Aufgrund der nachhaltigen Haushaltsdefizite von Bund, Ländern und Gemeinden sowie der damit verbundenen angespannten Finanzsituation wächst der Kostendruck in öffentlichen Verwaltungen. Infolgedessen ist es unausweichlich, ein verstärktes Kostenbewusstsein für diese zu fordern. Damit verbunden steigen die Anforderungen an Kostensteuerungen und es stellt sich immer dringlicher die Frage nach einem adäquaten Verwaltungskostenrechnungsinstrument, das eine Planung, Steuerung und Bewertung des öffentlichen Verwaltungshandelns unter Effizienzgesichtspunkten ermöglicht sowie eine notwendige Basis für verwaltungsspezifische Kostenrechnungszwecke wie eine angemessene Gebühren- und Entgeltkalkulation oder eine Verbesserung der Wirtschaftlichkeitskontrolle bildet. Hieraus resultiert die Suche nach einem Kostenrechnungsverfahren, das sich möglichst einfach an das bestehende kameralistische Verwaltungssystem anpassen lässt und dennoch die gewünschten Informationen liefert.
Daneben ist zu bedenken, dass Verwaltungsleistungen als Kostenträger sich oft als immateriell erweisen und unter Beteiligung verschiedener (Kosten-)Stellen in komplexen Verfahrensabläufen hergestellt werden. Deshalb können sich bereits bei einer Kostenträgerrechnung im Rahmen der Implementierung einer Kostenrechnung in öffentlichen Verwaltungen erhebliche Schwierigkeiten ergeben. Eine Problemlösung stellt möglichenfalls die Prozesskostenrechnung als Kostenrechnungsverfahren dar. Diese betrachtet die gesamten Verwaltungsprozesse, die zur Erstellung von Verwaltungsleistungen notwendig sind. Mit Hilfe solcher Prozesse können ggf. ausreichend Informationen zur Ermittlung von Kosten für Verwaltungsleistungen erlangt werden. Darüber hinaus können sie herangezogen werden, um in traditionellen Verwaltungsabläufen sich verbergende Optimierungspotentiale aufzuzeigen.
Daran anknüpfend beschäftigt sich die vorliegende Arbeit sowohl mit allgemeinen Kostenrechnungsgrundlagen als auch mit dem Konzept einer modifizierten Prozesskostenrechnung für öffentliche Einrichtungen sowie ihrer praktischen Umsetzung.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Gang der Untersuchung
2 Überblick über die Kostenrechnung in öffentlichen Verwaltungen
2.1 Aufgaben einer Kostenrechnung in öffentl. Verwaltungen
2.2 Systematische Grundlagen einer Kostenrechnung in öffentl. Verwaltungen
2.2.1 Aufbau einer Kostenrechnung in öffentl. Verwaltungen
2.2.1.1 Die Kostenartenrechnung
2.2.1.2 Die Kostenstellenrechnung
2.2.1.3 Die Kostenträgerrechnung
2.2.2 Kostenrechnungsgrundsätze und Kostenverteilungsprinzipien
2.2.2.1 Kostenrechnungsgrundsätze
2.2.2.2 Kostenverteilungsprinzipien
2.3 Kostenrechnungsverfahren
2.3.1 Abgrenzung der Kostenrechnungsverfahren
2.3.1.1 Zeitbezug der Rechnung
2.3.1.2 Sachumfang der Rechnung
2.3.2 Anwendungsmöglichkeiten der Kostenrechnungsverfahren
3 Prozesskostenrechnung für öffentliche Verwaltungen
3.1 Grundlagen der Prozesskostenrechnung
3.1.1 Auswahl der Prozesskostenrechnung
3.1.2 Grundüberlegungen der Prozesskostenrechnung
3.1.3 Entwicklungsgeschichte der Prozesskostenrechnung
3.1.4 Kennzeichnende Merkmale der Prozesskostenrechnung
3.1.5 Aufgabenfelder der Prozesskostenrechnung
3.2 Grundbegriffe der Prozesskostenrechnung
3.2.1 Tätigkeit, Teilprozess und Hauptprozess
3.2.2 Cost Driver und Maßgröße
3.3 Einführung einer Prozesskostenrechnung in öffentlichen Verwaltungen
3.3.1 Auswahl von geeigneten Verwaltungsbereichen
3.3.2 Vorstrukturierung von Prozessen
3.3.3 Analyse und Strukturierung von Prozessen
3.3.3.1 Tätigkeitsanalyse
3.3.3.2 Typisierung von (Teil-)Prozessen
3.3.3.3 Verdichtung zu Hauptprozessen
3.3.4 Bestimmung von geeigneten Bezugsgrößen
3.3.5 Planung von Prozessmengen und Prozesskosten
3.3.6 Berechnung von Prozesskostensätzen
3.4 Einsatzmöglichkeiten der Prozesskostenrechnung in öffentl. Verwaltungen
3.4.1 Prozesskostenrechnung als Instrument der Preiskalkulation
3.4.1.1 Preiskalkulation auf Teilprozessebene (Variantenkalkulation)
