Namibia war das letzte Land in Afrika, das sich den Schwierigkeiten der Entkolonialisierung stellen musste. Welche Methoden dabei anwendbar sind, demonstrierten zuvor schon nationale Befreiungsbewegungen anderer afrikanischer Länder. Viele konnten sich auf friedlichem Wege gegen die Kolonialmächte durchsetzen und die Unabhängigkeit mit Hilfe von Streiks, Demonstrationen, Boykotten und nicht zuletzt mit diplomatischen Verhandlungen erzielen. Erst wenn die Verhandlungsgespräche und ein gewaltfreies Vorgehen keine Fortschritte brachten entschieden sie sich für den "bewaffneten Kampf". So erlangten Algerien, Mozambique, Angola, Zimbabwe und Guinea-Bissau nur durch Krieg ihre staatliche Unabhängigkeit. Dafür waren die Demonstration politischer Geschlossenheit auf internationaler Ebene sowie ein zuverlässiges Netz befreundeter "Zufluchtsstaaten" von entscheidender Bedeutung. Ohne diese wäre es kaum möglich gewesen den heftigen Widerstand ihrer Gegner zu überleben.
Ich orientiere mich an diesen Beispielen, wenn ich in meiner Arbeit die politische, historische und programmmatische Entwicklung der "South West African People' s Organization (SWAPO) of Namibia" darstelle. Die repressive Politik Südafrikas in Namibia zwang die SWAPO dazu ihren Unabhängigkeitskampf auf zwei Ebenen zu führen. So organisierte sich ein Teil der SWAPO im Exil, während der Rest für die innere Mobilisierung zuständig war. Im Verlauf meiner Darstellung werde ich diesbezüglich die Begriffe "interne" und "externe" SWAPO verwenden. Schwerpunktmässig betrachte ich wie die SWAPO ihre Ziele im Unabhängigkeitsprozess durchsetzte und welchen Einfluss verschiedene externe Kräfte dabei hatten. Dies geschieht im weiteren Rahmen der Analyse verschiedener historischer Aspekte Namibias im Zusammenhang mit dem Regionalkurs unter Leitung von Reinhart Kößler. Bezüglich der mir zur Verfügung stehenden Literatur möchte ich auf einen Punkt hinweisen, der für mich eine nicht leicht zu überwindende Schwierigkeit darstellte.
So viel mir auf, dass die Auseinandersetzung mit der SWAPO oft sehr vom politischen Standpunkt des jeweiligen Autors geprägt ist. Auf der einen Seite gibt es die prosüdafrikanischen Autoren, die die SWAPO in den Mittelpunkt einer kommunistischen Verschwörungstheorie plazieren (siehe R.H. Tranje). Während andererseits die mit der SWAPO solidarisierenden Autoren zu einer eher unkritischen Darstellung neigen (siehe F. Ansprenger).
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1 Vor Gründung der SWAPO
2.2 Die Frühgeschichte der SWAPO (1960-1971)
2.3 Die SWAPO in den siebziger Jahren
2.3.1 Der "Consultative Congress" in Tanga
2.3.2 Der Generalstreik 1971/72
2.3.3 Die "Turnhallenkonferenz"
2.3.4 Die Politik der "internen" SWAPO seit 1975
2.4 Die SWAPO in den internationalen Verhandlungen
2.5 Die SWAPO und die angolanischen Befreiungsbewegung UNITA
2.5.1 Nach der Genfer Konferenz
3. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die politische, historische und programmatische Entwicklung der SWAPO im Kontext des namibischen Unabhängigkeitsprozesses. Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie die SWAPO ihre Ziele unter den repressiven Bedingungen der südafrikanischen Politik auf zwei Ebenen – durch Exilpolitik und interne Mobilisierung – verfolgte und welche Rolle externe Kräfte dabei spielten.
- Historische Entwicklung der SWAPO von der Gründung bis zur Unabhängigkeit
- Differenzierung zwischen der "internen" und "externen" SWAPO
- Die Rolle der SWAPO im Kontext internationaler Verhandlungen und der UN-Resolutionen
- Einfluss externer Faktoren wie der Beziehung zur UNITA in Angola und dem Kalten Krieg
Auszug aus dem Buch
2.3.1 Der "Consultative Congress" in Tanga
Der Kongress in Tanga (26.Dezember- 2.Januar 1970) kennzeichnete eine neue Phase im Unabhängigkeitskampf der SWAPO.
Auf dem Treffen wurden nicht nur interne strukturelle und personelle Veränderungen beschlossen, sondern auch die neu gewonnene Stärke und Geschlossenheit unter Kontrolle der Exilführung demonstriert (Dobell 1996: 37). Neben der Weiterführung der militärischen Strategie als "only effective way" wurde mit der Gründung drei neuer parteilicher Unterorganisationen (Youth League, Women's Council und Elder's Council) ebenfalls eine neue "friedliche" Strategie festgelegt. Eine breitere politische Mobilisierung der Bevölkerung war das Ziel. Die wichtigste Rolle in dieser sehr erfolgreichen Mobilisierungsstrategie zwischen 1971 und 1974 spielte die "Youth League". Innerhalb des internen Flügels galten sie als die radikalste Gruppierung. Kaum von der externen Parteiführung beeinflußt, entwickelten sie einen eigenen organisatorischen Apparat und konnten somit relativ selbständig ihre politischen Ziele verfolgen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt Namibia als letztes Land in Afrika im Prozess der Entkolonialisierung vor und definiert die zweigeteilte Strategie der SWAPO zwischen Exilpolitik und internem Widerstand.
2. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert chronologisch die Entwicklung der SWAPO, beginnend bei den Vorläuferorganisationen über die bewaffneten Anfänge bis hin zu den komplexen internationalen Verhandlungen und diplomatischen Konferenzen in den siebziger und achtziger Jahren.
2.1 Vor Gründung der SWAPO: Dieses Kapitel liefert den historischen Hintergrund Namibias unter südafrikanischer Mandatsverwaltung und beschreibt die Entstehung namibischer Nationalbewegungen.
2.2 Die Frühgeschichte der SWAPO (1960-1971): Hier wird der Aufbau der SWAPO nach ihrer Gründung 1960, die Hinwendung zum bewaffneten Kampf und die Etablierung von Exilstrukturen beleuchtet.
2.3 Die SWAPO in den siebziger Jahren: Das Kapitel untersucht die neue Phase des Unabhängigkeitskampfes nach dem Kongress in Tanga, geprägt durch breitere Mobilisierungsstrategien.
2.3.1 Der "Consultative Congress" in Tanga: Detaillierte Betrachtung des Kongresses von 1970 und der Gründung neuer Unterorganisationen zur Stärkung der politischen Basis.
2.3.2 Der Generalstreik 1971/72: Analyse der Streikbewegung als Wendepunkt für den organisierten Massenwiderstand innerhalb Namibias.
2.3.3 Die "Turnhallenkonferenz": Erläuterung der südafrikanischen Versuche einer "internen Lösung" und der Reaktion der SWAPO auf diese diplomatische Herausforderung.
2.3.4 Die Politik der "internen" SWAPO seit 1975: Beleuchtung der politischen Arbeit und der Verfassungsvorschläge der SWAPO im Kontext der anhaltenden Repression durch Südafrika.
2.4 Die SWAPO in den internationalen Verhandlungen: Zusammenfassung der diplomatischen Bemühungen um freie Wahlen und der Rolle der UN-Resolution 435.
2.5 Die SWAPO und die angolanischen Befreiungsbewegung UNITA: Untersuchung der strategisch bedeutsamen Kooperation zwischen der SWAPO und der angolanischen UNITA.
2.5.1 Nach der Genfer Konferenz: Analyse der Stagnation nach dem Scheitern der Konferenz 1981 und des Einflusses der US-Politik auf den Namibia-Konflikt.
3. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst den Unabhängigkeitsprozess zusammen und ordnet den Kampf der SWAPO als Beispiel für die afrikanische Entkolonialisierung im Kontext des Kalten Krieges ein.
Schlüsselwörter
SWAPO, Namibia, Unabhängigkeit, Entkolonialisierung, Exilpolitik, interner Widerstand, UN-Resolution 435, Südafrika, Befreiungsbewegung, Guerillakampf, politische Mobilisierung, Turnhallenkonferenz, Angola, UNITA, Kalter Krieg
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die politische, historische und programmatische Entwicklung der SWAPO of Namibia als führende Befreiungsbewegung im Kontext der namibischen Unabhängigkeit.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Zweiteilung der SWAPO in eine Exil- und eine interne Organisation, der bewaffnete Kampf, internationale diplomatische Verhandlungen sowie der Einfluss regionaler und globaler Mächte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, chronologisch nachzuzeichnen, wie die SWAPO ihre Unabhängigkeitsziele verfolgte und welchen Einfluss verschiedene externe Akteure auf diesen Prozess nahmen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin wählt einen chronologischen Ansatz und analysiert historische Aspekte und Dokumente, um die Entwicklung der SWAPO im Rahmen des Regionalkurses von Reinhart Kößler darzustellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die Phasen der SWAPO-Geschichte von der Gründung 1960 bis zum Erreichen der Unabhängigkeit 1990 analysiert, einschließlich militärischer Strategien und diplomatischer Friedensbemühungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind SWAPO, Namibia, Unabhängigkeit, Entkolonialisierung, Exilpolitik, interner Widerstand, bewaffneter Kampf und internationale Verhandlungen.
Warum war der Kontakt zur angolanischen UNITA so bedeutsam für die SWAPO?
Aufgrund der geografischen Nähe und der Präsenz südafrikanischer Truppen im Caprivizipfel war die Kooperation mit der UNITA strategisch notwendig, um von Angola aus sichere Zugänge für den Guerillakampf nach Namibia zu ermöglichen.
Welche Rolle spielte die "Youth League" der SWAPO?
Die Youth League agierte in den siebziger Jahren als radikale Gruppierung des internen Flügels und spielte eine entscheidende Rolle bei der Organisation von Massenboykotten und Demonstrationen gegen das südafrikanische Regime.
- Quote paper
- Laura Gerber (Author), 2003, Befreiungsbewegung und Organisation: SWAPO zwischen Exilpolitik und interner Mobilisierung , Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/63472