Die Lyrik ist, neben Drama und Prosa, ein wichtiges Thema des Deutschunterrichts, insbesondere der gymnasialen Oberstufe. Die von Johann Wolfgang von Goethe geschriebene Hymne ´Prometheus´ ist deshalb oft Thema der Qualifikationsphase am Gymnasium. Neben dem interessanten mythologischen Hintergrund, ist sie ein Paradebeispiel für die Genieästhetik der Epoche „Sturm und Drang“. Sie umreißt den „gesellschaftspolitischen, weltanschaulichen und poetologischen Stellenwert, den die junge Generation der Literatur (dieser Epoche) zumaß. Mit ihr werden in einer neuen Sprache und dichterischen Form „neuartige Bewusstseinsereignisse und Subjektentwürfe dichterisch konstituiert“. Die Figur des Prometheus wird Repräsentant für ein neues Künstlerbewusstsein und eine neue Individualität. Der Epochenumbruch des 18./19. Jahrhunderts, der ebenfalls ein wichtiges Thema der Oberstufe ist, zeichnet sich in diesem Gedicht deutlich ab. Im Laufe der Arbeit sollen die verschiedenen Aspekte, die in Zusammenhang mit dem Gedicht stehen, erarbeitet werden. Anschließend erfolgt die Beschreibung einer Unterrichtseinheit, die das Gedicht ´Prometheus´ zum Thema hat. Hierbei wird auch auf die didaktischen Methoden und deren Wirkung eingegangen.
Inhaltsübersicht
1 EINLEITUNG
2 MYTHOLOGISCHER HINTERGRUND
3 AUTOR
4 EPOCHE
4.1 Epochenbegriff
4.2 Genieästhetik
4.3 Goethe in der Epoche
5 GEDICHT
5.1 Entstehung
5.2 Interpretation
5.2.1 Äußere Form und Stilmittel
5.2.2 Inhaltlich
6 DIDAKTIK
7 SCHLUSSBETRACHTUNG
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit analysiert Goethes Hymne „Prometheus“ im Kontext der Epoche des Sturm und Drang und erarbeitet deren Bedeutung als Ausdruck eines neuen künstlerischen Selbstbewusstseins. Zudem wird ein praxisnahes Konzept für eine Unterrichtseinheit in der gymnasialen Oberstufe entwickelt, das die Emanzipation des Individuums thematisiert.
- Mythologischer Ursprung und Rezeption des Prometheus-Stoffes.
- Die ästhetische und weltanschauliche Verankerung in der Sturm-und-Drang-Epoche.
- Strukturelle und inhaltliche Interpretation der Hymne hinsichtlich des Geniebegriffs.
- Didaktische Vermittlung literarischer Emanzipationsprozesse im Deutschunterricht.
Auszug aus dem Buch
5.2.1 Äußere Form und Stilmittel
Das Gedicht hat kein Metrum, keine feste äußere Form und keinen Rhythmus. Die acht Strophen sind unterschiedlich lang, die längste hat zwölf, die kürzeste Strophe fünf Zeilen, wobei aber alle Strophen in sich geschlossen sind. Es gibt also kein syntaktisches Übergreifen von einer zu einer anderen Strophe. Die freie Form, unterstützt von den zahlreich Enjambements, wie zum Beispiel in den Zeilen 1 und 2 oder auch 24 ff., vermitteln den Eindruck von Impulsivität und Emotionalität.
Die recht kurz gehaltenen, energiegeladenen Verse unterstützen dies zusätzlich. Die Rede wirkt dadurch freier und nicht in die strenge Form eines Gedichtes gepresst. Zudem wird die Ungebundenheit der mythologischen Figur auf die neue Rolle des Dichters übertragen – siehe auch Genieästhetik in Kapitel 4.2 – .
