Zwei Jugendliche streiten auf dem Schulhof und beschimpfen sich. Ein Ehepaar möchte sich nach etlichen Konflikten trennen und überlegt, wie sie das eigenverantwortlich verwirklichen können. Ein Mann beschwert sich ständig über den Lärm des Nachbarn und ruft häufig die Polizei, die ausrückt und den Lärm kurzfristig beendet. Überall wo Menschen sind, gibt es Konflikte, egal ob privat oder beruflich. Konflikte gehören zum alltäglichen Leben. Für die Konfliktbeteiligten kann es allerdings schwer sein im direkten Gespräch eine Lösung für ihren Streit zu finden. Wenn die eigenen Konfliktstrategien versagen, wenden sich die Personen oftmals an die Justiz. Aber nicht jeder Konflikt kann durch ein Gerichtsurteil befriedigend gelöst werden. Vor dem Hin-tergrund dieser Erkenntnis und aufgrund der steigenden Belastung der Gerichte gewann Mediation als eine außergerichtliche Konfliktlösung an Bedeutung. Eine weitere Begründung für die Aktualität des Mediationsverfahrens kann im gesellschaftlich veränderten Umgang mit Konflikten gesehen werden. Denn Konflikte werden nicht mehr tabuisiert, sondern sogar als medienwirksames Mittel eingesetzt. Dies zeigt z. B. die Fernsehreihe „Super Nanny“ von RTL, in der eine Pädagogin hilft, Erziehungskonflikte in der Familie zu lösen.
Ein konstruktiver Weg im Umgang mit Konflikten stellt dabei Mediation dar. Ein unparteiischer Dritter, der Mediator, hilft den Konfliktbeteiligten, eine eigenständige Lösung zu finden. Die Beteiligten regeln ihren Streit eigenverantwortlich, ohne ihre Kompetenz an eine andere Instanz zu delegieren, so dass weniger Probleme bei der Akzeptanz und Umsetzung der Lösungen auftreten.
Im beruflichen Alltag sehen sich Pädagogen häufig mit Konflikten konfrontiert. Ihre Arbeitsfelder sind generell mit Konfliktbewältigung verknüpft, so dass ihre Vermittlerrolle in der Praxis eine zentrale Rolle einnimmt. Im Berufsalltag kann es passieren, dass der Pädagoge den Konflikt nach dem Schuldprinzip löst, so dass schnell aus einem vermeintlich gelösten Konflikt ein neuer entsteht. In meiner pädagogischen Arbeit habe ich selbst Situationen erlebt, in denen ich bei einem Konflikt nach dem Schuldigen gesucht habe, weil mir eine Methode gefehlt hat, konstruktiv mit dem Konflikt umzugehen. Mediation kann dem Abhilfe schaffen.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 ENTSTEHUNGSGESCHICHTE UND ANWENDUNGSGEBIETE VON MEDIATION
2.1 Bestimmung des Mediationsbegriffs
2.2 Herkunft der Mediation
2.3 Die Entwicklung der Mediation in Deutschland
2.4 Anwendungsgebiete
3 GRUNDLAGEN UND GRENZEN DER MEDIATION
3.1 Grundannahmen in der Mediation
3.1.1 Zur Bereitschaft der Konfliktbeteiligten
3.1.2 Zur Haltung des Mediators
3.2 Mediationsauffassungen
3.2.1 Lösungsorientierter Ansatz
3.2.2 Transformativer Ansatz
3.3 Indikation und Grenzen der Mediation
3.4 Abgrenzung zu anderen Konfliktlösungsansätzen durch Dritte
4 THEORETISCHE GRUNDLAGEN
4.1 Konflikttheorie
4.1.1 Definition des Konfliktbegriffs
4.1.2 Allgemeine Grundannahmen über die Funktion von Konflikten
4.1.3 Klassifizierung von Konflikten in der Mediation
4.1.3.1 Konstruktive versus destruktive Konfliktaustragung
4.1.3.2 Konfliktursachen und –hintergründe
4.1.3.3 Konflikttypen, ihre Ursachen und Interventionen
4.1.3.4 Eskalationsmodell nach Glasl
4.1.4 Drei Wege zur Lösung eines Konflikts
