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Historische Sichtweise auf Leistung und Beurteilung und Ableitung für die gegenwärtige Praxis am Beispiel des Mathematikunterrichts der Grundschule

Titel: Historische Sichtweise auf Leistung und Beurteilung und Ableitung für die gegenwärtige Praxis am Beispiel des Mathematikunterrichts der Grundschule

Examensarbeit , 2006 , 82 Seiten , Note: 2,3 meines Examens

Autor:in: Maik Graf (Autor:in)

Didaktik - Mathematik

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Zusammenfassung Leseprobe Details

Wir leben in einem sozialen Gefüge, welches sich selber den Titel einer Leistungsgesellschaft auferlegt. Leistung wird dabei zu einem höchst differenzierenden Mittel, das perspektivisch eine sehr große Tragweite für das gesamte Leben haben kann. Bisher war Schule der stille Lieferant für diese geforderten Kompetenzen. Doch spätestens seit PISA rückt die Schule wieder ins Visier einer breiten Öffentlichkeit, die plötzlich ein viel stärkeres Interesse an Bildungsfragen hat, denn der internationale Vergleich der zukünftigen Leistungsträger und das formal nicht so gute Abschneiden, werfen ein negativen Schatten auf dieses Land und sein Eigenverständnis. Es wird der Ruf nach Reformen laut, und alles muss sich schnellstmöglich an den nun nachgewiesen Besten orientieren, um schnell wieder die Schatten zu erhellen. Die Schule wird reformiert, ein Prozess der so nicht ungewöhnlich, doch in diesem Fall sehr einseitig ausgerichtet ist. Ziel ist Leistung und Kompetenz zu produzieren und dies unter dem sich nun regelmäßig wiederholenden Vergleichsmittel PISA.
Was macht aber Leistung in der Schule aus? Was bedeutet eine Note für einen Schüler wirklich? Was verbirgt sich hinter dem schulischen Leistungsbegriff und ist dieser überhaupt in Einklang mit den Wünschen der Gesellschaft zu bringe? Diese Fragen sollen im Folgenden näher ergründet werden. Dabei führt der Blick als erstes zurück in die Vergangenheit und beleuchtet die Entstehungsgeschichte des Zeugnisses und der Zensur. Es soll im Weiteren versucht werden, die Beurteilungspraxis näher zu beschreiben, um darüber auch mögliche Schwächen herauszufiltern. Die aktuelle Schulsituation soll schließlich am Beispiel des Mathematikunterrichtes der Grundschule aufgezeigt werden.






Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die Funktion der Schule aus gesellschaftlicher Sicht

2. Die Geschichte des Zeugnisses

2.1. Das Benefizienzeugnis

2.2. Das Reifezeugnis

2.3. Das Abgangszeugnis

2.4. Das periodische Zeugnis

3. Die Entstehungsgeschichte der Zensur

3.1. Die Zensur im schulischen Kontext

3.2. Zusammenfassung unter der Betrachtung der Entwicklung von unterschiedlichen Funktionen des Zeugnisses und der Zensur

