor allem aus einer völlig anderen politischen Epoche heraus, mit seinen Reformen begann. Solon war mit seinen schlichtenden Reformen angetreten, um die zerstrittenen Gruppierungen der Polis auszusöhnen und in eine so genannte Eunomie zurückzuführen. Festzustellen ist, dass die Konsequenzen, die sich langfristig aus Solons Reformen ergaben, nicht sofort greifbar waren. Die Neugewonnene politische Verantwortung des einzelnen, als auch der Gedanke der Verfügbarkeit von Ordnung durch die neue Gesetzgebung, hatte nicht auf Anhieb Wurzeln gefasst.
Zahlreiche, der in ihren Rechten beschnittenen, Adeligen begehrten gegen die neue Ordnung auf. Viele versuchten ihre Privilegien zurückzuerlangen, mussten aber feststellen, dass ihnen nunmehr nicht nur andere Adelige gegenüberstanden, sondern auch die von Solon politisch aufgewerteten Gruppierungen der Bauern und reichen Handwerker. Unfähig sich gegen diese plötzlich politisch aktiv gewordenen Gruppen durchzusetzen, sahen einige Adelige eine Möglichkeit ihren Status und ihre Stellung dadurch zu erhöhen, dass sie versuchten ihren Einfluss eben in jenen Gruppen des Demos, wie er allgemeinhin genannt wird zu, erhöhen. Dies mag auch in der Vorsolonischen Zeit schon so gewesen sein, gewinnt aber durch die Reformen Solons einen gänzlich anderen Stellenwert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung verortet Athen als Geburtsort der Demokratie und skizziert die Fragestellung nach den Entstehungsumständen und dem Zusammenspiel von innerstaatlichen Entwicklungen und äußeren Zwängen.
2. Solonische Reformen: Das Kapitel beschreibt Solons Maßnahmen zur Entschuldung der Bauernschaft und die Einführung von Vermögensklassen, die politische Rechte erstmals von der reinen Herkunft lösten.
3. Die Tyrannis des Peisistratos: Es wird analysiert, wie Peisistratos als Vormund einer noch unmündigen Gesellschaft die politische Zentralisierung vorantrieb und trotz Alleinherrschaft soziale Gräben zwischen den Regionen abbaute.
4. Die Reformen des Kleisthenes: Dieses Kapitel erläutert die Phylenreform als geografisches Organisationsschema, das die Macht des Adels brach und die Grundlage für eine politische Repräsentation aller Bürger schuf.
4.1 Die politische Bedeutung der Reformen: Die Unterkapitel betonen das Ende der Adelsherrschaft und die damit einhergehende Entstehung des neuen politischen Bewusstseins im Demos.
4.2 Der Ostrakismos: Es wird die Funktionsweise und politische Intention des Scherbengerichts als Mittel zur Sicherung der demokratischen Ordnung gegen potenzielle Tyrannen erklärt.
5. Flottenbaupolitik des Themistokles: Die Arbeit zeigt auf, wie der massive Flottenbau die ärmeren Bevölkerungsschichten in den aktiven Militärdienst und damit indirekt in die politische Partizipation integrierte.
6. Die Neuerungen unter Perikles: Es wird dargestellt, wie unter Perikles die exekutive Kontrolle durch den Demos weiter ausgebaut und das politische Mitspracherecht durch das Losverfahren institutionalisiert wurde.
7. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Demokratie in Athen nicht als theoretisches Konzept, sondern als pragmatische Antwort auf sich wandelnde gesellschaftliche und militärische Herausforderungen entstand.
Schlüsselwörter
Athen, Demokratie, Solon, Peisistratos, Kleisthenes, Perikles, Demos, Phylenreform, Ostrakismos, Tyrannis, Politische Partizipation, Antike, Polis, Bürgerrecht, Militärdienst.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die historischen Ursachen und auslösenden Gründe für die Entstehung des ersten demokratischen Systems im klassischen Athen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Fokus stehen die Reformen von Solon, Kleisthenes und Perikles, die Tyrannis des Peisistratos sowie der Einfluss von außenpolitischer Bedrohung auf die innere Struktur der Polis.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage widmet sich den Entstehungsumständen der athenischen Demokratie und der Frage, wie diese durch innerstaatliche Prozesse und äußere Zwänge geformt wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine politikwissenschaftlich-historische Analyse, die auf einer Auswertung zentraler fachwissenschaftlicher Literatur basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich chronologisch von den solonischen Reformen bis hin zur Zeit des Perikles und beleuchtet die politischen, sozialen und militärischen Wendepunkte der Demokratisierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Athenische Demokratie, Demos, Phylenreform, Ostrakismos und politische Partizipation.
Warum spielt die Flottenbaupolitik des Themistokles eine so wichtige Rolle?
Die Flotte erforderte den Einsatz vieler ärmerer Bürger als Ruderer, was ihnen aufgrund des Militärdienstes auch politische Mitspracherechte sicherte und den Demokratisierungsprozess forcierte.
Inwiefern unterschied sich die Herrschaft des Peisistratos von einer klassischen Gewaltherrschaft?
Peisistratos wird als Vormund der Gesellschaft betrachtet, der durch Zentralisierung und große Feste den sozialen Zusammenhalt stärkte, anstatt die Bevölkerung zu unterdrücken.
- Arbeit zitieren
- Magister Axel Klausing (Autor:in), 2005, Entstehung des ersten demokratischen Systems im klassischen Athen - Ursachen und auslösende Gründe, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/69621