„Parteien sind Vereinigungen von Bürgern, die dauernd oder für längere Zeit für den Bereich des Bundes oder eines Landes auf die politische Willensbildung Einfluss nehmen und an der Vertretung des Volkes im Deutschen Bundestag oder einem Landtag mitwirken wollen, wenn sie (....) nach ihrem Hervortreten in der Öffentlichkeit eine ausreichende Gewähr für die Ernsthaftigkeit dieser Zielsetzung
bieten.“ Parteien kommen somit in der Demokratie gesellschaftliche Funktionen zu, die mit Hilfe von Öffentlichkeitsarbeit umgesetzt werden sollen. Politische Öffentlichkeitsarbeit oder politische PR als wichtiger Bestandteil der politischen Kommunikation in Deutschland ist heute ein Berufsfeld, das sich in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren ständig ausdifferenziert und professionalisiert hat, indem sich zahlreiche neue Instrumente und Strategien herausgebildet haben. Sie nimmt eine herausragende Stellung im Prozess der Beobachtung und Beeinflussung der öffentlichen Meinung ein und gilt als eine Maßnahme bzw. als das ausschlaggebende Instrument der Politikvermittlung. Von politischer Öffentlichkeit ist zu sprechen, wenn Öffentlichkeit in politischen Angelegenheiten Transparenz herstellt, Diskursivität über Themen, Meinungen und Überzeugungen ermöglicht und Orientierung in der Meinungsvielfalt bietet.
Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit der Öffentlichkeitsarbeit der Parteien in der Bundesrepublik Deutschland und den Entwicklungen der politischen PR innerhalb der letzten Jahre und den damit verbundenen Modernisierungstendenzen. Es soll der Frage nachgegangen werden, in wiefern sich die Öffentlichkeitsarbeit der Parteien nach den Regeln und Codes der Medien richten und welche zukünftigen Trends der politischen PR daraus folgen. Dazu werden in dieser Arbeit Ziele, Strategien und Instrumente der politischen Öffentlichkeitsarbeit dargestellt und analysiert. Insbesondere sollen dabei die neu entwickelten Strategien und Instrumente der Öffentlichkeitsarbeit der Parteien näher beleuchtet und betrachtet sowie zukünftige Trends politischer Öffentlichkeitsarbeit aufgezeigt werden.
Die Arbeit wird mit einer kurzen Erläuterung der verfassungsrechtlichen Stellung und Aufgaben der Parteien beginnen. Anschließend wird der Begriff politische Öffentlichkeitsarbeit definiert und die Aufgaben, Instrumente und Ziele der Öffentlichkeitsarbeit der Parteien dargestellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Verfassungsrechtliche Stellung und Aufgaben der Parteien
2.1. Artikel 21 im Grundgesetz
2.2. Parteiengesetz
3. Politische Öffentlichkeitsarbeit
3.1. Einordnung des Begriffs „politische Öffentlichkeitsarbeit“
3.2. Politische Öffentlichkeitsarbeit als Form politischer Kommunikation
3.3. Aufgaben und Merkmale der politischen Öffentlichkeitsarbeit
3.4. Instrumente politischer Öffentlichkeitsarbeit
3.5. Ziele politischer Öffentlichkeitsarbeit der Parteien
4. Modernisierungstrends der Formen und Strategien der politischen Öffentlichkeitsarbeit der Parteien
4.1. Professionalisierung
4.2. Medienadressierte Personalisierung
4.3. Event-PR
4.4. Online-Kommunikation
5. Zusammenfassung und zukünftige Trends politischer Öffentlichkeitsarbeit
6. Literatur- und Quellenverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Wandel und die Modernisierung der politischen Öffentlichkeitsarbeit (PR) deutscher Parteien unter dem Einfluss einer zunehmend mediatisierten Gesellschaft. Dabei wird analysiert, wie Parteien ihre Kommunikation professionalisieren, um in einem wettbewerbsorientierten Umfeld Aufmerksamkeit zu gewinnen, sowie welche Auswirkungen dies auf die demokratische Politikvermittlung hat.
- Verfassungsrechtliche Rahmenbedingungen der Parteiarbeit.
- Definition und Instrumente politischer PR im Vergleich zu politischer Werbung.
- Modernisierungstrends wie Professionalisierung und Personalisierung ("Amerikanisierung").
- Einsatz neuer Medien, Events und Online-Kommunikation als PR-Strategien.
- Zukünftige Herausforderungen für Parteien, insbesondere die Wiedergewinnung von Glaubwürdigkeit.
Auszug aus dem Buch
4.1 Professionalisierung
Aufgrund des sozialen und gesellschaftlichen Wandels, des Wandels der Medienlandschaft und des Wandels der Beziehungen von Bürgern zu Politik und Parteien haben sich neue Herausforderungen an Politik und deren Vermittlung ergeben. Parteien sehen sich einer immer größeren werdenden Zahl von Bürgern gegenüber, die bei Wahlen unschlüssig sind und demzufolge ein Parteien-Zapping betreiben. Ein zentrales Anliegen ist daher, mit Hilfe von Öffentlichkeitsarbeit Aufmerksamkeit bei dieser Zielgruppe zu erreichen. Die Parteienkommunikation, die alle vier Jahre sowohl einen finanziellen, vor allem aber einen stark marketing- und werbeorientierten Push erhält, muss sehr dynamisch arbeiten.
