In jeder Stadt lässt sich im Laufe ihrer Geschichte eine Stadtentwicklung ablesen. Diese Entwicklung hängt stark von veränderten Funktionen der Stadt, schwankenden Einwohnerzahlen, industrielle Entwicklungen oder auch von Naturkatastrophen ab. Derartige Ereignisse fordern eine ständige Anpassung der Stadt an die veränderte Situation. Diese Umstrukturierungen werden meist über mehrere Jahre geplant und können oft aus finanziellen Gründen immer nur bruchstückhaft realisiert werden. Eine Möglichkeit, die Stadtentwicklung zu beschleunigen und zu unterstützen bietet sich den Städten mit der Durchführung eines Großereignisses. Vor allem die finanziellen Zuschüsse ermöglichen eine derart schnelle Entwicklung. Das große Medieninteresse bietet darüber hinaus die Möglichkeit, sich der Welt zu präsentieren. Diese Form der Stadtpolitik wollen sich immer mehr Städte in den letzten Jahren zunutze machen. Sie bewerben sich für Großereignisse wie die Olympischen Spiele, Weltausstellungen, Theater-, Musik- und Filmfestspiele, Bundes- oder Landesgartenschauen. Auch die westfälische Stadt Gronau versprach sich mit der Durchführung der Landesgartenschau Gronau/ Losser 2003 diesen Effekt. Im Verlauf dieser Arbeit soll untersucht werden, inwiefern eine Stadtentwicklung in Gronau durch die Landesgartenschau stattfand. Dabei wurde die Geschichte der Stadt, die innerstädtischen Voraussetzungen, sowie Vor- und Nachteile der Vorgehensweise in die Untersuchung mit einbezogen. In Kapitel 2 soll zunächst der Begriff „Stadtentwicklung“ genauer definiert und in den verschiedenen Erscheinungsformen dargestellt werden. Darüber hinaus wird vor allem die Projektpolitik in den Vordergrund der folgenden Erläuterungen gestellt. Das dritte Kapitel zeigt dem Leser anhand einer Darstellung der Geschichte Gronaus, in der vor allem die stadtprägende Textilindustrie hervorgehoben wird, die städtebaulichen Voraussetzungen für die Durchführung einer Landesgartenschau. Im vierten und fünften Kapitel soll das Ereignis „Landesgartenschau“ dem Leser zum einen an allgemeinen Beispielen und speziell am Beispiel „Gronau/ Losser 2003“ vorgestellt werden. Um zu einer Beantwortung der Eingangsfrage „Stadtentwicklung durch Landesgartenschauen?“ zu gelangen, werden im sechsten Kapitel vier im Vorfeld durchgeführte „Experteninterviews“, sowie eine Bevölkerungsumfrage ausgewertet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Stadtentwicklung und Stadtplanung
2.1 „Stadtentwicklung“ – Schwierigkeiten einer Definition
2.2 Das Drei-Phasen-Modell der Stadtentwicklung
2.2.1 Erste Phase: Extensive Urbanisierung
2.2.2 Zweite Phase: Intensive Urbanisierung
2.2.3 Dritte Phase: Desurbanisierung
2.3 Stadtentwicklung durch Großprojekte
2.3.1 Merkmale von Großprojekten
2.4 Projektpolitik – Politik durch Festivalisierung
2.4.1 Vorteile der Festivalisierung
2.4.2 Nachteile der Festivalisierung
3. Die Stadt Gronau – eine Stadt verändert sich
3.1 Die Geschichte der Stadt
3.2 Die Stadtentwicklung Gronaus im Auf- und Niedergang der Textilindustrie
3.3 Sanierung der Kernstadt Gronaus
3.3.1 Umsetzung der Stadtsanierung
3.3.2 Auswirkungen der Stadtsanierung
3.3.3 Ergebnis der Stadtsanierung
4. Die Landesgartenschau in NRW
4.1 Der Sinn einer Landesgartenschau
4.2 Finanzierung einer Landesgartenschau
4.3 Gelände einer Landesgartenschau
4.4 Attraktionen einer Landesgartenschau
5. Die LAGA Gronau/ Losser 2003
5.1 Planung
5.2 Durchführung
5.3 Veranstaltungen auf dem Gelände
5.4 Besucherzahlen und Umfrage
6. Stadtentwicklung durch LAGA? - Evaluation
6.1 Qualitative Befragung – Die Experteninterviews
6.2 Auswertung der Experteninterviews
6.2.1 Hypothese 1: Finanzen
6.2.2 Hypothese 2: Aufwertung von Stadtgebieten
6.2.3 Hypothese 3: Infrastruktur
6.2.4 Hypothese 4: Ökonomie
6.2.5 Hypothese 5: Imagegewinn und Tourismus
6.2.6 Hypothese 6: Identifikation
6.2.7 Resümee
6.3 Quantitative Befragung- Die Bevölkerungsumfrage
6.4 Auswertung der Bevölkerungsumfrage
6.4.1 Das Stadtbild
6.4.2 Der Verkehr
6.4.3 Die Freizeit
6.4.4 Resümee
7. Schlussfolgerung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht anhand des Beispiels der Stadt Gronau, ob und inwiefern die Durchführung einer Landesgartenschau als Großereignis einen Beitrag zur Stadtentwicklung leisten kann. Dabei liegt der Fokus auf der Analyse der städtebaulichen, ökonomischen und sozialen Auswirkungen durch die "Festivalisierung" der Stadtpolitik.