4.1.5 Zusammenfassung zur Konflikttheorie der Mediation
4.2 Kommunikationstheorie
4.2.1 Grundvorgang der zwischenmenschlichen Kommunikation
4.2.2 Das Kommunikationsmodell nach Schulz von Thun
5 MEDIATION IN DER PRAXIS
5.1 Arbeitstechniken
5.1.1 Aktives Zuhören und Spiegeln
5.1.2 Ich-Botschaften
5.1.3 Brainstorming
5.1.4 Einzelgespräche
5.2 Die Mediationsphasen
5.2.1 Die Vorphase
5.2.2 Phase 1: Das Einführungsgespräch
5.2.3 Phase 2: Sichtweise der einzelnen Konfliktparteien
5.2.4 Phase 3: Konflikterhellung
5.2.5 Phase 4: Problemlösung
5.2.6 Phase 5: Übereinkunft
5.2.7 Umsetzungsphase
6 QUALIFIKATION UND MEDIATIONSAUSBILDUNG
6.1 Qualifikationsanforderungen
6.2 Ausbildungssituation und Qualitätssicherung in Deutschland
7 ANWENDUNGSGEBIETE DER MEDIATION IN DER PÄDAGOGISCHEN PRAXIS
7.1 Mediation als pädagogische Methode
7.2 Familienmediation
7.3 Mediation in Schule und Jugendarbeit
7.4 Interkulturelle Mediation
7.5 Täter-Opfer-Ausgleich
7.6 Gemeinwesenmediation
7.7 Resümee zur Mediation in der pädagogischen Praxis
8 ABSCHLIEßENDE GEDANKEN
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Eignung der Mediation als Lösungsmodell für Konfliktsituationen im pädagogischen Alltag. Die Forschungsfrage fokussiert dabei, inwieweit Mediation Pädagogen dabei unterstützen kann, Auseinandersetzungen mit Klienten eigenverantwortlich und konstruktiv zu bearbeiten.
- Grundlagen, Geschichte und Anwendungsspektrum der Mediation
- Konflikt- und Kommunikationstheoretische Fundierung des Verfahrens
- Praktische Arbeitstechniken und Ablaufphasen eines Mediationsprozesses
- Qualifikationsanforderungen und Ausbildungssituation für Mediatoren
- Spezifische pädagogische Anwendungsgebiete wie Familienmediation und Schulmediation
Auszug aus dem Buch
4.1.3.1 Konstruktive versus destruktive Konfliktaustragung
In der Mediation sollen Konflikte konstruktiv ausgetragen werden. Im Streit kann es allerdings passieren, dass sich ein Konflikt so ausweitet, dass die Beteiligten die Sache, um die es geht, aus den Augen verlieren und das Problem im Gegenüber sehen. Oft endet der Streit in einer Sackgasse, aus der sie alleine nicht herauskommen. Bei dieser destruktiven Konfliktaustragung wird die andere Person als das Problem angesehen (vgl. Besemer 1997, S. 24). Eine konstruktive Konfliktbearbeitung bedeutet hingegen, eine Lösung für das Problem zu suchen, ohne die Person des Gegenübers anzugreifen (vgl. Faller u. a. 1996, S. 12). Dies setzt voraus, dass die Streitbeteiligten dazu bereit sind, ihren eigenen Anteil am Konflikt zu erkennen. Gerade zu Beginn einer Mediation ist dies meist nicht gegeben, sondern muss erst im Gespräch hergestellt werden. Der Mediator darf die Beteiligten nicht unter Druck setzen Einsicht zu zeigen, da gerade bei der konstruktiven Konfliktaustragung alle Beteiligten gemeinsam Verantwortung für das Problem übernehmen und gemeinsam nach einer Lösung suchen (vgl. Walker 2001, S. 30).
Diese Unterscheidung von konstruktiven und destruktiven Konfliktaustragungen geht auf Morton Deutsch zurück. Als destruktiv lassen sich nach Deutsch die Konflikte beschreiben, die bei den Teilnehmern Unzufriedenheit und das Gefühl hinterlassen, verloren zu haben. Eine Konfliktaustragung, die den Teilnehmern das Gefühl gibt, dass sie einen Gewinn gebracht hat, wird hingegen als produktiv angesehen (vgl. Deutsch 1976, S. 24).
