Angesichts des demographischen Wandels und des damit verbundenen epidemiologischen Wandels nimmt der Anteil an chronisch kranken und multimorbiden Patienten in der deutschen Bevölkerung zu. Dies führt dazu, dass das Bedürfnis nach Verbesserungen in der medizinischen Versorgung ständig wächst und die medizinische Leistungserbringung stets neuen Herausforderungen ausgesetzt ist. Kostendruck, Personal- und Zeitmangel, sowie Ressourcenmangel sind nur einige Beispiele, welche zu einem erheblichen Qualitätsverlust im Gesundheitssektor führen. Dabei ist in unserem Zeitalter der Digitalisierung auch im Gesundheitswesen an die Informations- und Kommunikationstechnologie zu denken um etwaige Probleme zu lösen.
International wird die Digitalisierung im Gesundheitswesen e-health bezeichnet und stellt die Sammelbezeichnung für die auf Informations- und Kommunikationstechnologien basierenden Hilfsmittel und Dienstleistungen zur Verbesserung von Prävention, Diagnose, Behandlung, sowie der Überwachung und Verwaltung im Bereich Gesundheit und Lebensführung dar. Im Wesentlichen bietet die Digitalisierung viele Möglichkeiten Prozesse effizienter zu gestalten, sodass Kosten gespart werden können und beispielsweise der Personalmangel - insbesondere in ländlichen Gebieten - durch die Telemedizin ausgeglichen werden kann. Im Rahmen der Digitalisierung kann darüber hinaus die Vernetzung der Patientenversorgung derart verbessert werden, dass ein schneller Austausch von großen Datenmengen ermöglicht werden kann und damit Mehrfachuntersuchungen vermieden und Behandlungszeiten verkürzt werden können. Diesbezüglich hat die elektronische Patientenakte, in der es in dieser Arbeit auch gehen wird, eine Schlüsselrolle inne.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
1. Einführung in die Arbeit
2. Gegenstand der Untersuchung
a) Begriff der elektronischen Patientenakte und Auslegung der Rechtsgrundlage
b) Problemdarstellung und Vorgehen
II. Hauptteil
1. Gegenwärtiger Entwicklungsstand
2. Internationaler Vergleich
3. Chancen einer elektronischen Patientenakte
4. Datenschutz und Selbstbestimmungsrecht des Patienten
a) Regelungen auf europäischer Ebene
b) Nationale Regelungen
aa) Ärztliche Schweigepflicht
bb) Selbstbestimmungsrecht
aaa) Die Wahrung des Selbstbestimmungsrechts des Patienten
bbb) Kollidierende Grundrechte Dritter
cc) Grundrecht auf Gewährleistung der Integrität und Vertraulichkeit von informationstechnischen Systemen
c) Das normative und technische Datenschutzkonzept des §291a SGB V
5. Haftungsrechtliche Aspekte
III. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Studienarbeit untersucht die rechtliche Implementierung und die Herausforderungen der elektronischen Patientenakte (ePA) in Deutschland. Dabei wird insbesondere analysiert, wie das Ziel der effizienteren medizinischen Versorgung mit dem grundgesetzlich geschützten informationellen Selbstbestimmungsrecht und den hohen Anforderungen an den Datenschutz in Einklang gebracht werden kann.
- Aktueller Entwicklungsstand und Implementierungsprozess der ePA in Deutschland
- Internationaler Vergleich der digitalen Gesundheitsinfrastruktur, beispielhaft anhand von Estland
- Analyse der datenschutzrechtlichen und verfassungsrechtlichen Rahmenbedingungen
- Diskussion der Haftungsrisiken für Mediziner im digitalen Behandlungskontext
- Bewertung des Spannungsfelds zwischen Versorgungschancen und Patientenschutz
Auszug aus dem Buch
3. Chancen einer elektronischen Patientenakte
Die ePA bietet zahlreiche Chancen für das Gesundheitssystem. Die deutsche Versorgungsstruktur heutzutage ist fragmentiert, das bedeutet vereinfacht, dass aufgrund der Spezialisierung in der Medizin nicht mehrere Behandlungen durch einen Arzt oder in einer Einrichtung erfolgen, sondern viele verschiedene Beteiligte existieren. Die Kommunikation zwischen den verschiedenen Leistungserbringern ist jedoch auf das Wesentliche begrenzt und erfolgt per Fax oder durch Briefe. Es werden zwar Fragebögen in Praxen oder bei Krankenhausbehandlungen seitens der Patienten mit Angaben über vorherige Erkrankungen und anderen wichtigen Gesundheitsdaten ausgefüllt, dies geschieht jedoch nur bei einer neuen Aufnahme in die Praxis und somit nicht, wenn der Patient der Praxis schon bekannt ist, sodass bei mehrstufigen Behandlungen und Besuchen von verschiedenen Ärzten trotzdem vieles nicht übermittelt wird.
