Seit dem Spätsommer 2005 leben im Aqua Park, einer Wassergehegeanlage des Nürnberger Tiergartens, Kalifornische Seelöwen (Zalophus californius californius) gemeinsam mit Gemeinen Seehunden (Phoca vitulina). Diese Vergesellschaftung bietet eine der seltenen Möglichkeiten, das Verhalten der beiden sozial lebenden Arten nicht nur auf Sozialbeziehungen innerhalb der Art hin zu untersuchen, sondern auch in Bezug auf zwischenartliche soziale Kontakten. Kalifornische Seelöwen sind polygam, d.h. sie bilden Haremsverbände, die von erwachsenen Männchen dominiert werden. Gemeine Seehunde schwimmen in der Regel einzeln, tummeln sich aber an Land zumeist in kleineren Gruppen, die allerdings keine festen sozialen Beziehungen haben. Obwohl eine Zoohaltung den Tieren in keiner Weise Lebensbedingungen bieten kann, die vollständig denen in Freiheit entsprechen, können Studien über das Verhalten von Tieren in Gefangenschaft durchaus Aufschluss über Verhaltensspektren geben, die auch in freier Wildbahn auftreten. In dem Seelöwen-Seehundgehege des Aqua Parks leben derzeit neun erwachsene Seelöwen: Der Bulle Patrick und acht Weibchen von denen drei zur Zeit der Beobachtung Jungtiere hatten. Die Seehundfamilie ist wesentlich kleiner, sie besteht nur aus dem jungen Geschwisterpaar Finchen und Nele.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. THEORIE
2.1 HALTUNGSBEDINGUNGEN UND TIERE
2.1.1 Der Aqua Park im Tiergarten Nürnberg
2.1.2 Das Gehege der Seelöwen und Seehunde
2.1.3 Pinnipeden
2.1.3.1 Der Kalifornische Seelöwe (Zalophus californianus californianus)
2.1.3.2 Der Gemeine Seehund (Phoca vitulina)
2.2 VERHALTENSBIOLOGISCHE GRUNDLAGEN
3. TIERE, MATERIAL UND METHODEN
3.1 VORSTELLUNG DER BEOBACHTUNGSTIERE
3.2 DATENERFASSUNG UND AUSWERTUNG
3.2.1 Erläuterungen zur Vorgehensweise
3.2.2 Beobachtungsmethoden
3.2.3 Situation während den Beobachtungssitzungen
3.2.4 Untersuchungen zur Frage nach den sozialen Interaktionen
3.2.5 Untersuchung zur Nutzung des Geheges
3.2.6 Auswertung der protokollierten ethologischen Daten
3.2.7 Statistische Auswertung der ethologischen Daten
4. ERGEBNISSE
4.1 SOZIOGRAMME
4.2 ERGEBNISSE AUS DEN STATISTISCHEN VERGLEICHEN
4.2.1 Ergebnisse aus den Analysen zur Bearbeitung der Hypothese 1
4.2.1.1 Ergebnisse der Seelöwen
4.2.1.2 Ergebnisse der Seehunde
4.2.2 Zusammenfassung
4.2.3 Ergebnisse zu den Untersuchungen der Hypothese 2 zur Raumnutzung
5. DISKUSSION
5.1 DAS SOZIALVERHALTEN DER KALIFORNISCHEN SEELÖWEN WÄHREND DES BEOBACHTUNGSZEITRAUMES
5.2 DAS SOZIALVERHALTEN DER GEMEINEN SEEHUNDE WÄHREND DES BEOBACHTUNGSZEITRAUMES
5.3 SOZIALBEZIEHUNGEN ZWISCHEN SEEHUNDEN UND SEELÖWEN
5.4 RAUMNUTZUNG
6. ZUSAMMENFASSUNG
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Sozialverhalten und die Raumnutzung einer gemischten Gruppe von Kalifornischen Seelöwen und Gemeinen Seehunden im Aqua Park des Tiergartens Nürnberg, um Erkenntnisse über deren Zusammenleben ein Jahr nach der Zusammenführung zu gewinnen.
- Analyse der sozialen Beziehungen und Interaktionsintensität innerhalb der Seelöwengruppe.
- Untersuchung des Zusammenlebens zwischen den Arten (interartliche soziale Kontakte).
- Quantitative Auswertung der Gehegenutzung über den Tagesverlauf.
- Einfluss von Haltungsbedingungen und Training auf das Verhalten der Tiere.
Auszug aus dem Buch
2.1.3 Pinnipeden
Zur Ordnung der Pinnipedia gehören drei Familien, die Ohrenrobben (Otariidae), die Walrösser (Odobenidae) und die Hundsrobben (Phocidae).
