„Das Vorurteil ist eine Mauer, von der sich noch alle Köpf, die gegen sie ang’rennt sind, mit blutige Kopf zurückgezogen haben.“ Nestroy 1843 aus „Der Stoff aus dem die Dummheit ist“ (Koch-Hillebrecht 1978) Die Idee zu dieser Hausarbeit bekam ich bei einem gemütlichen Beisammensein während eines Seminars meines Sportvereines. Wir kamen auf mein Studium der Sozialen Verhaltenswissenschaften bzw. Psychologie zu sprechen und ein Sportskollege in der Runde meinte: „Psychologen – das sind doch die, die immer alle gleich in Schubladen schieben und nur Schubladendenken haben.“ Darauf konnte ich nur antworten: „Siehst Du Stefan, und genau das ist Schubladendenken.“ Mir ist natürlich bekannt, dass Studenten der Psychologie oder auch die praktizierenden Psychologen ihren Ruf in der Bevölkerung haben. Auffällig ist an diesem Beispiel nur, dass man hier das Vorurteil gegen die Zunft bei sich selbst als Eigenschaft entdecken kann. Ich glaube, damit hätte er in diesem Moment nicht gerechnet. Die folgende Hausarbeit beschäftigt sich intensiv mit verschiedenen Definitionen des Vorurteils in der Literatur. Danach wird kurz das Stereotyp besprochen und anschließend ein Vergleich der verschiedenen Definitionen angestellt. Dabei werde ich auf Gemeinsamkeiten und auf Unterschiede, die mir aufgefallen sind, eingehen. Zum Schluss werde ich versuchen, eine eigene Definition des Vorurteils aufzustellen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definitionen des Vorurteils
2.1 Entstehung des Wortes Vorurteil
2.2 Definitionen in der Literatur
2.2.1 Das Vorurteil bei WOLF
2.2.2 Das Vorurteil bei KARSTEN
2.2.2.1 Die Definition
2.2.2.2 Die Analyse
2.2.2.3 Die Entstehung
2.2.3 Das Vorurteil bei MITSCHERLICH
2.2.4 Das Vorurteil bei HORKHEIMER
2.2.5 Das Vorurteil bei BARRES
2.2.5.1 Die Charakteristika
2.2.5.2 Die Bildung
2.2.6 Das Vorurteil bei SCHÄFER/PETERMANN
2.2.7 Das Vorurteil bei EHRLICH
2.2.8 Das Vorurteil bei BERGLER
2.2.8.1 Die Definition
2.2.8.2 Die Leistung des Vorurteils
2.2.9 Das Vorurteil bei IHLENFELD
2.2.10 Das Vorurteil bei RATTNER
2.2.10.1 Die Definition
2.2.10.2 Die Leistung des Vorurteils
2.2.11 Das Vorurteil bei KOCH-HILLEBRECHT
3. Stereotype
3.1 Was ist ein Stereotyp?
3.2 Die Unterschiede zwischen einem Stereotyp und einem Vorurteil
4. Vergleich der Definitionen
4.1 Gemeinsamkeiten
4.2 Unterschiede
4.3 Der Versuch einer eigenen Definition
5. Abschluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit dem Begriff des Vorurteils in den Sozial- und Verhaltenswissenschaften auseinander. Ziel ist es, durch eine fundierte Literaturanalyse unterschiedliche theoretische Perspektiven zu beleuchten, um daraus eine eigene, präzise Definition von Vorurteilen abzuleiten und diese von verwandten Konzepten wie Stereotypen abzugrenzen.
- Multidisziplinäre Analyse von Vorurteilsdefinitionen in der Fachliteratur.
- Untersuchung der psychologischen Entstehung und der Funktion von Vorurteilen.
- Differenzierung zwischen Vorurteil, Stereotyp und Werturteil.
- Die Rolle der sozialen Konformität und Gruppenbildung bei der Entstehung von Vorurteilen.
- Die Stabilität von Vorurteilen und die Herausforderung ihrer Korrektur.
Auszug aus dem Buch
2.2.5.1 Die Charakteristika
BARRES zeigt für das Vorurteil sechs charakterisierende Merkmale auf (1974, Seite 19):
1. Das Vorurteil ist immer ein falsches Urteil oder ein in seinem Wahrheitsanspruch zureichend abgewiesenes Urteil.
2. Das Vorurteil ist ein voreiliges Urteil, d. h. ein Urteil, das überhaupt nicht oder nur sehr ungenügend durch Reflexion oder Erfahrung gestützt wird oder auch vor aller solcher Erfahrung und Reflexion aufgestellt wird.
