Doch wie sieht diese Kooperation zwischen Rechtsextremen und Islamisten aus und auf welcher Basis beruht sie? Dieser Frage geht die vorliegende Arbeit nach. Grundthese dabei ist, das es vor allem der in beiden Lagern vorherrschende Antisemitismus ist, der eine Zusammenarbeit nahe legt und die Kooperation über sonstige Ideologiegrenzen hinweg möglich macht. Hier spielen vor allem der so genannte „Revisionismus“ eine Rolle, d.h. die Leugnung oder Verharmlosung des Holocaust. Rechtsradikale „Revisionisten“ sind die Hauptverfechter und Wegbereiter der Zusammenarbeit von rechtem und islamitischem Lager. Da es zu diesem Phänomen kaum klassische Literatur gibt, stammt der Hauptteil der verwendeten Quellen aus dem Internet. Hier verraten Links auf der einen wie auf der anderen Seite die gegenseitige Nähe.
Das zweite Kapitel beleuchtet im ersten Teil den rechtsradikalen „Revisionismus“ allgemein und stellt führende Vertreter dieser „Geschichtsauffassung“ vor. Im zweiten Teil wird näher auf Ahmed Rami und sein Publikationsorgan „Radio Islam“ eingegangen. Rami wird als eine der Schlüsselfiguren zwischen Rechtsradikalen und Islamisten angesehen, daher sollen er und sein „Radio Islam“ in dieser Arbeit stellvertretend und „beispielhaft“ für andere „Revisionisten“ und deren Internetauftritte vorgestellt werden. Der Antisemitismus auf islamischer Seite wird oft als relativ neues Phänomen beschrieben. Damit beschäftigt sich das dritte Kapitel. Hier wird gezeigt, dass dem nicht so ist, sondern dass der Antisemitismus schon im 19, Jahrhundert vor allem durch christliche Minderheiten im arabischen Raum verbreitet wurde und seit dem kontinuierlich gewachsen ist und instrumentalisiert wurde. Das vierte Kapitel beschäftigt sich dann mit den Möglichkeiten und Grenzen der Zusammenarbeit zwischen den beschriebenen Lagern und zeigt die schon bestehenden Kooperationen und Strukturen auf. Das fünfte Kapitel fasst die gewonnenen Erkenntnisse zusammen und beantwortet als Fazit die Eingangsfrage.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. „Revisionismus“ – Holocaustleugnung als „Wissenschaft“
2.1 Was ist „Revisionismus“?
2.2 Ahmed Rami und „Radio Islam“ – Brücke zwischen West und Ost
3. „Neuer“ Islamischer Antisemitismus?
4. Zusammenarbeit zwischen rechten und islamistischen Extremisten?
4.1 Kooperation trotz Ablehnung?
4.2 Zusammenarbeit auf „intellektueller“ Ebene
4.3 Holocaustleugnung im Nahen und Mittleren Osten und in arabischen Medien
5. Fazit
6. Literatur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die befürchtete Zusammenarbeit zwischen rechtsextremen Gruppierungen und islamistischen Terroristen. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert darauf, wie eine solche Kooperation beschaffen ist und auf welcher ideologischen Basis sie beruht, wobei die Arbeit die These vertritt, dass ein wechselseitig vorherrschender Antisemitismus als primäres Bindeglied fungiert.
- Rolle des sogenannten „Revisionismus“ als Brücke zwischen westlichen Rechtsextremisten und Islamisten
- Analyse des „neuen“ islamischen Antisemitismus und dessen historischer Entwicklung
- Untersuchung von Kooperationsstrukturen auf intellektueller Ebene
- Rolle der Holocaustleugnung bei der Delegitimierung Israels
- Bedeutung staatlicher Akteure (insbesondere des Irans) bei der internationalen Vernetzung
Auszug aus dem Buch
2.1 Was ist „Revisionismus“?
Der Begriff „Revisionismus“ bezeichnet in rechtsextremistischen Kreisen eine politisch motivierte Umdeutung des Nationalsozialismus, welche die Verharmlosung und Verleugnung der Verbrechen, die unter nationalsozialistischer Herrschaft begangen wurden, vor allem die Massenvernichtung von Millionen Juden in den Vernichtungslagern der Nazis. Diese Umdeutung der Geschichte geschieht in einem pseudowissenschaftlichen Kontext, um „revisionistische“ Autoren als ernsthafte Wissenschaftler präsentieren zu können, die lediglich eine abweichende Meinung vertreten. Dabei generieren sie sich auch noch gerne zusätzlich als Kämpfer für die Meinungsfreiheit und gegen jegliche Art der Zensur. Der tiefere Sinn des „revisionistischen“ Schaffens liegt aber in der langfristigen Rehabilitierung nationalsozialistischen Gedankenguts. Neben der Leugnung des Holocaust ist die Leugnung der Kriegsschuldfrage weiterer Hauptbestandteil des „Revisionismus“.
