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Die Münzstätte Wien im 15. Jahrhundert. Organisation und Verwaltung im Spiegel spätmittelalterlicher Handschriften

Titel: Die Münzstätte Wien im 15. Jahrhundert. Organisation und Verwaltung im Spiegel spätmittelalterlicher Handschriften

Diplomarbeit , 2003 , 199 Seiten , Note: 1

Autor:in: Magister Michael Grundner (Autor:in)

Geschichte Europas - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Die einschlägigen Archivbestände zur Wiener Münzstätte sind trotz ihrer guten Überlieferung bislang noch weitgehend unbearbeitet geblieben, so dass sich sicher noch viele Fragen zur österreichischen Münzgeschichte mit Hilfe der Quellen lösen ließen. Die vorliegende Arbeit sieht sich als Beitrag zu einer umfassenderen über den Münzrand hinausgehenden Sicht der Numismatik und als Anregung für weitere ähnliche Arbeiten.
Neben der Neubearbeitung des so genannten „Münzbuch des Albrecht von Ebersdorf“ aus der Mitte des 15. Jahrhunderts wurde auch die in der Literatur als „Nikolsburger Codex“ bezeichnete Handschrift bearbeitet. Die bereits etwas veraltete und tw. mangelhafte Literatur zum Wiener Münzwesen fällt vor allem durch das häufige Fehlen von Literatur- und Quellenangaben auf. Hinzu kommt, dass viele der Standardwerke aufgrund ihres Alters fast so schwer zugänglich sind, wie die Quellen selbst. Die vorliegende Arbeit versucht einen Beitrag zur Behebung dieses Desiderates zu liefern. Sie schließt an Wissenschaftstraditionen die in Ostösterreich nach dem 2. Weltkrieg weitgehend erloschen sind an und verbindet sie mit modernen Ansätzen. Hier steht einmal nicht der ohnehin schon gut aufgearbeitete Wiener Pfennig sondern vielmehr das Umfeld seiner Herstellung im Blickpunkt. Ausgehend von den genannten Handschriften beschäftigt sich die Arbeit mit Organisation und Verwaltung der Wiener Münzstätte. So konnten neue Erkenntnisse zum Sozialstatus der beteiligten Personengruppen gewonnen bzw. ältere Vorstellungen korrigiert oder präzisiert werden. Behandelt werden alle Ebenen von der landesfürstlichen Finanzverwaltung, über die Leitung der Münzstätte bis zu den Münzarbeitern, wobei die jeweiligen Abschnitte aufgrund der unterschiedlichen Quellenlage verschieden lang ausfallen.
Der Anhang enthält verschiedenste Materialien zum Wiener Münzwesen, wie ein umfangreiches münztechnisches Glossar, zwei Tabellen zu Herkunft, Beruf und sonstigen Ämtern des Münzstättenpersonals aus der Zeit zwischen 1400 und 1522 wiederzugeben, sowie eine Auflistung der in den Handschriften enthaltenen Urkundenabschriften. Den Abschluss bildet schließlich das Herzstück und Ausgangspunkt der Arbeit, die Edition der beiden Handschriften.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Die bearbeiteten Quellen

2.1 Das sogenannte „Münzbuch des Albrecht von Ebersdorf“

2.1.1 Beschreibung

2.1.2 Geschichte und Datierung

2.1.3 Zum Inhalt der Handschrift

2.1.4 Zweck und Auftraggeber der Handschrift

2.2 Codex 2102, Stadtarchiv Wiener Neustadt

2.2.1.1 Codex 3083 – „Des Hanns Rollen burger vnd Raths zur Neustadt in Osterreich Puech“

2.3 Codex XL, Stiftsarchiv Seitenstetten

3. Die Münzstätte Wien bis zum 15.Jahrhundert

3.1 Die Anfänge der Wiener Münzstätte

3.2 Lage der Münzstätte

4. Organisation der Münzstätte Wien

4.1 Die landesfürstliche Finanzverwaltung

4.1.1 Das Amt des Oberst-Kämmerers

4.1.1.1 Die Juden als Kammerknechte

4.1.1.2 Das Spielgrafenamt und die St.Nikolaus Bruderschaft

4.1.1.3 Die Herren von Ebersdorf (Eberstorf)

4.1.1.3.1 Stammtafel der Herren v. Ebersdorf

4.1.2 Münzmeister

4.1.2.1 Münzgerichtsbarkeit und Strafen

4.1.2.2 Kompetenzen außerhalb der Münzstätte

4.1.3 Anwalt

4.1.4 Münzerhausgenossen

4.1.4.1 Die Wechsler

4.2 Die Münzarbeiter (monetarii)

4.2.1 Verwahrung und Anfertigung der Prägestempel

4.2.2 Versucher

4.2.3 Gießer

4.2.4 Zainmeister

4.2.5 Schrotmeister

4.2.6 Setzmeister

4.2.7 Sonstiges Personal

5. Schluß und Ausblick

6. Anhang I – Materialien zum Wiener Münzwesen

6.1 Stadtgeschichtlicher Überblick

6.2 Glossar münztechnischer Begriffe

6.3 Münzpersonal im 15. Jh.

6.3.1 Ämter und soziale Herkunft (Liste 1)

