„Damit eine religiöse Institution oder ein Staat lange überleben kann, müssen öfter einmal ihre ursprünglichen Prinzipien wiederhergestellt werden.“ (Niccolò Machiavelli,Discorsi) Niccolò Machiavelli, einer der bedeutendsten politischen Theoretiker, schuf mit seinem TraktatIl Principe (deutsch:Der Fürst)eine der meist umstrittenen Schriften politischer Theorien. Darin beschäftigt er sich mit Fragen der Moral und der Tugend eines Staatsführer und den Bedingungen und Eigenschaften, die ein erfolgreicher Staatsführers sich zu Eigen machen sollte. Er richtete sich mitIl Principean Lorenzo de` Medici, dem damaligen Staatsführer der Republik Florenz, der zu dem Geschlecht der Medici, dem das damals größte Handels- und Bankhaus Europas gehörte, in der Hoffnung, wieder zurück in die florentinische Politik zu gelangen und ein politisches Amt erhalten zu können. Doch imPrincipebewertet er auch die Kirche und das Papsttum im Besonderen und verweist auch auf das Beispiel des Cesare Borgia, der sich seine Macht durch die Hilfe seines Vaters Papst Alexander VI. sichern konnte. Anhand seiner Person ließ sich Machiavelli zu seinen Ansichten und zumPrincipeinspirieren. Doch auch in seinem anderen WerkDiscorsi. Gedanken über Politik und Staatsführungbehandelt Machiavelli das Thema der Religion in Zusammenhang mit der optimalen Staatsführung, weswegen ich in dieser Arbeit mich auch mit dem elften, zwölften und dreizehnten Kapitel derDiscorsi,den Kapiteln der Religion, beschäftigen möchte. Anhand dieser Vorlagen möchte ich in dieser Arbeit Fragen zu Kirche und Religion beantworten und werde mich demzufolge auch mit Machiavellis Definition von Macht und Moral beschäftigen, um aufgrund dieser Definitionen sein Menschenbild aufzuzeigen, welches schließlich mitunter zu seinen politischen Ansichten geführt hat. Anschließend werde ich mich im zweiten Kapitel mit Machiavellis Bewertung von Kirche, Religion und Papsttum beschäftigen, und mit der Frage, welche Rolle und welchen Stellenwert er der Kirche und dem Glauben zuerkennt. Ich werde mich dabei insbesondere mit seiner Kritik an der Institution Kirche beschäftigen und auf drei Kapitel in den Discorsi eingehen, in denen sich Machiavelli mit der Religion des antiken Roms beschäftigte. Schließlich möchte ich noch in einem Exkurs die Frage beantworten, welches Resumée Machiavelli bezüglich des „selbsternannten“ Condottiere Cesare Borgia zieht und wie er seinen Niedergang bewertet. [...]
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Moral contra Politik bei Machiavelli
1.1. Der Machtbegriff bei Machiavelli
1.2. Machiavellis Menschenbild
2. Zur Bewertung von Religion, Kirche und Papsttum in Il Principe und in den Discorsi
2.1. Die Rolle der Kirche bei Machiavelli
2.2. Machiavellis Kritik an Kirche und Papsttum
2.3. Die Stellung der Religion und des Glaubens in den Discorsi
3. Exkurs: Machiavellis Moralverständnis am Beispiel der Borgia- Familie
Schlusswort
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bewertung von Papsttum und Kirche im Werk von Niccolò Machiavelli, um aufzuzeigen, wie er diese Institutionen in das Gefüge seiner rationalen Staatstheorie einordnete und dabei den Konflikt zwischen politischem Erfolg und moralischen Ansprüchen behandelte.
- Analyse von Machiavellis Machtbegriff und seinem pessimistischen Menschenbild.
- Untersuchung der Rolle der Kirche als politisches Instrument (instrumentum regni).
- Kritische Auseinandersetzung mit der moralischen Bewertung des Papsttums seiner Zeit.
- Betrachtung der Religion als stabilisierendes Element für den Staat (Beispiel antikes Rom).
- Auswertung des Fallbeispiels der Familie Borgia hinsichtlich politischer Effizienz und Moral.
Auszug aus dem Buch
2.1. Die Rolle der Kirche bei Machiavelli
Angesichts der Tatsache, dass Machiavelli einer rationalen Staatspolitik gegenüber einer ethisch- moralischen Politik den Vorzug gab, bleibt die Frage zu klären, welche Rolle die Kirche bei Machiavelli hatte. Man muss zunächst anführen, dass es sich bei Machiavelli ausschließlich um die Rolle der Kirche innerhalb der Politik handelt. Seine Ausführungen dürfen „nicht als eigenständige und systematische Interpretationen“33 angesehen werden, denn seine Ansichten von Glaube und Religion sind einseitig und beziehen sich ausschließlich darauf, welche Rolle die Religion in Politik und Staatswesen spielen soll.
