Durch mein Praktikum im bayerischen Sozialministerium hatte ich im Referat für Psychiatrie die Möglichkeit, einen Einblick in den Maßregelvollzug (MRV), der so genannten Forensik, zu bekommen.
Gleich am Anfang stellten sich für mich viele Fragen, die ich in dieser Arbeit beantworten werde. Was ist MRV? Hat die Forensik eine Geschichte? Wie lauten die Rechtgrundlagen, die für die Forensik von Bedeutung sind? Wer befindet sich im MRV und welche Taten haben diese Täter begangen? Wer trägt die hohen Kosten des MRV? Besteht die Möglichkeit der Privatisierung des MRV? Zum Schluss möchte ich noch auf die Probleme eingehen, die der MRV mit sich bringt.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Was ist Maßregelvollzug?
2. Geschichte des Maßregelvollzugs: Ein kurzer historischer Rückblick
3. Die Rechtsgrundlagen des Maßregelvollzugs
4. Delikt- und Diagnosenverteilung im Maßregelvollzug
5. Kosten und Kostenträger
6. Grundlegender Wandel des Maßregelvollzugs?
7. Evaluation des Maßregelvollzugs
8. Probleme des Maßregelvollzugs
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit setzt sich kritisch mit dem Maßregelvollzug (MRV) auseinander, um dessen rechtliche Grundlagen, strukturelle Organisation und die mit ihm verbundenen gesellschaftlichen sowie praktischen Herausforderungen zu durchleuchten. Im Zentrum steht dabei die Forschungsfrage, wie die Unterbringung und Behandlung psychisch kranker Straftäter unter dem Spannungsfeld von Sicherheit, Therapie und öffentlicher Akzeptanz realisiert werden kann.
- Grundlagen des Maßregelvollzugs und Abgrenzung zum allgemeinen Strafvollzug
- Historische Entwicklung und rechtliche Verankerung im Strafgesetzbuch (StGB)
- Finanzierung und ökonomische Aspekte des Maßregelvollzugs
- Strukturwandel und Fragen der Privatisierung
- Problematik der Erfolgskontrolle (Evaluation) und öffentliche Wahrnehmung
Auszug aus dem Buch
1. Was ist Maßregelvollzug?
Maßregelvollzug und Forensik werden häufig synonym gebraucht, obwohl das genau genommen nicht richtig ist.
Forensik ist einerseits ein juristischer Begriff, der generell Verbrechensaufklärung bezeichnet. Der Begriff „Forensik“ stammt vom lateinischen „Forum“ ab. „Forum“ – der Marktplatz; wahrscheinlich, weil es früher üblich war, Gerichtsverfahren ebenso wie den Strafvollzug öffentlich – also auf dem Marktplatz – durchzuführen.
Zusammenfassend beschreibt „forensisch“ alles, was mit Gericht und Kriminologie zu tun hat – etwa die forensische Psychiatrie.
Hier schließt sich der Kreis zum MRV. Dieser ist nämlich das Tätigkeitsfeld der forensischen Psychologen. MRV bezeichnet den Umgang mit Straftätern, die für ihre Taten nicht oder nicht voll verantwortlich gemacht werden können.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Der Autor erläutert die Motivation für die Arbeit, die aus einem Praktikum resultiert, und benennt die zentralen Leitfragen bezüglich der Definition, Geschichte, Rechtsprechung und Problematik des MRV.
1. Was ist Maßregelvollzug?: Es erfolgt eine begriffliche Klärung und Abgrenzung zwischen Forensik und Maßregelvollzug sowie die Definition des MRV als Tätigkeitsfeld der forensischen Psychologie.
2. Geschichte des Maßregelvollzugs: Ein kurzer historischer Rückblick: Dieses Kapitel skizziert die historische Entwicklung des Umgangs mit psychisch kranken Straftätern vom Mittelalter bis zur modernen Psychiatrie und Rechtsmedizin.
