„Kassandra“ als Lektüre in einem Deutsch-Leistungskurs
Als ich mich für das Hausarbeitsthema „Kassandra. Erzählung“ von Christa Wolf eingetragen habe, dachte ich, dass mich bestimmt eine nette, interessante Geschichte aus der griechischen Mythologie erwartet, leichte Kost, die mit Spannung gelesen werden kann. Doch als ich mit den ersten Zeilen begonnen hatte, war sofort klar, dass ich keinen oberflächlichen Abenteuerroman vor mir hatte, den man einfach mal so nebenbei überfliegt. Vor allem mit den ersten Seiten hatte ich schwer zu kämpfen, so viele relativ ähnlich klingende Namen, wie zum Beispiel Priamos und Panthoos oder Penthesilea und Polyxena werden genannt und ich hatte Schwierigkeiten, diesen Massen an Personen die richtigen Beziehungen zuzuordnen.
Je näher ich dem Ende des Buchs kam, desto einfacher und interessanter wurde das Lesen für mich. Inzwischen hatte ich mir ein Bild von Kassandra und von ihren Kontaktpersonen machen können, das bei der weiteren Lektüre entweder bekräftigt oder verändert oder erweitert wurde. Ich hatte die vielseitigen Eigenschaften und die Sichtweise der Kassandra kennen und mögen gelernt. Nachdem dieser Punkt erreicht war, habe ich das Buch mit großem Interesse weiter gelesen, ich wollte wissen, was noch in Kassandras Leben passiert war und was sich in Kassandras letzten Stunden vor ihrem Tod abspielt.
Mein entwickeltes Unterrichtsmodell gliedert sich in zwei Teile: Zuerst mache ich verschiedene Vorschläge zu Unterrichtseinheiten, in denen man das Buch „Kassandra“ behandeln könnte. Dazu habe ich die Buchbesprechung in verschiedene Phasen eingeteilt, in eine Vorbereitungsphase, die Lektürephase, eine Einführungsphase, die verschiedenen Phasen der Besprechung und eine Projektphase. Jede der Phasen enthält eine oder mehrere vorbereitete Unterrichtseinheiten mit Hausaufgabenvorschlägen. Je nachdem wie viel Zeit der Lehrer für die Lektürebesprechung eingeplant hatte, kann er aus diesen Vorschlägen mehr oder weniger Teilgebiete auswählen und diese zusammenfügen. Manche Unterrichtseinheiten überschneiden sich oder behandeln ein relativ ähnliches Thema, deshalb sollte der Lehrer gut aussuchen, welche Einheiten er miteinander verbindet. Oftmals ist es auch ratsam, nicht die ganze Unterrichtseinheit, sondern nur einzelne gekürzte Teile zu verwenden.
Im zweiten Teil habe ich selbst einige Teilgebiete ausgesucht und eine Reihenfolge für einen Unterrichtszeitraum von vier Wochen ausgearbeitet.