3.4.1.2 Preiskalkulation auf der Hauptprozessebene
3.4.2 Prozesskostenrechnung als Instrument des Kostenmanagements
3.4.2.1 Zeit- und zwischenbetriebliche Vergleiche
3.4.2.2 Optimierung der Verwaltungsprozesse im Rahmen der Tätigkeitsanalyse
3.4.2.3 Verrechnungspreisbildung
4 Anwendung der Prozesskostenrechnung (Praxisbeispiel)
4.1 Gemeindekindergarten Dollern als Analyseobjekt
4.1.1 Rahmenbedingungen der Kinderbetreuung
4.1.2 Pädagogisches Vorhaben
4.1.3 Organisatorische Rahmenbedingen
4.1.4 Leistungsoutput
4.1.5 Kindergartengebühr
4.2 Implementierung der Prozesskostenrechnung im Analyseobjekt
4.2.1 Auswahl von geeigneten Verwaltungsbereichen
4.2.2 Vorstrukturierung von Prozessen
4.2.3 Analyse und Strukturierung von Prozessen
4.2.3.1 Tätigkeitsanalyse
4.2.3.2 Typisierung von (Teil-)Prozessen
4.2.3.3 Verdichtung zu Hauptprozessen
4.2.4 Bestimmung von geeigneten Bezugsgrößen
4.2.5 Planung von Prozessmengen und Prozesskosten
4.2.5.1 Annahmen
4.2.5.2 Planung der Prozessmengen
4.2.5.3 Planung der Prozesskosten
4.2.6 Berechnung der Prozesskostensätze
4.3 Gebührenkalkulation mittels der Prozesskostenrechnung
4.4 Beurteilung der Prozesskostenrechnung im Hinblick auf das Projektziel
4.4.1 Vorteile der Prozesskostenrechnung
4.4.2 Nachteile der Prozesskostenrechnung
5 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Anwendbarkeit der Prozesskostenrechnung in öffentlichen Verwaltungen, um angesichts knapper Budgets eine transparentere Kostensteuerung und eine verursachungsgerechte Gebührenkalkulation zu ermöglichen. Dabei wird das Konzept der Prozesskostenrechnung systematisch erarbeitet und anhand eines praktischen Fallbeispiels, dem Gemeindekindergarten Dollern, auf seine Tauglichkeit in der öffentlichen Verwaltung geprüft.
- Grundlagen der Kostenrechnung in öffentlichen Einrichtungen
- Methodik der Prozesskostenrechnung (Tätigkeitsanalyse, Prozesshierarchien)
- Einsatzmöglichkeiten zur Preiskalkulation und zum Kostenmanagement
- Anwendung des Konzepts am Beispiel eines Gemeindekindergartens
- Kritische Würdigung der Vorteile und Nachteile des Prozesskostenansatzes
Auszug aus dem Buch
1.1 Problemstellung
Aufgrund der nachhaltigen Haushaltsdefizite von Bund, Ländern und Gemeinden sowie der damit verbundenen angespannten Finanzsituation wächst der Kostendruck in öffentlichen Verwaltungen. Infolgedessen ist es unausweichlich, ein verstärktes Kostenbewusstsein für diese zu fordern. Damit verbunden steigen die Anforderungen an Kostensteuerungen und es stellt sich immer dringlicher die Frage nach einem adäquaten Verwaltungskostenrechnungsinstrument, das eine Planung, Steuerung und Bewertung des öffentlichen Verwaltungshandelns unter Effizienzgesichtspunkten ermöglicht sowie eine notwendige Basis für verwaltungsspezifische Kostenrechnungszwecke wie eine angemessene Gebühren- und Entgeltkalkulation oder eine Verbesserung der Wirtschaftlichkeitskontrolle bildet. Hieraus resultiert die Suche nach einem Kostenrechnungsverfahren, das sich möglichst einfach an das bestehende kameralistische Verwaltungssystem anpassen lässt und dennoch die gewünschten Informationen liefert.
Daneben ist zu bedenken, dass Verwaltungsleistungen als Kostenträger sich oft als immateriell erweisen und unter Beteiligung verschiedener (Kosten-)Stellen in komplexen Verfahrensabläufen hergestellt werden. Deshalb können sich bereits bei einer Kostenträgerrechnung im Rahmen der Implementierung einer Kostenrechnung in öffentlichen Verwaltungen erhebliche Schwierigkeiten ergeben. Eine Problemlösung stellt möglichenfalls die Prozesskostenrechnung als Kostenrechnungsverfahren dar. Diese betrachtet die gesamten Verwaltungsprozesse, die zur Erstellung von Verwaltungsleistungen notwendig sind. Mit Hilfe solcher Prozesse können ggf. ausreichend Informationen zur Ermittlung von Kosten für Verwaltungsleistungen erlangt werden. Darüber hinaus können sie herangezogen werden, um in traditionellen Verwaltungsabläufen sich verbergende Optimierungspotentiale aufzuzeigen.
