Die Wunderwaffe Qualitätsmanagement
Eine erste Auseinandersetzung mit der Thematik lässt zunächst keine Verbindung zwischen Weiterbildung als einer pädagogischen Disziplin und Qualitätsmanagement als einen betriebswirtschaftlichen Fachausdruck erkennen. Und doch ist die Debatte um die Qualität und Qualitätssicherung von Weiterbildungsmaßnahmen seit geraumer Zeit, um genauer zu sagen verstärkt seit Beginn der 1990er Jahre mit der Einführung der ISO – Norm 9000ff. zur Zertifizierung von Weiterbildungsinstitutionen, hoch brisant und immer noch aktuell.
Die Ausgangsfrage dieser Arbeit setzt sich mit der begrifflichen Definition zweier Schlüsselworte auseinander. Zum einen muss geprüft werden, wie sich Qualität in der Weiterbildung definiert. Zum anderen soll erläutert werden, was sich hinter dem Schlagwort Qualitätsmanagement verbirgt.
Des Weiteren stellt sich die Frage, warum die Weiterbildung überhaupt ein Qualitätsmanagement benötigt und inwiefern ein betriebswirtschaftliches Modell wie das Qualitätsmanagement überhaupt auf die Pädagogik übertragbar ist. Letztendlich waren es genau wirtschaftliche Aspekte, wie steigender Konkurrenzdruck auf dem Weiterbildungssektor, die eine Qualitätssicherung der Weiterbildung notwendig erschienen ließen.
Die Qualitätsdebatte erweckt den Anschein, dass Qualitätsmanagement die Lösung aller bildungs- sowie weiterbildungsspezifischen Probleme ist. Dennoch ist Qualität in der Weiterbildung grundsätzlich problematisch und sollte nicht völlig losgelöst von inhaltlichen Aspekten und fixiert auf die instrumentellen Prozesse des Qualitätsmanagements betrachtet werden. Aus diesem Grund soll im Verlauf dieser Arbeit auch auf die Grenzen eines Qualitätsmanagements in der Weiterbildung eingegangen werden.
Abschließend soll exemplarisch ein Instrument des Qualitätsmanagements, die Evaluation, bezüglich ihrer Verwertbarkeit und Handhabbarkeit in der Weiterbildung vorgestellt werden, um so eine ungefähre und sicherlich vage Vorstellung von Qualitätsmanagement in diesem Bereich zu erhalten.
Die Frage, ob Qualitätsmanagement als Wunderwaffe gegen die wirtschaftlichen Probleme des Weiterbildungssektors von Nutzen ist oder ob es zur einer Entkoppelung von Weiterbildung und Pädagogik führt, soll diese Arbeit begleiten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsdefinitionen
2.1. Qualität
2.2. Qualitätsmanagement
3. Qualitätsmanagement in der Weiterbildung
3.1. Qualitätskriterien von Weiterbildung
3.2. Die acht Grundsätze des Qualitätsmanagements in der Weiterbildung
4. Die Evaluation als ein Instrument des Qualitätsmanagements
5. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Übertragbarkeit betriebswirtschaftlicher Qualitätsmanagement-Modelle auf die pädagogische Disziplin der Weiterbildung, beleuchtet die Grenzen dieses Ansatzes und analysiert die Evaluation als ein praktisches Instrument zur Qualitätssicherung.
- Begriffsbestimmungen von Qualität und Qualitätsmanagement
- Analyse von Qualitätskriterien im Weiterbildungssektor
- Die acht Grundsätze des Qualitätsmanagements in der Weiterbildung
- Evaluation als Instrument der Qualitätssicherung
- Spannungsfeld zwischen Ökonomisierung und pädagogischer Professionalität
Auszug aus dem Buch
3.1. Qualitätskriterien von Weiterbildung
Das zentrale Problem des Qualitätsmanagements in der Weiterbildung ist die Messbarkeit von Qualität. Die Qualität einer Weiterbildungsmaßnahme ist ganz offensichtlich abhängig von dem Standpunkt der Betrachtung. Ein Arbeitnehmer, der gewillt ist, sich weiterzubilden, um auf dem Arbeitsmarkt zu bestehen, und der seine Weiterbildungsmaßnahme selbst finanzieren muss, wird andere Qualitätskriterien zugrunde legen als ein Arbeitnehmer, der die Weiterbildung beispielsweise von seinem Arbeitgeber finanziert bekommt.
