Auf Grund des raschen Wandels in der Arbeitswelt und der Unsicherheit über zukünftige Anforderungen ist der Erwerb von Fachwissen längst nicht mehr ausreichend. Wie diese veränderten Anforderungen und zukünftigen Probleme gemeistert werden sollen, verbirgt sich hinter dem Ausdruck Schlüsselqualifikationen. Was verbirgt sich jedoch konkret hinter diesem heil versprechenden Begriff.
Im ersten Schritt dieser Arbeit wird also die mögliche Vielschichtigkeit, die sich hinter diesem Begriff verbirgt, aufzudecken versucht. Gleichzeitig stellt sich aber auch die Frage wie Schlüsselqualifikationen erworben werden können, denn erst unter dieser Erklärung wird es für den Fremdsprachenunterricht möglich, sie in einen unterrichtlichen Zusammenhang zu stellen.
Eine universelle Methode für den Erweb von Schlüsselqualifikationen gibt es sicherlich nicht, wenn diese auch gerne als Allheilmittel erwünscht wäre. Deshalb können es nur Unterrichtsprinzipien sein, die zu einem dauerhaften integrativen Bestandteil werden. Ein dafür geeignetes Prinzip könnte die Lernerautonomie sein, die Inhalt des zweiten Kapitels ist. Durch die Bewusstmachung individueller Lernprozesse werden LernerInnen dazu angeregt, eine aktive Rolle beim Lernen einzunehmen. Dabei wird stufenweise versucht, die LernerInnen zu einer wachsenden Selbststeuerung zu befähigen, die sich in Veränderungsprozessen von Denken und Handeln der LernerInnen widerspiegeln. Die moderne Fremdsprachendidaktik hat sich infolgedessen eine veränderte Aufgabe gesetzt, nämlich die LernerInnen bei der Verantwortungsübernahme ihres eigenen Lernprozesses zu begleiten und zu unterstützten.
Im abschließenden dritten Kapitel geht es dann darum aufzuzeigen, wie autonomer Fremdsprachenunterricht unter besonderer Berücksichtigung der mexikanischen LernerInnen geplant werden kann. Auf der Basis eines Lehrwerks werden konkrete Vorschläge gemacht, wie Bewusstmachungsprozesse und Entscheidungsfreiräume für den Lerner in den Sprachlernprozess eingeleitet werden können. Wichtig ist es dabei auch, sich in die veränderte Lehrerrolle einzudenken und sich mit ihr vertraut zu machen. Der Aufbau autonomen Lernens beschränkt sich somit nicht auf die Vermittlung der Fremdsprache, sondern trägt maßgeblich zur Entfaltung der Persönlichkeit bei. Infolgedessen kann durch einen autonomiefördernden Fremdsprachenunterricht der Erwerb von Schlüsselqualifikationen gefördert werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Das „know-how“ für die Berufswelt des dritten Jahrtausends
