Der Terminus Petrarkismus taucht in der Literaturtheorie immer wieder auf. Doch so klar er auf den ersten Blick umrissen scheint, so schwierig gestaltet sich seine Einordnung. Diese Arbeit befasst sich mit der problematischen Bestimmung des Begriffes anhand der Liebeslyrik Paul Flemings.
Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung
1. Der Petrarkismus und sein Konfliktpotential
2. Paul Fleming
3. Analyse
3.1 Außenmotive
3.1.1 Rahmen- und Maskenmotive
3.1.1.1 Pretiosen-Motivik
3.1.1.2 Traumerlebnis und Motiv der Vision
3.1.2 Die Huldigung der Frau
3.2 Grundmotive
3.2.1 Antithetik
3.2.2 Hyperbolik
4. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Schwierigkeiten einer präzisen literaturtheoretischen Bestimmung des Petrarkismus-Begriffs anhand der Lyrik von Paul Fleming. Dabei wird analysiert, inwieweit Flemings Gedichte als petrarkistisch eingeordnet werden können, obwohl sie keine konstitutiven Merkmale des Systems aufweisen und sich oft nur indirekt oder über konventionelle Motive auf Petrarca beziehen.
- Begriffsbestimmung des Petrarkismus und seine theoretischen Abgrenzungsprobleme.
- Literarische Einordnung von Paul Fleming im Kontext des barocken Petrarkismus.
- Analyse von Außenmotiven (Pretiosen, Traum/Vision, Frauenpreis) in Flemings Lyrik.
- Untersuchung von Grundmotiven (Antithetik, Hyperbolik) und deren petrarkistischer Gehalt.
- Reflektion über die Schwierigkeit einer einheitlichen Systemzuordnung literarischer Werke.
Auszug aus dem Buch
3.1.1.1 Pretiosen-Motivik
Die Themengruppe, die als Pretiosen-Motivik bezeichnet wird, kennzeichnet sich durch die Einbindung von Kostbarkeiten in den lyrischen Text. Halsketten, Armbänder oder auch Haarnadeln sind hier der Auslöser für das Verfassen von Lyrik (Pyritz 1932, S. 63f). Die einfachste Form dieser Motivik zeigt sich darin, dass der Dichter dankbar für das Geschenk seiner Liebsten ist. Beispielsweise bringt Fleming in Son. IV 41 zum Ausdruck, dass er nie an ihrer Treue gezweifelt habe, sich aber mit dem edlen Präsent bis zu seinem Tode schmücken wird. Son. IV 85 hingegen beinhaltet Zweifel des Dichters an der Treue seiner Geliebten, die jedoch mit ihrem Geschenk schwinden.
Dein Herze muß ja noch, mein Herz´, an dich gedenken.
Sie hat dich noch in ihr, vergisset deiner nie.
Schau doch, diß ist ihr Pfand. Willst du nicht glauben? Wie?
Was sind die Sachen denn, die Träume, die dich kränken? (Son. IV 85, 1-4)
Auf der zweiten Stufe besitzen ihre Gaben hingegen einen anderen Wert: „Es wird nicht mehr als Selbstwert und Träger einer fest bestimmten Aussage betrachtet und hingenommen, sondern es wird verglichen und geprüft an der dahinter stehenden Gesinnung und Menschlichkeit. (...) lieber als alle Schätze ist dem Dichter ein Kuß von ihr (Son. IV 38); bekommt er den nicht, so schmecken ihre süßen Gaben bitter (Überschr. 36).“ (Pyritz 1932, S. 65)
Zusammenfassung der Kapitel
0. Einleitung: Darstellung der Problematik bei der Definition des Petrarkismus und Einführung in die Thesen sowie das Vorgehen der Arbeit.
1. Der Petrarkismus und sein Konfliktpotential: Erläuterung der Schwierigkeiten bei der Abgrenzung des Petrarkismus-Begriffs und der Suche nach konstitutiven Merkmalen.