- Analyse der Stadtentwicklung Gronaus im Kontext des industriellen Strukturwandels.
- Untersuchung der Projektpolitik durch die "Festivalisierung" am Beispiel der Landesgartenschau Gronau/Losser 2003.
- Evaluation infrastruktureller Maßnahmen und deren Bedeutung für die Attraktivitätssteigerung der Stadt.
- Betrachtung der ökonomischen und soziokulturellen Effekte, insbesondere Identifikation und Imagebildung.
- Empirische Auswertung durch Experteninterviews und eine quantitative Bevölkerungsumfrage zur Wirkung des Großprojekts.
Auszug aus dem Buch
2.4 Projektpolitik – Politik durch Festivalisierung
Bei den ersten großen Festivalisierungen der Stadtpolitik stellte sich nicht die Frage, wie die Wirkungen und Folgen für die Stadt und die Bevölkerung sind. Olympische Spiele und Weltausstellungen wurden nicht durchgeführt, um die Stadt wieder in einem besseren Licht darzustellen. Eher wurden sie genutzt, um die Stärke und Größe einer Nation zu zeigen und Wunder der Technik zu präsentieren. So waren auch die ersten Weltausstellungen einfache Installationen, wie zum Beispiel der Londoner Kristallpalast. Er wurde in neun Monaten errichtet und ebenso wieder abgebaut (Häußermann/ Siebel 1993, 16).
Mit Beginn der Desurbanisierungsphase Mitte der 70er Jahre veränderte sich die Politik stark. Wie schon bereits unter Kapitel 2.2.3 beschrieben, nahmen neben den Arbeitsplätzen, auch die Einwohnerzahlen der Städte ab. Probleme entstanden in vielen Bereichen der Städte. So stiegen die Arbeitslosen- und Armutszahlen, eine ökonomische Stagnation setzte ein und vor allem die öffentlichen Finanzen wurden immer prekärer durch die sinkenden Einnahmen. Der tertiäre Sektor breitete sich in den Städten immer mehr aus (Häußermann/ Siebel 1993, 13).
Großereignisse wurden oft zum Anlass genommen, Maßnahmen der Stadterweiterung, Stadtverschönerung oder Stadtveränderung einzuleiten. Beispiele sind dafür Wohngebiete, Bepflanzungen oder auch die Gestaltung einzelner Stadtgebiete sowie die Infrastruktur (Meyer-Künzel 2001, 12). Durch den durch die Finanzknappheit nicht immer umzusetzenden Umbau der Städte, wurde es für die Politik immer schwerer, die Bevölkerung in den Städten zu halten. So wurde nach Möglichkeiten und Strategien gesucht, den „Wachstum unter den Bedingungen der Stagnation“ (Häußermann/ Siebel 1993, 13) fortzusetzen. Städte mussten versuchen, neue Entwicklungen zu unterstützen und Wachstum zu schaffen. Große Ereignisse treiben den Umbau einer Stadt an. Sie unterstützen und beschleunigen den Ausbau der Infrastruktur und fördern die regionale Wirtschaft (Häußermann/ Siebel 1993, 17).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Bedeutung von Großereignissen für die moderne Stadtentwicklung heraus und formuliert die Forschungsfrage bezüglich der Auswirkungen der Landesgartenschau auf Gronau.
