Plattenbausiedlungen im Ostteil Deutschlands haben in der allgemeinen Wahrnehmung ein negativ besetztes Image. Schon nach der Wende erfuhren die DDR-Neubaugebiete meist aus Unkenntnis über die Besonderheiten im DDR-Wohnungsbau eine negative Außenwertung. In Wirklichkeit lebte der soziale Durchschnitt der DDR-Bevölkerung in Plattenbauten.
Während sich beispielsweise bei einer Langzeitstudie in der Großsiedlung Grünau / Leipzig das reale Wohnumfeld verbessert hat ergeben Befragungen der Bewohner, dass sich das Image kontinuierlich verschlechtert hat. Daher ist ein verantwortungsvoller Umgang mit der Ressource Plattenbau notwendig, damit nicht dieses negative Image Wirklichkeit wird. Plattenbauten in industrieller Bauweise sind keine Ost-Deutsche Erfindung.
In Kapitel 2 skizziere ich die Entwicklung die zum Plattenbau geführt haben und die Philosophie welche hinter dem industrialisiertem Bauen steckt. Kapitel 3 beschreibt die Ursachen die zu einer Monostruktur an Plattenbauten in der DDR geführt haben und liefert eine Bestandsaufnahme, die für das weitere Verständnis unerlässlich ist. Die Probleme von Plattenbauten/Plattenbausiedlungen, die zum einen in baulichen Mängeln, zum anderen in einer einbrechenden Nachfrage an Wohnraum liegen, zeige ich in Kapitel 4 auf.
Welche Möglichkeiten gibt es diesen Problemen zu begegnen? Was für Maßnahmen werden in der Praxis eingesetzt? Kapitel 5 liefert Einblicke in die verschiedenen Möglichkeiten. Schlussendlich wird in der Zusammenfassung die Frage nach der Zukunftsfähigkeit der „Platte“ gestellt. In meiner Ausarbeitung habe ich mich auf den Plattenbau auf dem Gebiet der ehemaligen DDR konzentriert, da hier die Probleme am massivsten zu Tage treten und dieser Bereich in der Literatur dokumentiert ist. Die Erfahrung aus dem Umgang mit Plattenbaustrukturen und die aufgezeigten Lösungsmöglichkeiten lassen sich überwiegend auch auf andere Plattenbausiedlungen auf der Welt übertragen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Entwicklung zur Plattenbauweise
2.1. Industrielles Bauen – Eine Definition
2.2. Die Anfänge des Industriellen Bauens
2.3. Der Weg zur Plattenbauweise
3. Die Plattenbauära in der DDR
4. Gründe für den Handlungsbedarf – Die Probleme der „Platte“
5. Sinnvoller Umgang mit der Ressource Plattenbau
5.1. Die Recyclingplatte – Wiederverwertung von Bauelementen
5.2. Wohnwertverbessernde Maßnahmen in Plattenbauten
5.2.1. Grundrißveränderungen in Plattenbauten
5.2.2. Nachrüsten von Aufzugsanlagen
5.3. Energetische Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen
5.4. Teilrückbau und Aufwertung von Plattenbausiedlungen
5.5. Umnutzung von Plattenbauwohnungen
6. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, den verantwortungsvollen Umgang mit der Ressource Plattenbau in den neuen Bundesländern zu untersuchen und aufzuzeigen, wie bauliche Mängel sowie demografisch bedingter Leerstand durch gezielte Sanierungs-, Modernisierungs- und Teilrückbaumaßnahmen bewältigt werden können, um die Zukunftsfähigkeit dieser Siedlungsstrukturen zu sichern.
- Historische Entwicklung und philosophische Grundlagen des industriellen Bauens.
- Analyse der spezifischen Probleme von Plattenbausiedlungen in der DDR (baulich und sozial).
- Untersuchung technischer Lösungsansätze wie die "Recyclingplatte" und energetische Modernisierung.
- Evaluation von Maßnahmen zur Wohnwertverbesserung (Grundrissänderungen, Aufzugsnachrüstung).
- Diskussion über die Notwendigkeit von Abriss und Aufwertung zur Angleichung der Wohnverhältnisse.
Auszug aus dem Buch
5.2.1. Grundrißveränderungen in Plattenbauten
Eine Möglichkeit der Wohnwertverbesserung sind Grundrißveränderungen von bestehenden Wohnungen.
In Plattenbauten lassen sich dank der weitgespannten Decken günstigere Wohnungszuschnitte realisieren. Innenwände, die infolge dieser weitgespannten Decken nicht tragend sind, können ohne konstruktive Probleme entfernt bzw. versetzt werden. Durchbrüche in Spannbetondecken sind in der Regel nicht realisierbar. Die vorhandenen Deckendurchbrüche in Form von Installationsschächten für Küche/Bad sollten daher möglichst genutzt werden.