6.3.2 Herkunft und Nachweise (Liste 2)

6.4 Materialien zu den verwendeten Quellen

6.4.1 Erwähnte Münzsorten (Liste 3)

6.4.2 Urkundenabschriften in den verwendeten Handschriften

7. Anhang II - Die Quelleneditionen

7.1 Editionsregeln

7.1.1 In den Quellen häufig benutzte Abkürzungen

8. HHStA W723 - „Das Münzbuch des Albrecht von Ebersdorf“

9. WNStA 2102 - Juristische Sammelhandschrift („Nikolsburger Codex)

10. Quellen- und Literaturverzeichnis

10.1 Abkürzungsverzeichnis

10.1.1 Allgemeine Abkürzungen

10.1.2 Siglen

10.2 Quellenverzeichnis

10.2.1 Editionen und Regesten

10.2.2 Verwendete Originalquellen und ihre derzeitigen Standorte

10.3 Bibliographie

10.3.1 Verwendete Internet-Seiten

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit widmet sich einer quellenkritischen Analyse und Auswertung spätmittelalterlicher Handschriften, die als Grundlage für das Verständnis des Wiener Münzwesens im 15. Jahrhundert dienen. Das primäre Ziel ist es, den Forschungsstand zur Organisation, Verwaltung und technischen Abwicklung der Wiener Münzstätte zu überprüfen und eine kompilierende Auswertung des einschlägigen Quellenmaterials vorzulegen, wobei der Fokus gezielt auf den administrativen und technischen Aspekten liegt.

  • Analyse der Handschriften "Münzbuch des Albrecht von Ebersdorf" und "Nikolsburger Codex"
  • Untersuchung der landesfürstlichen Finanzverwaltung und ihrer Akteure (Oberst-Kämmerer, Münzmeister, Münzerhausgenossen)
  • Betriebsstrukturen und technisches Personal der Wiener Münzstätte
  • Strukturen der Münzgerichtsbarkeit, Umgang mit Falschmünzerei und Strafmaß
  • Entwicklung des Münzwesens im 15. Jahrhundert und das Ende der Hausgenossenschaft

Auszug aus dem Buch

4.1.2.1 Münzgerichtsbarkeit und Strafen

Zu den wichtigsten Aufgaben des Münzmeisters gehörten münzpolizeiliche Agenden und die Rechtsprechung in Münzangelegenheiten. Spätestens seit dem Privileg Rudolfs I., wahrscheinlich aber schon seit Gründung der Münzstätte, hatten die Wiener Münzmeister die Gerichtsbarkeit bei Münzvergehen in Österreich unter der Enns inne. Primär unterlagen seiner Jurisdiktion all jene Vergehen die in irgend einer Form das Münzwesen betrafen sowie alle Klagen die gegen Angehörige der Wiener Münzstätte oder deren Familienmitglieder geführt wurden. Bei schwereren Vergehen, die der Blutgerichtsbarkeit unterlagen, musste sich der Münzmeister jedoch an das Stadtgericht um Bestätigung und Vollzug der Strafe wenden. Wie wichtig ein eigenständiges Münzgericht in den Augen des Landesherren gewesen sein dürfte bzw. wie groß der Einfluss der Hausgenossen war, lässt sich aus der Tatsache erahnen, dass Rudolf IV. im Zuge seiner Reformen das Münzgericht unangetastet ließ während er die grundherrliche Gerichtsbarkeit in Wien stark einschränkte - ja aufhob.

Unter Strafe stand unter anderem das Auslesen voll- und übergewichtiger Münzen, das sogenannte Saigern. Auf die Unterbindung dieses Vergehens zielte auch das Verbot für Privatpersonen Feinwaagen zu besitzen.

Item es sol auch nyma(n)t weder gëst noch ander wag vnd gewicht damit man silber vnd münss ze kauffen gewegen mag In seiner gewalt nicht haben.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Vorwort: Der Autor erläutert die Entstehungsgeschichte der Arbeit aus einer numismatischen Lehrveranstaltung und betont die Bedeutung der Neuedition des „Münzbuchs des Albrecht von Ebersdorf“.