3. Die Rechtsgrundlagen des Maßregelvollzugs: Die zentralen gesetzlichen Regelungen im Strafgesetzbuch (insb. §§ 61, 63, 64) und die Voraussetzungen für die Unterbringung werden detailliert dargelegt.
4. Delikt- und Diagnosenverteilung im Maßregelvollzug: Es wird auf die Schwierigkeit der statistischen Erfassung von Taten und Diagnosen hingewiesen und auf begrenzte Studien außerhalb Bayerns verwiesen.
5. Kosten und Kostenträger: Die finanzielle Belastung für den Freistaat Bayern wird analysiert, inklusive einer Berechnung des Tagessatzes pro Patient und eines Vergleichs mit Baden-Württemberg.
6. Grundlegender Wandel des Maßregelvollzugs?: Das Kapitel diskutiert aktuelle Überlegungen zur Privatisierung sowie die verschiedenen Formen der Aufgaben- und Funktionalprivatisierung.
7. Evaluation des Maßregelvollzugs: Die methodischen Schwierigkeiten einer Erfolgskontrolle im MRV werden erörtert, insbesondere die Problematik der Rückfallprognosen.
8. Probleme des Maßregelvollzugs: Abschließend werden Herausforderungen wie steigende Belegungszahlen, Standortprobleme, Sicherheitsfragen bei Lockerungen sowie der Einfluss der Medien auf die öffentliche Meinung analysiert.
Schlüsselwörter
Maßregelvollzug, Forensik, Strafgesetzbuch, Psychiatrie, Schuldunfähigkeit, Unterbringung, Kriminalprognose, Evaluation, Privatisierung, Sicherheitsverwahrung, Psychologie, Maßregeln der Besserung und Sicherung, Rückfallquote, öffentliches Interesse, Rechtsgrundlagen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Maßregelvollzug (MRV) als Instrument der Besserung und Sicherung für psychisch kranke oder suchtkranke Straftäter im deutschen Rechtssystem.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die gesetzlichen Grundlagen, die historische Herleitung, die Kostenstruktur, die Möglichkeiten einer Privatisierung sowie die methodischen Herausforderungen der Evaluation.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, ein umfassendes Verständnis für die Funktionsweise des Maßregelvollzugs zu schaffen und die komplexen Spannungsfelder zwischen therapeutischem Auftrag und gesellschaftlichem Sicherheitsbedürfnis aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Es handelt sich um eine deskriptive und analytische Aufarbeitung des Themas, die auf Fachliteratur, gesetzlichen Bestimmungen, Haushaltsplänen und aktuellen Medienberichten basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der rechtlichen Einordnung, der Kostenstruktur, der Debatte um Privatisierung sowie eine kritische Auseinandersetzung mit der Erfolgskontrolle und den Problemen der öffentlichen Akzeptanz.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Schuldunfähigkeit, Unterbringung, Kriminalprognose, Forensik und Evaluation geprägt.
Wie unterscheidet sich der Maßregelvollzug laut Arbeit vom normalen Strafvollzug?
Der maßgebliche Unterschied liegt darin, dass der MRV nicht auf die Bestrafung einer schuldigen Person abzielt, sondern auf die Behandlung und Sicherung von Personen, die aufgrund einer krankhaften Störung nicht oder nur vermindert schuldfähig sind.
Welche Rolle spielt die öffentliche Meinung bei der Gestaltung des Maßregelvollzugs?
Laut Autor hat die öffentliche Meinung einen massiven Einfluss auf die Praxis, da politischer Druck bei Sicherheitsvorfällen oft zu restriktiveren Lockerungsmaßnahmen führt, obwohl die tatsächliche Missbrauchsgefahr in den Einrichtungen sehr gering ist.
- Arbeit zitieren
- Vanessa Wiedt (Autor:in), 2005, Maßregelvollzug, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/63643