Die vorliegende Arbeit, unterteilt in zwei Abschnitte, befasst sich mit dem Thema der öffentlichen Kleinkindererziehung in Deutschland. Der erste Abschnitt behandelt theorethische Grundlagen wie die Bindungstheorie von J. Bowlby und M. Ainsworth sowie Grundannahmen der kindlichen Entwicklung und Erziehung. Abschnitt Zwei, der Hauptteil der Arbeit, beschäftigt sich mit der öffentlichen Kleinkindererziehung ab dem 18. Jahrhundert bis in unsere Gegenwart.
In der Anfangsphase der öffentlichen Kleinkindererziehung standen die Einrichtungen bevorzugt den Kindern aus den unteren Schichten offen, um diese vor allem vor Verwahrlosung zu schützen. Die Funktion der kleinkindlichen Erziehung wandelte sich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die Einrichtungen leisteten nun auch Vorbereitung auf die Bedingungen der
Arbeitswelt sowie auf die Schule. Des weiteren wurde eine Entfaltung der Persönlichkeit angestrebt.
Der Kindergarten hat einen Wandel von einer reinen Notmaßnahme in Zeiten sozialer Missstände zu einer allgemeinen anerkannten Institution für alle Kinder mit präventiven und fördernden Charakter durchgemacht.Wurde früher den Kindern häufig vorgeschrieben, was sie zu tun haben oder nicht, so
können sich die Kinder heute in den meisten Kindergärten frei entfalten, da sie im Mittelpunkt der pädagogischen Kindergartenarbeit stehen. Für berufstätige Eltern ist der Kindergarten heute nicht mehr wegzudenken.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Grundlagen
2.1 Die Bindungstheorie
2.1.1 Das Konzept von J. Bowlby
2.1.2 Die Bindungsforschung nach M. Ainsworth
2.2 Die Theorien der (früh)kindliche Entwicklung und Erziehung
2.2.1 Kindliche Entwicklung
2.2.2 Frühkindliche Erziehung
3. Die Geschichte der öffentlichen Kleinkindererziehung
3.1 Anfänge
3.2 Die Pädagogik der Bewahranstalten: Die Konzeption J. G. Wirths
3.3 Die Pädagogik der christl. Kleinkinderschule: Die Konzeption T. Fliedners
3.4 Die Pädagogik des Kindergartens: Die Konzeption F. Fröbels
3.4.1 Der Volkkindergarten
3.5 Die Entwicklung im Kaiserreich (1871 – 1918)
3.6 Die Entwicklung während der Weimarer Republik
3.7 Die Erziehung im Nationalsozialismus
3.8 Die Kleinkindererziehung in Deutschland seit 1945
3.8.1 Entwicklung in der Nachkriegszeit – die erste Phase nach Ende des Zweiten Weltkriegs (1945 – 1949)
3.8.2 50er und 60er Jahre: Phase der Restauration – Wiederaufbau des Kindergartensystems
3.8.3 Die Reformbewegung der Kleinkindererziehung seit 1970
3.9 Die Situation der Kleinkindererziehung in den letzten Jahren
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entwicklung der öffentlichen Kleinkindererziehung in Deutschland, ausgehend von den ersten Betreuungseinrichtungen im 18. Jahrhundert bis zur modernen Praxis. Dabei wird insbesondere der Wandel von rein sozialfürsorgerischen Notmaßnahmen hin zu einer anerkannten pädagogischen Institution beleuchtet, wobei theoretische Ansätze zur frühkindlichen Entwicklung und Bindung die Basis bilden.
- Historische Etappen der Kleinkindererziehung von den Anfängen bis heute
- Theoretische Grundlagen kindlicher Entwicklung (Bindungstheorie, Psychoanalyse)
- Vergleich der Konzeptionen von Wirth, Fliedner und Fröbel
- Einfluss gesellschaftlicher Krisen und politischer Systeme auf die Betreuungsformen
- Die Implementierung des Situationsansatzes als moderne pädagogische Grundlage
Auszug aus dem Buch
3.4.1 Der Volkskindergarten
Bertha von Marenholtz – Bülow (1811 – 1893), eine Nichte und Schülerin Fröbels, machte sich für eine Kindererziehung stark, in der Kinder aller sozialen Schichten gemeinsam erzogen werden sollten, was jedoch auf Ablehnung in der oberen Bevölkerungsschicht stieß.
