Diese Arbeit beschäftigt sich mit verschiedenen Aspekten der Paradiesesallegorie im ‚Armen Heinrich‘ Hartmanns von Aue. Nach der Einordnung der Allegorie in den Kontext der Dichtung wird sie vorgestellt. Danach folgt eine kurze Abhandlung über die Probleme des Allegoriebegriffs, welche sich darauf beschränkt, den Begriff in unterschiedlichen Dimensionen seiner Mehrdeutigkeit knapp zu erklären und für das Thema relevante Besonderheiten aufzuführen. Ins Zentrum der Aufmerksamkeit rückt dabei die spezielle Ausformung der Allegorie, welche es zuläßt, im darauf folgenden Teil der Arbeit auf einige mögliche intertextuelle Verbindungen zu dem geistesgeschichtlichen Hintergrund ihrer Entstehung einzugehen. Dabei stehen die Sermones super Canticum Canticorum des Bernhard von Clairvaux im Vordergrund. Mit Hilfe von ausgewählten Predigtstellen wird dabei versucht, in der Allegorie verborgene Sinndimensionen aufzuzeigen, welche sich nicht auf die Allegorie beschränken, sondern Bedeutung für die Interpretation der gesamten Dichtung besitzen. Im letzten Abschnitt werden verschiedene intratextuell verweisende Elemente der Allegorie aufgezeigt, welche die zentrale Stellung der Allegorie im ‚Armen Heinrich‘ begründen.
Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung
2.Einordnung der Paradiesesallegorie in den Zusammenhang des „Armen Heinrich “
3.Die Paradiesesallegorie
4.Zum Begriff „Allegorie “
5.Die Paradiesesallegorie als zentrale Stelle des ‚Armen Heinrich‘
5.1 Intertextuelle Bezüge: Bernhard von Clairvaux: Sermones super Canticum Canticorum
5.2 Intratextuelle Bezugnahme: der alte wird junger (V.785)
6.Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Bedeutung und Funktion der Paradiesesallegorie in Hartmann von Aues ‚Armem Heinrich‘, indem sie diese als zentrale textuelle Nahtstelle analysiert, die durch intertextuelle Bezüge zur Mystik Bernhards von Clairvaux und intratextuelle Verweise im Werk selbst tiefere Sinndimensionen erschließt.
- Analytische Einordnung der Paradiesesallegorie im Kontext des ‚Armen Heinrich‘.
- Untersuchung des Allegoriebegriffs unter rhetorischen und exegetischen Aspekten.
- Intertextuelle Verknüpfung der Paradiesesallegorie mit den Sermones super Canticum Canticorum.
- Analyse intratextueller Bezüge und deren Bedeutung für die Entwicklung des Protagonisten.
- Deutung der Allegorie als Schlüssel für das Verständnis der gesamten Dichtung.
Auszug aus dem Buch
3.Die Paradiesesallegorie
Nû setzet mich in den vollen rât / Der dâ niemer zegât. / Mîn gert ein vrîer bûman / Dem ich wol mînes lîbes gan. / Zewâre, dem sult ir mich geben, / sô ist geschaffen wol mîn leben. / Im gât sîn phluoc harte wol, / sîn hof ist alles râtes vol, / da enstirbet ros noch daz rint, / da enmüent diu weinenden kint, / da enist ze heiz noch ze kalt, / da enwirt von jâren nieman alt, / der alte wird junger; / dâ enist vrost noch hunger, / da enist deheiner slahte leit, / da ist ganziu vreude âne arbeit.
Nun stattet mich mit all dem aus, / was dort niemals zugrundegeht. / Nach mir verlangt ein freier Bauer, / dem ich mich wohl anvertrauen möchte. / Fürwahr, dem sollt ihr mich geben, / dann steht es wohl um mein Leben. / Ihm geht sein Pflug sehr gut, / an seinem Hof fehlt es an nichts, / dort stirbt weder Pferd noch Rind, / dort bereiten weinende Kinder keinen Verdruss. / Dort ist es weder zu heiß noch zu kalt, / dort wird niemand an Jahren alt, / der Alte wird jünger / dort gibt es weder Frost noch Hunger, / dort gibt es keinerlei Leid; / dort gibt es nichts als Freude ohne Mühsal.
