In der vorliegenden Arbeit soll sich aufgrund der Vielfalt und Komplexität religiöser Systeme auf Religion aus westlicher Sicht konzentriert werden. Im christlich geprägten Abendland versuchten diverse Philosophen, immer wieder den vorherrschenden christlichen Glauben zu analysieren, zu kritisieren oder sogar nach eigenen Vorstellungen zu modifizieren. Auch Rousseau gehört zu denjenigen Denkern, die die verschiedenen religiösen Deutungssysteme von der Antike bis ins 18. Jahrhundert näher betrachtet hatten. Er ging so weit, dass er im Rahmen seines Werks Du Contrat Social eine neue Definition bzw. Vorstellung von Religion, die mit den Idealen des im Gesellschaftsvertrag entwickelten Staates konform gehen, konzipierte. Auf den folgenden Seiten soll Rousseaus Ansicht von Religion mit der heutigen verglichen werden.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1 Leben und Werdegang von Rousseau
2 „Von der bürgerlichen Religion“
3 Betrachtung von Religion im 21. Jahrhundert
4 Resümee
Zielsetzung und Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, Rousseaus Konzept der Zivilreligion aus seinem Werk Du Contrat Social einer kritischen Analyse zu unterziehen und dieses mit den gesellschaftlichen und religiösen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zu vergleichen.
- Biografische Einordnung von Jean-Jacques Rousseau
- Analyse der Zivilreligion in Rousseaus Du Contrat Social
- Vergleich verschiedener phänomenologischer Religionstypen
- Religionsverständnis und Säkularisierung im 21. Jahrhundert
- Soziale Integrationsfunktion von Religion in pluralistischen Gesellschaften
Auszug aus dem Buch
„Von der bürgerlichen Religion“
„In diese Verhältnisse hinein kam Jesus, um ein geistiges Reich auf Erden zu errichten; dies hatte durch die Trennung des theologischen Systems vom politischen zur Folge, daß der Staat aufhörte, einer zu sein, und verursachte die inneren Spaltungen, die nie aufgehört haben, Unruhe unter den christlichen Völkern zu stiften. Da nun diese Vorstellung eines Königreichs von einer anderen Welt den Heiden nie in die Köpfe wollte, betrachteten sie die Christen immer als echte Aufständische, die, bei heuchlerischer Unterwürfigkeit, nur auf den Augenblick warteten, sich unabhängig und zu Herren zu machen und sich geschickt der souveränen Gewalt zu bemächtigen, die sie in ihrer Schwäche anzuerkennen vorgaben. Das war der Grund für die Verfolgungen.“
Dieser Auszug aus Rousseaus Du Contrat Social veranschaulicht die Dramatik, die sich mit dem Aufkommen des christlichen Glaubens in der ausgehenden Antike abzuzeichnen drohte. Die Menschen bzw. die Anhänger des Christentums wurden zu Untergebenen zweier Autoritäten. Auf der einen Seite mussten sie ihrem politischen Oberhaupt Folge leisten, auf der anderen Seite waren sie zu Gehorsam gegenüber Gott verpflichtet.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Es wird die Bedeutung von Religion als menschliches Grundbedürfnis und transzendentales Deutungssystem sowie die Absicht der Arbeit, das Modell von Rousseau zu untersuchen, dargelegt.
1 Leben und Werdegang von Rousseau: Der biografische Abriss zeigt die prägenden Phasen im Leben Rousseaus auf, die zwischen Rationalismus und Aufklärung stehen und den Kontext für sein philosophisches Werk liefern.
2 „Von der bürgerlichen Religion“: Dieses Kapitel analysiert Rousseaus Unterscheidung zwischen Priesterreligion, Religion des Bürgers und Religion des Menschen und begründet, warum er die Zivilreligion als ideale Ergänzung für den Staat ansieht.
3 Betrachtung von Religion im 21. Jahrhundert: Es wird untersucht, welche Rolle Religion heute in einer säkularisierten und pluralistischen Welt spielt und wie sie zur sozialen Integration beitragen kann.
4 Resümee: Die Arbeit schließt mit dem Fazit, dass Rousseaus Überlegungen zur Harmonisierung von Glauben und staatlichen Pflichten auch in heutigen modernen Rechtsstaaten von hoher Aktualität sind.
Schlüsselwörter
Rousseau, Du Contrat Social, Zivilreligion, Priesterreligion, Religion des Bürgers, Christentum, Säkularisierung, soziale Integration, Gesellschaftsvertrag, Staat, Religion, Politische Philosophie, Transzendenz, Rechtsstaat, Aufklärung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit Rousseaus Konzeption der Zivilreligion im Vergleich zu verschiedenen religiösen Systemen und deren Bedeutung in der heutigen Gesellschaft.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der politischen Philosophie Rousseaus, der Unterscheidung verschiedener Religionstypen und der Rolle von Religion in modernen, pluralistischen Nationalstaaten.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt nach der Tauglichkeit von Rousseaus Konzept der Zivilreligion für den modernen Staat und wie das Spannungsfeld zwischen religiöser Überzeugung und politischer Loyalität gelöst werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine systematische, politiktheoretische Analyse, die mit einer biografischen Einleitung beginnt und eine vergleichende Betrachtung von historischen Textquellen sowie aktuellen gesellschaftlichen Diskursen vornimmt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Biografie Rousseaus, die detaillierte Untersuchung seines achten Kapitels aus dem Du Contrat Social und eine Analyse der Funktion von Religion im 21. Jahrhundert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Zivilreligion, Rousseau, Gesellschaftsvertrag, Säkularisierung und soziale Integration sind die prägenden Begriffe dieser Analyse.
Warum lehnt Rousseau die sogenannte Priesterreligion ab?
Rousseau lehnt sie ab, weil sie den Menschen in einen unlösbaren Gewissenskonflikt zwischen staatlicher Autorität und kirchlichen Geboten bringt und somit die Individualität hemmt.
Wie definiert Rousseau das Verhältnis von Zivilreligion und Staat?
Die Zivilreligion soll nach Rousseau rein innerweltlich sein und dient als Instrument der politischen Autorität, um die Bürger moralisch zu motivieren, die Gesetze zu befolgen, ohne die Menschen zu fanatisieren.
Welche modernen Beispiele nutzt die Arbeit zur Veranschaulichung der aktuellen Relevanz?
Die Arbeit nennt Beispiele wie den Kruzifix-Streit in Deutschland, die Auseinandersetzungen in Ayodhya oder religiös motivierte Gebietskonflikte in Israel.
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- Ishan Hegele (Author), 2006, Ein Vergleich zwischen Rousseaus Zivilreligion und Religion aus heutiger Sichtweise, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/61963