Fuhr führt an, dass Machiavelli zwar von den „apokalyptischen Strömungen“ seiner Zeit unbeeindruckt blieb, aber dennoch das Bewusstsein teilte, in einer „Zeit des Niedergangs“ zu leben. Er sah dies als eine Art Folge „säkularer Sünden“34, politischer Fehler und Schwächen der Führer Italiens an. Machiavelli setzte bei rationalen Lösungswegen an, nicht bei der Suche nach christlicher Erleuchtung. Bei Machiavelli geht es um die Loslösung politischer Fragen und Probleme von „klerikaler Bevormundung“, wie Fuhr betont. Jedoch besteht ein enger Zusammenhang zwischen Machiavellis Stellung zur Religion und der eigentlichen Natur des Menschen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Vorstellung der Forschungsfrage und der methodischen Herangehensweise an Machiavellis Schriften Il Principe und Discorsi.
1. Moral contra Politik bei Machiavelli: Erläuterung des Machtbegriffs und der pessimistischen Anthropologie, die das Fundament für Machiavellis Trennung von Politik und Moral bildet.
2. Zur Bewertung von Religion, Kirche und Papsttum in Il Principe und in den Discorsi: Analyse der instrumentellen Sichtweise Machiavellis auf die Kirche und seine scharfe Kritik an der korrupten Praxis der zeitgenössischen Würdenträger.
3. Exkurs: Machiavellis Moralverständnis am Beispiel der Borgia- Familie: Untersuchung des Verhaltens Cesare Borgias als exemplarisches Beispiel für einen Fürsten, der Macht über Moral stellt.
Schlusswort: Zusammenfassung der Ergebnisse, wonach für Machiavelli Religion primär ein stabilisierendes Element für den Staat darstellt, während er das Papsttum für die politische Schwäche Italiens verantwortlich macht.
Schlüsselwörter
Niccolò Machiavelli, Il Principe, Discorsi, Machtpolitik, Politische Theorie, Moral, Staatspolitik, Religion, Kirche, Papsttum, Cesare Borgia, Staatsraison, Renaissance, Menschenbild, instrumentum regni
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Einstellung von Niccolò Machiavelli zu religiösen Institutionen wie der Kirche und dem Papsttum und deren Platz in seiner rationalen Staatstheorie.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Die Arbeit beleuchtet das Spannungsfeld zwischen politischer Zweckmäßigkeit und Moral, Machiavellis pessimistisches Menschenbild sowie die Funktion der Religion als stabilisierendes Element für staatliche Ordnungen.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Es wird der Frage nachgegangen, welchen Stellenwert Machiavelli dem Glauben und der Kirche einräumte und wie er das Papsttum angesichts seiner Forderung nach einer rationalen, vom Moralismus gelösten Staatspolitik bewertete.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Verfasserin nutzt eine komparative und analytische Literaturanalyse der Primärquellen (Il Principe, Discorsi) sowie die Einbeziehung einschlägiger wissenschaftlicher Sekundärliteratur zur Interpretation der Texte.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert Machiavellis Verständnis von Macht und Moral, seine gezielte Kritik an der korrupten Kirche der Renaissance sowie die Rolle der Religion im antiken Rom als Vorbild für eine effektive Staatsführung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Machiavellismus, Staatsraison, instrumentum regni, virtù, fortuna und die kritische Auseinandersetzung mit den Borgia-Päpsten.
Welche Rolle spielte Cesare Borgia für Machiavellis Theorie?
Cesare Borgia dient im Werk als empirisches Beispiel für den "principe nuovo", dessen Handeln Machiavelli als Vorbild für skrupellose, aber zweckgerichtete Machtpolitik analysiert, obwohl er dessen letztendliches Scheitern kritisch bewertet.
Warum kritisierte Machiavelli das Papsttum so scharf?
Machiavelli machte das Papsttum für die politische Zersplitterung und die Schwäche Italiens verantwortlich, da es zwar weltliche Macht beanspruchte, aber seine Funktion als moralisches und integratives "Rückgrat" des Staates nicht erfüllte.
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- Daniela Artuso (Author), 2005, Bewertung von Papsttum und Kirche in Machiavellis Werk, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/60645