Die ersten beiden Strophen sind durch Imperative, Aufforderungs- und Behauptungssätze, die an Zeus und die Götter gerichtet werden, gekennzeichnet, wodurch die Emotionalität der Rede verstärkt wird. In der ersten Strophe finden wir stilistisch zudem ein Hyperbaton („Und übe Knaben gleich, / Der Disteln köpft, / An Eichen dich und Bergeshöhn“, Vgl. Zeile 3-5). In derselben Strophe (Z.8-12) kommt außerdem ein Parallelismus, verbunden mit einer Anapher vor („Und meine Hütte, /…/, Und meinen Herd, /…“). Diese Stilmittel heben das Gesagte noch einmal hervor und steigern den Wert des Gemeinten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Einführung in die Thematik der Lyrik im Deutschunterricht und Vorstellung des Ziels, Goethes „Prometheus“ im Rahmen der Genieästhetik zu beleuchten.
2 MYTHOLOGISCHER HINTERGRUND: Darstellung des Prometheus-Mythos und dessen Adaption durch Goethe, wobei insbesondere der Fokus auf den Schöpferaspekt gelegt wird.
3 AUTOR: Biographischer Abriss zu Johann Wolfgang von Goethe mit Fokus auf seine prägenden Lebensstationen und sein literarisches Schaffen.
4 EPOCHE: Erläuterung der Sturm-und-Drang-Bewegung sowie des Geniebegriffs und der Rolle Goethes innerhalb dieser literarischen Strömung.
5 GEDICHT: Detaillierte Analyse der Entstehungsgeschichte, formalen Gestaltung sowie der inhaltlichen Aussagen der Hymne „Prometheus“.
6 DIDAKTIK: Entwurf eines vierstündigen Unterrichtskonzepts zur Behandlung des Gedichts unter Einbeziehung produktiver Arbeitsmethoden.
7 SCHLUSSBETRACHTUNG: Zusammenfassende Reflexion der erarbeiteten Ergebnisse bezüglich der Verbindung von Mythos, Epoche und Didaktik.
Schlüsselwörter
Prometheus, Johann Wolfgang von Goethe, Sturm und Drang, Genieästhetik, Lyrik, Deutschunterricht, Didaktik, Selbstverwirklichung, Emanzipation, Epochenumbruch, Mythologie, Interpretation, Geniebegriff, Autonomie, Schöpfungskraft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse von Goethes Hymne „Prometheus“ und deren Einbettung in die literarische Epoche des Sturm und Drang sowie die didaktische Umsetzung im Deutschunterricht.
Welche Themenfelder werden zentral behandelt?
Die zentralen Felder umfassen den griechischen Mythos, die Genieästhetik des 18. Jahrhunderts, Goethes Selbstverständnis als Dichter und methodische Ansätze für die gymnasiale Oberstufe.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das Gedicht als Ausdruck eines neuen, unabhängigen Künstlerbewusstseins fungiert und wie man dieses komplexe Thema methodisch sinnvoll im Unterricht vermitteln kann.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Textinterpretation, den Vergleich mit mythologischen Quellen sowie die Anwendung fachdidaktischer Prinzipien zur Unterrichtsgestaltung.
Was umfasst der didaktische Teil?
Der didaktische Teil entwirft ein vierstündiges Unterrichtsmodell, das von der Ersterschließung über Gruppenarbeit bis hin zur produktiven Gestaltung durch die Schüler reicht.
Was zeichnet das Prometheus-Bild im Sturm und Drang aus?
Prometheus wird als Prototyp des Genies dargestellt, das sich schöpferisch selbst verwirklicht und jegliche Fremdbestimmung sowie Autoritäten ablehnt.
Wie unterscheidet sich Goethes Interpretation von der klassischen Vorlage?
Goethe fokussiert sich in seiner Hymne ausschließlich auf den Aspekt des Schöpfer-Genies und lässt traditionelle Erzählstränge wie die Bestrafung des Prometheus weitgehend außer Acht.
Welche Bedeutung kommt dem „glühenden Herzen“ im Gedicht zu?
Das „heilig glühend Herz“ symbolisiert die menschliche Leidenschaft und Eigenständigkeit, die der kühlen, untätigen Götterwelt als Ausdruck der Autonomie entgegengesetzt wird.
- Arbeit zitieren
- Kristin Bühner (Autor:in), 2005, Unterrichtsversuch zu Goethes 'Prometheus', München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/60939