Das Thema Wissensmanagement ist in den letzten Jahren auch im sozialwissenschaftlichen Diskurs zu einem wichtigen Thema geworden. Der strukturelle Wandel der Gesellschaft von der „Informationsgesellschaft“ zur sogenannten „Wissensgesellschaft“ (vgl. Stehr 2000, Willke 1998) und die Zunahme der Relevanz von Wissen im gesellschaftlichen Kontext machen eine Auseinandersetzung mit diesem Thema unumgänglich. Die Diskussion um die Bedeutung und den Umgang mit der strategischen Ressource Wissen hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen und findet sich auch in vielen Fachpublikationen wieder. Wissensmanagement kann dazu auch als Weiterentwicklung im Zusammenhang mit der Diskussion zum organisationalen Lernen gesehen werden.
Obwohl die Beschäftigung mit Wissensmanagement z.T. inflationär als „Modethema“ bezeichnet wird, sollte die Relevanz des Themas nicht unterschätzt werden. Wissen gilt heute als ein, wenn nicht der bedeutendste Produktionsfaktor neben den traditionellen Produktionsfaktoren Arbeit, Kapital und Grundbesitz und wird so zu einer relevanten Größe im Wettbewerb. In der Literatur wird Wissen zudem häufig als der vierte Produktionsfaktor angesehen (vgl. Stewart 1998). Besonders das Wissen der Mitarbeiter eines Unternehmens oder einer Organisation rückt in den letzten Jahren immer mehr in den Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion, da der individuelle Wissensanteil z.B. bei der Produktion komplexer Dienstleistungen immer größer wird. Die Produktivität von Wissen bzw. von geistig arbeitenden Menschen ist zu einer der zentralen Herausforderung für das Management von Unternehmen und Organisationen geworden. Damit wird eine optimale Nutzung individueller und kollektiver Wissensbestände zu einem wichtigen Wettbewerbsfaktor. Um aber Produktivität, Innovation und Effizienz in Unternehmen und Organisationen zu gewährleisten, muss Wissen gemanagt werden. Die Fähigkeit, Wissen zu identifizieren, zu erwerben und umzusetzen, ist damit eine der Kernkompetenzen der Zukunft. Auch die Bedeutung von Wissen als entscheidender ökonomischer Faktor ist erkannt worden. In Zeiten fortschreitender Globalisierung und mit immer neuen Informations- und Kommunikationstechnologien muss Wissen professionell gemanagt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Relevanz des Themas - Warum Wissensmanagement?
1.2 Forschungsfrage
1.3 Aufbau der Arbeit
1.4 Begründung der Vorgehensweise
2. Wissen und Wissensmanagement
2.1 Definition des Wissensbegriffs
2.1.1 Daten – Informationen – Wissen
2.1.2 Individuelles – organisationales Wissen
2.1.3 Explizites – implizites Wissen
2.1.4 Wissen speichern und verteilen
2.1.5 Wissen generieren - Wissensgenerierung durch organisationales Lernen
2.2 Konzepte des Wissensmanagements
2.2.1 Die Wissensspirale nach Nonaka/Takeuchi
2.2.1.1 Die vier Formen der Wissensumwandlung
2.2.1.2 Voraussetzungen für die Wissensschaffung
2.2.1.3 Das Fünf-Phasen-Modell der Wissensschaffung
2.2.2 Die Bausteine des Wissensmanagements nach Probst et al.
2.2.2.1 Wissensziele
2.2.2.2 Wissensidentifikation
2.2.2.3 Wissenserwerb
2.2.2.4 Wissensentwicklung
2.2.2.5 Wissens(ver)teilung
2.2.2.6 Wissensnutzung
2.2.2.7 Wissensbewahrung
2.2.2.8 Wissensbewertung
2.2.2.9 Probleme der Wissensbewertung
2.3 Vor- und Nachteile der theoretischen Konzepte und ihrer Anwendbarkeit
2.4 Instrumente und Methoden für den Einsatz von Wissensmanagement-Systemen
2.4.1 Kommunikation als Grundvoraussetzung
2.4.2 Wissenslandkarten/Yellow Pages
2.4.3 Lessons learned
2.4.4 Communities of Practice
2.4.5 Datenbanken und Intranet
2.5 Motivationale Voraussetzungen
2.6 Wissensbarrieren
2.7 Zusammenfassung
3. Die Universität
3.1 Organisationsstruktur der Universität
3.2 Positionspapier des Deutschen Hochschulverbandes zur Organisationsstruktur von Universitäten
3.3 Reformprozesse an der Universität Hamburg
4. Wissensmanagement an der Universität
4.1 Vorüberlegungen zum Einsatz von Instrumenten und Methoden zum Wissensmanagement an der Universität
5. Zur Methodik der Experteninterviews
6. Möglichkeiten und Grenzen von Wissensmanagement-Systemen an der Universität: Analyse der Experteninterviews anhand der Bausteine nach Probst et al.
