Nachdem Tito im Jahre 1980 gestorben war, wurde innerhalb der Föderativen Republik Jugoslawiens nach und nach eine Krise des Landes bekannt. In der Alltagssprache ist mit dem Wort Krise häufig eine gefährliche Entwicklung, Zuspitzung oder Verschärfung einer Situation gemeint. Diese Situation weicht meistens von der Regel ab und ist somit eine Ausnahmesituation. Sie übersteigt oft die Bewältigungsmaßnahmen der Betroffenen, da kein offensichtlicher Ausweg zu erkennen ist. Krisen sind oft die Folge von Geschehnissen, die eine Veränderung der Gegebenheiten notwendig machen. Bei Anzeichen einer Krise versuchen die Menschen zunächst das Problem auf bewährte Weise zu lösen. Sollte dieser Versuch erfolglos sein, so wächst die Anspannung und es werden neue Lösungswege herangezogen.
Welche Art von Krise sich in Jugoslawien nach Titos Tod entwickelte und schließlich für den Zerfall Jugoslawiens verantwortlich war, soll in dieser Hausarbeit mit dem Titel ‚Die Krise in den achtziger Jahren nach Titos Tod’ geklärt werden. Des weiteren soll erläutert werden, warum diese Krise nicht zu Lebzeiten Titos bekannt war.
Im ersten Unterpunkt soll knapp erläutert werden, wie sich der Parteikongress im Jahre 1978 über die wirtschaftliche Lage Jugoslawiens äußerte.
Tito starb drei Tage vor seinem 88. Geburtstag. Im Unterpunkt 2.1 werden die verschiedenen Erkrankungen, die zu seinem Tod führten, erläutert. In 2.2. soll das prachtvolle Staatsbegräbnis Titos beschrieben werden.
Im dritten Unterpunkt sollen die Faktoren der wirtschaftlichen Krise behandelt werden. Außerdem soll eine Ursache für die wirtschaftliche Krise erläutert werden.
Die wirtschaftliche Krise entwickelte sich schrittweise und wurde mehr und mehr zu einer Krise des politischen System Jugoslawiens. Daher soll im vierten Unterpunkt geklärt werden, wie sich die politische Krise Jugoslawiens äußerte.
Am Beispiel der albanischen Aufstände sollen im vierten Unterpunkt dann schließlich die nationalen Spannungen innerhalb Jugoslawiens erläutert werden.
Inhaltsverzeichnis
I Einleitung
II Die Krise in den achtziger Jahren nach Titos Tod
1 Jugoslawien zum Zeitpunkt Titos Tod
2 Titos Tod
2.1 Tod Titos
2.2 Begräbnis Titos
3 Wirtschaftliche Krise Jugoslawiens
4 Krise des politischen Systems
5 Nationale Spannungen: Albanische Aufstände
III Schluss
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht die komplexen Ursachen und den Verlauf der multidimensionalen Krise in Jugoslawien nach dem Tod von Josip Broz Tito im Jahr 1980, die letztlich maßgeblich zum Zerfall des Staates beitrug.
- Analyse der wirtschaftlichen Instabilität und der rapiden Staatsverschuldung.
- Untersuchung der schleichenden Krise des politischen Systems nach dem Wegfall der integrativen Führungsfigur Tito.
- Betrachtung ethnischer Spannungen und der Aufstände im Kosovo als Katalysator für nationale Konflikte.
- Erörterung der Rolle des serbischen Nationalismus unter Slobodan Milošević.
Auszug aus dem Buch
3 Wirtschaftliche Krise Jugoslawiens
Schon gegen Ende der siebziger Jahre gab es Anzeichen für eine beginnende Wirtschaftskrise. Die Anzeichen verdeutlichten sich nach Titos Tod. Diese Anzeichen waren steigende Arbeitslosigkeit, Produktions- und Exportrückgang, Verringerung des Anteils der jugoslawischen Wirtschaft am internationalen Warenaustausch, Inflation und übermäßige Auslandsverschuldung.
Zum Zeitpunkt Titos Erkrankung wurde bei einer jugoslawischen Bankersitzung festgestellt, dass Einzahlungen von jugoslawischen Gastarbeitern auf Konten von jugoslawischen Banken zwischen 48 und 60 Prozent zurückgegangen waren. Außerdem zogen binnen weniger Monate Besitzer von jugoslawischen Girokonten ihr Geld ab. Auf diese Weise wurden die bankeigenen Reservefonds verringert.