Inwiefern ist es also möglich, einen objektiven Maßstab für die Bewertung von Weiterbildung zu konzipieren?
Der Pädagoge Peter Faulstich hat versucht, die Qualität der Weiterbildung zu klassifizieren, indem er Kriterien für die Qualität von Weiterbildung konstruiert hat, die sich im wesentlichen auf die Elemente des Planungsprozesses, der Bedingungen der Durchführung sowie auf die Formen der Verwertung von Weiterbildungsmaßnahmen beziehen. Speziell skizziert Faulstich die Kriterien: Ressourcenaufwand, Durchführungsqualität, Qualität des Trägers und Erfolgsqualität.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert die Ausgangslage der Debatte um Qualitätsmanagement in der Weiterbildung und stellt die zentrale Frage nach dessen Nutzen gegenüber pädagogischen Inhalten.
2. Begriffsdefinitionen: In diesem Kapitel werden die theoretischen Grundlagen der Begriffe Qualität und Qualitätsmanagement erarbeitet und durch die Wortherkunft sowie fachliche Definitionen fundiert.
3. Qualitätsmanagement in der Weiterbildung: Das Kapitel untersucht, wie sich das betriebswirtschaftliche Konzept auf den Weiterbildungssektor anwenden lässt, welche spezifischen Kriterien hierbei gelten und welche acht Grundsätze maßgeblich sind.
4. Die Evaluation als ein Instrument des Qualitätsmanagements: Es wird analysiert, inwiefern die Evaluation als Instrument zur Qualitätssicherung dienen kann und wo ihre empirischen sowie methodischen Grenzen liegen.
5. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung reflektiert die Ergebnisse der Arbeit und betont die Schwierigkeiten bei der praktischen Umsetzung von Qualitätsmanagement aufgrund des pädagogischen Selbstverständnisses.
Schlüsselwörter
Qualitätsmanagement, Weiterbildung, Qualität, Qualitätssicherung, Evaluation, Kundenorientierung, Prozessorientierung, pädagogische Professionalität, Bildungsökonomie, Ressourcenaufwand, Durchführungsqualität, Erfolgsqualität, lernende Organisation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Einführung und Implementierung von Qualitätsmanagementsystemen im Bereich der Weiterbildung sowie dem damit verbundenen Spannungsfeld zwischen ökonomischen Zielen und pädagogischer Praxis.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder sind die begriffliche Klärung von Qualität, die Anwendung betriebswirtschaftlicher Grundsätze in Bildungseinrichtungen und die kritische Auseinandersetzung mit Evaluationsinstrumenten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist zu prüfen, ob Qualitätsmanagement als Lösung für wirtschaftliche Probleme in der Weiterbildung dienen kann oder ob es zu einer problematischen Entkoppelung von Bildung und Pädagogik führt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse und einer kritischen Auseinandersetzung mit Fachliteratur sowie der Vorstellung von Modellen, wie beispielsweise denen von Peter Faulstich.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Definitionen, die Übertragung von TQM-Grundsätzen auf die Weiterbildung, Qualitätskriterien sowie die Möglichkeiten und Grenzen der Evaluation.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Schlüsselwörtern gehören Qualitätsmanagement, Weiterbildung, Qualität, Qualitätssicherung und Evaluation.
Wie definiert Peter Faulstich Qualität in der Weiterbildung?
Peter Faulstich klassifiziert die Qualität über vier Hauptkriterien: den Ressourcenaufwand, die Durchführungsqualität, die Qualität des Trägers und die Erfolgsqualität.
Warum wird die Evaluation als Instrument kritisch betrachtet?
Die Evaluation wird kritisch gesehen, da sie oft subjektiven Maßstäben unterliegt, idealtypische Ziele seitens der Anbieter verfolgt und die Gefahr besteht, dass evidente pädagogische Wirkungen nicht erfasst werden.
- Arbeit zitieren
- Nina Heise (Autor:in), 2006, Qualitätsmanagement in der Weiterbildung , München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/59900