6.1 Stellenwert der Ressource Wissen
6.2 Wissensziele definieren
6.3 Wissen identifizieren
6.4 Wissen erwerben
6.5 Wissen entwickeln
6.6 Wissen (ver)teilen
6.7 Wissen nutzen
6.8 Wissen bewahren
6.8 Wissen bewerten
6.10 Defizite im Umgang mit Wissen an der Universität
6.11 Einstellungen zum Wissensmanagement
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie die Universität Hamburg, vor dem Hintergrund aktueller Reformprozesse, ihr vorhandenes Wissen verwaltet und welche Möglichkeiten zur Optimierung durch Wissensmanagement-Systeme bestehen. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob und wie Konzepte aus der Privatwirtschaft auf eine Bildungsorganisation übertragbar sind, um Zukunftsaufgaben effizient zu lösen.
- Bedeutung des Wissensmanagements in einer universitären Organisation.
- Analyse der Organisationsstruktur und der aktuellen Reformprozesse an der Universität Hamburg.
- Empirische Untersuchung mittels Experteninterviews bei Entscheidungsträgern.
- Evaluation von Wissensmanagement-Methoden anhand des Baustein-Modells von Probst et al.
Auszug aus dem Buch
2.2.1.1 Die vier Formen der Wissensumwandlung
Wissen wird geschaffen durch das komplementäre Zusammenwirken von implizitem und explizitem Wissen, d.h. durch die Umwandlung von individuellem Wissen in Unternehmenswissen und damit die Gestaltung der jeweiligen Übergänge. Daraus ergibt sich folgendes Diagramm:
Sie zeigt die vier Modi der Wissensgenerierung - die Übergänge von implizitem zum expliziten Wissen - die sich bei optimaler Ausgestaltung zu einer sogenannten „Spirale der organisationalen Wissensgenerierung“ (vgl. Nonaka/Takeuchi 1997, 84f) verknüpfen lassen. Die Sozialisation kann als Prozess bezeichnet werden, bei dem Erfahrungen ausgetauscht werden. Dabei handelt es sich um das Lernen durch Beobachtung, Nachahmung und Praktizieren, wie es z.B. bei der Arbeit zwischen Lehrlingen und Meistern in einem Handwerksbetrieb der Fall ist (vgl. ebd., 75). Solche Denkmodelle wären allein über die Sprache sehr schwer zu vermitteln.
Bei der Externalisierung wird den Autoren zufolge implizites Wissen in explizites umgewandelt. Es geht also um eine Artikulation, also das Aufschreiben des vorhandenen Wissens in Form von Metaphern, Analogien oder Modellen. Die Externalisierung wird von den Autoren als wichtigster Bestandteil zur Wissensschaffung gesehen und bildet die Grundlage für die Kombination. Hier wird aus vorhandenem explizitem Wissen neues explizites Wissen für die Organisation generiert. Unterstützt werden kann die Kombination durch Hilfsmittel wie Dokumente, Besprechungen, verschiedene elektronische Kommunikationsnetzwerke oder Datenbanken.
Bei der Internalisierung werden Erfahrungen aus Sozialisation, Externalisierung und Kombination zu implizitem Wissen eines Individuums. Neues Wissen wird internalisiert durch individuelle Aneignung und Verinnerlichung. „Learning by doing“ ist eines der Schlagwörter in diesem Zusammenhang, ebenso wie die unterschiedlichen Formen des individuellen und sozialen Lernens und der individuelle Erfahrungsschatz.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Relevanz des Wissensmanagements in der Wissensgesellschaft heraus und definiert die Forschungsfrage, wie dieses Konzept auf Universitäten übertragen werden kann.