Pinnipeden sind, wie der deutsche Name schon sagt (Wasser-)Raubtiere, deren Gebiss aus gleichgestalteten Praemolares und Molares (STRESEMANN, 1995), Canini und Incisivi aufgebaut ist, jedoch weniger dem Zerkleinern als dem Festhalten der Nahrung dient. Die typische Zahnformel für Mitglieder der Unter-Familie Phocinae lautet 3141/2141 = 34 (STRESEMANN, 1995; KING 1983; BURNS, 1981), die von Ohrenrobben 3156/2156 = 34-38 (ODELL, 1981), wobei die Incisivi stark ausgebildet sind und bei Männchen größer werden können als bei Weibchen (KING 1983). Pinnipeden haben einen spindelförmigen Körper und eine kräftige Muskulatur, was sie zu hervorragenden Schwimmern macht. Dennoch bleiben alle Pinnipeden ihr Leben lang vom Festland (Eis, Inseln und Küsten) abhängig, hier vollzieht sich Geburt und Aufzucht der Jungen und auch die häufig eingelegten Ruhepausen finden auf sicherem Land statt.
Für das Leben in zwei Habitaten bedurfte es besonderer Anpassungen. Zum einen zählen hierzu die zwei Fortbewegungsmethoden im Wasser und an Land, zum anderen sind hier aber auch die Sinnesorgane hervorzuheben. Die großen Augen der Pinnipeden lassen vermuten, dass für Robben das Sehvermögen für die Wahrnehmung ihrer Umwelt eine wichtige Rolle spielt. Während die meisten landlebenden Säuger unter Wasser schlecht sehen, verfügen alle Vertreter der Wasserraubtiere (wie auch der Cetaceen) über eine recht große, kugelförmige Linse, die im Dämmerlicht unter Wasser, bei offener Pupille ein scharfes Bild erzeugt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Hinführung zum Thema der Gemeinschaftshaltung von Meeressäugern im Tiergarten Nürnberg und Erläuterung der Motivation für die Verhaltensstudie.
2. THEORIE: Grundlagen über Pinnipeden, ihre Anpassungen an zwei Habitate sowie verhaltensbiologische Grundbegriffe und Untersuchungsmethoden.
3. TIERE, MATERIAL UND METHODEN: Detaillierte Vorstellung der beobachteten Seelöwen und Seehunde sowie Beschreibung der verwendeten Datenerfassungsmethoden wie Scan-Sampling und Focal-Animal-Sampling.
4. ERGEBNISSE: Präsentation der erhobenen Verhaltensdaten durch Soziogramme und statistische Vergleiche zur Hypothesenprüfung.
5. DISKUSSION: Analyse des Sozialverhaltens und der Raumnutzung vor dem Hintergrund der zoologischen Haltungsbedingungen.
6. ZUSAMMENFASSUNG: Abschließender Überblick über die Erkenntnisse zur Verträglichkeit und sozialen Struktur in der Gemeinschaftshaltung.
Schlüsselwörter
Kalifornische Seelöwen, Seehunde, Pinnipedia, Sozialverhalten, Gemeinschaftshaltung, Raumnutzung, Tiergarten Nürnberg, ethologische Datenerfassung, Soziogramme, Verhaltensforschung, Interaktion, Zoohaltung, Anpassung, Aggression, Sozialkontakt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Examensarbeit befasst sich mit der verhaltensbiologischen Analyse einer Gruppe von Kalifornischen Seelöwen und Gemeinen Seehunden, die gemeinsam in einer Wassergehegeanlage des Nürnberger Tiergartens gehalten werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Sozialverhalten innerhalb der beiden Arten, mögliche interartliche Interaktionen, die Nutzung des zur Verfügung stehenden Lebensraums und die Auswirkungen der Zoohaltung auf das Verhaltensspektrum der Tiere.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es herauszufinden, ob und wie sich die Tiere ein Jahr nach ihrer Zusammenführung aneinander gewöhnt haben, ob es feste soziale Kontakte gibt und ob das Gehege gleichmäßig genutzt wird.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es kommen Scan-Sampling zur Erfassung der Gehegenutzung und Focal-Animal-Sampling zur detaillierten Beobachtung einzelner Tiere zum Einsatz, gefolgt von statistischen Analysen wie Friedman- und Wilcoxon-Tests.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung zur Biologie der Robben und Verhaltensforschung, eine detaillierte Vorstellung der Individuen, eine Beschreibung der Methodik sowie eine umfassende Ergebnisdarstellung mit Soziogrammen und statistischen Auswertungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Sozialverhalten, Gemeinschaftshaltung, Raumnutzung, Kalifornische Seelöwen, Seehunde und ethologische Untersuchungsmethoden charakterisieren.
Warum wurde das Thema kurzfristig geändert?
Das ursprüngliche Thema im Delfinarium musste abgebrochen werden, da es zu paarungszeitbedingten Problemen mit einem Seelöwenbullen kam und die Tiere aus Sicherheitsgründen getrennt wurden.
Welche Verhaltensweisen zeigen eine "Cliquenbildung" bei den Seelöwen?
Besonders beim Synchronschwimmen zeigte sich bei vier der Weibchen (Ginger, Kris, Hannah und Lisa) eine auffallende Cliquenbildung, während andere Tiere wie das Geschwisterpaar Kim und Josie ebenfalls bevorzugt Zeit miteinander verbrachten.
- Arbeit zitieren
- Julia Kurz (Autor:in), 2006, Die Sozialbeziehungen von Kalifornischen Seelöwen (Zalophus californius californius) und Seehunden (Phoca vitulina) in der Gemeinschaftshaltung des Tiergartens Nürnberg, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/66110