Daran anknüpfend beschäftigt sich die vorliegende Arbeit sowohl mit allgemeinen Kostenrechnungsgrundlagen als auch mit dem Konzept einer modifizierten Prozesskostenrechnung für öffentliche Einrichtungen sowie ihrer praktischen Umsetzung.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Beschreibt die Problemstellung der Arbeit, insbesondere den Kostendruck in Verwaltungen, und skizziert den Aufbau der Untersuchung.
2 Überblick über die Kostenrechnung in öffentlichen Verwaltungen: Erläutert die Aufgaben und systematischen Grundlagen der klassischen Kostenrechnung und deren Verfahren im öffentlichen Sektor.
3 Prozesskostenrechnung für öffentliche Verwaltungen: Vermittelt die theoretischen Grundlagen, die Methodik der Einführung und die Einsatzmöglichkeiten der Prozesskostenrechnung.
4 Anwendung der Prozesskostenrechnung (Praxisbeispiel): Demonstriert die praktische Implementierung des Konzepts am Beispiel des Gemeindekindergartens Dollern und evaluiert die Ergebnisse.
5 Schlussbetrachtung: Führt die Ergebnisse zusammen und bewertet die Eignung der Prozesskostenrechnung als Steuerungsinstrument für öffentliche Verwaltungen.
Schlüsselwörter
Prozesskostenrechnung, öffentliche Verwaltung, Kostenrechnung, Kostentransparenz, Wirtschaftlichkeitskontrolle, Gebührenkalkulation, Prozesshierarchie, Tätigkeitsanalyse, Hauptprozesse, Gemeinkosten, Kostenmanagement, Prozessorientierung, Ressourceninanspruchnahme, Verwaltungsmodernisierung, Plankostenrechnung
Häufig gestellte Fragen
Was ist das grundlegende Thema dieser Arbeit?
Die Arbeit behandelt die Implementierung und Anwendung der Prozesskostenrechnung in öffentlichen Verwaltungen als Lösungsansatz für steigenden Kostendruck und mangelnde Kostentransparenz.
Welche zentralen Themenfelder deckt die Untersuchung ab?
Sie umfasst die theoretischen Grundlagen der Kostenrechnung, die spezifische Methodik der Prozesskostenrechnung sowie deren praktische Anwendung auf der Ebene von Verwaltungseinheiten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, ein modifiziertes Modell der Prozesskostenrechnung zu entwickeln, das eine effiziente Planung, Steuerung und verursachungsgerechte Gebührenkalkulation in öffentlichen Institutionen ermöglicht.
Welche wissenschaftliche Methodik wird primär genutzt?
Die Arbeit stützt sich auf eine systematische Analyse der Kostenrechnungsgrundlagen und wendet diese durch ein Praxisbeispiel (Gemeindekindergarten Dollern) mittels Tätigkeitsanalyse, Prozessklassifizierung und Hauptprozessverdichtung an.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung der Prozesskostenrechnung (Kapitel 3) und die praktische Durchführung der Prozesskostenrechnung am Beispiel der Kindertagesstätte Dollern (Kapitel 4).
Welche Schlagworte charakterisieren das Dokument?
Die wichtigsten Schlagworte sind Prozesskostenrechnung, öffentliche Verwaltung, Kostentransparenz, Gebührenkalkulation und Wirtschaftlichkeitskontrolle.
Warum wird der Gemeindekindergarten Dollern als Analyseobjekt gewählt?
Der Kindergarten dient als exemplarisches Beispiel, da hier ein hoher Anteil an Gemeinkosten vorliegt und die Personalressourcen für eine Vielzahl komplexer Aufgaben eingesetzt werden, was eine klassische Kostenrechnung erschwert.
Wie werden lmi- und lmn-Teilprozesse unterschieden?
Lmi-Teilprozesse (leistungsmengeninduziert) sind direkt wertschöpfend und mengenvariabel, während lmn-Teilprozesse (leistungsmengenneutral) nicht direkt durch den Output beeinflusst werden und eher eine fixe Kostenlast darstellen.
Welches Fazit zieht der Autor zur Prozesskostenrechnung in der Verwaltung?
Die Methode ist zwar mit erheblichem Aufwand verbunden, bietet aber signifikante Fortschritte hinsichtlich Kostentransparenz und Unterstützung leistungsorientierter Verwaltungsführung.
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- Dipl.-Kfm. Alexander Goltzsch (Author), 2005, Prozesskostenrechnung für öffentliche Verwaltungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/59656