2. Wissen und Wissensmanagement: Dieses Kapitel erläutert grundlegende Wissensbegriffe sowie etablierte Konzepte und Methoden des Wissensmanagements, insbesondere die Modelle von Nonaka/Takeuchi und Probst et al.
3. Die Universität: Es wird die Organisationsstruktur der Universität Hamburg analysiert und in den Kontext der aktuellen Reformprozesse im deutschen Hochschulwesen gesetzt.
4. Wissensmanagement an der Universität: Dieser Abschnitt dient der Vorüberlegung zum konkreten Einsatz von Wissensmanagement-Instrumenten an der Universität unter Berücksichtigung ihrer spezifischen Anforderungen.
5. Zur Methodik der Experteninterviews: Hier wird das methodische Vorgehen bei der Durchführung und Auswertung der Experteninterviews begründet und reflektiert.
6. Möglichkeiten und Grenzen von Wissensmanagement-Systemen an der Universität: Analyse der Experteninterviews anhand der Bausteine nach Probst et al.: Das Kernkapitel wertet die Experteninterviews anhand der Bausteine von Probst et al. aus und identifiziert Potenziale sowie Barrieren im Wissensmanagement an der Universität.
7. Fazit: Das Fazit fasst die theoretischen und empirischen Ergebnisse zusammen und bewertet die Möglichkeiten einer Implementierung von Wissensmanagement-Systemen an der Universität Hamburg.
Schlüsselwörter
Wissensmanagement, Wissensspirale, Probst et al., Universität Hamburg, Wissensidentifikation, organisationales Lernen, Experteninterviews, Wissensbarrieren, Wissensbewahrung, Wissensnutzung, Wissensgenerierung, Hochschulreform, Wissensmanagement-Systeme, implizites Wissen, explizites Wissen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Relevanz und Anwendbarkeit von Wissensmanagement-Methoden in einer Bildungsorganisation, konkret am Beispiel der Universität Hamburg, vor dem Hintergrund aktueller Strukturreformen.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder umfassen die Definition des Wissensbegriffs, theoretische Konzepte des Wissensmanagements (insb. Nonaka/Takeuchi und Probst et al.), die Organisationsstruktur von Universitäten sowie die praktischen Möglichkeiten und Grenzen der Wissensverwaltung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist herauszufinden, ob und wie die Universität Hamburg ihr vorhandenes Wissen verwaltet und welche Wissensmanagement-Ansätze geeignet sind, um die Zukunftsaufgaben im Zuge von Reformen wie dem Bologna-Prozess zu bewältigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Verfasserin nutzt eine explorative, qualitative Befragungsmethode in Form von leitfadengestützten Experteninterviews mit Entscheidungsträgern unterschiedlicher Funktionsbereiche der Universität Hamburg.
Was wird im umfangreichen Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Interviews anhand der acht Bausteine von Probst et al. (z. B. Wissensziele, Identifikation, Erwerb, Verteilung, Nutzung, Bewahrung) und identifiziert Defizite im aktuellen Umgang mit der Ressource Wissen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Wissensmanagement, organisatorisches Lernen, Wissensbarrieren, Experteninterviews, Wissensspirale und Hochschulmodernisierung.
Warum ist laut der Studie die Einführung von Wissensmanagement-Systemen an Universitäten schwierig?
Die Studie zeigt, dass an der Universität oft keine standardisierten Prozesse existieren und die dezentrale Struktur sowie die historisch gewachsenen Arbeitsweisen der Wissenschaftler eine zentrale Steuerung oder den Transfer von Wissen durch IT-Systeme erschweren.
Welche Rolle spielt das Projekt „Virtueller Campus“ in der Arbeit?
Der „Virtuelle Campus“ wird als zentrales IT-Projekt thematisiert, wobei die Experten jedoch skeptisch bezüglich der termingerechten Einführung, der Akzeptanz durch die Nutzer und der praktischen Realisierungschancen in der komplexen Organisationsstruktur sind.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2006, Möglichkeiten und Grenzen des Einsatzes von Wissensmanagementsystemen an der Universität, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/65088