2. Die bearbeiteten Quellen: Dieses Kapitel stellt die drei maßgeblichen Handschriften vor, die als Primärquellen für das Wiener Münzwesen des 15. Jahrhunderts dienen.

3. Die Münzstätte Wien bis zum 15.Jahrhundert: Eine historische Einordnung der Gründung und Entwicklung der Wiener Münzstätte sowie eine Diskussion über deren verschiedene Standorte in der Stadt.

4. Organisation der Münzstätte Wien: Der Hauptteil analysiert die komplexe Hierarchie der Finanzverwaltung, die Rollen der verschiedenen Münzbeamten und das Regelwerk des Münzbetriebs.

5. Schluß und Ausblick: Eine kritische Reflexion des Forschungsstandes und der quellenkritischen Herausforderungen, verbunden mit dem Wunsch nach weiteren Studien zum Personal und den Betriebsabläufen.

6. Anhang I – Materialien zum Wiener Münzwesen: Eine chronologische Übersicht der stadtgeschichtlichen Ereignisse und münztechnische Tabellen sowie Glossare.

7. Anhang II - Die Quelleneditionen: Darlegung der methodischen Vorgehensweise bei der Edition der historischen Quellen.

8. HHStA W723 - „Das Münzbuch des Albrecht von Ebersdorf“: Abdruck und inhaltliche Erschließung dieser zentralen Handschrift.

9. WNStA 2102 - Juristische Sammelhandschrift („Nikolsburger Codex): Transkription und Auswertung der für die Münzgeschichte relevanten Teile dieses Codex.

10. Quellen- und Literaturverzeichnis: Umfassendes Verzeichnis der verwendeten Archivquellen und wissenschaftlichen Literatur.

Schlüsselwörter

Wiener Münzstätte, Münzbuch des Albrecht von Ebersdorf, Münzverwaltung, Münzmeister, Hausgenossen, Spätmittelalter, Finanzverwaltung, Münzgerichtsbarkeit, Münzfälschung, Münztechnik, Rechtsgeschichte, Numismatik, Goldgulden, Pfennig, Silberhandel

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Organisation, Verwaltung und technischen Abläufe der Wiener Münzstätte im 15. Jahrhundert basierend auf zeitgenössischen Handschriften.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Mittelpunkt stehen die Finanzverwaltung des Landesfürsten, die rechtlichen Rahmenbedingungen des Münzwesens, das Personal sowie die technische Durchführung der Münzprägung.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist eine quellennahe Auswertung der überlieferten Handschriften, um die administrativen Strukturen des Wiener Münzwesens im Spätmittelalter transparent zu machen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine quellenkritische historische Analyse, die Handschriften transkribiert, ediert und in ihren historischen Kontext einbettet.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der landesfürstlichen Finanzverwaltung, die Rollen der Akteure (Münzmeister, Anwalt, Hausgenossen) sowie eine detaillierte technische Beschreibung des Münzbetriebs.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Begriffe sind Wiener Münzstätte, Münzmeister, Hausgenossen, Münzgerichtsbarkeit und Münztechnik.

Welche Rolle spielten die sogenannten „Hausgenossen“ in der Wiener Münzstätte?

Die Hausgenossen waren ein Konsortium wohlhabender Bürger, die das Prägerecht übernahmen, die Finanzierung des Münzbetriebs sicherstellten und für die Silberversorgung verantwortlich waren.

Was geschah bei Verstößen wie Falschmünzerei?

Falschmünzerei war ein schweres Delikt, das unter die Blutgerichtsbarkeit fiel und drakonische Strafen wie Verstümmelung oder den Tod (oft durch Sieden) nach sich ziehen konnte.

Ende der Leseprobe aus 199 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die Münzstätte Wien im 15. Jahrhundert. Organisation und Verwaltung im Spiegel spätmittelalterlicher Handschriften
Hochschule
Universität Wien  (Institut für Numismatik)
Veranstaltung
Abschlußarbeit
Note
1
Autor
Magister Michael Grundner (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2003
Seiten
199
Katalognummer
V60333
ISBN (eBook)
9783638540360
ISBN (Buch)
9783638667333
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Münzstätte Wien Jahrhundert Organisation Verwaltung Spiegel Handschriften Abschlußarbeit
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Magister Michael Grundner (Autor:in), 2003, Die Münzstätte Wien im 15. Jahrhundert. Organisation und Verwaltung im Spiegel spätmittelalterlicher Handschriften, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/60333
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