2. Stadtentwicklung und Stadtplanung: Dieses Kapitel definiert zentrale Begriffe der Stadtentwicklung, erläutert das Drei-Phasen-Modell und diskutiert die "Festivalisierung" als politisches Instrument zur Stadtumgestaltung.
3. Die Stadt Gronau – eine Stadt verändert sich: Hier wird die historische Entwicklung Gronaus dargestellt, wobei insbesondere der Strukturwandel der Textilindustrie und die Sanierung des Stadtkerns in den 80er Jahren im Vordergrund stehen.
4. Die Landesgartenschau in NRW: Dieses Kapitel erläutert den Sinn, die Finanzierung sowie die gestalterischen Ziele und Attraktionen von Landesgartenschauen im Allgemeinen.
5. Die LAGA Gronau/ Losser 2003: Hier werden die spezifische Planung, Durchführung und das Veranstaltungsangebot der Landesgartenschau in Gronau und Losser detailliert beschrieben.
6. Stadtentwicklung durch LAGA? - Evaluation: Dieses Kernkapitel wertet die Ergebnisse der Experteninterviews und der Bevölkerungsumfrage aus, um die aufgestellten Hypothesen zu prüfen.
7. Schlussfolgerung: Die Schlussfolgerung zieht eine Bilanz und beantwortet die zentrale Fragestellung, inwiefern die Landesgartenschau für Gronau einen stadtentwicklungsrelevanten Erfolg darstellte.
Schlüsselwörter
Stadtentwicklung, Stadtplanung, Landesgartenschau, Gronau, Festivalisierung, Strukturwandel, Textilindustrie, Großprojekte, Infrastruktur, Stadtmarketing, Bevölkerungsbefragung, Experteninterviews, Stadtsanierung, Tourismus, Identifikation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der Durchführung eines Großereignisses (Landesgartenschau) und der städtebaulichen sowie sozialen Entwicklung einer Stadt am Beispiel Gronau.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Arbeit?
Die zentralen Themen sind Stadtplanung, wirtschaftlicher Strukturwandel, Projektpolitik durch Festivalisierung und die Evaluation von Standortaufwertungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu belegen, ob die Landesgartenschau 2003 dazu beigetragen hat, die durch den Niedergang der Textilindustrie entstandene Industriebrache zu beseitigen und die Stadt attraktiver zu gestalten.
Welche wissenschaftlichen Methoden wurden verwendet?
Der Autor nutzt sowohl eine qualitative Methode durch Experteninterviews als auch eine quantitative Methode mittels einer Bevölkerungsumfrage.
Was wird im Hauptteil detailliert behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Historie Gronaus, dem Konzept der Festivalisierung und der konkreten Planung und Evaluation der LAGA 2003 unter Berücksichtigung von Infrastruktur, Ökonomie, Image und Bürgeridentifikation.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Landesgartenschau, Stadtentwicklung, Gronau, Festivalisierung, Industriebrache, Standortaufwertung und Strukturwandel.
Wie wurde die Finanzierung der Landesgartenschau Gronau/Losser bewertet?
Die Arbeit zeigt, dass die Finanzierung durch staatliche Zuschüsse und Sponsoren gelang, jedoch auch das finanzielle Risiko und die langfristigen Unterhaltungskosten der neuen Attraktionen kritisch hinterfragt werden.
Welchen Einfluss hatte das Projekt auf die Identifikation der Bürger?
Die Umfrageergebnisse deuten darauf hin, dass das Projekt dazu beigetragen hat, den Zusammenhalt zwischen den Stadtteilen Gronau und Epe zu stärken und das Selbstbewusstsein der Bevölkerung zu fördern.
Wie bewerten die Bürger die Infrastrukturmaßnahmen nach der Gartenschau?
Die Bevölkerung nimmt die Verbesserungen im Bereich der Verkehrswege und des Angebots für Radfahrer größtenteils positiv wahr, während die Einschätzung zur Bussituation eher verhalten ist.
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- Tim Graben (Author), 2006, Stadtentwicklung durch Landesgartenschau? Das Beispiel Gronau, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/62042