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Die Einleitung erläutert die Bedeutung von Mediation als außergerichtliches Konfliktlösungsverfahren und stellt die zentrale Fragestellung der Arbeit vor.
2 ENTSTEHUNGSGESCHICHTE UND ANWENDUNGSGEBIETE VON MEDIATION: Dieses Kapitel definiert den Mediationsbegriff, beleuchtet seine historischen Wurzeln und gibt einen Überblick über die vielfältigen Einsatzbereiche.
3 GRUNDLAGEN UND GRENZEN DER MEDIATION: Hier werden die ethischen Grundannahmen, die Rolle des Mediators sowie die Indikationen und Grenzen des Verfahrens detailliert dargelegt.
4 THEORETISCHE GRUNDLAGEN: Dieses Kapitel liefert die konflikttheoretischen und kommunikationstheoretischen Basismodelle, die für ein professionelles Verständnis von Mediation unerlässlich sind.
5 MEDIATION IN DER PRAXIS: Die Arbeitstechniken eines Mediators sowie die fünf Phasen des Mediationsprozesses werden hier praxisnah für den pädagogischen Kontext erläutert.
6 QUALIFIKATION UND MEDIATIONSAUSBILDUNG: Der Fokus liegt auf den notwendigen Qualifikationsanforderungen an Mediatoren sowie einem Überblick über die Ausbildungssituation und Qualitätssicherung in Deutschland.
7 ANWENDUNGSGEBIETE DER MEDIATION IN DER PÄDAGOGISCHEN PRAXIS: Dieses Kapitel untersucht exemplarisch, wie Mediation in verschiedenen pädagogischen Feldern wie Schule, Familie oder Gemeinwesen angewendet wird.
8 ABSCHLIEßENDE GEDANKEN: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und hebt die Bedeutung des transformativen Ansatzes für eine erfolgreiche pädagogische Anwendung hervor.
Schlüsselwörter
Mediation, Konfliktlösung, Pädagogik, Sozialarbeit, Kommunikationstheorie, Konflikttheorie, Transformativer Ansatz, Harvard-Konzept, Täter-Opfer-Ausgleich, Schulmediation, Familienmediation, Sozialkompetenz, Empowerment, Allparteilichkeit, Konfliktprävention
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert Mediation als Methode zur konstruktiven Konfliktlösung in verschiedenen pädagogischen Arbeitsfeldern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen Konflikt- und Kommunikationstheorien, praktische Verfahrenstechniken, professionelle Qualifikationen und spezifische Anwendungsgebiete wie Familien- und Schulmediation.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Es soll untersucht werden, ob Mediation für Pädagogen ein geeignetes Modell darstellt, um Klienten bei der eigenverantwortlichen Konfliktbearbeitung zu unterstützen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender Konflikt-, Kommunikations- und Meditationskonzepte im Kontext der Sozialen Arbeit.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, praktische Arbeitstechniken und den phasenspezifischen Ablauf sowie konkrete Anwendungsgebiete in der pädagogischen Praxis.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Mediation, Konfliktlösung, transformative Mediation, soziale Kompetenz, Pädagogik und das Modell von Schulz von Thun.
Warum wird der transformative Ansatz für die pädagogische Praxis als besonders sinnvoll hervorgehoben?
Weil dieser Ansatz nicht nur die akute Konfliktlösung anstrebt, sondern auf langfristiges soziales Lernen, Persönlichkeitsentwicklung und eine Änderung der Konfliktkultur abzielt.
Welche Herausforderungen bestehen beim Einsatz von Mediation durch Pädagogen?
Eine zentrale Herausforderung ist die mögliche Rollenkollision zwischen der pädagogischen Berufsrolle (oft parteilich) und der Neutralität des Mediators sowie die fachliche Anforderung an eine spezifische Ausbildung.
- Quote paper
- Katja Hein (Author), 2006, Mediation als Konfliktlösung in der pädagogischen Praxis, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/64453