Somit plädierte sie für eine Umstrukturierung der Kleinkinderbewahranstalten und versuchte in den Einrichtungen Fröbels Konzeption einzuführen. Damit sich diese von den übrigen Einrichtungen (Bewahranstalt und Kindergarten) unterscheiden konnte, nannte Marenholtz – Bülow ihre Einrichtung ‚Volkskindergarten’. Dieser fand ab 1860 seine Verbreitung. Die Volkskindergärten waren den Kindern der Arbeiterklasse vorbehalten und hatten den ganzen Tag geöffnet.
Der größte Unterschied zu den allgemeinen Kindergärten bestand darin, dass der Volkskindergarten „die familiäre Erziehung weitgehend ersetzen musste“. (Grossmann 1987, S. 31) Marenholtz – Bülow fand laut einer Vergleichsuntersuchung heraus, dass bei Kindern, die der Arbeiterklasse angehörten, sich Defizite in ihrer Entwicklung bemerkbar machten, was damit zu erklären ist, dass die Kinder die meiste Zeit des Tages irgendwo eingeschlossen auf sich selbst gestellt waren. Da sie keinerlei Dinge hatten, mit denen sie sich beschäftigen konnten, schliefen die Kinder häufig.
Somit musste ein Konzept geschaffen werden, welches versuchte, die Erziehungsdefizite in den Griff zu bekommen bzw. auszugleichen. Ein weiteres Konzept des Volkskindergartens waren die Erziehung zur Sauberkeit und Ordnung und die Erziehung zur Arbeit mit dem Ziel der Herausbildung von Arbeitstugenden, Arbeitsdisziplin und –geschick.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert die heutige Selbstverständlichkeit von Kindergärten und leitet zur Fragestellung nach deren Entstehungsgeschichte über.
2. Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel liefert den theoretischen Rahmen, indem zentrale Ansätze der Bindungstheorie sowie der frühkindlichen Entwicklung und Erziehung erläutert werden.
3. Die Geschichte der öffentlichen Kleinkindererziehung: Dieser Hauptteil zeichnet den historischen Verlauf der institutionellen Kleinkinderbetreuung in Deutschland von den ersten Strickstuben und Bewahranstalten bis hin zu modernen Konzepten nach.
4. Fazit: Das Fazit fasst den Wandel des Kindergartens von einer bloßen Notmaßnahme zur Schutzbedürftiger zu einer allgemein anerkannten Bildungseinrichtung zusammen.
Schlüsselwörter
Kleinkindererziehung, Kindergarten, Bewahranstalt, Bindungstheorie, Friedrich Fröbel, Geschichte der Pädagogik, Situationsansatz, Volkskindergarten, Frühe Kindheit, Sozialfürsorge, Entwicklungspsychologie, Kindertagesstätte, Pädagogik, Kleinkinderschule, Bildungsauftrag
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der historischen Genese und der pädagogischen Entwicklung öffentlicher Kleinkinderbetreuungseinrichtungen in Deutschland seit dem 18. Jahrhundert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen umfassen die Geschichte der verschiedenen Betreuungsformen, die zugrunde liegenden pädagogischen Konzeptionen sowie die Einflüsse gesellschaftlicher und politischer Rahmenbedingungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich der Kindergarten von einer rein sozialfürsorgerischen Einrichtung zur Nothilfe hin zu einem Ort der Bildung und Persönlichkeitsentfaltung entwickelt hat.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die theoretische Grundlagen der Entwicklungspsychologie und Bindungstheorie mit historisch-pädagogischen Quellen verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die verschiedenen Entwicklungsphasen, beginnend bei den Ansätzen von Wirth, Fliedner und Fröbel über die Zeit des Nationalsozialismus bis hin zu den Reformbewegungen ab 1970.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlüsselbegriffe sind neben den historischen Einrichtungsformen wie "Bewahranstalt" und "Volkskindergarten" auch moderne Konzepte wie der "Situationsansatz" sowie grundlegende psychologische Theorien.
Welche Bedeutung hat der "Situationsansatz" für die moderne Kindergartenpädagogik?
Der Situationsansatz stellt das Kind und seine Lebenssituation in den Mittelpunkt, fördert Autonomie, Kompetenz sowie Solidarität und dient heute als eine der wesentlichen Grundlagen der Kindergartenarbeit.
Wie unterschied sich die Funktion des Kindergartens im Nationalsozialismus?
In dieser Zeit wurde die pädagogische Autonomie eingeschränkt und das Erziehungswesen auf Ziele wie Gehorsam, Disziplin und ideologische Ausrichtung zugunsten der NSV gleichgeschaltet.
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- Katharina Rose (Author), 2005, Die Geschichte der öffentlichen Kleinkindererziehung in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/59534