3. Das Vorurteil ist ein generalisierendes Urteil, d.h. es ist ein Urteil, das sich nicht nur auf den Einzelfall bezieht, sondern auf alle oder zumindest die meisten Urteilsgegenstände gerichtet ist.
4. Das Vorurteil hat häufig den stereotypen Charakter eines Klischees, das immer leicht zur Hand ist und meistens in apodiktischer Weise formuliert und vorgetragen wird.
5. Das Vorurteil enthält neben beschreibenden oder theoretisch erklärenden Aussagen direkt oder indirekt auch richtende Bewertungen von Menschen, Gruppen oder Sachverhalten.
6. Um das Vorurteil gegen andere Urteilsgebilde und Urteilsformen abzugrenzen, wird von einem Vorurteil erst dann gesprochen, wenn ein falsches, generalisierendes, bewertendes und behauptetes Urteil als falsch bestimmt und sein Anspruch wahr zu sein, als hinreichend widerlegt gelten kann, trotzdem aber an ihm festgehalten wird und es auch weiterhin mit einem Wahrheitsanspruch vertreten wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt anhand persönlicher Erfahrungen in die Thematik ein und erläutert die Absicht, Vorurteile durch eine Literaturanalyse wissenschaftlich zu durchdringen.
2. Definitionen des Vorurteils: Dieses umfangreiche Kapitel präsentiert verschiedene Fachdefinitionen und Perspektiven bekannter Autoren, um die Komplexität und unterschiedliche Facetten des Vorurteilsbegriffs aufzuzeigen.
3. Stereotype: Es wird die Definition von Stereotypen dargelegt und deren enges, jedoch unterscheidbares Verhältnis zum Vorurteil kritisch beleuchtet.
4. Vergleich der Definitionen: Der Vergleich bündelt die analysierten Theorien, identifiziert zentrale Gemeinsamkeiten und methodische Unterschiede und mündet in einer eigenen Definition.
5. Abschluss: Der Autor reflektiert die Ergebnisse und die eigene Auseinandersetzung mit dem Thema, wobei der persönliche Lernprozess im Umgang mit Vorurteilen hervorgehoben wird.
Schlüsselwörter
Vorurteil, Stereotyp, Sozialpsychologie, Verhaltenswissenschaften, Literaturanalyse, Gruppenkonformität, Generalisierung, Werturteil, Fehlurteil, Sozialisation, Einstellungsänderung, Attitüde, Identität, Wahrnehmung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen Definition, Entstehung und Funktion von Vorurteilen und Stereotypen innerhalb der Sozialwissenschaften.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Felder sind die Literaturanalyse der Vorurteilsforschung, die Abgrenzung von Stereotypen und Werturteilen sowie die Untersuchung von Stabilitätsfaktoren von Vorurteilen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel der Arbeit ist es, die Vielzahl existierender Definitionen in der Literatur kritisch zu sichten, um eine fundierte, eigene Definition des Vorurteilsbegriffs zu erarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit ist als Literaturarbeit konzipiert, welche verschiedene theoretische Ansätze vergleichend gegenüberstellt und analysiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich einer detaillierten Vorstellung von Positionen verschiedener Autoren wie Wolf, Karsten, Barres und Schäfer/Petermann zur Definition und Entstehung von Vorurteilen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Vorurteil, Stereotyp, soziale Identität, Generalisierung und Einstellungsbildung charakterisiert.
Welche Rolle spielt die soziale Gruppe bei der Entstehung von Vorurteilen?
Laut der untersuchten Literatur werden Vorurteile häufig innerhalb von Gruppen durch soziale Konformität und die Übernahme von Meinungen der Peer-Group gefestigt und dienen der Selbstprofilierung.
Wie unterscheidet der Autor zwischen einem Vorurteil und einem Stereotyp?
Der Autor stellt fest, dass Stereotype sich primär auf Menschen und Gruppen beziehen, während Vorurteile ein breiteres Spektrum an Objekten und Sachverhalten abdecken können.
- Arbeit zitieren
- Grit Noack (Autor:in), 2006, Definitionen von Vorurteilen, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/66992