Zusammenfassung der Kapitel
1.Einleitung: Die Arbeit führt in die Thematik ein und erläutert die methodische Vorgehensweise, die Paradiesesallegorie als zentrale Stelle des ‚Armen Heinrich‘ durch inter- und intratextuelle Analysen zu erschließen.
2.Einordnung der Paradiesesallegorie in den Zusammenhang des „Armen Heinrich “: Das Kapitel verortet die Argumentation des Mädchens vor seinen Eltern im Kontext der Mitleidsthematik und der christlichen Weltverachtung.
3.Die Paradiesesallegorie: Hier wird der Originaltext der Paradiesesallegorie samt Übersetzung präsentiert, der die Grundlage der weiteren Untersuchungen bildet.
4.Zum Begriff „Allegorie “: Es erfolgt eine theoretische Klärung des Allegoriebegriffs sowie die Unterscheidung verschiedener Realisierungsweisen nach Quintilian für die Verwendung in der Analyse.
5.Die Paradiesesallegorie als zentrale Stelle des ‚Armen Heinrich‘: Das Hauptkapitel untersucht die Allegorie als „geheime Mitte“ der Erzählung durch ihre Verknüpfung mit der Brautmystik.
5.1 Intertextuelle Bezüge: Bernhard von Clairvaux: Sermones super Canticum Canticorum: Dieses Unterkapitel analysiert die enge Verbindung der bäuerlichen Metaphorik zur Hoheliedexegese Bernhards von Clairvaux.
5.2 Intratextuelle Bezugnahme: der alte wird junger (V.785): Es wird aufgezeigt, wie der spezifische Vers 785 als intratextueller Hinweis auf die Wandlung (conversio) des Protagonisten fungiert.
6.Schlussbemerkung: Die Ergebnisse werden zusammengefasst, wobei die Bedeutung der Allegorie als initiierendes Element für das Verständnis der gesamten Dichtung hervorgehoben wird.
Schlüsselwörter
Paradiesesallegorie, Hartmann von Aue, Der arme Heinrich, Allegorie, Bernhard von Clairvaux, Sermones super Canticum Canticorum, Brautmystik, Weltverachtung, Exegese, Intertextualität, Intratextualität, conversio, Meierstochter, Mittelalter, Hermeneutik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Paradiesesallegorie in Hartmann von Aues ‚Armem Heinrich‘ und deren zentrale Funktion für das Verständnis des Werkes.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die allegorische Ausformung, die mittelalterliche Brautmystik, intertextuelle Bezüge zur Hoheliedexegese sowie intratextuelle Erzählstrukturen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Paradiesesallegorie als „geheime Mitte“ der Erzählung zu begründen und durch den Vergleich mit Bernhard von Clairvaux tiefergehende Interpretationsansätze aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen literaturwissenschaftlichen Ansatz, der textanalytische Verfahren mit intertextuellen Vergleichen und historischer Kontextualisierung verbindet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Begriffsbestimmung der Allegorie und eine detaillierte Analyse der Paradiesesallegorie anhand ihrer inter- und intratextuellen Verankerung im ‚Armen Heinrich‘.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Neben dem Werk selbst sind Begriffe wie Allegorie, Brautmystik, Intertextualität und Bernhard von Clairvaux zentral für die Einordnung der Untersuchung.
Warum wird Jesus Christus in der Allegorie als Bauer dargestellt?
Der Text leitet diese Darstellung aus der Tradition der Brautmystik der Hoheliedpredigten Bernhards von Clairvaux ab, in denen Christus dem suchenden Seelenbild in verschiedenen Gestalten begegnet.
Welche Bedeutung hat der Vers „der alte wird junger“?
Er fungiert als intratextueller Verweis auf die notwendige conversio Heinrichs und markiert den Übergang von einem weltlich orientierten Leben hin zu einem Leben unter göttlicher Gnade.
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- Bakkalaureus Artium Christian Schumacher (Author), 2004, Die Paradiesesallegorie in Hartmann von Aues "Der arme Heinrich", Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/59594