In den letzten Jahren hat die Fremdbetreuung von Kindern unter drei Jahren in Deutschland zugenommen. Ein wesentlicher Grund dafür liegt in der Berufstätigkeit beider Elternteile. Weitere Gründe sind die Überforderung der Eltern oder ihr Wunsch, ihr Kind mit anderen Kindern im gleichen Alter bekannt zu machen.
Diese Arbeit untersucht, unter Berücksichtigung gesetzlicher Vorgaben und wissenschaftlicher Studien, welche Qualitäten in einer Kitabetreuung beachtet werden müssen, damit das Kind keine negativen Entwicklungsfolgen erleidet.
Der erste Teil dieser Hausarbeit beschäftigt sich mit den Leistungen der Kita. Diese werden anhand von den gesetzlichen Vorgaben und Qualitätskriterien der Praxis näher beschrieben. Anschließend werden neben den Kita-Anforderungen an die Eltern, ebenso die Eltern-Anforderungen an die Kita untersucht.
Des Weiteren untersucht diese Arbeit die Bedürfnisse der Kinder unter drei Jahren. Anschließend werden neben der Eltern-Kind und Fachkraft-Kind-Bindung auch die Eltern-Kita-Bindung erläutert. Diese drei Bindungen bilden den Bindungsdreiklang in der Kitaarbeit. Zum besseren Verständnis werden zuvor die theoretischen Bindungsgrundlagen nach Bowlby erläutert.
Die Bindungspyramide und das SAFE-Präventionsprogramm nach Birsch finden ebenfalls Beachtung.
Im letzten Teil werden als Bewertungsversuch einer frühen Fremdbetreuung die Ergebnisse der NICHD Study aus den USA herangezogen.
Im Fazit wird neben der Zusammenfassung der Arbeit, ein Ausblick der Kitabetreuung in Deutschland gegeben.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Leistungen einer Kindertageseinrichtung
2.1 Kita-Anforderungen an die Eltern und Eltern-Anforderungen an die Kita
2.2 Die Bedürfnisse der Kinder
3 Die Bindungstypen nach John Bowlby
4 Der Bindungsdreiklang in der Krippenarbeit
5 Die Bindungspyramide nach Brisch und das SAFE-Programm
6 NICHD Study of Early Child Care von 1991 bis 2006 als Bewertungsversuch einer frühkindlichen Fremdbetreuung
7 Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht unter Berücksichtigung gesetzlicher Vorgaben und entwicklungspsychologischer Studien, welche Qualitätskriterien bei der Fremdbetreuung von Kindern unter drei Jahren essenziell sind, um eine gesunde kindliche Entwicklung zu gewährleisten und negative Folgen zu vermeiden.
- Qualitätsdimensionen von Kindertageseinrichtungen (Struktur-, Orientierungs-, Prozess-, Ergebnis- und Servicequalität)
- Die elterliche Perspektive und Anforderungen im Transitionsprozess zum Kitabeginn
- Das Konzept des Bindungsdreiklangs und die theoretischen Grundlagen nach John Bowlby
- Präventionsmöglichkeiten durch das SAFE-Programm bei Bindungsunsicherheiten
- Evaluierung der Langzeitfolgen frühkindlicher Fremdbetreuung anhand der NICHD-Studie
Auszug aus dem Buch
Die Bindungstypen nach John Bowlby
Der Psychoanalytiker und Kinderpsychiater John Bowlby aus Großbritannien stellte mit Hilfe eines Strange-Situation-Tests vier verschiedene Bindungstypen auf. Für diesen Test analysierte er die Reaktionen eines Kindes zwischen zwölf und achtzehn Monaten während dem Abschied von der Mutter, der Abwesenheit der Mutter und während der Abholsituation (vgl. Kirschke & Hörmann 2014: S.7-8).
Der erste Bindungstyp wird als sicherer Bindungstyp bezeichnet. Voraussetzung für diesen Bindungstyp ist die Feinfühligkeit der Mutter und ihre sensible Bedürfnisbeantwortung. Eine entwicklungspsychologische Folge dieses Bindungstyps ist, dass das Kind soziale Kompetenzen im Alter besser und leichter erlernt (vgl. Kirschke & Hörmann 2014:S.9-10).
Bei einem unsicher-vermeidenden Bindungstyp lässt sich das Kind für Außenstehende sehr leicht von der Mutter trennen, wobei der Cortisol-Spiegel des Kindes sehr hoch ist. Wenn die Mutter den Raum, in dem sich das Kindes befindet, wieder betritt, wirkt das Kind sehr neutral. Der Cortisol-Spiegel sinkt nicht. Entwicklungspsychologisch wurde von Bowlby die These aufgestellt, dass bei einem solchen Bindungstyp die zukünftige Beziehungskompetenz des Kindes weniger ausgeprägt sein wird (vgl. Kirschke & Hörmann 2014: S.9).
Bei einer unsicher-ambivalenten Bindung herrscht mal große Zuverlässigkeit und mal Ablehnung zwischen Mutter und Kind. Eine Gefahr dieses Bindungstyps besteht darin, dass das Kind ein höheres Aggressionspotential in seinem weiteren Leben aufbaut (vgl. Kirschke & Hörmann 2014: S.10).