Daher gehören mittlerweile persönliche Kommunikationsberater, so genannte spin doctors, zur Infrastruktur der politischen Kommunikation. Der Begriff spin doctors stammt aus den USA und soll eine neue Erscheinung politischer PR im Wahlkampf beschreiben. Spin doctors sind Wahlkampfberater der Kandidaten und politische Öffentlichkeitsarbeiter. Ihre Aufgabe besteht darin, den Journalisten „(...) eine einheitliche und für ihren Kandidaten positive Interpretation der Wahlkampfdebatte bzw. –inszenierung zu vermitteln. Sie fungieren als Bindeglieder von Politik und Medien bzw. von Politikern und Journalisten. Der Wert der spin doctors für die Parteien besteht darin, dass sie die Logik des Mediensystems kennen und dessen Regeln professionell beherrschen, indem sie wissen, wie beispielsweise Themen und Timing der Berichterstattung beeinflusst oder wie Meinungen gemacht werden können. Der Erfolg der spin doctors zeigt sich darin, wenn ihre Einschätzungen von den Journalisten wörtlich mit Quellenangabe zitiert oder ohne Quellenangabe berichtet werden. Die Professionalisierung der politischen Öffentlichkeitsarbeit der Parteien besteht also in der Inszenierung von Pseudoereignissen, ein Maximum an Kontrolle über die Berichterstattung zu erlangen sowie neue Methoden politischer PR zu entwickeln.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung der Öffentlichkeitsarbeit für Parteien ein und definiert die zentralen Forschungsfragen der Hausarbeit.
2. Verfassungsrechtliche Stellung und Aufgaben der Parteien: Das Kapitel erläutert die rechtlichen Grundlagen von Parteien gemäß Grundgesetz und Parteiengesetz als Akteure der politischen Willensbildung.
3. Politische Öffentlichkeitsarbeit: Hier werden theoretische Definitionen, die Scharnierfunktion politischer PR sowie deren Ziele und Instrumente innerhalb der politischen Kommunikation hergeleitet.
4. Modernisierungstrends der Formen und Strategien der politischen Öffentlichkeitsarbeit der Parteien: Das Kapitel analysiert aktuelle Entwicklungen, wie Professionalisierung, Personalisierung, Event-PR und Online-Kommunikation, im Kontext der sich wandelnden Medienlandschaft.
5. Zusammenfassung und zukünftige Trends politischer Öffentlichkeitsarbeit: Eine Synthese der Ergebnisse sowie ein Ausblick auf die zukünftige Bedeutung der Mediatisierung und die Herausforderung der Glaubwürdigkeit für Parteien.
6. Literatur- und Quellenverzeichnis: Auflistung der in der Arbeit verwendeten wissenschaftlichen Fachliteratur und Quellen.
Schlüsselwörter
Politische Öffentlichkeitsarbeit, Parteien, Politikvermittlung, Professionalisierung, Spin Doctors, Personalisierung, Event-PR, Online-Kommunikation, Medienlandschaft, Politische Kommunikation, Mediatisierung, Wahlkampf, Demokratie, PR-Strategien, Bürgerbeteiligung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie politische Parteien in Deutschland Öffentlichkeitsarbeit betreiben, um ihre Ziele in einem immer komplexeren Mediensystem zu erreichen und die politische Willensbildung zu beeinflussen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Fokus stehen die rechtlichen Aufgaben von Parteien, die theoretische Einordnung von politischer PR, moderne Kommunikationsinstrumente sowie Tendenzen zur Professionalisierung und Personalisierung.
Was ist die primäre Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit untersucht, wie Parteien ihre PR-Strategien an die Regeln und Codes der Medien anpassen und welche zukünftigen Trends sich daraus für die politische Öffentlichkeitsarbeit ableiten lassen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und der Aufarbeitung aktueller wissenschaftlicher Diskurse zur Politikvermittlung, zum Mediensystem und zu modernen Kommunikationsstrategien von Parteien.
Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich den Modernisierungstrends. Konkret werden die Rolle von Spin Doctors, die zunehmende Personalisierung durch das Leitmedium Fernsehen sowie der Einsatz von Event-PR und Online-Plattformen detailliert betrachtet.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?
Die zentralen Charakteristika sind Professionalisierung, Mediatisierung, Politische PR, Spin Doctors, Personalisierung und Amerikanisierung der Wahlkampf- bzw. Kommunikationskultur.
Warum wird im Zusammenhang mit der Modernisierung oft der Begriff "Amerikanisierung" genannt?
Der Begriff wird verwendet, um den Trend zu beschreiben, dass Parteien verstärkt auf professionelle Wahlkampfstrategien, Personenfokussierung und inszenierte Events setzen – eine Entwicklung, die in den USA als Pionier der modernen politischen Kommunikation beobachtet wurde.
Welche Rolle spielen "Spin Doctors" bei der PR der Parteien?
Spin Doctors fungieren als Bindeglieder zwischen Politik und Medien. Sie beherrschen die Logik des Mediensystems und versuchen, eine für ihren Kandidaten oder ihre Partei vorteilhafte Interpretation von politischen Ereignissen in der Berichterstattung zu erzielen.
Wie hat sich die Online-Kommunikation der Parteien verändert?
Das Internet wird heute nicht mehr nur als reine Informationsquelle genutzt, sondern zunehmend als interaktive Plattform für Online-Campaigning, Dialog mit Wählern über Blogs und soziale Netzwerke sowie als Instrument der parteiinternen Kommunikation.
Was identifiziert die Arbeit als Hauptherausforderung für die Zukunft?
Trotz fortschreitender Professionalisierung sieht die Arbeit die größte Herausforderung in der Wiedergewinnung von politischem Vertrauen und Glaubwürdigkeit bei den Bürgern, was Richtigkeit, Offenheit und Transparenz erfordert.
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- Daniel Hischer (Author), 2006, Die politische Öffentlichkeitsarbeit der Parteien in der BRD - Gegenwärtige Trends, Formen und Strategien, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/65999