Bei konstruktiven Veränderungen kann der Bestandsschutz für den Brand- und Schallschutz aufgehoben werden. Daher ist eine frühzeitige Abstimmung der Maßnahmen mit den zuständigen Behörden ratsam. Grundrißveränderungen innerhalb der Wohnung ergeben normalerweise keine zusätzlichen Anforderungen an den Brandschutz. Anders ist dies bei wohnungsübergreifenden Grundrißveränderungen. Diese Stellen eine wesentliche Änderung der baulichen Anlage dar und die zum Zeitpunkt des Durchbruchs der Wohnungstrennwand geltende baurechtlichen Bestimmungen kommen zum tragen. Den in aktuellen Bestimmungen geforderten Schallschutz erfüllen die Wohngebäude in Plattenbauweise nicht mehr. In den Plattenbauten wurde seit den 70er Jahren überwiegend 140mm Stahlbeton-Plattendecken mit einem 25 bis 35mm dicken Verbundestrich aus Zement oder Fließhydrit eingebaut. Trittschalldämmung wurde durch einen weichfedernden Bodenbelag erreicht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung beleuchtet das negativ besetzte Image von Plattenbauten und definiert die Notwendigkeit eines verantwortungsvollen Umgangs mit dieser Ressource, um zukünftige Lösungsansätze für soziale und bauliche Probleme zu entwickeln.
2. Die Entwicklung zur Plattenbauweise: Das Kapitel skizziert die historische Entwicklung des industriellen Bauens von frühen Holzkonstruktionen bis hin zur modernen Plattenbauweise und definiert die technischen und organisatorischen Konzepte dahinter.
3. Die Plattenbauära in der DDR: Hier werden die Ursachen für die Entstehung der Monostrukturen in der DDR beschrieben und der Kontext des massiven Wohnungsbauprogramms 1976-1990 dargelegt.
4. Gründe für den Handlungsbedarf – Die Probleme der „Platte“: Dieses Kapitel analysiert bauliche Defizite wie unzureichenden Schall- und Wärmeschutz sowie soziale Herausforderungen und die Problematik des flächendeckenden Leerstands.
5. Sinnvoller Umgang mit der Ressource Plattenbau: Hier werden verschiedene Lösungsstrategien wie das Recycling von Bauelementen, energetische Sanierung, Wohnwertverbesserung durch Grundrissanpassungen und der Teilrückbau von Siedlungen detailliert vorgestellt.
6. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung bilanziert die Notwendigkeit, Abriss und Aufwertung sinnvoll zu verbinden, und betont, dass industrielle Bauweisen bei richtiger politischer Flankierung auch zukünftig eine wichtige Rolle spielen können.
Schlüsselwörter
Plattenbau, industrielles Bauen, Wohnungsbau, DDR, Leerstandsmanagement, Sanierung, Modernisierung, Grundrißveränderung, Teilrückbau, Stadtumbau Ost, Wärmedämmung, Recyclingplatte, Wohnwertverbesserung, energetische Sanierung, Großsiedlungen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der "Ressource Plattenbau" in den neuen Bundesländern, insbesondere mit der Analyse von Problemen und Lösungsstrategien für den Bestand an industriell gefertigten Wohnbauten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind die Historie des industriellen Bauens, die Ursachen für den Leerstand, technische Sanierungsmöglichkeiten, energetische Modernisierung sowie Ansätze zur architektonischen Aufwertung von Großsiedlungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch eine Kombination aus Sanierung, Umbau und Abriss die Zukunftsfähigkeit ostdeutscher Plattenbausiedlungen gesichert werden kann.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?
Die Arbeit basiert primär auf einer umfassenden Literaturanalyse, der Auswertung von Statistiken und der Untersuchung von Fallbeispielen, wie etwa dem Modellprojekt in Leinfelde.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Bestandsaufnahme der Probleme (Kapitel 4) und eine detaillierte Erläuterung von Maßnahmen zur Aufwertung und zum Rückbau (Kapitel 5).
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie "Plattenbau", "Stadtumbau", "Sanierungsgrundlagen" und "Leerstandsmanagement" geprägt.
Warum ist die "Recyclingplatte" laut Autor nur schwer umsetzbar?
Obwohl die Wiederverwertung von Bauelementen technisch möglich ist, wird eine große Nachfrage nach diesem Baustoff aus ökonomischen Gründen als eher unwahrscheinlich eingestuft.
Welche Rolle spielt die Politik bei der Sanierung von Plattenbauten?
Der Autor argumentiert, dass Wohnungsgesellschaften die finanziellen Belastungen für tiefgreifende Umgestaltungen alleine nicht tragen können und deshalb politische Unterstützung und Förderprogramme essenziell sind.
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- René Wedekind (Author), 2006, Ressource Plattenbau. Möglichkeiten für Weiternutzung und Recycling, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/65205