3.2.1. Die Orientierungs- und Berichtfunktion

3.2.2. Die pädagogische Funktion

4. Die Zeugnisregelung in der Bundesrepublik und in Sachsen

4.1. § 19 Halbjahresinformationen

4.2. § 20 Jahreszeugnisse

4.3. § 21 Bildungsempfehlung

5. Leistung

5.1. Leistung im Kontext Schule

5.2. Leistung als Prinzip der Gesellschaft

5.3. Ansatz eines pädagogischen Leistungsbegriffes

5.3.1. Leistung mit produkt- und prozessorientiertem Charakter

5.3.2. Leistung in der Schule bedeutet individuelles und zugleich soziales Lernen

5.3.3. Leistung als problemmotiviertes Prinzip

5.3.4 Leistung als norm- und zweckbezogenes Mittel der Schule

5.3.5. Die Schulleistung unterliegt stets einer Eigen- und Fremdbewertung

5.3.6. Annerkennung und Ermutigung über den Leistungsbegriff

5.2. Zusammenfassung

6. Die Qualität von Leistungsbeurteilung

6.1. Die Bezugnormenfindung

6.1.1. Die subjektorientierte (individuelle) Bezugsnorm

6.1.2. Die lernzielorientiert (sachliche) Bezugsnorm

6.1.3. Die vergleichsorientierte (soziale) Bezugsnorm

6.2. Zusammenfassung unter Berücksichtigung der pädagogischen Umsetzung

7. Gütekriterien der Qualitätssicherung von Messergebnissen

7.1. Objektivität

7.2. Reliabilität

7.3. Validität

8. Urteilsfehler

8.1. Der Hof- oder Heloeffekt

8.2. Der Erwartungseffekt (Pygmalioneffekt)

8.3. Die unterschiedlichen Beurteilungstendenzen

8.4. Der Projektionsfehler

8.5. Zusammenfassung unter Berücksichtigung des Wunsches, die Note als exaktes Instrument zu sehen

9. Die Kritik an der Zensur: Zwei Begründungen

10. Die aktuelle Beurteilungspraxis im Fach Mathematik -Anforderungen an die moderne Grundschule-

10.1. Begriffdifferenzierung von Leistungsbeurteilung und Leistungsbewertung

10.1.1. Leistungsbeurteilung

10.1.2. Leistungsbewertung

10.2. Leistungsbegriff im aktuellen Mathematikunterricht

10.3. Formen der Leistungsmessung im Mathematikunterricht der Grundschule

10.3.1. Die mündliche Leistungsmessung

10.3.1.1. Durchführung von mündlichen Leistungsmessungen

10.3.2. Die Klassenarbeit

10.3.2.1. Erarbeiten einer Klassenarbeit für die Grundschule

10.3.2.2. Durchführung einer Klassenarbeit

10.3.2.3. Bewertung einer Klassenarbeit

10.4 Zusammenfassung

11. Die Suche nach Alternativen

Schlussbemerkung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit analysiert die historische Entwicklung der Leistungsbeurteilung und Zensur sowie deren heutige Anwendung und Problematik im schulischen Kontext, insbesondere am Beispiel des Mathematikunterrichts in der Grundschule, um einen pädagogisch fundierteren Leistungsbegriff zu entwickeln.

  • Historische Genese von Zeugnisformen und Zensuren
  • Gesellschaftliche Funktionen der Leistungsbewertung
  • Pädagogische Gütekriterien und Urteilsfehler bei der Benotung
  • Aktuelle Beurteilungspraxis und deren Reformpotenziale
  • Konkrete Umsetzung im Mathematikunterricht der Grundschule

Auszug aus dem Buch

2.4. Das periodische Zeugnis

Im Gegensatz zu allen anderen Zeugnisarten und Zeugnisformen, die bisher beschrieben wurden und die alle samt beim Abgang von der Schule ausgestellt werden, handelt es sich beim periodischen Zeugnis um eines, welches in regelmäßigen Zeiträumen im Laufe eines Schuljahres erteilt und ausgestellt wird.

Schon im 16. Jahrhundert findet man bei den Jesuiten diese Form der Beurteilung in bestimmten Intervallen, was gleichzeitig deutlich macht, dass es sich dabei ebenfalls um eine Form handelt, die parallel und eigenständig zu den anderen ihre Entwicklung nahm. Schon früh in der Entwicklung des Zeugnisse war klar beziehungsweise es ergab sich von selbst, dass Schule und Schulbildung in gewissen Schritten abläuft und somit auch abgestuft und in zeitlich vorgegeben Intervallen eine Beurteilung erfolgen muss. Eine Art Nahziel wurde geschaffen, was als Anreiz für das eigentliche Ziel, den Abschluss, stand. Zudem sind die dadurch entstehenden Kontrollmöglichkeit nicht zu verachten. Anreizfunktion und Kontrollfunktion finden in den Schultypen unterschiedliche Ausprägung. In den Elementarschulen herrscht die Kontrollfunktion vor, wogegen bei den höheren Schulen der Anreiz das primäre und pädagogische Ziel ist. Schon früh taucht die Prüfung und damit verbunden Versetzung in einer jährlich zweimaligen Periodik auf19. Im Laufe der Geschichte kam es aber auch zu deutlichen Schwankungen der Periodik. Es gibt Quellen, die von wöchentlicher bis jährlicher Zeugnisverteilung berichten. Immer am dominantesten war aber das Quartalszeugnis.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Die Funktion der Schule aus gesellschaftlicher Sicht: Die Schule erfüllt zentrale gesellschaftliche Aufgaben wie Selektion, Integration und Qualifikation, die tief in unserer Leistungsgesellschaft verankert sind.

2. Die Geschichte des Zeugnisses: Das Zeugnis entwickelte sich historisch aus sozialen Zwecken und dem Gerichtswesen, wobei vier Grundformen existieren, die den Übergang vom Einzelfall zur staatlich geregelten Norm markieren.

3. Die Entstehungsgeschichte der Zensur: Der Begriff der Zensur stammt aus dem alten Rom und wandelte sich im schulischen Kontext zu einem mathematischen Instrument der Rangordnung und Kontrolle.

4. Die Zeugnisregelung in der Bundesrepublik und in Sachsen: Dieses Kapitel behandelt die aktuelle, staatlich verordnete Beurteilungspraxis, einschließlich der Regelungen zu Zeugnissen und Bildungsempfehlungen im Freistaat Sachsen.

5. Leistung: Es wird zwischen dem gesellschaftlich statischen und einem pädagogisch dynamischen Leistungsbegriff unterschieden, wobei letzterer den ganzen Menschen in den Fokus rückt.

6. Die Qualität von Leistungsbeurteilung: Die Wahl der richtigen Bezugsnorm (individuell, sachlich oder sozial) ist entscheidend für die pädagogische Qualität der Bewertung.

