Der heilige Franziskus gilt als der Ordensstifter der Franziskaner. Er wurde 1181/82 in Assisi geboren und starb dort am 3. 10.1226. Nach einer verschwenderischen Jugend folgte seine Bekehrung um 1207. Danach stellte er sein ganzes Leben in den Dienst der Nachfolge Christi, wurde Wanderprediger und veröffentlichte Schriften wie den berühmten Sonnengesang (il cantico di frate Sole um 1224). Heute gilt er als Schutzheiliger Italiens und auf Grund seiner Liebe zur Natur und den Tieren auch als Schutzpatron der Tiere. Franziskus gehört zu den wenigen Heiligen des Mittelalters, die schon bald nach dem Tod nicht nur als Einzelgestalt, sondern auch mit ihrer Legende dargestellt wurden. Wie beispielsweise in der Oberkirche von San Francesco in Assisi und in der Badikapelle von Santa Croce in Florenz.
Ich möchte mich im Folgenden auf die Darstellungen des Franziskuszyklus in der Kirche San Francesco in Assisi konzentrieren. Der Zyklus der Vita des Heiligen Franziskus wurde um 1300 geschaffen, jedoch ist bis heute ungeklärt wer das Meisterwerk schuf. Es bestehen hierzu verschiedene Thesen, die die Meisterfrage klären sollen:
Vertreter der ersten These sehen Giotto di Bondone als den Meister der Franziskuslegende, das heißt, dass er für den Entwurf und die Ausführung mit Hilfe von Schülern und Gehilfen, verantwortlich gewesen sein soll. Die zweite Gruppe vertritt den Standpunkt, dass Giotto nur den Entwurf gefertigt habe, die Ausführung dabei aber weitgehend seinen Schülern überlassen habe.
Weiterhin existiert eine Gruppe von Forschern die Giotto weder den Entwurf noch die Ausführung de Fresken zuspricht.
Ich vertrete den Standpunkt, dass es sich um Giotto selbst als Meister des Zyklus handelt.
Ich möchte aus dem Zyklus zwei Fresken besonders hervorheben: Das Quellwunder und Die Vogelpredigt.Die beiden Werke befinden sich in unmittelbarer Nähe von einander, links und rechts des Portals an der Eingangswand zur Oberkirche von San Francesco.
Im meiner Arbeit möchte ich diese vergleichen und die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Bilder darlegen. Bei der Betrachtung der Darstellungen gehe ich besonders auf die Form, die Farbgebung, kompositionelle Aspekte sowie den Bildinhalt der Fresken ein.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Einbettung der Fresken in die Kirche von San Francesco in Assisi
3. Bildbeschreibung des Quellwunders
3.1 Beschreibungen der im Bild dargestellten Motive
4. Bildbeschreibung der Vogelpredigt
4.1 Beschreibungen der im Bild dargestellten Motive
5.) Untersuchung der Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Fresken das Quellwunder und die Vogelpredigt aus dem Zyklus des Heiligen Franziskus von Giotto
6.) Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit widmet sich dem vergleichenden kunsthistorischen Studium zweier spezifischer Fresken aus dem Franziskuszyklus in der Oberkirche von San Francesco in Assisi. Das primäre Ziel besteht darin, die kompositorischen, inhaltlichen und gestalterischen Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede zwischen den Darstellungen des "Quellwunders" und der "Vogelpredigt" zu analysieren und deren Bedeutung für die Gesamtschau des Zyklus einzuordnen.
- Kunsthistorische Analyse der Fresken "Das Quellwunder" und "Die Vogelpredigt"
- Einfluss der räumlichen Anordnung in der Kirche San Francesco in Assisi
- Untersuchung von Form, Farbgebung und Komposition bei Giotto
- Theologische und narrative Deutung der Wunderdarstellungen
- Rolle des Heiligen Franziskus und seiner Begleiter als Zeugen
Auszug aus dem Buch
3.1 Beschreibungen der im Bild dargestellten Motive
Das Quellwunder (siehe Abb.1) von Giotto di Bondone ist das 14. Fresko des Zyklus der Legende des Heiligen Franziskus in der Oberkirche von San Francesco in Assisi. Das Bild ist auf 1297 datiert und hat eine Größe von 270 x 200 cm.