Der vierte Bindungstyp wird desorganisierter Bindungstyp genannt. Dieser Bindungstyp ist vor allem durch Genervtheit und Ignoranz der Mutter gegenüber dem Kind geprägt. Hier verhält sich das Kind neutral, zeigt also weder Freude, noch Traurigkeit. Bei einem solchen Bindungstyp steigt die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind in seinem späteren Leben psychisch erkranken wird (vgl. Kirschke und Hörmann 2014: S. 11).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung erläutert die zunehmende Relevanz der frühkindlichen Fremdbetreuung in Deutschland und stellt die Forschungsfrage nach den notwendigen Qualitätsmerkmalen zur Vermeidung negativer Entwicklungsfolgen.
2 Die Leistungen einer Kindertageseinrichtung: Dieses Kapitel definiert die gesetzlichen Grundlagen sowie verschiedene Bewertungsmaßstäbe wie Struktur-, Orientierungs- und Prozessqualität und beleuchtet das Spannungsfeld zwischen Elternerwartungen und Kita-Anforderungen.
2.1 Kita-Anforderungen an die Eltern und Eltern-Anforderungen an die Kita: Hier werden die Ansprüche an Eltern im Transitionsansatz nach Griebel und Niesel sowie die in empirischen Studien untersuchten Wünsche der Eltern an den Betreuungsstil dargestellt.
2.2 Die Bedürfnisse der Kinder: Dieser Abschnitt unterteilt die Bedürfnisse von Kleinkindern in Grund-, Alltags- und Entwicklungsbedürfnisse und setzt diese in den Kontext der psychologischen und physiologischen Anforderungen.
3 Die Bindungstypen nach John Bowlby: Es werden die theoretischen Grundlagen der Bindungsforschung, insbesondere der Strange-Situation-Test und die vier zentralen Bindungstypen, erläutert.
4 Der Bindungsdreiklang in der Krippenarbeit: Das Kapitel führt das Modell des Bindungsdreiecks ein, das die wechselseitigen Beziehungen zwischen Kind, Eltern und Fachkraft als Fundament der pädagogischen Arbeit betrachtet.
5 Die Bindungspyramide nach Brisch und das SAFE-Programm: Der Inhalt fokussiert sich auf die Hierarchie von Bindungspersonen nach Karl-Heinz Brisch und stellt das SAFE-Präventionsprogramm zur Förderung sicherer Bindungen vor.
6 NICHD Study of Early Child Care von 1991 bis 2006 als Bewertungsversuch einer frühkindlichen Fremdbetreuung: Diese Studie dient der empirischen Einordnung der Auswirkungen von Kitabetreuung und unterstreicht die Bedeutung der Qualität der Fremdbetreuung für die kindliche Entwicklung.
7 Fazit: Das Fazit fasst die Bedeutung sicherer Bindungen für das Kindeswohl zusammen und diskutiert aktuelle politische Ansätze wie das „Gute-Kita-Gesetz“ im Hinblick auf Qualitätsstandards.
Schlüsselwörter
Fremdbetreuung, Kita, Bindungstheorie, Bindungsdreiklang, Kindeswohl, frühkindliche Entwicklung, Qualitätsmanagement, SAFE-Programm, NICHD-Studie, Eltern-Kind-Beziehung, pädagogische Fachkraft, Transition, Bindungstypen, Erzieher-Kind-Schlüssel, Kleinkindpädagogik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Thematik der frühkindlichen Fremdbetreuung in Kindertageseinrichtungen unter besonderer Berücksichtigung entwicklungspsychologischer Aspekte und der Bindungssicherheit.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit deckt die rechtlichen Rahmenbedingungen der Kitabetreuung, Qualitätskriterien, das Konzept der Bindungsentwicklung nach Bowlby und Brisch sowie die empirische Bewertung von Fremdbetreuung ab.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Untersuchung der Qualitätsanforderungen in der Kitabetreuung, die erfüllt sein müssen, damit ein Kind während der Fremdbetreuung keine negativen Entwicklungsfolgen erleidet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse wissenschaftlicher Studien, psychologischer Theorien (insb. Bindungsforschung) sowie einer Auswertung von Gesetzesvorgaben und empirischen Untersuchungen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition von Qualitätsmerkmalen von Kitas, die Analyse von Eltern- und Kinderbedürfnissen, die theoretischen Bindungsgrundlagen und die Reflexion von Präventionsprogrammen sowie Langzeitstudien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Bindungssicherheit, Fremdbetreuung, Kita-Qualität, Entwicklungspsychologie und der Bindungsdreiklang.
Wie definiert das „Gute-Kita-Gesetz“ die Prioritäten für Kitas?
In der Arbeit wird diskutiert, dass eine optimale Verwendung von Bundesmitteln Schwerpunkte wie einen verbesserten Erzieher-Kind-Schlüssel von 3:1, kostenlose Betreuung und kontinuierliche Weiterbildung des Personals setzen sollte.
Warum ist der „Bindungsdreiklang“ für die Krippenarbeit so bedeutsam?
Der Bindungsdreiklang verdeutlicht, dass die Entwicklung des Kindes von einem stabilen Austausch zwischen Eltern und Krippe sowie einer sicheren Bindung zur pädagogischen Fachkraft abhängt, um Loyalitätskonflikte zu vermeiden.
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- Lea Hölkemann (Author), 2019, Fremdbetreuung in der Kita von Kindern unter drei Jahren, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/593737