1.1 Stellenanzeigen: Nach wem wird gesucht?
1.2 Begründungszusammenhänge für Schlüsselqualifikationen
1.3 Begriffsbestimmung und Stellenwert
1.4 Versuch einer Einteilung von Schlüsselqualifikationen
1.5 Didaktische Grundsätze der Implementierung
1.6 Zusammenfassung und Folgerung
2. Die Weichenstellung für ein lebenslanges Lernen
2.1 Allgemeine Definition und Begründung von Lernerautonomie
2.1.1 Pädagogische Perspektive
2.1.2 Die kognitive Lerntheorie
2.1.3 Die konstruktivistische Theorie
2.1.4 Konkrete Definition
2.2 Autonomes Lernen und Schlüsselqualifikationen
2.3 Notwendige Rahmenbedingungen für autonomes Lernen
2.3.1 Veränderung von Schüler- und Lehrerrolle
2.3.2 Vom lehrerzentrierten zum schülerzentrierten Unterricht
2.3.3 Kannbeschreibungen
2.4 Bewusstmachung
2.4.1 Subjektives Wissen
2.4.2 Lernstrategien und -techniken
2.4.3 Lernstile
2.5 Von der Fremd- zur Selbststeuerung: Stufen zur Autonomie
2.6 Zusammenfassung und Folgerung
3. Ein Warming-up für Manager hochkomplexer Lernprozesse
3.1 Bestimmungsort Mexiko
3.1.1 Beschreibung der mexikanischen Zielgruppe
3.1.2 Eine empirische Studie
3.1.2.1 Beschreibung der Studie
3.1.2.2 Auswertung der Studie
3.1.3 Folgerungen für eine didaktisch-methodische Kontinuität
3.2 Das geeignete Lehrwerk
3.2.1 Ein Rückblick auf autonomiefördernde Lehrwerke
3.2.2 Aufbau von Tangram
3.2.3 Die methodische Vermittlung laut Lehrerhandbuch
3.2.4 Resümee
3.3 Aufbau von Lernerautonomie mit dem gewählten Lehrwerk
3.3.1 Generelle Planung
3.3.2 „Transparenz“: Die Lerner lernen sich besser kennen
3.3.3 Selbständiges Arbeiten mit dem Lehrwerk
3.3.4 Bewusstmachung der Sprachlernziele
3.3.5 Zwischenspiel: Eine Reflektion am Ende des Halbbandes
3.4 Jenseits des Lehrwerks
3.5 Schlüsselqualifikationen und Fremdsprachenunterricht
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Integration von Schlüsselqualifikationen in den Fremdsprachenunterricht für mexikanische Lerner, mit dem Ziel, durch autonomiefördernde Unterrichtsprinzipien die Selbststeuerung der Lernenden zu stärken und sie auf die Anforderungen einer modernen Arbeitswelt vorzubereiten.
- Bedeutung und Begründung von Schlüsselqualifikationen in der modernen Arbeitswelt
- Konzept und theoretische Grundlagen der Lernerautonomie
- Empirische Analyse der Lernsituation in Mexiko
- Methodische Umgestaltung bestehender Lehrwerke zur Förderung autonomer Lernprozesse
Auszug aus dem Buch
1.1 STELLENANZEIGEN: NACH WEM WIRD GESUCHT?
Beim Einstieg in das moderne Berufsleben reichen Fachkenntnisse und gute Noten schon lange nicht mehr aus. Zu einem einträglichen Mitarbeiter gehören mehr als nur fachliche Qualitäten: Er muss zusätzlich über- und außerfachliche Qualifikationen aufweisen können. In Stellenausschreibungen werden von potentiellen Bewerbern diese besagten Schlüsselqualifikationen oder soft skills verlangt, denn sobald es um Personalentscheidungen geht, spielen sie längst eine zentrale Rolle, sowohl bei der Einstellung als auch beim beruflichen Aufstieg. Dies bedeutet, dass heute schon von Hochschulabsolventen ein breites Spektrum an Schlüsselqualifikationen erwartet wird.
Nach der Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände sollen die Qualifikationen eines idealen Hochschulabsolventen aus 49% Schlüsselqualifikationen und aus 51% fachlichen Qualifikationen bestehen (vgl. Honolka 2003: 4). Diesbezüglich wurden am 22./23. Juli 2000 (DEKRA 2000) in zwölf Tageszeitungen 12.645 Stellenangebote hinsichtlich der fachübergreifenden Anforderungen analysiert und ausgewertet. Die 106 gefundenen Begriffe für Schlüsselqualifikationen ergaben die folgenden Top Ten.
Wie aus der Tabelle ersichtlich ist, steht Teamfähigkeit an erster Stelle der Schlüsselqualifikationen, die nur mit geringem Abstand von Englisch als internationaler Wirtschaftssprache gefolgt wird. Danach wird die Begrifflichkeit immer unklarer, denn allgemeine Berufserfahrung, Kunden- und dienstleistungsorientiertes Handeln und Eigenmotivation etc. sind keine Qualifikationen und können deshalb von Hochschulabsolventen nicht erwartet werden. Ist der Begriff Schlüsselqualifikationen also überhaupt fassbar? Die Bundesanstalt für Arbeit teilte mit, dass mittlerweile über 600 verschiedene Definitionen im Umlauf sein sollen, für das was unter Schlüsselqualifikationen verstanden wird (vgl. uni 2003/5: 22). Das verdeutlicht einerseits die wachsende Relevanz des Begriffs und veranlasst deshalb immer mehr Berufszweige ihre eigenen Definitionen und Einteilungen für Schlüsselqualifikationen vorzunehmen, aber andererseits wird der Begriff immer mehr zu einem „großen Omnibus“ (Beck 1993: 22), in dem nahezu alles Platz hat.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Das „know-how“ für die Berufswelt des dritten Jahrtausends: Analysiert den Wandel in der Arbeitswelt hin zu mehr Eigenverantwortung und identifiziert Schlüsselqualifikationen als notwendige Kompetenzen, die über Fachwissen hinausgehen.