Inhaltsverzeichnis
1. „Kassandra“ als Lektüre in einem Deutsch-Leistungskurs
2. Unterrichtsvorschläge für „Kassandra“ von Christa Wolf
2.1 Ideen für Unterrichtseinheiten
2.1.1 Vorbereitungsphase
2.1.1.1 Die Götter der griechischen Mythologie
2.1.1.2 Helden und andere bedeutende Figuren in der griechischen Mythologie
2.1.2 Lektürephase
2.1.3 Einführung
2.1.3.1 Quellen, Bilder und geographischer Hintergrund der Erzählung
2.1.3.2 Erzählperspektive, Erzählmonolog und zeitliche Ebene
2.1.4 Besprechung der Figur Kassandra
2.1.4.1 Biographie und Charakteristik der Kassandra
2.1.4.2 Kassandra als soziales Wesen
2.1.4.3 Kassandra, die Seherin
2.1.5 Besprechung des Themas Krieg
2.1.5.1 Die drei Schiffe
2.1.5.2 Der Trojanische Krieg um das Phantom Helena
2.1.5.3 Die Gegenwelt der Frauen am Skamander
2.1.6 Besprechung anderer wichtiger Figuren
2.1.6.1 Achill, das Vieh
2.1.6.2 Männer-/Frauenbild und andere wichtige Figuren in Kassandra“
2.1.7 Besprechung sonstiger inhaltlicher Themen des Buches
2.1.7.1 Die Bedeutung der Träume
2.1.7.2 Schillers „Kassandra“
2.1.7.3 „Kritische Anmerkungen und Aspekte zu Wolfs Erzählung“
2.1.7.4 Videovorführung
2.1.8 Projektphase
2.2 Konkrete Ausarbeitung eines Unterrichtskonzeptes über vier Wochen
3. Persönliche Meinung zu Christa Wolfs „Kassandra“
4. Quellen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, ein strukturiertes und praxisorientiertes Unterrichtsmodell für die Behandlung von Christa Wolfs Roman „Kassandra. Erzählung“ in der gymnasialen Oberstufe (Deutsch-Leistungskurs) zu entwickeln. Dabei steht die didaktische Aufbereitung des komplexen Stoffes im Vordergrund, um Schülern den Zugang zur griechischen Mythologie und den vielschichtigen Themen der Erzählung zu erleichtern.
- Didaktische Strukturierung der Lektürearbeit in Phasen (Vorbereitung, Lektüre, Einführung, Besprechung, Projekt).
- Vermittlung von Hintergrundwissen zu den griechischen Mythen und den Quellen der Erzählung.
- Analyse der zentralen Motive und Figuren wie Kassandras Sehergabe, Krieg und das Frauenbild.
- Integration von kreativen und handlungsorientierten Methoden wie Projektarbeit und Filmanalyse.
- Entwurf eines konkreten 4-Wochen-Unterrichtsplans für die Schulpraxis.
Auszug aus dem Buch
Unterrichtseinheit 2 (drei Schulstunden): Helden und andere bedeutende Figuren in der griechischen Mythologie
Insgesamt acht Schüler sollen je ein kurzes Referat (fünf bis fünfzehn Minuten) über Helden und andere bedeutende Gestalten der griechischen Mythologie halten, die in „Kassandra“ eine große Rolle spielen. Die Geschichte über Aineias sollte von seiner Flucht aus dem brennenden Troja handeln und von seinem beschwerlichen Weg bis zur Gründung der Stadt Lavinium. Bei Paris sollte beispielsweise auf den Traum der Hekabe vor seiner Geburt eingegangen werden, auf seine Rückkehr zu den Troern als wieder gefundener Königssohn oder auf den Raub der schönen Helena. Ein anderer Referent sollte vom griechischen Krieghelden Achill berichten, vom Ausdruck der Achillesferse und anderem. Auf diese Weise sollen die acht Schüler die Figuren Aineias, Achill, Agamemnon, Hektor, Helena, Kassandra, Odysseus (nur kurze Schilderung aus dem riesigen Stoff) und Paris vorstellen. Um noch genügend Zeit für Fragen und Überlegungen zu haben, würde ich für diese Kurzreferate drei Schulstunden ansetzen, sonst entsteht leicht Zeitdruck und der Stoff kann nicht vertieft werden. Wenn man nur sechs oder weniger Figuren herauspickt, könnte man diese Unterrichtseinheit natürlich auf zwei Schulstunden verkürzen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. „Kassandra“ als Lektüre in einem Deutsch-Leistungskurs: Die Autorin reflektiert ihre persönliche erste Begegnung mit dem Werk, beschreibt die anfängliche Komplexität der Lektüre und leitet zur Notwendigkeit einer strukturierten didaktischen Begleitung über.