Keine der einzelnen Beteiligten hat einen Überblick über die Gesamtsituation, wenn der Patient nicht selbst handelt und versucht aufzuklären. Doch genau dies ist wichtig für eine qualitative Versorgung. Mangelnde Informationsübermittlung zwischen den behandelnden Stationen führen zu Mehrfachuntersuchungen und damit auch zu langsamen Behandlungsprozessen. Durch die ePA kann die Koordination und Kommunikation zwischen den verschiedenen Akteuren im Gesundheitssystem optimiert werden. Die gesamte Behandlungshistorie kann schrittweise dokumentiert werden und ist sichtbar für jeden behandelnden Arzt, sofern der Patient ihm den Zugriff erlaubt. Damit sind alle relevanten Daten zur Zeit und am Ort der Behandlung verfügbar.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des demographischen und epidemiologischen Wandels ein und begründet die Notwendigkeit einer digitalen Vernetzung im Gesundheitswesen durch die elektronische Patientenakte.
II. Hauptteil: Dieser Abschnitt beleuchtet den aktuellen Stand der Technik, vergleicht internationale Entwicklungen mit der deutschen Situation und analysiert tiefgreifend die datenschutzrechtlichen, verfassungsrechtlichen sowie haftungsrechtlichen Implikationen der ePA.
III. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die notwendige Abwägung zwischen Versorgungsfortschritt und Patientenschutz zusammen und gibt Empfehlungen für eine transparentere gesetzliche Ausgestaltung sowie eine europäische Harmonisierung.
Schlüsselwörter
Elektronische Patientenakte, ePA, Digitalisierung, Gesundheitswesen, Datenschutz, informationelles Selbstbestimmungsrecht, ärztliche Schweigepflicht, Arzthaftung, Telematikinfrastruktur, SGB V, Grundrechte, IT-Sicherheit, Interoperabilität, Patientenschutz, Medizinrecht
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Einführung der elektronischen Patientenakte (ePA) in Deutschland unter Berücksichtigung medizinrechtlicher, verfassungsrechtlicher und datenschutzrechtlicher Perspektiven.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Digitalisierung der medizinischen Versorgung, der Schutz sensibler Patientendaten, das Recht auf informationelle Selbstbestimmung sowie die haftungsrechtliche Verantwortung von Ärzten im Umgang mit digitalen Gesundheitsdaten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, ob die aktuelle Rechtsgrundlage § 291a SGB V einen hinreichenden Schutz gewährt und wie die Chancen der ePA mit den rechtlichen Anforderungen an Vertraulichkeit und Integrität in Einklang gebracht werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine juristische Studienarbeit, die primär auf einer Literaturanalyse, der Auslegung geltender Gesetzesnormen (SGB V, BGB, DS-GVO) sowie einem rechtsvergleichenden Blick auf internationale Modelle basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erörtert den Entwicklungsstand der ePA, den internationalen Vergleich mit Estland, die datenschutzrechtlichen Hürden, die ärztliche Schweigepflicht im digitalen Raum sowie haftungsrechtliche Fragen bei Behandlungsfehlern durch fehlerhafte Daten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie elektronische Patientenakte, Datenschutz, informationelles Selbstbestimmungsrecht, ärztliche Sorgfaltspflicht und Telematikinfrastruktur charakterisiert.
Wie unterscheidet sich die ePA von bisherigen Patientenakten?
Im Gegensatz zu einrichtungsbezogenen Akten in Papierform oder EDV, ermöglicht die ePA einen einrichtungs- und fallübergreifenden Zugriff auf Gesundheitsdaten über die gesamte Lebensdauer des Patienten hinweg.
Welche Rolle spielt das Selbstbestimmungsrecht des Patienten?
Das informationelle Selbstbestimmungsrecht steht im Mittelpunkt, da der Patient die Hoheit über seine Daten behalten soll und die Nutzung der ePA auf Freiwilligkeit sowie einer spezifischen Einwilligung basieren muss.
- Arbeit zitieren
- Basak Irem Isiklioglu (Autor:in), 2019, Die elektronische Patientenakte, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/593960