2. Die Weichenstellung für ein lebenslanges Lernen: Erläutert das Konzept der Lernerautonomie als pädagogische Grundlage, um Lernende zur Selbststeuerung und aktiven Verantwortungsübernahme für ihre Lernprozesse zu befähigen.
3. Ein Warming-up für Manager hochkomplexer Lernprozesse: Untersucht die Anwendbarkeit der Lernerautonomie im spezifischen Kontext der mexikanischen Lerntradition und entwickelt konkrete didaktische Ansätze zur Adaption des Lehrwerks Tangram.
Schlüsselwörter
Schlüsselqualifikationen, Lernerautonomie, Fremdsprachenunterricht, DaF, Mexiko, Selbststeuerung, lebenslanges Lernen, Methodenkompetenz, Sozialkompetenz, Persönlichkeitsentwicklung, Tangram, Bedürfnisanalyse, Lernstrategien, Reflexionsfähigkeit, Arbeitstechniken.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Masterarbeit befasst sich mit der Vermittlung von Schlüsselqualifikationen durch einen autonomiefördernden Unterricht im Fach Deutsch als Fremdsprache (DaF), speziell für die Zielgruppe mexikanischer Lernender.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind der Wandel der Anforderungen in der Arbeitswelt, die theoretischen Konzepte von Lernerautonomie und konstruktivistischem Lernen sowie deren praktische Umsetzung im Unterricht.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Lernende im Fremdsprachenunterricht dazu angeleitet werden können, Eigenverantwortung für ihr Lernen zu übernehmen, um so überfachliche Kompetenzen (Schlüsselqualifikationen) zu erwerben.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Der Autor führt eine qualitative empirische Studie in einer Sprachschule in Mexiko durch, um das subjektive Wissen, die Lernmotive und die Strategien der Lernenden zu analysieren und darauf basierend didaktische Empfehlungen abzuleiten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung von Schlüsselqualifikationen und Autonomie, eine kritische Analyse des Lehrwerks Tangram und die Erarbeitung von Strategien zur Öffnung dieses Lehrwerks für autonomiefördernde Unterrichtseinheiten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird wesentlich durch Begriffe wie Lernerautonomie, Schlüsselqualifikationen, Eigenverantwortung, Metakognition, Lernstrategien und interkulturelle Didaktik geprägt.
Wie unterscheidet sich autonomes Lernen von autodidaktischem Lernen?
Im Gegensatz zum reinen Autodidaktismus, bei dem der Lernende völlig isoliert lernt, impliziert autonomes Lernen im schulischen Kontext die Unterstützung durch einen Lernberater (Lehrkraft), der den Lernenden befähigt, seinen Lernprozess kritisch zu reflektieren.
Welche Rolle spielt das Lehrwerk Tangram in der Arbeit?
Das Lehrwerk Tangram dient als Fallbeispiel. Der Autor kritisiert, dass es in seiner Standardform lehrerzentriert ist, zeigt aber auf, wie es durch den Einsatz zweisprachiger Materialien und gezielte Reflexionsaufgaben zu einem Instrument für autonomes Lernen umgestaltet werden kann.
- Arbeit zitieren
- Ulrich Wettemann (Autor:in), 2004, Schlüsselqualifikationen: Das Ticket für die moderne Arbeitswelt - Eine Einführung in den autonomiefördernden DaF-Unterricht für Mexiko, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/67696