2. Unterrichtsvorschläge für „Kassandra“ von Christa Wolf: Dieses Kapitel liefert eine detaillierte Aufgliederung in verschiedene Unterrichtsphasen wie Vorbereitung, Lektüre, Einführung und thematische Vertiefung sowie ein kreatives Projekt.
2.1 Ideen für Unterrichtseinheiten: Hier werden spezifische Unterrichtsstunden zu Mythen, Figurenkonstellationen, Motiven wie Krieg und Geschlechterrollen sowie der Arbeit mit Adaptionen (Schiller, Film) vorgestellt.
2.2 Konkrete Ausarbeitung eines Unterrichtskonzeptes über vier Wochen: Die Autorin präsentiert einen zeitlich strukturierten Plan, der die zuvor entwickelten Unterrichtsideen in eine kohärente Abfolge für den Schulalltag übersetzt.
3. Persönliche Meinung zu Christa Wolfs „Kassandra“: Ein abschließendes Resümee, das den Wert des Werkes für den Unterricht trotz anfänglicher Lesehürden unterstreicht.
4. Quellen: Ein Verzeichnis der verwendeten Sekundärliteratur, Hörbücher und Online-Ressourcen.
Schlüsselwörter
Christa Wolf, Kassandra, Griechische Mythologie, Deutschunterricht, Unterrichtsmodell, Troja, Frauenbild, Krieg, Sehergabe, Literaturdidaktik, Kollegstufe, Projektarbeit, Helden, Erzählperspektive, Schullektüre.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der didaktischen Aufbereitung von Christa Wolfs Roman „Kassandra. Erzählung“ für den Deutschunterricht in der gymnasialen Oberstufe.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die griechische Mythologie, die Figurenkonstellation des Romans, die Thematisierung von Krieg und Gewalt sowie das Frauenbild in antiken und modernen Texten.
Was ist das primäre Ziel der Unterrichtsvorschläge?
Ziel ist es, den Schülern durch systematisches Vorwissen und abwechslungsreiche Arbeitsphasen einen tieferen Zugang zur komplexen Erzählstruktur und den philosophischen Fragen des Romans zu ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine didaktisch-methodische Ausarbeitung, die durch Literaturrecherche und die Strukturierung von Unterrichtseinheiten gestützt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Unterrichtseinheiten, die von der mythologischen Vorbereitung über die Lektürephase bis hin zur Analyse von Figuren, Träumen und kritischen Auseinandersetzungen reichen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit zeichnet sich durch Begriffe wie Literaturdidaktik, Christa Wolf, Mythos, Unterrichtsmodell und Werkstattarbeit aus.
Warum empfiehlt die Autorin, das Projekt „Kassandra“ früh vorzustellen?
Die Autorin rät dazu, die Projektarbeit zu Beginn der Lektüre zu erläutern, damit die Schüler ausreichend Zeit zur Gruppenbildung und Ideenentwicklung haben.
Welche Rolle spielt das Hörbuch von Corinna Harfouch im Unterrichtskonzept?
Das Hörbuch dient als methodisches Hilfsmittel, um den Schülern die Stimmungen und Emotionen der Protagonistin Kassandra durch eine lebendige Sprecherstimme näherzubringen.
Wie wird mit Schillers Gedicht „Kassandra“ umgegangen?
Schillers Gedicht wird als komplementäre Textgrundlage herangezogen, um durch den Vergleich von Schillers Ballade mit Wolfs Erzählung unterschiedliche Sichtweisen auf die Seherin analytisch herauszuarbeiten.
Welcher Stellenwert kommt der Videovorführung zu?
Videos und Filme fungieren als motivierender Einstieg oder Vertiefung, um die trojanische Sage visuell greifbar zu machen und kritisch zu hinterfragen, wie die Kassandra-Figur in verschiedenen Medien dargestellt wird.
- Arbeit zitieren
- Anja Gutmair (Autor:in), 2006, Entwicklung eines Unterrichtsvorschlags zu Christa Wolfs Roman 'Kassandra. Erzählung', München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/59189