Nach Titos Tod wurden die Auslandverschuldungen, die bis dato als Staatsgeheimnis behandelt worden waren, aus der ersten Hälfte der siebziger Jahre bekannt. Im Jahr 1975 betrugen die Auslandsschulden der Föderativen Republik Jugoslawiens 6,5 Milliarden Dollar und im Jahr 1980 schon 20 Milliarden Dollar. Mit der Veröffentlichung der Zahlen wurde die wirtschaftliche Lage des Landes offenkundig. Der Grund für die hohe Auslandsverschuldung lag darin, dass es in Jugoslawien keine zentrale Instanz für Kreditaufnahmen gab. Die Kredite wurden also unkontrolliert aufgenommen und so war man sich über das Ausmaß der Schulden nicht im Klaren. Mit diesen kurzfristigen Krediten finanzierte Jugoslawien jahrelang die Tilgung von langfristigen Schulden. Die ausländischen Kreditgeber begnügten sich mit der Überweisung von fälligen Zinsen in Höhe von 2 Milliarden Dollar. Damit verlor Jugoslawien aber auch seine Kreditbonität. Um die Rückzahlung der Zinsen zu bewirken und das Land vor dem Konkurs zu bewahren, kam Jugoslawien unter die Verwaltung des internationalen Währungsfonds (IWF).
Zusammenfassung der Kapitel
I Einleitung: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über den Lebensweg von Josip Broz Tito und definiert das Verständnis von „Krise“ im Kontext dieser Untersuchung.
II Die Krise in den achtziger Jahren nach Titos Tod: Dieser Hauptteil beleuchtet die wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen sowie das Ableben und Begräbnis Titos als Zäsur für den jugoslawischen Staat.
1 Jugoslawien zum Zeitpunkt Titos Tod: Hier wird der Zustand des Landes Ende der siebziger Jahre beschrieben, in denen wirtschaftliche Schwierigkeiten noch als solche kleingeredet wurden.
2 Titos Tod: Dieses Kapitel behandelt das tatsächliche Ableben Titos, die Umstände seines Todes und die darauffolgenden Begräbnisfeierlichkeiten.
3 Wirtschaftliche Krise Jugoslawiens: Hier werden die Faktoren der wirtschaftlichen Krise wie Inflation, Arbeitslosigkeit und die drastische Auslandsverschuldung dargelegt.
4 Krise des politischen Systems: Dieses Kapitel analysiert die Kritik an der Verfassung von 1974 und die ineffektiven Reformversuche innerhalb der Kommunistischen Partei.
5 Nationale Spannungen: Albanische Aufstände: Hier wird anhand der Unruhen im Kosovo erläutert, wie ethnische Rivalitäten nach Titos Tod wieder an Bedeutung gewannen und den staatlichen Zusammenhalt gefährdeten.
III Schluss: Die Autorin resümiert, dass das Zusammenspiel der verschiedenen Krisenfaktoren schließlich zum Zerfall Jugoslawiens führte.
Schlüsselwörter
Jugoslawien, Josip Broz Tito, Wirtschaftskrise, Auslandsschulden, Politisches System, Nationalismus, Kosovo, Albanische Aufstände, Inflation, Arbeitslosigkeit, Zerfall, Kommunistische Partei, Autonomie, Selbstverwaltung, Slobodan Milošević.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit analysiert die multidimensionale Krise in Jugoslawien, die unmittelbar nach dem Tod von Josip Broz Tito im Jahr 1980 einsetzte und den Grundstein für den späteren Staatszerfall legte.
Welche sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentral sind die ökonomischen Probleme, der Vertrauensverlust in das politische System sowie das Wiederaufflammen ethnischer Spannungen innerhalb der jugoslawischen Teilrepubliken.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Es wird untersucht, welche Arten von Krisen nach Titos Tod auftraten und inwiefern diese zur Destabilisierung und zum letztendlichen Zerfall Jugoslawiens führten.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit angewendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf einer fundierten Auswertung von Sekundärliteratur und zeitgenössischen Presseberichten basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des Zustands Jugoslawiens vor und nach Titos Tod, die Analyse der wirtschaftlichen Misere, das Versagen des politischen Systems und die nationalen Spannungen im Kosovo.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind Jugoslawien, Wirtschaftskrise, Auslandsverschuldung, Politisches System, Nationalismus, Kosovo-Konflikt und Tito.
Warum wurde Titos Tod als Ausgangspunkt für die Analyse gewählt?
Tito fungierte als die zentrale integrative Kraft Jugoslawiens; sein Tod markiert den historischen Bruchpunkt, an dem die zuvor durch ihn zusammengehaltenen ethnischen und politischen Spannungen offen hervortraten.
Welche Rolle spielte der internationale Währungsfonds (IWF) laut der Autorin?
Der IWF intervenierte aufgrund der massiven Auslandsverschuldung, um Jugoslawien vor dem Staatsbankrott zu bewahren, was jedoch den wirtschaftlichen Handlungsspielraum des Landes weiter einschränkte.
Wie bewertet die Autorin die Rolle des serbischen Nationalismus?
Die Autorin stellt dar, wie Slobodan Milošević den serbischen Nationalismus und den Populismus gezielt instrumentalisierte, um die Kontrolle über die autonomen Provinzen zu festigen, was den Zerfallsprozess beschleunigte.
- Arbeit zitieren
- Janine Diedrich (Autor:in), 2005, Die Krise in den achtziger Jahren nach Titos Tod, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/67796