Es befindet sich auf der linken Seite der inneren Fassadenwand der Oberkirche und ist verhältnismäßig gut erhalten. Wie oben bereits erwähnt handelt es sich um die Darstellung des Quellwunders. Die Fresken des Zyklus sind durch ein vereinheitlichendes Rahmensystem gekennzeichnet, welches sich auch beim Fresko des Quellwunders wiederfindet. Es handelt sich hier um eine regelrechte Rahmenarchitektur, die der Gliederung der gebauten Architektur an die Seite tritt. Unter dem Bild befindet sich ein mit gemalten Teppichen geschmückter Sockelstreifen. Der Bilderfries wird jeweils durch gemalte Marmorgesimse klar abgegrenzt. Das obere Gesims, das von Konsolen getragen wird, ist in Untersicht gezeigt. An den Seiten wird das Bild durch Säulen, deren Plinthen schräg nach hinten abfallen, umrahmt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der biografischen Grundlagen des heiligen Franziskus und Diskussion der Autorenschaft der Fresken durch Giotto di Bondone.
2. Einbettung der Fresken in die Kirche von San Francesco in Assisi: Historische Einordnung der Kirchengründung durch Papst Gregor IX. und Beschreibung des räumlichen Kontexts der Fresken innerhalb der Oberkirche.
3. Bildbeschreibung des Quellwunders: Detailgenaue Analyse der kompositorischen Elemente und Motive des 14. Freskos des Zyklus.
3.1 Beschreibungen der im Bild dargestellten Motive: Fokussierte Betrachtung der Einzelfiguren, der Landschaftsgestaltung und der Rahmensysteme innerhalb des Quellwunders.
4. Bildbeschreibung der Vogelpredigt: Analyse der Darstellung der Vogelpredigt unter Berücksichtigung des Erhaltungszustands und der bildimmanenten Komposition.
4.1 Beschreibungen der im Bild dargestellten Motive: Untersuchung der Interaktion zwischen dem Heiligen, den Vögeln und den menschlichen Begleitern.
5.) Untersuchung der Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Fresken das Quellwunder und die Vogelpredigt aus dem Zyklus des Heiligen Franziskus von Giotto: Synthese der Beobachtungen hinsichtlich Form, Farbgebung, Komposition und theologischer Aussagekraft.
6.) Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Interpretation der künstlerischen Absicht hinter der Platzierung der Fresken an der Eingangswand.
Schlüsselwörter
Giotto di Bondone, Heiliger Franziskus, San Francesco Assisi, Quellwunder, Vogelpredigt, Freskenzyklus, Kunstgeschichte, Ikonographie, Franziskaner, Oberkirche, Komposition, Wunderdarstellung, Mittelalterliche Malerei, Italienische Renaissance, Bildanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit einem vergleichenden Vergleich zweier spezifischer Fresken aus dem berühmten Franziskuszyklus in Assisi.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Mittelpunkt stehen die ikonographische Analyse, die kompositionelle Struktur der Bilder sowie die Einbettung der Werke in den liturgischen und architektonischen Raum der Oberkirche.
Welches Ziel verfolgt die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die künstlerischen Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen dem "Quellwunder" und der "Vogelpredigt" herauszuarbeiten und die theologische Intention hinter ihrer Platzierung zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt die kunsthistorische Bildbeschreibung und vergleichende Analyse unter Einbeziehung relevanter Sekundärliteratur zum Franziskuszyklus.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Bildbeschreibung der beiden Werke sowie einen Vergleich ihrer Motive, Landschaftsdarstellungen und der Rolle der Begleitfiguren.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den prägenden Begriffen zählen Giotto, Franziskuslegende, Oberkirche, Wunderdarstellung und Kompositionsgesetz.
Warum spielt die Positionierung an der Eingangswand eine wichtige Rolle?
Die Autorin argumentiert, dass die Anordnung links und rechts des Portals eine bewusste Entscheidung des Künstlers war, um einen Übergang zwischen dem Alten und Neuen Testament zu markieren.
Wie werden Mensch und Tier in den Fresken in Beziehung gesetzt?
Die Analyse kommt zu dem Schluss, dass Giotto beide Fresken nutzt, um die Hierarchie zwischen Mensch und Kreatur vor Gott aufzuheben und die Einheit der Schöpfung zu betonen.
- Quote paper
- Carina Danzer (Author), 2005, Vergleich der Fresken 'Das Quellwunder' und 'Die Vogelpredigt', Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/69287