Geschichtsrevision an sich ist aber ein ehrbarer und absolut notwendiger Teil der etablierten Geschichtswissenschaft. Dies bedeutet nämlich nichts anderes, als dass bisherige Erkenntnisse immer wieder neu geprüft und im Fall neuer Informationen gegebenenfalls verworfen, bestätigt oder abgeändert werden. Dieser Prozess ist eine notwendige Voraussetzung, ohne die keine Wissenschaft bestehen könnte. Der äußeren Form nachgeben sich die rechtsextremen „revisionistischen“ Autoren ebenfalls gerne wissenschaftlich und seriös. Unterzieht man deren „revisionistische Studien“ aber einer genaueren Prüfung muss man feststellen, dass hier keinesfalls mit wissenschaftlich sauberen, nachvollziehbaren Methoden und Argumenten gearbeitet wird. Die „Revisionisten“ sind nicht bereit, ergebnisoffen zu forschen und ihre Standpunkte dem anzupassen, was in einem bestimmten Augenblick als Stand des Wissens etabliert ist. Sie arbeiten mit Tricks und Halbwahrheiten, manchmal auch mit dreisten Lügen und der Verleugnung von anerkannten Fakten und Zeugen. Aus diesem Grund sollte man die hier angesprochenen „Revisionisten“ auch in Anführungszeichen schreiben, um sie vom ehrbaren und notwendigen Geschichtsrevisionismus zu unterscheiden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik einer befürchteten Kooperation zwischen Rechtsextremen und Islamisten ein und stellt die Grundthese auf, dass ein gemeinsamer Antisemitismus als entscheidendes Bindeglied dient.
2. „Revisionismus“ – Holocaustleugnung als „Wissenschaft“: Dieses Kapitel erläutert den Begriff des rechtsextremen „Revisionismus“ als pseudowissenschaftliche Strategie und stellt Ahmed Rami als zentrale Figur der Vernetzung vor.
3. „Neuer“ Islamischer Antisemitismus?: Es wird aufgezeigt, dass der Antisemitismus im Islam keine ursprüngliche Gegebenheit ist, sondern durch den Import europäischer Stereotype und dessen Instrumentalisierung im 20. Jahrhundert gewachsen ist.
4. Zusammenarbeit zwischen rechten und islamistischen Extremisten?: Hier werden die Möglichkeiten, Grenzen und tatsächlichen Anknüpfungspunkte einer Kooperation untersucht, wobei die „intellektuelle“ Ebene und die Verbreitung revisionistischer Narrative in Nahost-Medien hervorgehoben werden.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass eine breite organisatorische Kooperation unwahrscheinlich bleibt, während die ideologische und mediale Verbreitung antisemitischer Inhalte eine besorgniserregende, langfristige Gefahr darstellt.
6. Literatur: Verzeichnis der verwendeten Quellen und Literatur.
Schlüsselwörter
Antisemitismus, Holocaustleugnung, Revisionismus, Islamismus, Rechtsextremismus, Kooperation, Nahostkonflikt, Radio Islam, Ahmed Rami, Verschwörungstheorien, Antizionismus, Nationalsozialismus, Iran, Medien, Vernetzung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die ideologischen und praktischen Berührungspunkte zwischen rechtsextremen Akteuren und islamistischen Gruppierungen, wobei ein gemeinsamer Antisemitismus als Kern des Zusammenwirkens identifiziert wird.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der sogenannte rechtsextreme „Revisionismus“, die Leugnung des Holocaust als politisches Instrument, die Verbreitung antisemitischer Narrative in der islamischen Welt und die Vernetzung beider Lager.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit untersucht, wie eine Zusammenarbeit zwischen Rechtsextremen und Islamisten beschaffen ist und auf welcher gemeinsamen Basis sie ruht, wobei die Frage nach der Rolle des Antisemitismus im Zentrum steht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Untersuchung basiert auf einer politikwissenschaftlichen Analyse, die insbesondere Internetquellen, Publikationsorgane der genannten Gruppierungen und medienwissenschaftliche Aspekte (wie den Transfer von Inhalten nach Nahost) auswertet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse des „Revisionismus“, den historischen und aktuellen islamischen Antisemitismus sowie die konkreten Versuche und Grenzen der Zusammenarbeit zwischen den beiden extremistischen Lagern.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Antisemitismus, Holocaustleugnung, Revisionismus, Rechtsextremismus, Islamismus, Antizionismus und internationale Vernetzung charakterisieren.
Welche Rolle spielt Ahmed Rami im Kontext der Arbeit?
Ahmed Rami wird als eine der Schlüsselfiguren und als Bindeglied zwischen westlichen Rechtsextremisten und islamistischen Kreisen identifiziert, insbesondere durch sein Publikationsorgan „Radio Islam“.
Welche Bedeutung hat der Iran für die in der Arbeit beschriebenen Strukturen?
Der Iran dient als strategischer Unterstützer und Sprachrohr für internationale „Revisionisten“, indem er ihnen Zuflucht gewährt und ihre Schriften in staatlichen Medien verbreitet.
Warum wird zwischen dem ehrbaren Geschichtsrevisionismus und dem rechtsextremen „Revisionismus“ unterschieden?
Die Arbeit betont, dass der rechtsextreme „Revisionismus“ kein ergebnisoffener wissenschaftlicher Diskurs ist, sondern eine politisch motivierte, pseudowissenschaftliche Umdeutung zur Rehabilitierung nationalsozialistischen Gedankenguts.
- Arbeit zitieren
- Paul Eschenhagen (Autor:in), 2004, Antisemitismus als verbindendes Element zwischen Rechtsextremisten und radikalen Islamisten, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/59211