7. Gütekriterien der Qualitätssicherung von Messergebnissen: Um eine fachlich fundierte Benotung zu gewährleisten, müssen die Gütekriterien Objektivität, Reliabilität und Validität in der pädagogischen Arbeit reflektiert werden.

8. Urteilsfehler: Der Lehrer ist als Messinstrument anfällig für systematische Fehler wie den Hof-Effekt oder den Erwartungseffekt, was die vermeintliche Exaktheit von Noten in Frage stellt.

9. Die Kritik an der Zensur: Zwei Begründungen: Die Kritik entzündet sich an der mangelnden pädagogischen Aussagekraft von Noten und der empirisch nachgewiesenen Messungenauigkeit.

10. Die aktuelle Beurteilungspraxis im Fach Mathematik -Anforderungen an die moderne Grundschule-: Das Kapitel beleuchtet spezifische Methoden der Leistungsmessung im Mathematikunterricht und fordert eine Professionalisierung der Bewertungspraxis.

11. Die Suche nach Alternativen: Ein kurzer Ausblick auf alternative Beurteilungsformen wie Lernberichte, die den Stressdruck mindern und eine individuelle Förderung unterstützen sollen.

Schlüsselwörter

Leistungsbeurteilung, Schulzeugnis, Zensur, Leistungsgesellschaft, Grundschule, Mathematikunterricht, Pädagogik, Bezugsnorm, Objektivität, Reliabilität, Validität, Urteilsfehler, Lernfortschritt, Leistungsdruck, Schulentwicklung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit setzt sich kritisch mit der historischen Entstehung und der aktuellen Praxis der Leistungsbeurteilung und Zensur in der Schule auseinander.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Die Arbeit fokussiert auf die gesellschaftliche Funktion von Schule, die Geschichte der Zeugniserteilung, die wissenschaftlichen Gütekriterien der Benotung sowie die spezifische Umsetzung im Mathematikunterricht der Grundschule.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Ziel ist es, die Problematik der Zensur als vermeintlich objektives Instrument aufzuzeigen und Ansätze für eine pädagogisch sinnvollere Beurteilungspraxis zu formulieren.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?

Der Autor nutzt eine historisch-analytische Methode, kombiniert mit einer Auswertung pädagogischer Fachliteratur und einschlägiger Rechtsvorschriften für den Freistaat Sachsen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Aufarbeitung der Zensur, eine fachdidaktische Diskussion von Gütekriterien, eine Reflexion über typische Urteilsfehler von Lehrkräften und eine konkrete Analyse der Beurteilung im Mathematikunterricht.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind Leistungsgesellschaft, Zensuren, Pädagogische Bezugsnorm, Objektivität und Schulleistung.

Warum ist die individuelle Bezugsnorm laut Arbeit besonders für die Grundschule wichtig?

Weil Kinder in der Grundschule sehr unterschiedliche Voraussetzungen mitbringen und die individuelle Bezugsnorm den Lernfortschritt des einzelnen Kindes in den Mittelpunkt stellt, anstatt es mit der gesamten Klasse zu vergleichen.

Welche Schwächen der Ziffernnote benennt der Autor?

Noten werden als "Prestigeprodukte" mit geringer pädagogischer Aussagekraft kritisiert, die zudem anfällig für subjektive Urteilsfehler (wie den Hof-Effekt) sind und soziale Selektion statt individueller Förderung begünstigen.

Wie bewertet der Autor den Einsatz von mündlichen Leistungsmessungen?

Der Autor sieht in mündlichen Prüfungen eine wichtige Ergänzung zur Erfassung von Denkprozessen, warnt jedoch vor einer höheren Fehleranfälligkeit durch subjektive Eindrücke der Lehrkraft.

Was fordert der Autor als Fazit für die schulische Praxis?

Der Autor fordert eine stärkere Professionalisierung der Lehrkräfte im Umgang mit Beurteilungsfragen, eine kritische Reflexion der eigenen Benotung und die stärkere Einbeziehung prozessorientierter Beurteilungsformen.

Ende der Leseprobe aus 82 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Historische Sichtweise auf Leistung und Beurteilung und Ableitung für die gegenwärtige Praxis am Beispiel des Mathematikunterrichts der Grundschule
Hochschule
Technische Universität Dresden
Note
2,3 meines Examens
Autor
Maik Graf (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2006
Seiten
82
Katalognummer
V65649
ISBN (eBook)
9783638581660
ISBN (Buch)
9783638710855
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Historische Sichtweise Leistung Beurteilung Ableitung Praxis Beispiel Mathematikunterrichts Grundschule
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Maik Graf (Autor:in), 2006, Historische Sichtweise auf Leistung und Beurteilung und Ableitung für die gegenwärtige Praxis am Beispiel des Mathematikunterrichts der Grundschule, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/65649
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Leseprobe aus  82  Seiten
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