2. Paul Fleming: Einordnung Flemings als Vertreter des barocken Petrarkismus und Diskussion seines Bezugs zu Petrarca.
3. Analyse: Untersuchung von Flemings Liebeslyrik hinsichtlich spezifischer Motive, um deren petrarkistischen Gehalt zu prüfen.
3.1 Außenmotive: Analyse von Randerscheinungen der Lyrik wie Pretiosen-Motivik, Traumerlebnisse und die Huldigung der Frau.
3.1.1 Rahmen- und Maskenmotive: Fokus auf verkappte Motive und die dialektische Methode in der Darstellung.
3.1.1.1 Pretiosen-Motivik: Untersuchung der Einbindung von Schmuckstücken und Kostbarkeiten in die lyrische Aussage.
3.1.1.2 Traumerlebnis und Motiv der Vision: Analyse der Ventilfunktion von Traum und Vision in der Liebeslyrik.
3.1.2 Die Huldigung der Frau: Untersuchung des Frauenpreises, insbesondere durch die Augenmotivik.
3.2 Grundmotive: Untersuchung des inneren Kerns der Liebeslyrik mit Fokus auf Wesen und Wirkung der Liebe.
3.2.1 Antithetik: Analyse des rhetorischen Verfahrens der Antithetik zur Darstellung von Liebeslust und -leid.
3.2.2 Hyperbolik: Untersuchung der Hyperbolik als Fortführung antithetischer Strukturen in der Darstellung innerer Erschütterung.
4. Schlussbetrachtung: Zusammenfassendes Fazit zur Schwierigkeit der Systemzuordnung und Bestätigung der eingangs aufgestellten Thesen.
Schlüsselwörter
Petrarkismus, Paul Fleming, Literaturtheorie, Lyrik, Liebeslyrik, Pretiosen-Motivik, Antithetik, Hyperbolik, Frauenpreis, Renaissance-Petrarkismus, Motivforschung, Liebeskonzept, Barock, Petrarca, Systemzuordnung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der literaturtheoretischen Einordnung des Petrarkismus-Begriffs und untersucht, ob die Liebeslyrik von Paul Fleming diesem System eindeutig zugeordnet werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die Begriffsbestimmung des Petrarkismus, die Rolle von Motivgruppen wie der Pretiosen-Motivik und die rhetorischen Verfahren der Antithetik und Hyperbolik in der barocken Liebeslyrik.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die Problematik aufzuzeigen, dass viele als "petrarkistisch" bezeichnete Merkmale in Flemings Werk keine konstitutiven Merkmale sind, wodurch die Einordnung in ein starres System fragwürdig wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine philologische Analyse von Flemings Gedichten im Vergleich mit den theoretischen Definitionen des Petrarkismus, primär gestützt auf die Sekundärliteratur von Hans Pyritz.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Außenmotiven (z.B. Pretiosen, Traum/Vision, Frauenpreis) und Grundmotiven (Antithetik, Hyperbolik) in der Liebeslyrik Paul Flemings.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe umfassen Petrarkismus, Paul Fleming, Motivik, Antithetik, Systemzuordnung und Liebeslyrik.
Warum ist die Einordnung von Flemings Gedichten so schwierig?
Da Fleming sich kaum direkt auf Petrarca bezieht und seine Motive auch in anderen Traditionen vorkommen, lässt sich die Grenze zwischen petrarkistischer und nicht-petrarkistischer Literatur nur schwer ziehen.
Welche Rolle spielt die Pretiosen-Motivik in dieser Analyse?
Die Pretiosen-Motivik dient als Beispiel dafür, wie Fleming Motive verwendet, die bei Petrarca selbst nicht nachweisbar sind, was die Frage nach einem indirekten Einfluss aufwirft.
Was bedeutet das "desillusionierende Magierwort" bei Fleming?
Es bezeichnet Momente in Flemings Sonetten, in denen der Dichter zuvor aufgebaute Huldigungen durch eine abschließende, ernüchternde Wendung wieder entwertet.
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- Sebastian Schult (Author), 2006, Fleming als Petrarkist? Über die Bestimmungsschwierigkeiten eines Systems, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/63257